[Fest des Erwachens] Die Blauregen-Lauben

  • Abseits des hellen Lichterglanzes, dort, wo das Philosophenviertel in die wilderen Gärten überging, lagen einige mit Blauregen bewachsenen Steinlauben.

    Der schwere Duft der violetten Blüten hing dicht in der Luft und dämpfte den Klang der Musik bis auf ein fernes, gleichmäßiges Echo. Der Ort bot Ruhe für jene, die dem Trubel für einen Moment entkommen wollten – oder für jene, die Gespräche lieber abseits neugieriger Blicke führten.

    Die schmalen Wege zwischen den Blauregen-Lauben ließen gerade genug Raum für zufällige oder weniger zufällige Begegnungen,

    Ein Bereich des Festes, in dem Worte leiser wurden – und Bedeutung oft zwischen den Zeilen lagen..

  • Brennan atmete tief ein. Der Blauregen stand in voller Blüte und versprühte einen intensiven Geruch.

    Aus einer Laube hörte man ein leises Kichern, in einer anderen verschwand der alte, schmierige Kerl, der vor einiger Zeit noch Lelia belästigt hatte. Ob er doch noch ein Liebchen gefunden hatte? Oder ob es heimliche Geschäfte waren, die ihn hierherzogen?

    Der Händler beschloss, nicht weiter darüber nachzudenken. Er war nicht hier, um Gerüchte aufzuschnappen oder einem Stelldichein entgegenzusehen. Er war hier, um seiner Allergie zu entfliehen. Und zu einem Teil wohl auch seiner Vergangenheit.

    Doch zunächst musste er wieder zu Luft kommen. Hastig entfernte er sein Jabot und weitete seinen Kragen. Dann nahm er das kleine Shirashai-Amulett von seinem Hals und befestigte es an einem Zweig des Blauregens, bevor er in der Laube verschwand.

    Das Amulett würde Amelie den Weg weisen. Wenn sie denn kam. Und wenn nicht... dann würde er die Zeit zum Durchatmen nutzen.

  • Den RE: [Fest des Erwachens] Der Silberquell-Pavillon hinter sich lassend näherte sich Amelie langsamen Schrittes den Blauregenlauben. Es war offensichtlich, dass sie es nicht sehr eilig hatte. Würde Brennansie erwarten, war er hoffentlich geduldig.

    Hier ein Kichern, dort ein Flüstern.

    Während sie ihre dunklen Augen verdrehte, schritt Amelie weiter. Sie ging nicht davon aus, dass sie dem Kichern und Flüstern folgen sollte denn offensichtlich wollte er sie alleine sprechen.

    Vor einer der Lauben blieb sie stehen und betrachtete das, was an einem der Zweige hing. Ihre Finger griffen danach und nahmen es entgegen, bevor Amelie in die Laube trat. Dort stand Brennan. Mit geweitetem Kragen. "Du siehst nicht gut aus", lautete ihre Begrüßung, während sie ihm das Amulett reichte.

  • Brennan blickte auf, als er das Rascheln der Zweige hörte. Amelie war gekommen. Nickend nahm er ihr das Amulett wieder ab, legte es sich mit einer geübten Bewegung wieder um und versuchte dem Kragen einen halbwegs passablen Sitz zu geben.

    Mit müdem Blick sah er sie an und ein resigniertes Lächeln stahl sich auf seine Lippen.

    "Ich wünschte, das läge nur am Wein.." seufzte er und schüttelte leicht den Kopf.

    "Ich.. ich danke dir, dass du gekommen bist." Sprach er weiter und senkte leicht den Kopf. "Ich wollte deinen Abend nicht stören, aber ich fürchte.. ich brauche den Rat einer Priesterin." Der Händler hob den Blick wieder und sah Amelie fest an. Er musste sich räuspern, damit seine nächsten Worte nicht mitten im Satz brachen.

    "Amelie... ich.. ich zweifel.."

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