Posts by Daerid Canvele

    Daerids Blick folgte dem Finger, der auf die Karten tippte. Auf das mittlere Kartenpaar. Das mittlere. Nach seinem Verständnis wäre die erste Frage an ihn gegangen.

    Der Valisar zog eine Braue empor. "Ich glaube nicht." Was so wahr wie undurchsichtig war und Daerid entschloss sich, Tara etwas entgegen zu kommen. "Glücksspiel lockt mich nicht. Aber falls Ihr erst seit kurzem wieder in der Stadt seid, habt Ihr auf Eurer Route vielleicht interessante Informationen erhalten."

    Am Eingang gab es ein wenig Tumult, da jemand herein drängelte, der sogar angesichts des aktuellen Klientels abgewetzt aussah. Etwas zu lang starrt er zu Eurem Tisch, verdrückt sich dann aber rasch in die hinteren Räumlichkeiten.

    Daerid blickte auf und sein Blick saugte sich in Taras Gesicht fest. "Seit wann seid Ihr in der Stadt?"

    Daerid saß vollkommen regungslos. Nur seine Augen verfolgten Taras Bewegungen. Erst als eine Bedienung neben dem Tisch auftauchte, warf er auch dieser eine schimmernde Münze aufs Tablett und hob in unmissverständlicher Ablehnung die Hand, ohne das bedienende Geschöpf eines Blickes zu würdigen, welches auch unmittelbar wieder verschwand.

    "Es geht also um das Recht zur Frage." stellte Daerid rückversichernd fest. Die Rothaarige war an Geld interessiert. Noch mehr allerdings schien sie am Spiel interessiert zu sein. Der Valisar richtete sich auf, stütze die Ellbogen auf den Tisch und musterte die drei Karten vor ihm.

    Schließlich langte er zum Kartenstapel, zog nach einander drei Karten und legte sie jeweils den Karten der rothaarigen Tara gegenüber.

    Pik 6 - Karo 8 - Karo Bube.

    Daerid hob den Blick und sah sein Gegenüber an, was sie dazu sagte. Das war ihr Spiel.


    die verdeckte Karte ist Pik As *umfall* - der Generator is unheimlich


    "Ihr seid keine Dirne." wiederholte Daerid die Worte der Rothaarigen zustimmend und räumte das Thema ab. "Und ich nicht an Dirnenleistung interessiert."

    Noch weniger war Daerid am Glücksspiel interessiert, aber die Frau hatte so rasch die Karten durchgemischt und ausgeteilt, dass er gar nicht dazu kam, auch dieses Thema abzuräumen. Zumindest aber war sie an Geld interessiert, denn sie zog die Münzen näher zu sich. Reglos saß er da, nur seine Augen verfolgten ihre fließenden Bewegungen und saugten sich für einen kurzen Moment an der roten Zwei fest, die auf seiner noch verdeckten Karte gelandet war.

    "Tara." wiederholte er auch den Namen und deutete den Hauch einer Verneigung an. Er machte keinerlei Anstalten, unter seine eigene Karte zu schauen, stattdessen suchte er wieder den Blick der Rothaarigen. "Sagt mir, Tara, wie lange seid Ihr schon in Nir'alenar und wie seid Ihr gereist? Was gibt es Neues außerhalb dieser Stadt?"

    Daerids Augen hatten ihre Reise durch den Schankraum beendet. Kein Bote. Allerdings gab es, das wusste er, im hinteren Abschnitt der Schwarzen Katze noch weitere Räume für noch lichtscheueres Gesindel als hier vorn, wo zumindest ein paar Funzeln das Geschehen leidlich erhellten. Gerade hatte der Valisar sich entschlossen, dieser Möglichkeit nachzugehen als Worte an seine Ohren drangen, die wohl ihm galten, denn nun hatte die Rothaarige, die ihm zuvor aufgefallen war, ihrerseits den Blick auf ihn gerichtet.

    Kurz wog der Valisar innerlich ab, ob er weiter seine Sache verfolgen würde oder ob die rothaarige Frau einen Mehrwert bot. Wenn sie gerade erst aus einem anderen Teil Beleriars in Nir'alenar angekommen war, dann ja. Neuigkeiten waren ihre Zeit immer wert.

    "Wohl gesprochen!" Daerid trat näher an den Tisch der Rothaarigen heran. Ein leicht süffisantes, vor dem Spiegel schon unzählige Male eingeübtes Lächeln erschien auf seinen blassen Lippen. "Zuschauen kann so ungeheuer reizvoll sein....." entgegnete er mit einem sehr bewusst gesetzten, ironischen Hauch von Unterton, zog sich einen der Stühle heran und ließ sich darauf nieder, ohne die Frau aus den Augen zu lassen.

    Wie beiläufig liess der Valisar nach einem Moment der gegenseitigen Blicke zwei Goldmünzen aus seiner behandschuhten Hand auf den Tisch rollen. "Gestattet Ihr mir, das Getränk zu übernehmen?" wartete er nun seinerseits mit einer Frage auf. "Ihr habt das Vergnügen mit Daerid Canevele." Ein kurzes Nicken begleitete seine Vorstellung.

    Nur wenige Orte waren in Daerids Sicht unerträglicher als Spelunken wie die "Schwarze Katze". Er hätte nicht einmal sagen können, was das Übelste war - die Betrunkenen, der klebrige Schmierfilm auf allem, was man anfassen konnte, der beißende Gestank. Er entschied sich für den Gestank. Eine unerträgliche Belästigung. Und Belästigungen waren so..... überflüssig.

    Dennoch fand sein eng anliegendes Schuhwerk mit den lautlosen Sohlen unbeirrbar seinen Weg zum Eingang der Spelunke. Er hielt nichts davon, Arbeit unnötig liegen zu lassen. Was vollbracht werden konnte, konnte abgehakt werden. Wehe, wenn dieser Bote nicht dort sein würde wie abgesprochen. Es gab wahrlich lukrativere Beschäftigungen.

    Gewohnheitsmäßig überprüfte Daerid seine Gerätschaften auf Unsichtbarkeit bevor er die Kapuze seiner locker fallenden Tunika soweit zurück strich, dass seine Züge nicht mehr verdeckt waren. Leicht bücken musste der Hüne sich, um durch die niedrige Tür in den Schankraum zu gelangen. Mit etwas Abstand zum Einlass, um niemandem den Weg zu versperren, verharrte er dort kurz.

    Daerids leidenschaftslose Augen streiften auf der Suche nach dem kleinen Lump durch den Raum und blieben an einer rothaarigen Frau kennen, die breitbeinig vor einem Humpen und einen Kartenspiel saß. Die Art, wie sie dort saß, hätte den Valisar wetten lassen, dass sich kein edles Tröpfchen Wein in ihrem Humpen befand. Wenn er denn wetten würde. Er erinnerte nicht, sie schon einmal gesehen zu haben.

    Eine fast kaum wahrnehmbare Verbeugung. Lombards Lächeln spielte sowohl die freundliche Anerkennung für die liebreizende Fremdee wieder wie auch seine stillen Bedenken. "Bleibt sitzen, Mylady!"" mahnte der alte Diener freundlich. "Das ist nur das verbrauchte Geschirr." Etwas nachdrücklicher fragte er dann erneut: "Wie wünschen Myladey Ihr Tost und Ihre Eier?"

    Lombards buschige Augen zwinkerten. "So wird es heute für alle serviert."

    "Eher unter Freunden, Mylady?" fragte der alte weißhaarige Diener und nun waren seine amüsiert empor gezogenen buschigen Augenbrauen unverkennbar. Er verbeugte sich ehrerbietig. "Euer Wunsch ist uns Befehl." wiederholte er, was schon die kleine Maeve geäußert hatte. Die klugen alten Augen musterten die ungewöhnlich schöne und ungezwungene junge Frau einen Augenblick länger als es für einen alten Haushofmeister schicklich gewesen wäre. Es hatte allerdings keinerlei abfällige Komponente, viel mehr war es eine Rückversicherung über einen vorherigen Eindruck. Der alte Diener hob lächelnd einen Finger. "Nur für eine Mahlzeit, Mylady. Zwei junge Diener haben noch viel zu lernen." ließ er Atashkada wissen und bezeugte der jungen Frau damit ein fast außergewöhnliches Vertrauen. Fast augenblicklich danach versank Lombard wieder in die Rolle des perfekten Dieners. "Wie wünschen Mylady Ihr geröstetes Brot und Ihre Eier?"

    Die Worte waren kaum verhallt, da bimmelte bereits wieder das Glöckchen des Aufzugs hell und aufgeregt.

    "Mylady beliebt zu scherzen." antwortete Lombard mit untadeliger Höflichkeit, obgleich er die attraktive junge Dame, die dem Küchenaufzug entstiegen war, so formvollendet zum Kopf des gedeckten Tisches leitete, als sei es die gedeckte Tafel eines Thronsaals und er selbst der Gastgeber. "Die Ehre ist ganz auf unserer Seite!" beschied er, als er die schlanke Hand der Dame los ließ, um ihr höflich den Stuhl am Kopf der Tisches zurecht zu rücken. Erst als Atashkada Platz genommen hatte, musterte der alte Mann sie. Die buschigen Augenbrauen zuckten und ein guter Beobachter hatte vielleicht bemerkt, dass seine Mundwinkel ein Schmunzeln andeuteten. Der alte Mann verneigte sich ehrerbietig. "Selbstredend nehmen wir das Mahl streng nach Etikette ein. Es sei denn, Mylady hat anderslautende Anweisungen für uns."

    "Dann stammt Ihr aus Ni'farea?", fragte Daerid interessiert und nickte, wobei er sich um eine Art nachdenkliches Verständnis bemühte, als die junge Frau von innerer Unruhe sprach, denn eigentlich konnte der Valizar weder damit noch mit einer Art zielloser Reiselust etwas anfangen. "Es ist mir eine Ehre, Euch kennen zu lernen, Nòruìlìn." Gute Manieren waren ein Teil seines täglichen Geschäfts. "Von welchem Erbe sprecht Ihr da? falls euch diese Frage nicht zu persönlich ist, Verehrteste." Er nahm an, dass sie ihn darauf schon hinweisen würde, so mutig wie sie zuvor das Pferd aufgehalten hatte. "Interessiert Ihr Euch für hochwertige Waren aus den verschiedenen Regionen Belerias?"

    "Sehr gern!" Mit ausgesuchter Höflichkeit wies Daerid der jungen dunkelhäutigen Frau nun den Weg in die entgegengesetzte Richtung zum Hafen hinunter, weder zu distanziert noch aufdringlich, und lenkte seinerseits seine Schritte dorthin. Eine interessante Fremde, deren Namen er noch immer nicht erfahren hatte. Ob es einen Grund dafür gab? Das kleine Raubtier folgte ihnen, was der Valisar tolerierte. "Da Ihr offenbar fremd in der Stadt seid - erlaubt Ihr mir die Frage, woher Ihr kommt und welches Anliegen euch hierher gebracht hat?" versuchte er sich an einer Konversation.

    "Sehr wohl, Verehrteste!" Daerid nickte knapp. "Ich habe dort Geschäftliches zu erledigen, unter anderem sind Waren aus Seeheim, Caraska, Lhorean und Shay'Vinyar eingetroffen." Da die junge Frau keinerlei Anstalten machte, der Kutsche zu folgen, wartete Daerid ab, ob sich ihre Meinung hinsichtlich ihres Weges noch ändern würde.

    Die junge Frau zögerte und überlegte, wie Daerid zu erkennen glaubte. Das hätte er an ihrer Stelle zweifelsohne auch getan und so ließ er ihr die Zeit und beobachtete stattdessen mit ausdrucksloser Miene, wie sich das linkisch-schlaksige Gebilde, welches seinen Bediensteten darstellte, vom Kutschbock herabquälte, um mit tiefer Verbeugung vor seiner Gesprächspartnerin nach den Zügeln zu greifen. Der Junge war wohl zu dem Schluss gekommen, es sei sicher, die Kutsche zunächst einmal aus dem größten Gewusel des Marktes heraus zu führen. Nun, wenigstens war er nicht völlig verblödet, dachte Daerid für sich als die dunkelhäutige Frau wieder das Wort an ihn richtete. "Es ist mir ein Vergnügen, Mylady." Der Valisar verneigte sich knapp, trat leicht zur Seite aus dem Wendekreis der Kutsche heraus, und deutete dann von hinten auf ihren Baldachin, der sich langsam stadteinwärts entfernte. "Um zum Korallenriff zu gelangen, folgt Ihr der Marktstraße stadteinwärts in dieser Richtung, über die Brücke hinweg bis zu einer großen Kreuzung." beschrieb er knapp den Weg. "Ihr könntet auch meinem Burschen und der Kutsche folgen, sie haben denselben Weg." Der Blick des Valisar folgte eben jener kurz bevor er sich wieder zuvorkommend an seine Retterin wandte. "Eigentlich gebührte Euch der Platz IN der Kutsche. Nur scheint mir das gerade ein wenig gastfreundliches Angebot zu sein." gab er trocken zu.

    Mit der Peitsche? Daerid hob unübersehbar eine Augenbraue und blickte zu dem Jüngling auf dem Kutschbock empor, der unter seinem Blick zwar spürbar zusammen sank aber dennoch augenblicklich den Kopf schüttelte. "Ehrlich nicht, Herr! Nur zu viel.... Lärm?" stammelte er linkisch. Daerid ließ es dabei bewenden. Er glaubte auch eher daran, dass es dem Burschen mehr an Erfahrung im Umgang mit dem temperamentvollen Tier fehlte als an übermäßige Härte. Was zweifellos ärgerlich war, aber nicht zu ändern. Seine Anordnungen hatte der junge Bursche bereits erhalten und Daerid wand sich wieder freundlich der dunkelhäutigen jungen Dame zu. "Das ist ein sehr bescheidener Wunsch angesichts Eurer Verdienste." sagte er mit zuvorkommendem Lächeln. "Wenn Euer Hauptaugenmerk auf Sauberkeit liegt, dann muss ich Euch das "Korallenriff" empfehlen. Wenn es in erster Linie preisgünstig sein soll, schlage ich vor, dass Ihr mir die Ehre erweist, mich zum Hafen zu begleiten? Dort gibt es mehrere Etablissements, welche Euch vielleicht passend erscheinen könnten."

    Daerid neigte sacht den Kopf. "Hätte er das?" fragte er ungerührt zu der Behauptung der jungen Dame und verließ endgültig seine Kutsche. Mit den Fühlenden kannte er sich aus und seine Vermutung ging dahin, dass er weder das Pferd noch den Knaben bestrafen sollte. Hatte er auch nicht vor. Dennoch erweckte die Intention der jungen Dame das Interesse des Valisar. Sogar der imposante Rappe legte vertrauensvoll seine Nüstern in die Hand der fremden Dame. Diese wies auf einen Fuchs hinter ihr. Räudiges Geviech, aber ihm war klar, das entsprechende Äußerungen hier nicht angebracht sein würden. Daerid Canvele verneigte sich galant. "Daerid Canvele. Ich bin Kaufmann." Er musterte die junge Frau noch einmal zum Schein. "Ihr seid erzürnt, Teuerste. Kann ich etwas tun, um Euch zu besänftigen?"

    Erneut zog Daerid Canvele den Atem ein als die Kutsche bebte. Doch dann stand das Gefährt still. Zunächst tänzelt das nervöse Tier auf der Stelle, doch das hektische Ohrenspiel konzentrierte sich zunehmend auf eine weiche ruhige Stimme, deren Besitzerin in die Zügel gefasst hatte und das edle Tier beruhigte sich. Der linkische junge Kerl auf dem Kutschbock zerfloss förmlich unter dem strengen Blick der eisblauen Augen, die ihn mustern. "Mylady, ich...".... stammelt es vom Kutschbock herunter als auch schon die Tür des Gefährts zur Seite schlug und sich öffnete. Der Junge verstummte, offensichtlich ziemlich entsetzt. Daerid atmete erneut - die Kutsche stand still. Mit der ihm typischen Eleganz glitt er aus der Kutsche heraus und richtete sein Augenmerk zuallererst auf das Häufchen Elend auf dem Kutschbock. Wenn Lombard nicht wäre... "IHR... bringt die Kutsche zurück." ließ der Valisar eisig vernehmen. Er zeigte keinerlei Reaktion auf das unterwürfige Murmeln und Dienern des Jünglings auf dem Kutschbock, sondern musterte sogleich unverfroren die dunkelhäutige junge Frau, die wie selbstverständlich die Zügel des Rappen in den Händen hielt. Nach einigen schier endlosen Sekunden verneigte der Valisar sich leicht. "Mir scheint, ich bin Euch zu Dank verpflichtet, Mylady!"

    Die beschlagenen Hufe klapperten hektisch, laut und unüberhörbar auf dem Pflaster der Straße in Richtung Hafenviertel. 'Zu spät.' dachte Daerid nüchtern. Nicht, dass er es bereuen würde - diese Gefühl war ihm fremd. Er resümierte es als Tatsache, die ihm hinderlich war. Das Leben, der Markt und die Menschen in Nir'alenar waren längst erwacht und niemand konnte mehr ohne gewisse Unannehmlichkeiten mit der Kutsche den Marktplatz überqueren. Daerid ergriff den Stock mit dem versilberten Griff fester, erhob sich und klopfte an die Stelle des Baldachin, der dem Kutscher über ihm am nächsten war. Das Zeichen, die Kutsche anzuhalten. Wenn Lombard nicht so absolut unverzichtbar wäre.... Gellendes Wiehern war von dem nachtschwarzen Geschöpf vor der Kutsche zu hören, der Hufschlag wurde asymmetrisch, die Kutsche begann zu schwanken. Der Valisar presste sacht die Lippen aufeinander ob des durchgehendes Pferdes, setze sich kurz und atmete durch....