Beiträge von Minea Sionnach

    "Was?", fragte Minea erschrocken. Waren diese Fremden denn gefährlich? Sollten sie dann nicht besser einfach weiter fahren und das Weite suchen? Besorgt musterte sie Keonas verwandelte Gesichtszüge und suchte nach Anzeichen, wie groß die Gefahr sein mochte. "Keine Sorge, wenn wir mit denen fertig sind, trauen die sich nicht mehr in unsere Nähe!", krakehlte Chispa, der sein Bestes gab, sich aus Mineas Griff zu befreien und möglichst bedrohlich zu wirken. "Pscht!", war Mineas einziger Kommentar dazu. Sie hatten jetzt keine Zeit für solches Gehabe. Sie beeilte sich, Zorak zu informieren, während Keona weiter sprach. "Moment.. dein Onkel?" Das brachte sie ins Stocken. Sie selbst hatte nur ihre Mutter gekannt, bis ihr Vater sich gezeigt hatte. Und für lange Zeit war der Gedanke, dass ihr Vater irgendwo dort draußen war, das Einzige gewesen, was sie angetrieben hatte. Die Gewissheit, dass irgendwo dort draußen noch Familie war, auch wenn es ein Dämon war. Es waren die Menschen gewesen, die ihnen weh getan hatten. Kurz schüttelte sie den Kopf, um den Gedanken beiseite zu schieben. "So oder so, wir stehen hinter dir.", versicherte sie, in der Hoffnung, ihrer Freundin Mut zuzusprechen. Das hier war sicher keine einfache Situation für sie.

    Als die Tür mit einem Mal aufging - zumindest, soweit dies möglich war - sprang Minea auf und sah etwas erschrocken in das Gesicht der Verwandelten, die durch den schmalen Spalt blickte. "Ich.. ja natürlich! Moment.." Sie wandte sich an Zorak und bat ihn, ein Stück zu rutschen, sodass Keona sich durch die Tür zwängen konnte. "Was ist denn los? Alles in Ordnung?", fragte sie etwas nervös, als die Geflügelte im Zimmer stand. Chispa kam kurz darauf angeflattert, ließ sich auf Keonas Kopf plumpsen und schaute kopfüber zu ihr hinunter. "Dürfen wir jetzt endlich wieder raus?? Es ist wirklich öde hier drin! Und es ist unfair, dass wir als einzige hier unten bleiben müssen!" "Chis! lass sie doch mal zu Wort kommen!" Die Ki pflückte den Feuergeist von Keonas Kopf und hielt ihn vor ihrem Bauch fest, damit er nicht mehr derart durch die Gegend hampeln konnte. Er trug nicht gerade zur allgemeinen Beruhigung bei.

    Als sich die Tür öffnete und Boreas mit den Neuigkeiten herein kam, atmete Minea erleichtert auf, während sie für Zorak übersetzte. Sie hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet und war nun froh, zu erfahren, dass diese Männer scheinbar gar nicht gewusst hatten, welches Schiff sie vor sich hatten und somit auch niemanden gezielt suchten. Sie brauchten nur Hilfe und die wollte sie ihnen gewiss nicht verwehren.

    Chispa schürzte genervt die Lippen, doch sie wusste, dass er es im Grunde nicht so meinte. Statt sich also um den gerade eher miesepetrigen Feuergeist zu kümmern, wandte sie sich Zorak zu, der sich eben falls schlecht gelaunt vor der Tür platziert hatte. Keine Sorge, sie wollen sicher nichts durchsuchen, wir werden unsere Ruhe haben, da bin ich sicher. Sie setzte sich an seine Flanke gelehnt hin und kraulte beruhigend durch das dichte Bärenfell.

    Chispa unterdessen flatterte unruhig umher und wirbelte winzige Flämmchen mit dem Fuß in die Luft, die sofort wieder verpufften. "Toll, jetzt dürfen wir schon wieder nich raus. Können die sich nicht wen anderes zum Retten suchen?", schimpfte er vor sich hin, wurde jedoch weitestgehend ignoriert. Er wusste schließlich im Grunde selbst, dass es nichts nutzte, zu wüten und sie selbst hatten Hilfe ja auch mitunter nötig gehabt.

    Minea öffnete blinzelnd die Augen, als jemand an ihr vorbei ging. Im Halbdunkel der Mannschaftskabine sah sie die junge Priesterin gerade noch Richtung Treppe gehen und sah ihr, noch etwas schlaftrunken hinterher. Während sie wacher wurde, wurde sie sich auch der verschiedenen Geräusche von Deck bewusst. Schritte zunächst. Alle, oder zumindest die meisten anderen schienen bereits wach zu sein. Dann war da noch ein leiser, kontinuierlicher Pfeifton, der die Ki irritierte. Was war das? Hatte es irgendeine Bedeutung, der sich die anderen bewusst waren? Bestand irgendeine Form der Gefahr für sie alle? Unsicher stubste sie Zorak an, der noch schlief, und schaffte es auch, Chispa zu wecken, der es sich auf dessen Kopf gemütlich gemacht hatte. "Chis, kannst du mal nachsehen, was da oben los ist?", raunte sie, da sie sich so leise wie möglich verhalten wollte, für den Fall, dass sie sich versteckt halten mussten. Der Feuergeist sah sie aus schlaftrunkenen Augen an, und es dauerte einige Momente, bis er sich gefangen hatte, nickte und unter hastigem Flügelschlagen gen Deck davonstob.

    Kurz darauf hörte Minea bereits Schritte auf der Treppe. Jemand würde ihnen hoffentlich gleich sagen können, was genau hier vor sich ging.

    Asmira runzelte die Stirn, nachdem sie Kerio und Triv zugenickt hatte. "Du meinst, wegen dem Blut, eh?" Nachdenklich strich sie über die geschnitzte Rune vor sich. Natürlich sollte man sich immer einen Ausweg frei halten, gerade hier war es auch wichtig. "Ich denke, gerade für dich dürfte das kein Problem sein. Der einfachste Weg ist verbrennen." Dann lächelte sie den Magier verschmitzt an. "Aber am besten wäre es natürlich, sie gar nicht erst zu verlieren, eh?" Prüfend wanderte ihr Blick über die Gesichter von Rhynn und Karrun und auch der schwarze Greif schien ebenfalls nachsehen zu wollen, wie es den Reitern ging. Es schien sich bereits eine leichte Schwere auf ihre Lider gelegt zu haben, was die Heilerin beruhigte. Nötigerweise würden die beiden auch hier schlafen können. Nachdenklich schaute sie zurück zu dem Magier und Triv. Würden die beiden damit einverstanden sein, oder protestieren, wenn sie erkannten, was in dem Tee war? Wirkliche Sorgen machte sich die Runenmagiern jedoch nicht. Sie schämte sich nicht, für die ihren zu sorgen, auch wenn es diesen mal nicht passte. Und es konnte doch nicht angehen, dass diese beiden hier in einem solchen Zustand hier heraus wankten, ohne dass sie auch nur versucht hatte, ihnen zu helfen. Was wäre sie in dem Fall auch für eine Heilerin?


    Ihre Gedanken wanderten wieder zurück zu ihrer Tochter. Wie gerne hätte sie sie im Moment hier. Sie würde sicherlich auch gerne helfen, außerdem wäre sie allen ein gutes Beispiel dafür, dass es auch Hexen gab, die gutes bewirkten.

    Asmira schaute kritisch zwischen den beiden Greifenreitern hin und her. Wenn sie sie fragte, wusste sie schon, was dabei heraus kam. Zunächst bereitete sie daher den Grünen Tee für den Magier und seinen Geist vor und wartete darauf, dass das köchelnde Wasser die Essens der Kräuter aufnahm, als eine ruhige Stimme in ihrem Kopf erklang. Es war nicht Selphet.. Der Schwarze also? *Karrun sollte dringend schlafen. Kannst du da helfen?* Asmira sah überrascht aus dem Fenster. Sie hatte nicht mit einem Einwand aus dieser Richtung gerechnet, doch war sie recht dankbar darum, schließlich war davon auszugehen, dass diese Geschöpfe ihre zweibeinigen Partner recht gut einschätzen konnten. Sie nickte leicht und versuchte sich daran, auf dem gleichen Wege zu antworten, wie sie angesprochen worden war. *Einen Beruhigungstee, fast wie ein Schlafmittel.*, erklärte sie dem Greifen, der zustimmend den Kopf senkte. *So stark wie möglich, sonst bleibt er am Ende doch noch wach.* *Für Rhynn auch!*, meldete sich da Selphet zu Wort, der den Kopf aufgerichtet hatte und sie mit wachen Augen ansah. *Aber.. sie könnte es riechen..* Schmunzelnd griff Asmira in ihren Schrank. *Dafür habe ich genau das Richtige, keine Sorge.* Sie setzte zwei weitere Kannen Tee auf das Feuer. In der einen der stärkste Beruhigungstee, den sie zustande brachte. In der anderen eine ähnliche Mischung, allerdings fügte sie zwei weitere Kräuter hinzu, die lediglich auf den Geruch Auswirkung hatten. Das eine ähnelte sehr stark dem eines aufputschenden Krautes, das andere war in seinem Geruch so stark, dass es das meiste andere wohl übertünchte. Als alles fertig war, servierte sie ihren Gästen den jeweiligen Tee und schaute zu ihren beiden 'Patienten' hinunter. "Langsam trinken, eh? Ist heiß." So würden sie wenigstens noch ein paar Fragen stellen können, bevor sie einschliefen. Damit setzte sie sich mit einer Tasse Grüntee und sah geduldig in die Runde. "Der General also..?", fragte sie halb an Karrun und halb an Keiro gewandt. "Wenn es hilft, dass nicht noch mehr verletzt werden, habe ich unsere Rhynn hier in meinem Leben noch nicht gesehen. Doch ich glaube, es wird in diesem Fall genügen, die beiden Gegebenheiten nicht zusammen zu bringen, eh?", fasste sie mit einem unergründlichen Lächeln zusammen. "Verstehen sie mich nicht falsch, ich lüge nicht gerne, aber ich bin durchaus fähig, etwas für mich zu behalten, wenn es den meinen hilft. Außerdem.. will ich diese Hexe gestellt sehen! Besser früher als später, eh? Eine Abartigkeit, was sie mit ihrer Gabe anstellt! Ah!", kam der beinahe angewiederte Ausruf. "Ich kann helfen, morgen, wenn ihr noch eine Magierin brauchen könnt?" Ihr Blick wanderte wieder zu Kairon in seinen roten Magierroben. "Ich weiß, womit wir es zu tun haben, hab schon lange genug mit echten Hexen zu tun, eh?" Ihre Finger griffen wieder die Arbeit auf, die sie zuvor niedergelegt hatte und sie machte sich daran ein weiteres Amulett herzustellen.

    Asmira sah von ihrer Arbeit auf, als sich draußen eilig Schritte näherten und sich jemand an der Tür meldete. "Junge!", wies sie Trerazin, der gerade etwas unbeholfen vor ihr stand und überlegte, was er tun konnte, mit einem Kopfnicken an, zur Tür zu gehen. Die Stimme draußen gehörte seiner Schwester und Asmira hob den Kopf. "Eh! Steht da nicht so rum, kommt rein!", forderte sie in ihrer üblichen Lautstärke, während ihre Hände flink weiter die Gräser miteinander verflochten. Sie war gerade erst beim zweiten Amulett angekommen, wenn man mal von dem absah, das Rhynn bereits hatte. Was gab es wohl noch zu besprechen?
    Mit wachen Augen beobachtete sie die beiden Neuankömmlinge. Genau genommen waren es drei, wenn sie den Feuerelementar mit einbezog, der den Magier begleitete. "Gibt es noch Fragen, eh?", wollte die Dheoran grinsend wissen, ohne auch nur einen Moment die FInger ruhen zu lassen. Es gab genug zu tun. Sie musste schließlich einen Zeitplan einhalten! Ein rascher Blick zum Fenster verriet, dass Rhynns Greif diesmal nicht alleine war. Mit einem milden Lächeln neigte sie den Kopf in die Richtung der beiden Geschöpfe, bevor sie sich wieder ihrem Besuch zuwandte. "Wenn ihr jedes Mal ein paar Leute mehr mitbringt, können wir schon bald ein schönes Lagerfeuer-Fest veranstalten! Aber mein Wagen wird dann nicht mehr lange genügen, dann muss uns die Kuppel als Dach herhalten.", erklärte sie mit einem Funkeln in den Augen. Die Idee, nach dem erfolgreichen Aufspüren der Hexe, ein Fest zu veranstalten, gefiel ihr trotz des ironischen Tonfalls gar nicht schlecht. Was ging schließlich über einen ausgelassenen Tanz und einige gute Geschichten am Feuer?
    "Trerazin, die Schnur dort..", bat sie nicht unfreundlich aber zielgerichtet, bevor sie mit dem Kopf auf die drei Stühle wies. "Setzt euch, eh? Und ihr zwei solltet einen Tee trinken." Sie sah den Greifenreiter und Rhynn bestimmt an, die beide recht erschöpft wirkten. Sie musste doch irgendwo noch eine stärkende Mischung haben. Oder würden sie vielleicht besser etwas beruhigendes brauchen können..? Immerhin war es schon spät... "Bekommt ihr heute noch Ruhe, oder seid ihr unvernünftig genug, heute noch durchzumachen?" Sie band geschickt das Amulett fest und befestigte ein Lederband daran, um es dann zu dem anderen zu legen.
    Schwungvoll stand sie auf und kramte geschäftig in einem Schränkchen, um ihren Gästen einen Tee zu bereiten. "Ihr bekommt auch etwas, eh? Aber dürft es euch aussuchen.", erklärte sie in die Richtung des Magiers und seines Feuergeistes, während sie schon einmal drei Tassen und einen Fingerhut, der auch seinen Zweck erfüllte, auf den Tisch stellte.

    Überrascht wandte sich Asmira zu dem Greifen um, der sie angesprochen hatte. Also war doch mehr an den Geschichten über Greife, als sie vermutet hatte.. Zu einem passenderen Zeitpunkt würde sie vielleicht Rhynn bitten können, ihr mehr über diese Geschöpfe und die Zusammenarbeit mit ihnen erzählen können. Für den Moment neigte sie den Kopf und erwiederte: "Ich helfe gerne und Hoffnung sollte einem Jeden zustehen." Sobald beide fort waren, wandte sich die Magierin geschäftig um. Es stand ihr noch einiges an Arbeit bevor und sie hatte sich ein enges Zeitlimit gesetzt. Trödeln kam nicht mehr in Frage.

    "Ja Flimmern. Deine Energie.. viel zu unausgeglichen, eh?" Schmunzelnd beobachtete Asmira die für sie einseitige Kommunikation zwischen dem Greifen und Rhynn. Die Sprache der Tiere war eine der wenigen, die sie nicht einmal ansatzweise beherrschte und das bedauerte sie. Es war zum einen sicherlich eine nützliche Fähigkeit, zum anderen aber auch eine wunderbare Erfahrung mit Tieren und anderen Kreaturen kommunizieren zu können, wie sie sich hatte sagen lassen. Was für ein Glück die Jüngere doch hatte! Dann wandte sie sich wieder dem Gespräch zu. "Ein Geist, eh?", grübelte sie und ertappte sich dabei wie ihr Blick über ihre Bücher wanderte. Derartiges war noch nicht oft vorgekommen, soweit sie wusste. "Solange es sich so anfühlt, ist es in Ordnung, denke ich. Sollte sich das aber zu irgendeinem Zeitpunkt ändern.. ", dabei sah sie ihr Gegenüber wiederum fest und ernst an. "..komm zu mir. Wir finden schon einen Weg, eh?", das letzte sagte sie mit einem breiten Lächeln. Asmira erhob sich und nahm zufrieden den nun leeren Teller auf und ließ ihn klappernd in einen Waschzuber mit anderem Geschirr fallen.
    Die nächste Frage ließ sie abermals schmunzeln. "Ich mache kein Geheimnis aus meiner Person, eh? Ich habe mich, wie so viele Dheoran vor mir völlig dem Wort verschrieben. Ihm wohnt eine Kraft inne. Egal ob mit Magie erfüllt oder nicht. Doch in meinem Fall..", damit krempelte sie abermals einen Ärmel hoch und hielt Rhynn den Arm hin. "Ist auf jeden Fall Magie im Spiel, eh?" Lachfältchen versammelten sich um ihre Augen. "Die Runen sind meine Magie. Wenn deine Vorgesetzten das so dringend interessiert, sag es ihnen ruhig. ... Und jetzt.." Sie legte Rhynn freundschaftlich eine Hand auf die Schulter. " gib mir gut auf dich Acht, eh? Vergiss nicht, es hilft keinem deiner Kammeraden, wenn du zusammen brichst." Bevor ihr Gast ganz zur Tür heraus war und sie sich wieder ihrer Arbeit zuwandte, hielt sie sie noch ein letztes Mal zurück. "Solltet ihr Hilfe mit dieser.. Hexe brauchen.. andere als einen Suchzauber.. stehe ich nur zu gerne zur Verfügung.." Kalte Entschlossenheit sprach aus ihrem Blick. Wenn sie es irgendwie verhindern konnte, würde sie nicht zulassen, dass diese Person noch irgendjemandem schadete.

    Asmira wandte sich nach einigen Minuten zu Rhynn um und ließ sich wieder am Tisch nieder. Sie hatte vor einiger Zeit einmal begonnen ein solches Amulett herzustellen, um sich an verschiedenen Schutzzaubern zu versuchen. Sie befestigte das Holzplättchen, in das die Rune geschnitzt worden war und riss mit den Zähnen den Rest des Fadens ab. Aus den Falten ihres Rockes förderte sie ein kleines Messer, das sie der jungen Frau reichte. "Ein Tropfen Blut reicht. Drück deinen Finger mit dem Blut auf die Rune und sprich mir nach. ... Manaz" Sie beobachtete die Bewegungen der Katze genau und nickte dann zufrieden, als die Magie warm aufglomm. "Trage es immer bei dir. Am besten Um den Hals. Hier..", damit reichte sie Rhynn ein Lederband, mit dem sie das sternförmig zusammengebundene Amulett als Anhänger tragen konnte. "Die anderen werden etwas länger brauchen.. Sobald du was gegessen hast, kannst du gehen oder bleiben, das liegt bei dir. Allerdings wüsste ich schon gerne, wann du vorhast, mir zu sagen, was genau mit dir los ist. Du flimmerst regelrecht, weißt du das?" Ruhiger als gewöhnlich sah sie in die beinahe orangenen Augen. Sie wollte sie nicht drängen, es lag bei ihr, ob sie etwas sagen wollte oder nicht. Helfen konnte sie jedenfalls nur, wenn sie etwas sagte. "Du kriegst auch was anderes, wenn du das nicht magst, aber ohne gegessen zu haben, verschwindest du mir nicht. Es nützt weder dir, noch deinen Kammeraden da draußen, wenn du vor Erschöpfung und Hunger zusammen brinchst.", erklärte sie bestimmt, bevor sie sich an das nächste Amulett setzte.

    Asmira nickte auf Trerazins Frage "Du kannst mir noch etwas Ishtir-Wurzel besorgen, die ist mir scheinbar ausgegangen, eh?", erklärte sie, während sie in dem entsprechenden Fach vergeblich nach Resten des erdenden Gewächses tastete. In Gedanken war sie bereits dabei, die Herstellung der Amulette zu planen und die einzelnen Schritte nochmals durchzugehen. Bei etwas derartigem war Präzision gefragt. Der Schutz sollte schließlich nicht einfach zu bröckeln beginnen. "Zehn.. Zwanzig.. Ja, das ist kein Problem. Ich mache euch noch ein paar mehr, eh? Nur für den Fall.. Allerdings wird es wohl bis morgen Mittag dauern, bis ich fertig bin." Kurz verweilten die Augen der Dheoran auf dem blassen Gesicht der jungen Frau. Ihr gefiel ganz und gar nicht, wie erschöpft das Mädchen aussah. "Es schützt lediglich vor den Auswirkungen. Um den Zauber selbst zu zerschlagen, muss man den Verursacher stoppen. Bevor diese Hexe nicht gefunden ist, sollte keiner das Amulett wieder ablegen. Zu keinem Zeitpunkt, eh?"
    Kurz legte sie die Zutaten beiseite und griff in ein Schränkchen, wo sie frisches Brot und ein Gläschen mit duftendem Honig hervorkramte. Mit routinierten Bewegungen trennte sie ein großzügiges Stück von dem Brot ab, bestich es großzügig mit dem goldenen Gelee und stellte alles vor Rhynn. "Iss erst mal was, bevor du mir noch umkippst, Mädchen! Der hier ist gut, wird dich wieder stärken, eh?" Die Frage des Aufspürens ließ sie allerdings wieder grüblerisch werden. Es würde nicht einfach werden. Wenn ihre Tochter hier wäre, könnte sie vielleicht helfen. Hexen spürten einander. Doch sie selbst.. Gab es nicht vielleicht eine andere Möglichkeit? Ihr Finger wanderte über die Buchrücken in ihrem Regal, bis sie bei einem hängen blieb. Es wäre nicht sehr genau.. aber immerhin. Sie zog das Buch heraus und überflog nach kurzem blättern die betreffende Seite. "Hiermit könnte man Orte finden, an denen Magie gewirkt worden ist. Damit hätten wir zumindest schon einmal eine Spur, eh?" Ein schadenfrohes Grinsen machte sich auf Asmiras Gesicht breit. Diese Hexe würde sich nicht ewig vor ihr verstecken können. Sie machte sich daran, die Zutaten für das erste Amulett zusammen zu binden. Es galt schließlich, keine Zeit zu verlieren!

    Asmira sah zwischen den beiden Geschwistern hin und her, versuchte, schlau aus dem zu werden, was sie fragten. Worin genau bestand denn nun das Problem? "Banne und Flüche, eh? Ich könnte den ganzen Tag darüber reden, ohne dass etwas dabei wäre, das euch hilft.", erklärte sie auf die Frage Trerazins. Es gab viele verschiedene Möglichkeiten, etwas derartiges zu bewirken. Alleine schon ihr Volk war zu Flüchen in der Lage, doch sie hoffte, dass es sich hierbei nicht um den Fluch eines Dheoran handelte. Es würde sie schmerzen, wenn einer ihres Volkes diesen beiden Kindern derartigen Schaden zugefügt hätte. Rynns Frage nach Asmiras Verschwiegenheit ließ die Augen der Frau blitzen. "Hältst mich für ein Tratschweib, eh? Wenn man mir etwas im Vertrauen sagt, kann ich durchaus auch schweigen. Und ich werde sicher niemandem der Meinen schaden, erst recht nicht durch Worte!" Wer, wenn nicht sie wusste, wie gefährlich Worte mitunter sein konnten. Ob ihnen nun Magie inne wohnte, oder nicht, der falsche Satz im falschen Ohr konnte einiges zerstören.
    Als Rhynn etwas zögerlich, wie es schien, begann zu sprechen, wurde Asmira ruhiger, wie jedes Mal, wenn sie einer Geschichte oder etwas ähnlichem lauschte. Es ging also um eine Hexe.. Asmiras Augen verengten sich, als ihr klar wurde, in welche Richtung es ging. Scharf stieß sie die Luft aus und automatisch legten ihre Hände in dem aufkommenden Groll in ihr, die über und über mit Runen tatowierten Arme frei, die ihre Magie darstellten. Spiralförmig wand sich Zeile an Zeile über die Haut und verschwand schließlich unter dem Stoff des Ärmels. "Eine Hexe, die ihre Magie missbraucht, eh?" Ihre Stimme war leiser als zuvor, schneidend. "Abschaum.. " Ihre Gedanken pendelten für einige Momente zwischen ihrem Ex-Partner und ihrer Tochter hin und her, bevor sie tief durchatmete und sich auf das nächstliegende konzentrierte. "Also.. das wichtigste zuerst. Ihr braucht Schutz, eh?" Sie murmelte vor sich hin, während sie geschäftig aufstand, ein Buch hervor zog und eilig die Seiten durchblätterte, bis sie das Gesuchte fand. "Das wird eine Weile brauchen. Bei Vodoo zaubern gilt es, den Geist des zu Schützenden nach außen hin abzuschotten. Man wird, je nach Stärke des Zaubers also merken, wenn Einfluss genommen werden soll, aber der Angreifer wird nicht in der Lage sein, den Geist zu übernehmen." Sie schaute sich zu Rhynn um. "Wie viele brauchen den Schutz? Wenn die Amulette fertig sind, sollte ein Tropfen Blut des Trägers darauf gegeben werden. Der eigene Körper und Geist wird mit dem Amulett verbunden und dadurch nach außen hin abgeschottet." Das Buch legte sie aufgeschlagen beiseite und kramte bereits nach den nötigen Zutaten für ein Schutzamulett. "Dass eines klar ist: wenn das hier gemacht ist, muss diese Hexe gestellt werden. Sie wird für ihre Taten grade stehen müssen. Die Hexemagie derart zu missbrauchen und in Verruf zu bringen..! Ich hatte genug mit Leuten, die diese Magie beherrschen, zu tun, um einige Einblicke zu bekommen. Hexe zu sein heißt Einklang mit der Natur, eh? Und was macht die? Ah!" Die Wut über ein derartig inakzebtables Verhalten war der Frau durchaus anzumerken, doch sie ließ sich dadurch nicht davon abhalten, weiter ihre Vorbereitungen für die Amulette zu treffen. Familie ging vor. Danach blieb noch immer genug Zeit, diesen Schandfleck zu beseitigen.

    Asmira stellte den Kräutertee beiseite, als es an der Tür klopfte. "Trerazin? Was fragst du lange, kommt schon rein!", rief die Dheoran durch die Tür hindurch. Als ob sie jemals jemanden der Familie abweisen würde.. Als die beiden eintraten, wanderte ihr Blick prüfend aber nicht unfreundlich über die junge Cath Shyrr, die der Junge mitgebracht hatte. Sie war älter geworden, doch die Gesichtszüge waren eindeutig die von Rhynn. Allerdings wirkte sie.. verändert. Asmira erhob sich, um näher zu treten. "Was hast du, Kind? Was kann ich für euch tun, eh?" Alleine der Blick der beiden verriet, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. War Rhynn irgendwie krank? Sie konnte es nicht ganz festmachen, doch irgendetwas stimmte mit ihrem Gesicht nicht. Sie hob sanft aber bestimmt mit dem Zeigefinger das Kinn der jungen Greifenreiterin an, um genauer sehen zu können. Die Erschöpfung sprach aus den dunklen Ringen unter ihren Augen und ein eigenartiges Glimmen war in ihren Iris. "Wenn du mir sagst, was dir fehlt, finde ich sicher einen Weg, das wieder hinzubekommen, eh?", versuchte sie es aufmunternd. Sie mochte es ganz und gar nicht, dass ein so junger Mensch bereits so verzweifelt drein schaute. Mit einer ausladenden Geste lud sie ihre Gäste ein, auf einem der zusammen gewürfelten Stühle platz zu nehmen. Schnell hatte sie auch zwei weitere Tassen auf dem kleinen Tisch platziert und goss ohne großartig zu fragen Kräutertee ein. Der würde zumindest einmal eine leicht beruhigende Wirkung haben, eine Mischung, die sie selbst Abends recht gerne trank, um eine angenehme Nachtruhe zu haben. Ach wie war das doch gewesen als sie erst 80 gewesen war! Da hatte sie derartiges nicht gebraucht..

    Minea biss sich auf die Lippe und sah unschlüssig auf ihre Hand, die die der Priesterin sacht umfasst hielt. Niiv, die natürlich nicht hatte sehen können, worauf die Ki abzielte, hatte ihre zweite Hand auf Mineas gelegt und fragte sie nun, was sie für die Ki tun könne. Genau das wollte sie nicht. "Ich.. dachte nur, das alles ist für dich vielleicht etwas abstrakt.. und..", sie brach ab, gab sich einen Ruck und führte die Hand der anderen Frau sanft weiter. Wenn sie nun schon einmal damit angefangen hatte, konnte sie ja auch schlecht einen Rückzieher machen. Sie legte nur die Fingerspitzen der Priesterin leicht an ihre Wange und ließ dann los, sodass diese hoffentlich erkannte, worum es ging, aber gleichzeitig jederzeit die Hand weg nehmen konnte, falls ihr das doch unangenehm war. Sie wusste immer noch nicht genau, wie sie mit dieser Situation umgehen sollte. Von sich aus so auf jemanden zuzugehen war eigentlich gar nicht ihre Art. Das einzige Mal, dass sie halbwegs etwas derartiges getan hatte, war bei Zorak gewesen und irgendwie.. empfand sie das als etwas völlig anderes. Er war ihr von Anfang an.. vertrauter vorgekommen, auch wenn es zunächst vielleicht nur seine tierische Gestalt gewesen sein mochte, die sie an ihre Zeit im Wald erinnert hatte.

    Mineas Herz beruhigte sich langsam wieder, während Boreas weiter sprach. Für einen Moment wäre sie am liebsten aufgesprungen und fort gerannt, wohin auch immer, doch die freundliche Reaktion der Priesterin und auch die eher ruhige Stimmung in ihrer Runde, aber nicht zuletzt, dass Zorak neben ihr saß und ihr ebenfalls Sicherheit gab, sorgte dafür, dass sie sitzen blieb und sich wieder in den Griff bekam. Der Kapitän hatte durchaus Recht, wenn Niiv es wollte, könnte sie ihnen so oder so schon schaden, doch Minea hatte nicht den Eindruck, dass sie das überhaupt im Sinn gehabt hatte, wenn sie jetzt so darüber nachdachte. In diesem Fall hätte sie nur von Bord gehen und die Wachen über die beiden Magierinnen informieren müssen, doch sie war geblieben. Die Geschichte, die die Frau erzählt hatte, berührte sie, auch, weil sie durchaus viele Dinge zu heilen wusste, doch jemandem das verlorene Augenlicht zurück geben konnte sie nicht. Auch wenn sie es sich in diesem Moment wirklich wünschte. Sie war so in Gedanken versunken, dass sie das Gespräch nicht mehr wirklich verfolgte und auch ganz vergaß, für Zorak zu übersetzen. Gedankenverloren tastete sie nach ihm und strich durch das Fell an seiner Wange. Sie sollte wirklich nicht immer diejenige sein, die sich zurück zog. Vielleicht war es ja genau das, was den Leuten missfiel? Stirnrunzelnd wanderte ihr Blick zwischen den anderen umher. Mitten in dem Gespräch fiel ihr auf, dass Zorak mal wieder außen vor war und hastig, aber leise bemühte sie sich, ihm wieder zu übersetzen, während sie ihm einen entschuldigenden Seitenblick zuwarf. Doch ihr ging der Gedanke, den Keona zuvor eingeworfen hatte, nicht so recht aus dem Kopf. Sie wippte ein wenig vor un zurück, unschlüssig, ob ihr Gedanke nicht etwas.. merkwürdig erscheinen würde. Irgendwann gab sie sich aber einen Ruck und stand auf, um sich Niiv noch etwas vorsichtig zu nähern. Einen Schritt von ihr entfernt räusperte sie sich leise und unsicher, wie sie sich sonst ankündigen sollte und hockte sich neben ihr hin. Sanft griff sie nach der Hand der Priesterin um sie mit lockerem Griff an ihr Gesicht zu führen, doch mitten in der Bewegung überwog doch die Unsicherheit darüber, wie das alles wohl bei der anderen Frau ankommen würde, und ob das nicht übergriffig oder gar.. komisch wirken würde. Ihre ohnehin lockeren Finger lösten sich noch mehr und sie verharrte in der Bewegung, wollte zu einer Entschuldigung ansetzen, brach aber auch diese wieder ab. In ihrem Kopf ging es zwischen der Unsicherheit und dem Wunsch, auch einmal offener sein zu können, hin und her, ohne dass sie einen rechten Ausweg aus diesem geistigen Irrgarten erkennen konnte.
    Chispa hatte sich unterdessen etwas aufgeblasen, als die Sprache auf seine Größe gekommen war und hatte dann zufrieden genickt. Kurz darauf war er zu Ipati hinüber getorkelt, um sie breit anzugrinsen und sich neben ihr fallen zu lassen. Seine Hand so nah neben ihrer, dass sie sich fast berührten. Erst als der Name Zisch fiel, sah er wieder auf. Wer mochte das sein? Ein eigenartiger Name, wie er fand, aber er gefiel ihm. Erinnterte ihn an das Geräusch, wenn leicht feuchtes Laub, das ihm eher unangenehm war, Flammen fing.

    Minea verstummte mit einem Mal mitten in ihrer nun schon länger andauernden Übersetzung für Zorak, um diesen ins Gespräch mit einzubinden, als Niiv sie nach ihrer aller Aussehen fragte. Automatisch verbarg sie ihre Ohren hinter einigen Haarsträhnen, obwohl dies natürlich unsinnig war und zugleich war wieder die Angst davor da, was diese doch recht freundlich wirkende Priesterin denken oder auch tun würde, wenn sie hinter die Herkunft der Ki käme. Unbehaglich rutschte sie etwas herum und überlegte, was darauf zu antworten sei, da übernahm Keona schon. Minea bemühte sich, sich an deren Offenheit zu orientieren, schließlich war sie diejenige, die dringender gesucht wurde, doch eine gewisse Anspannung blieb und sie brachte kein Wort heraus. Erst, als Niiv begann, von sich selbst zu erzählen, übersetzte die Ki leise und etwas stockender als sonst wieder für Zorak. Mit Chispa, der sich heute zum zweiten Mal und diesmal mutiger an Ipatis Weil versucht hatte, um ihr eine Freude zu machen, hatte sie allerdings nicht gerechnet. "Aaaalso, Minea is recht klein und schaut ihrer Mutter recht ähnlich, schätze ich. Aber die Augen, die Stirn und die Haare hat sie wohl vom Vater.. also.. sie schaut irgendwie.. wie ein Mädchen aus!" Na das war mal eine detailreiche Beschreibung! Dachte Minea doch recht erleichtert bei sich. Für einen Moment hatte sie wirklich befürchtet, er würde... "Uuund die Ohren natürlich, sind fast so flauschig wie Mysthrals oder Zoraks!", verkündete er selig und mittlerweile auf dem Rücken liegend, alle viere von sich gestreckt. "Ich bin natürlich ein großer Feuerelementar und hab ganz tolle Flammen-Flügel und so.. und ich kann leuchten!" Mineas Herz setzte einen Schlag aus und sie rückte etwas ab, fast als wolle sie etwas ausweichen. Sie würde dringend dafür sorgen müssen, dass der kleine den Wein nicht mehr anrührte! Mit nunmehr laut pochendem Herzen wartete sie die Reaktion ab, um nötigenfalls in Deckung gehen zu können.

    Minea nickte mit einem erleichterten Lächeln auf Niivs freundliche Worte, bis ihr auffiel, dass die andere Frau das gar nicht wahrnehmen konnte. "Ich danke dir.", erklärte sie daher und übersetzte dann für ihren Partner: "Auch Zorak freut sich dich kennen zu lernen. Er spricht kein Belerianai, aber ich übersetze gerne." Im Anschluss gab sie sich Mühe, Niivs Worte von zuvor auch dem Tua'Tanai zu übersetzen. Sie wollte, dass er auch an dem Gespräch teilhaben konnte, so gut es ging. Chispa unterdessen schmollte ein wenig vor sich hin, nun da er nicht mehr recht beachtet wurde und scheinbar auch sein tolles Aufwärmen nicht gewollt war. Unschlüssig ließ er die Flügel hängen und sah sich um. Anzünden durfte er natürlich auch nichts.. wirklich langweilig..
    Erst gegen Abend wurde es wieder lustiger, als die Wolkentänzer bereits vor Anker lag und sich alle in der Kombüse versammelt hatten, um das Essen vorzubereiten. Außer Zorak, der in seiner Bärengestalt an Deck festsaß. Wirklich unpraktisch, diese Größe, befand Chispa und klaute sich einige Nüsse aus einer Schale, um sie zu rösten und auch Ipati etwas davon zukommen zu lassen. Minea hatte vorgeschlagen, doch heute unter den Sternen gemeinsam zu essen und Chispa hatte den eigentlichen Drang hinter der Frage gespürt, die Zeit mit Zorak verbringen zu können, doch auf die Antwort hatte er nicht mehr recht geachtet, weil er in dem Moment seinen lieblings-Windelementar aufgestöbert und ihr ritterlich die erste Nuss überreicht hatte.

    Chispa schürzte die Lippen und versuchte die Erklärungen der Priesterin in seinem Kopf zusammen zu fügen. Ihm war noch immer nicht ganz klar, wie man Wasser mögen konnte, aber er verstand ja auch nicht, wie die anderen alle dieses rohe Essen essen konnten, von daher war es wohl irgendwie folgerichtig, dass irgendwer wohl auch Wasser mögen konnte. "Also, Minea mag auch kein Wasser. Das hätte sie sogar mal fast umge-" Weiter kam er nicht, denn da zog ihn Ipati weg von Niiv und wollte ihm erklären, wie er mit ihr umzugehen hätte. Er wusste nicht recht, was er davon halten sollte, schließlich wollte er Ipati nicht enttäuschen, aber er war nun einmal wie er war. Zunächst ließ er sich also mitziehen und schaute äußerst skeptisch zwischen Ipati und NIiv hin und her. "Aber sie hat doch gesagt, sie mag es warm!", rief er nach einer Weile aus, machte sich - sanfter als sonst - los um sich auf die breite Hutkrempe zu setzen und seine wärmenden Hände auf den Hut zu legen. Dieser wärmte sich unter seiner Berührung langsam auf, wobei Chispa bemüht war, es der Trägerin angenehm zu machen.
    In dem Moment kam Minea mit dem mittlerweile mit einer Hose bekleideten Zorak an der Hand wieder an Deck. Die Waschschüssel war schnell geleert gewesen und auch schnell gereinigt, sodass sie jetzt wieder sauber auf ihrem Platz stand. Als die Ki ihren Elementar auf Niivs Kopf entdeckte, hob sie überrascht die Augenbrauen. "Chispa! Meinst du nicht, dass du etwas.. aufdringlich bist..?" Etwas verlegen wandte sie sich an die Priesterin, noch immer in der Hoffnung, dass ihre Aura nicht so schlimm wirkte, wie sonst immer. "Entschuldige.. Er meint es nicht so. Also.. ich wollte uns nochmal richtig vorstellen. Ich bin Minea und das hier ist Zorak. Ich hoffe, wir haben dich vorhin nicht.. zu sehr erschreckt.."

    "Nun ja", setzte Minea an und dachte an die Worte zurück, die zuvor gewechselt worden waren. "Boreas scheint ihr eine Überfahrt angeboten zu haben, also ist sie zunächst mal unser Pasagier. Und wie es aussieht ist sie eine geweihte Priesterin der Gottheit Alaria. Chispa hat sie vorhin recht unfreundlich darauf angesprochen, dass ihr Augenlicht fort zu sein scheint, ich hoffe, sie nimmt es ihm nicht übel. Er weiß manchmal wirklich nicht, wann er besser still ist.. " Sie war etwas ins Grübeln gekommen, doch Zoraks Frage riss sie wieder aus ihren Gedanken. "Uhm.. Also.. Sie sieht es vermutlich nicht, aber.. ich vermute, es wäre höflicher, zumindest eine Hose zu tragen. Wäre das in Ordnung?" Forschend sah sie in seine goldenen Augen. Ihr war sein Unbehagen nicht entgangen. Als er jedoch erklärte, dass er sich wohl bald würde zurück verwandeln müssen, schürzte sie unwillig die Lippen. Sie liebte ihn in jeder Gestalt, doch... Mit einem Mal schoss sie regelrecht nach vorne um ihn nochmals wild zu küssen. Wenn ihnen schon nicht mehr viel Zeit blieb, wollte sie sich wenigstens noch einen Kuss holen, bevor sie nach oben gingen. Als sie sich leicht außer Atem wieder von ihm löste, grinste sie breit. "Na gut, wenn das so ist, werde ich dich wohl bitten, die Hose zu holen und ich mache die Waschschüssel so lange sauber, ja? Dann können wir uns vorstellen und... dann sehen wir mal weiter, was meinst du?"


    Chispa war unterdessen von hinten an Niiv heran geflattert und beäugte sie skeptisch. Er hatte einen Blick auf den salzverkrusteten Saum ihres Mantels erhascht und da gab es etwas, das ihm nicht ganz verständlich war. Mit ausgestrecktem Finger tippte er gegen den Stoff um ihn gleich darauf wieder zurück zu ziehen. "Duu, sag mal!", rief er dann aus, als er etwa auf Höhe ihres Gesichts gestiegen war. "Wie hast du das ausgehalten, so lange im Wasser zu stehen? Das ist doch so... so.. nass!" Das ganze entsetzte Erstaunen eines Kindes schien in seiner Stimme zu liegen. Keona hinter ihm nahm er in dem Moment gar nicht wahr, so irritiert war er von der Vorstellung. "Wenn Minea nass wird, dann trockne ich sie immer ganz schnell!", brüstete er sich und ihm schwoll stolz die Brust an. "Das kann ich gut, sagt sie immer! Ich kann auch gut Feuer machen und Licht und.. sowas." Über all dem vergaß er sogar ganz, gegenüber der eigentlich Fremden misstrauisch zu sein. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass er langsam aber sicher ein gewisses Vertrauen in das Urteil von Boreas und Keona über Fremde Leute legte. Schließlich hatte bisher keiner von den neuen Gesichtern Minea etwas böses tun wollen.

    Bei der Erwähnung der Lichtung sah Minea beinahe verträumt auf. Ihre Gedanken wanderten zurück an diesen fast schon vollkommenen Ort, der wie für sie geschaffen schien. Ein abwesendes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus und sie blinzelte mehrmals, bis sie Zorak wieder klar vor sich sah. "Ich weiß es nicht, aber.. wenn es irgendwie möglich ist, gehen wir wieder hin.", beschloss sie und grinste etwas breiter, bevor sie sich dem letzten Blutfleck widmete. Zufrieden überprüfte sie nochmals, ob sie auch nichts übersehen hatte, schließlich wollte sie keine Spur von diesem... Vorfall zurück lassen. Dabei stellte sie fest, dass Zorak bereits Gänsehaut hatte. Ihm musste es langsam kalt werden! Sie beeilte sich, ihn mit dem zweiten Tuch abzutrocknen und rubbelte extra etwas fester, um ihn wieder aufzuwärmen. Dann drückte sie ihn fest an sich. "Ist dir immer noch kalt?", wollte sie leise wissen. "Oh, und ich schätze, ich sollte dich noch mit dieser Priesterin uhm... Niiv bekannt machen. Sie wird wohl die nächsten Tage mit fahren, soweit ich es verstanden habe." Grübelnd ging sie das Gespräch mit der Frau noch einmal durch. Sie machte einen freundlichen Eindruck. Hoffentlich.. konnte sie über Mineas Aura hinwegsehen. Es war ein merkwürdiges Gefühl, zu wissen, dass es an ihrer Aura lag, dass die Leute sie nicht mochten. Schließlich hatte sie immer gedacht, es läge an ihr selbst, oder an der Art, wie sie etwas sagte. Anders herum wusste sie nun auch, dass sie nichts dagegen tun konnte. Wie also damit umgehen? Sie musste es einfach auf den Versuch ankommen lassen, beschloss sie zögernd. Allderdings machte es ihr auch Sorgen, was die Priesterin über Keonas Bruder gesagt hatte. Sie würden ihn irgendwie befreien müssen. Denn für die Ki kam der Gedanke, ihre Freundin in die Hände derer zu geben, die sie so zugerichtet hatten, wie sie sie damals in der Zelle kennen gelernt hatte, nicht in Frage. Aber es musste doch einen Weg geben, oder nicht? Sie, Keona und ihre Elementare waren schließlich auch schon aus einem Gefängnis ausgebrochen, wieso also nicht in eines einbrechen?