Beiträge von Nevio

    Gegen die Kraft des Mannes, der sein ganzes Leben mit harter Arbeit zugetan hatte, hatte Nevio keine Chance. Nicht so.. Aber vor diesen ganzen Leuten hier riskieren, dass ihn der Wolf überkam? Besser nicht.. Er war gerade erst seit heute morgen, in Niràlenar. Er spürte den heißen, stinkenden Atem in seinem Gesicht, nun, da er wieder das Privileg der vollen Aufmerksamkeit hatte. Wenn er sich jetzt nicht befreien konnte, war ihm die schmerzhafte Abreibung sicher. Der Seelenwandler stemmte sich mit dem Fuß gegen den Oberschenkel seines Gegners, doch der feste Zug am Kragen zwang ihn so beinahe in eine absurde Haltung. Knurrend versuchte er sich aus dem Griff zu befreien, erwartete er doch in jeder Sekunde, dass der Matrose zum Schlag ausholte und duckte sich ein wenig zum Schutz zwischen die Kräftigen Arme. Stattdessen rollte eine heiße Woge über die beiden Ringenden hinweg, die seine tierischen Fluchtinstinkte noch mehr anspornten.

    Langsam drehte der Hüne den Kopf ohne seine Beute los zulassen, um dieser impertinenten Frau einen abwertenden Blick zu zuwerfen, im Gegensatz zu Nevio hatte er durchaus die Worte der Dai`Vaar gehört und spuckte ihr nun verachtend vor die Füße.

    "Bist du Taub?! Ich sagte Verschwinde, Hafendirne!" brüllte er rasend. Seine unsägliche Wut, angetrieben von dem Übermaß an Bier und Schnaps, hatte sich nun von Nevio auf die Frau verlagert, die ihm, im Gegensatz zu den anderen Kameraden, keine Angst machte. Diese Feiglinge wichen vor einen schmächtigen Frauenzimmer zurück! Da stand niemand mehr als Puffer zwischen den beiden, er hatte freie Bahn und niemand würde dieses Ekel aufhalten. Mit einer energischen Bewegung stieß er den schmächtigeren Mann von sich. Krachend landete der Seelenwandler in einem Stapel aus Holzkisten und leerer Holzkäfige, die zum Teil unter seinem Gewicht barsten. Jeglicher Atem war ihm beim Aufprall aus den Lungen gewichen, der Schmerz im Rücken und der Schulter, war lähmend und ließen kaum zu, dass er wieder tief genug einatmete, um das Flimmern vor seinen Augen zu bekämpfen. Eine Hand suchte verkrampft nach einem Halt an dem er sich wieder hochziehen konnte. Ihm war lieber er kassierte die Abreibung, als die die ihm nur helfen wollte. Eine heisse Woge die nicht, von der Flammenfrau stammte, sondern tief in seinem Inneren entbrannte, ließ seine Haut vertraut prickeln. Seine Züge verzogen sich langsam und bekamen etwas Raubtierhafteres. Die Augen glühten förmlich, als er sich aus den Kisten hochstemmte und nun das Wölfische in ihm nur zu deutlich Sichtbar wurde.

    Wie ein schnaufender Bulle, stapfte der Matrose nun auf die zierliche Frau zu.

    " In dieser lausigen Stadt, hat das Ungeziefer keine Manieren!" knurrte er und wollte die Frau am Arm packen.

    Bei jedem ungehaltenem Rüttler zogen sich die Finger des Seemannes wie ein Schraubstock fester zusammen, dass seine Rippen und der linke Oberarm schmerzten und nun, da die frische Nachtluft seinen Verstand langsam wieder klärte, wurde ihm auch die Ernsthaftigkeit der Situation etwas bewusster. Doch statt Furcht, lag der reine Trotz in Nevios Augen. Sich hier vor den Leuten die Blöße geben und das Gesicht verziehen, oder gar aufschreien? Wo doch er im Recht war? Das waren seine Münzen die er sich redlich verdient hatte!

    " Ich zeig dir schon was du gewonnen hast!" knurrte der rachsüchtige Matrose und griff ungeduldig um, um den Seelenwandler vorne am Kragen zu packen und ihn sich zur Brust zu nehmen.

    Nur kurz zuckte seine Faust, da hielt er bei der direkten Ansprache Inne. Alle Augen lagen auf der Frau, deren Haare selbst in dem schwachen Licht, dass aus der Tavernentür fiel, Rot zu glühen schien.

    "Kümmer dich um deine Angelegenheiten! Verschwinde! Das geht dich nichts an!" bellte der Dunkelhaarige mit der glänzenden Pomade und dem hochroten Gesicht und erntete dabei allgemein erschrockene Gesichter und ein entrüstetes Lufteinsaugen von einem seiner Kameraden, der sich nun schwankend an den Arm des Hünen hängte. Nevios Stiefelspitzen fanden dabei wieder den Boden und die Faust drückte nichtmehr ganz so schmerzhaft gegen seinen Kehlkopf

    "SSSScht Spinnsu? Das isn Klabauter! Du kannss sie nicht so ansprechn`!" zischte der Kraushaarige Alte Matrose und schüttelte warnend den Kopf, während ein junger Windvölkler, einen vorsichtigen Schritt auf die junge Dame zuging und sich mit einer beschwichtigenden Geste zu entschuldigen versuchte. " Das bringt Unglüüückchhh!" hörte Nevio den alten Mann noch zischen, bevor dieser mit einem energischen Schlag abgeschüttelt wurde und gegen seine Kameraden rumpelte und die kleine trunkene Gruppe aus dem Gleichgewicht brachte.

    " Das is` kein Klabauter! Du räudige Bilgeratte! Das is` ne Straßendirne!" schimpfte Nevios Kerkermeister ungehalten und zog sich den jungen Wanderer wieder näher an die Brust. " Und nun zu dir!"

    Die kühle Nachtluft wehte ihm durch das offene Fenster in den Rücken, dies machte die drückende Wärme und den schalen Geruch nach Bier und ungewaschenen Seebären ein wenig erträglicher. Doch hier lockte etwas, dass ihn über das ganze hinwegsehen ließ. Bier und Würfelspiel. Etwas dass ihm vielleicht die Bezahlung für eine Mahlzeit und ein Bett in aussicht stellte. Ein wenig skeptisch Blickte Nevio auf den Inhalt des Krugs der ihm über die abgegriffene Tischplatte geschoben wurde. Seemänner waren entweder durch und durch ehrlich, oder verschlagene Mistkerle... Bisher hatte er jedenfalls nur mit diesen beiden Arten zu tun gehabt. Der mit dem Lückenhaften Grinsen, der ihm das Bier ausgegeben hatte schien jedenfalls von der ersten Sorte zu sein. Doch der gegen eher von der Zweiten. Er hatte dunkles Fettiges Haar und das junge Barmädchen auf einem Knie. Sie schien nicht sonderlich angetan und blieb dennoch sitzen, weil der Seemann gelegentlich eine Silberne Münze in ihren Ausschnitt wandern ließ. Missbilligend nahm er einen Schluck aus dem Krug. Das Bier war keine billige Plörre oder etwas, das sonst aus Resten zusammengemischt wurde, für die die sich nicht viel Leisten konnten, sondern schwerer, reichhaltiger und kühler Gerstensaft.


    Die Würfel wurden über die Platte in seine Richtung geschoben. Ein kleines Häufchen Kupfer, lagen als wohltätiges Startkapital unter seinen Fingerspitzen. Die Summe, die sein Banknachbar gesponsert hatte, hätte vermutlich schon für ein Abendessen und ein Strohlager in einem Pferdestall gereicht, doch die Männer hier hatten ihn förmlich dazu gedrängt sich zu ihnen zu setzen. Nicht dass sich der Glückssucher lange hätte bitten lassen, dennoch schien er immer bis zu einem Gewissen Zeitpunkt ein unendliches Glück bei solchen Spielen zu haben, bis das Pech mit voller Härte Zuschlug.


    Inzwischen war der Haufen vor ihm zu einem beachtlichen Berg gewachsen, in dem die Silbermünzen vorrangig waren, doch auch die ein oder andere Goldmünze blitzte verlockend.. zu verlockend möchte man meinen, denn Nevio wollte keineswegs aufhören, wo es doch gerade so gut lief! Die Schankmaid inzwischen, blickte ihren Seemann immer finsterer an, denn ihre fordernd ausgestreckte Hand blieb über mehrere Runden leer. So wechselte neben den Münzen nun auch die anregende Gesellschaft ihren Platz. Die junge Brünette stützte sich nun mit den Ellenbogen auf Nevios Schultern und zwirbelte fast anrüchig eine seiner Haarsträhnen zwischen den Fingern. Während sie ihn in ein Ohr anfeuerte und kokett gelegentlich eine der Kupfernen Münzen forderte, hörter er im anderen Ohr ständig das Warnende Zischen des alten Matrosen, der ihn dazu anhielt es endlich sein zu lassen und das Glück nicht so herauszufordern.

    " Du gehst jetzt besser!" Die raue Hand des Seemanns, der Koplok gennant wurde und neben ihm saß schob die Münzen nun unnachgiebig in einen Stoffbeutel der ihm mit dem Krug in die Hand gedrückt wurde, denn sein dunkelhaariger Kamerad, schien schon lange nichtmehr gut gelaunt und ausgelassen, die Würfel fielen schlecht für ihn, der Bierkrug war leer und lange würde er sich das nichtmehr gefallen lassen, bevor der Verdacht auf Betrug gelenkt wurde und das ganze hier vermutlich noch Blutig endete.

    Nur kurz rangelten die beiden Sitznachbarn miteinander, bevor Nevio von der Bank geschoben wurde und der Tumult bereits lauter wurde.

    " Nein! Du Elender, Dahergelaufener..Straßenköter! Du bleibst hier und gibst mir meine Heuer zurück!" schlug er seinen Krug und die Faust so laut auf den Tisch, dass sich mehrere Köpfe wandten, Er lallte schon deutlich aber das minderte seinen Jähzorn nicht, als Nevio von einem anderen Gast weiter zur Tür dirigiert wurde. Diese schwang auf und das Gerangel in der Taverne wurde lauter, hallte nun schon durch die offenen Fenster. Der Boden schwankte im ersten Moment, mehr als erwartet, als er auf das Dreckige Pflaster des Hafenviertels trat.

    "Du solltest besser verschwinden..."knurrte der mit dem Schnurrbart und dem breiten Schultern, der ihn hinausgeführt hatte, noch bevor dieser direkt die schwere Tavernentür in den Rücken bekam. Nevio machte nun doch alarmiert einige Schritte rückwerts, als der wutendbrannte Würfelspieler aus der Taverne stolperte und auf ihn zustapfte. Umsichtig brachte er noch schnell seinen Rucksack mit dem schlafenden Eichhörnchen auf einem Fass in Sicherheit, da wurde er schon von zwei festen Armen gepackt unter wildem Gebrüll durchgeschüttelt.

    " Egal was du tust.. aber Hauch mich nicht an.. bitte.." angewiedert über den Mundgeruch, der ihm da entgegenschlug rümpfte der Seelenwandler die Nase und reckte den Kopf zur Seite, den Münzbeutel hielt er am Ausgestreckten Arm von sich, damit der Seemann nicht herankam.

    " Wirst du jetzt auch noch frech!?"

    " Ich hab das ehrlich gewonnen! Die Würfel waren DEINE! Wie soll ich da schummeln?" brüllte Nevio nun zurück.

    Nein so sahen die beiden auch nicht aus. Diese Leute waren nicht darauf angewiesen im Dreck zu wühlen, das ganze arbeitete in seinem Kopf, gänzlich ohne eine Spur der Herabwürdigung. Verständlich mit den Schultern zuckend, nahm Nevio dies zur Kenntnis wandte den Kopf kurz bei der Nachfrage des Hünen.

    " Oh, letzte Woche war das noch Gordaen, aber der hat sich ein Bein zertrümmert und musste in die Nachbarstadt gekarrt werden... Jetzt ist es vorübergehend der Schmiedemeister." der Weltenbummler deutete auf den Holzunterstand, wo die sengende Hitze die Balken schwarz gefärbt hatten und jetzt das Licht aus der Esse den ganzen Handwerksbereich erhellte. Ein grobschlächtiger Mensch, mit wenigen Haaren stand dort und reichte gerade mehrere Schaufeln über den Tisch weiter, um die Arbeiter mit Hilfsmitteln zu versorgen, die den Stollen wieder freiräumen sollten.

    " Seine Frau teilt die Betten ein.. Ich bin sicher da werdet ihr fündig." rief er noch Khoor hinterher, als er sich schon zu Saniya umgedreht hatte. Eines der losgerissenen Pferde trabte aus der Dunkelheit heran und wurde langsamer, als Nevio die Hand nach dem dürren Fuchs ausstreckte. Das Tier wirkte Kränklich... war aber noch vergleichsweise Jung, und nicht nur einmal war da das Wort "Schlachtbank" gefallen, weil es zu stur war um die Karren zu ziehen. Seine Hand fuhr beruhigend über den mächtigen Hals und wieder kam ihm der Gedanke dabei, dass wohl niemand in dem Trubel bemerken würde, wenn er einfach verschwand. Diesem Tier machte er das gleiche Angebot, wie der weißen Stute, nur diesmal war die Reaktion eine vielversprechendere. Es tänzelte und schob ihn mit der Flanke ungeduldig an. Das Tier wollte hier ebenso weg wie er. Nevio zog die Riemen seines Rucksackes fester, bevor sich Seine Finger in die Mähne gruben, dann zog er sich auf den Rücken des Fuchses.

    Es brauchte nicht viel Antrieb, der junge Hengst wendete von alleine und ließ Nevio keine Möglichkeit mehr, ein weiteres Wort des Abschieds zu wählen, bevor er die Richtung des Jägerpfad anstrebte.

    Prinzipiell, wenn man umständlich in die Vergangenheit tauchen will, wären bereit

    Keona vor der Flucht mit Boreas ( Adelsgedöns/Yelindea)

    Zisch ( Straßenkindzeiten, Angestellte in der Schiffswerft/Illasea)

    Rhynn (StadtwacheGrundausbildung vor der Greifenreiterzeit/Corandir)


    Und aktuell immer bereit mein kleiner Weltenbummler Nevio.. der quasi überall auftauchen könnte :)