Beiträge von Elaiya Shiya'Sandra

    Elaiya drehte sich erst herum, als sie sich sicher war, dass Feanor - oder das Wesen, das sich seiner bemächtigt hatte - ihr Haus verlassen hatte. Und so lange erlaubte sie sich auch nicht, ihren heftig widerstreitenden Gefühlen nachzugeben. Erst als sie schließlich allein war, ließ sie sich auf die Treppe sinken und weinte bitterlich, wie lange hätte sie nicht zu sagen gewusst. Ihre Welt lagt in Scherben -sie hatte den Mann getroffen, von dem sie annahm, er könne ihren Fluch brechen, und ausgerechnet ihn hatte eine übelmeinende Göttin sich zum Spielzeug erkoren. Sie hatte an der Akademie ihren Gesang vervollkommnen wollen, und nun war es ihr verboten, die Stadt zu betreten. Was blieb ihr noch? Ihr Wille zu überleben, zu lernen und schließlich Rache zu üben...


    Die Tränen versiegten. Elaiya richtete sich auf und ein neuer, entschlossener Ausdruck trat in ihre Augen, doch gleichzeitig schien jede Wärme aus ihnen gewichen zu sein. Wenn sie nicht in der Akademie lernen konnte, würde sie eben anderswo nach Meistern der Liedzauberei suchen, angefangen bei ihrem Vater. Wenn wahre Liebe ihr versagt blieb, dann sollte sie vielleicht aufhören, gegen ihr Nymphenerbe anzukämpfen... den Tod zu wählen, oder noch Schlimmeres, das Shirashai ihr durch Feanor in Aussicht gestellt hatte, hieße jedenfalls aufgeben und jede Hoffnung von vorneherein zunichte zu machen. Und dazu war sie nicht bereit, denn im Grunde liebte sie das Leben, immer noch, und es hätte auch Sicil nicht davor bewahrt, sie zu verlieren.


    Sie stieg die Treppen hinauf und packte zusammen, was sie an Kleidern und Schmuck hatte und gut mitnehmen konnte, dann packte sie auch ihre Werkzeuge ein sowie ihre Harfe, ihr Meisterstück. Die erst halbfertigen Musikinstrumente ließ sie zurück. Zuletzt schrieb sie einen Brief an Sicil, in dem sie ihm erklärte, was geschehen war und warum sie gezwungen war zu gehen. Der reif endete mit
    ...ich werde wiederkommen, irgendwann - wenn ich genug gelernt habe, es mit den Dienern der finsteren Göttin aufzunehmen. wieviele Jahre darüber ins Land gehen, weiß ich nicht. Ich erwarte nicht, dass du auf mich wartest, genausowenig wie ich versprechen kann, im Exil, das vor mir liegt, treu zu bleiben. Ich habe erkannt, dass man vor seinen Flüchen nicht davonlaufen kann. Jeder wird dir sagen, dass man eineNymphe letztendlich nicht halten kann. Ich möchte - wie du - keine Versprechungen machen, die ich nicht halten kann. Wenn ich bei dir bleiben dürfte, vielleicht hätten wir es zusammen geschafft, aber das ist mir nun versagt. Nimm dich vor Shirashai in Acht, Mondlicht - Lebe wohl.


    Im Morgengrauen des nächsten Tages verließ Elaiya ihr Häuschen und Nir'alenar, ohne nocheinmal zurückzuschauen. Einen Teil ihres Schmuckes und ihres ersparten Geldes gab sie für ein Reitpferd aus, in einem der größeren Dörfer auf ihrem Weg, und dann wandte sie sich zum Silberfluss, zur Heimat ihrer Mutter, Shir'elei an ihrer Seite.

    Der Nachtelf war einverstanden und sagt, es passt ihm sogar in den Kram - was mich natürlich tief betrübt

    :weep:


    Nein ernsthaft, ich hab ihn schon vorher gefragt, ob das in Ordnung geht *gg*


    Ja, und wenn ich zurückkomme, dann als die Rächerin. Nehmt euch in acht. MUAHARRRHARRHAR!

    Weiß nicht so recht, wohin damit *gg*


    Elaiya wird das Spiel erstmal verlassen. Vielleicht grab ich sie nochmal aus, aber erstmal ist sie weg. Das heißt organisationstechnisch, dass ich als Elaiya auch nicht mehr eingeloggt bin. Wenn ihr also PNs an mich schreiben wollt, warum auch immer, bitte an Ayala, denn sonst besteht die Gefahr, dass ich sie erst sehr spät lese.

    Elaiya wich vor Feanors Berührung zurück, und nun ziegte sich in ihrem Gesicht nicht nur Hoffnungslosigkeit und Trauer. Nein, sie wirkte nun furchtsam wie ein Reh, und gleichzeitig sprach Ekel aus ihrem Blick - Ekel vor dem, was aus ihrem besten Freund geworden war, ihm, dem sie immer vertrauen zu können geglaubt hatte. Und ein wenig ungläubig wirkte sie auch. Sie konnte noch gar nicht fassen, was Feanor (insgeheim scheute sie davor zurück, diesen Namen noch mit dem Wesen vor ihr in Verbindung zu bringen) ihr gerade offenbart hatte. Aber das Gefühl, wie er sie als Schatten umhüllt hatte, würde sie wohl nie vergessen - es hatte gleichzeitig wie Feuer gebrannt und war von tödlicher, lähmender Kälte gewesen.


    "Ich habe dir vertraut!", stieß sie hervor. "Ich wäre Sicils wegen von der Stadt fortgegangen, um ihn zu schützen, wenn irgendeine Gefahr bestanden hätte. Und ich dachte, du kommst als Freund, um mich zu warnen. Und was bist du stattdessen? Sag mir wenigstens, warum Shirashai mein Unglück will und Sicils. Und dann werde ich gehen. Ja, ich entscheide mich dafür, weiterzuleben - aber glaube mir, mein Leben wird ab sofort nur noch dem einen Zweck dienen, als Zaubersängerin gut genug zu werden, dass ich meine eigenen Lieder machen kann. Mein erstes Lied, Feanor, wird dazu bestimmt sein, eine Waffe gegen die Kinder der Nacht zu sein. Mein zweites Lied wird Sicil aus Shirashais Umklammerung befreien." Ein letztes Mal blickte sie dem, der einmal ihr Freund gewesen war, in die Augen, und ihr Blick wurde ein wenig weicher. "Mit meinem dritten Lied aber werde ich eine Lösung suchen, dich zu erlösen. Dies wird das nächste und letzte Mal sein, dass wir uns wiedersehen. Denn vertrauen werde ich dir nie wieder können. Geh jetzt, Feanor, und lass mich allein."


    Damit wandte sie ihm den Rücken zu, ohne sich noch einmal umzusehen. In diesem Augenblick war es ihr egal, was er tat, und wenn er sie doch noch angriff. Sie wusste, dass sie sich mit ihren hochtrabenden Worten hohe Ziele gesteckt hatte - aber Zeit bedeutete einer Nymphe nichts, und sie brauchte irgendeine Hoffnung, die sie in den kommenden Jahren am Leben erhalten würde.

    "Ichhabe keine Ahnung, was das ist." hauchte Elaiuya, die ein wenig grün um die Nase aussah. "Aber es ist bestimmt kein gutes Zeichen. Ich bleibe hier keine Sekunde länger..." Um die Wahrheit zu sagen, verlor Elaiya wohl in diesem Augenblick den Kopf, denn ohne sich noch einmal umzudrehen, floh sie vom Ort des Geschehens. Aber sie war noch jung und nicht darauf vorbereitet,mit Geistererscheinungen, Ermordeten und geschändeter Erde konfrontiert zu werden...

    Ich habe dich belogen, Elaiya." Der Satz echote durch ihre Gedanken. So wie alles andere, was Feanor zu ihr gesagt hatte. Für ein paar Minuten war sie schlicht unfähig, etwas zu erwidern. Warum hatte er sie belogen? Es wäre kein Vorwand nötig gewesen, um um ein Treffen zu bitten. Sie hätte diese Bitte auf jeden Fall gewährt. Aber vielleicht war er sich dessen nicht sicher gewesen. Vielleicht. Doch sie konnte nicht wirklich darüber nachdenken, Feanor hatte zuviel anderes noch gesagt, das es ihr schwer machte, einen klaren Gedanken zu fassen. Was würde geschehen, schon sehr bald? Wieso musste sie Feanor, der ihr so lieb und teuer war, solchen Schmerz zufügen? Und warum brannte seine Berührung nun auf ihrer Haut wie Feuer - warum zog sein offensichtliches Verlangen nach ihr sie so sehr an, obwohl sie ihr Herz jenem Nachtelfen geschenkt hatte, der so geheimnisvoll und ungreifbar war wie das Mondlicht?


    Feanors Blick hielt sie gefangen, und in einem glasklaren Augenblick erkannte sie die Antwort auf diese Fragen. Der Fluch ihrer Mutter holte sie ein. Es war zwecklos, davonzulaufen, vor Flüchen konnte man nicht fliehen...und auch Sicil würde dagegen nichts ausrichten können. Diese Erkenntnis brach wie ein Sturm über sie herein, nach dem nichts mehr so ist, wie es war. Kraftlos ließ sich auf eine Bank sinken.
    "Ich habe 16 Jahre lang mit angesehen, wie sich mein Vater nach meiner Mutter verzehrte. Und davor habe ich erfahren, wie sehr meine Mutter sich danach sehnte, meinem Vater anzugehören und es doch nicht konnte.", sagte sie schließlich leise. "Beide dachten, sie wärten stark genug, gegen den Fluch der Nymphen anzutreten, und sie haben sich getäuscht. Weißt du, warum ich jahrelang vor jeder Beziehung zurückgeschreckt bin, die über bloße Freundschaft hinausgeht? Weil ich Angst davor hatte, dem gleichen Fluch zu erliegen. Wäre es besser gewesen für dich, mich zu besitzen - für kurze Zeit, nur um dann festzustellen, dass du mich nicht halten kannst? Deine Freundschaft war mir die wichtigste in meinem Leben, Feanor, und es tut mir mehr leid als ich sagen kann, dass ich der Grund für diesen Schmerz bin."


    Die Halbnymphe stand auf und ging nun ihrerseits ein paar Schritte. Sie versuchte, ihre Gedanken zu ordnen, ehe sie fortfuhr. "Sicil...ist wie ein Feuer, in dem ich eines Tages verbrennen werde.", sagte sie dann. "Ich liebe ihn, aber ich kann mir seiner nie sicher sein. Oh, ich zweifle nicht an seinen Gefühlen für mich, aber es gibt in seinem Leben noch andere, dunklere Mächte, die ihn umtreiben. Auch er kämpft gegen einen Fluch, und wenn mein Fluch uns nicht zuerst auseinanderreißt, so wird seiner das ganz sicher eines Tages tun. Vielleicht wäre es besser gewesen, auch dieser ... Liebe gar nicht erst nachzugeben. Jede Nymphe hofft, eines Tages den Einen zu finden, dem sie treu sein kann, aber zu oft schlägt diese Hoffnung fehl.Wie soll ich nun deine Frage beantworten?"


    Elaiyas Gedanken glitten zurück zu jenen Stunden, als Sicil in Shirashais Gewalt war und sie darauf und dran, ihn zu verlieren. Wie er sie verlassen wollte, um sie vor Unheil zu bewahren und wie sie darauf bestanden hatte, in dieser Sache ihre eigene Entscheidung zu treffen. Sie beschloss, auch dies Feanor zu erzählen. Wenn sie ihrem Freund nicht vertrauen konnte, wem dann? [i]"...und nun fragst du, ob ich Sicil verlassen würde, wenn ihn das retten könnte - das hieße, ihm genau das anzutun, was ich ihm vorgeworfen habe." Elaiya holte tief Luft; es klang fast wie ein Schluchzen. "Aber die Antwort lautet ja - ich würde darauf verzichten, ihn zu sehen, wenn ich ihn dadurch vor Unheil bewahren könnte. Da ich nun erkannt habe, dass ich ihn verlieren werde, welchen Sinn hat es dann, das Unvermeidliche hinauszuzögern und ihn dadurch in Gefahr zu bringen?" Elaiya wandte sich zu Feanor um und blickte ihn aus Augen an, in denen kein Fünkchen Hoffnung mehr lag. "Und nachdem du dies nun alles weißt - sag mir, was du mit dieser Frage bezweckt hast? Weißt du von einer Gefahr, die Sicil droht? Und was ist es, was schon sehr bald geschehen wird?"[/i]

    Elaiya hatte den ganzen Vormittag über gewartet und es nicht fertig gebracht, irgendetwas zu tun. Dabei wartete die Bestellung einer Kundin aus dem Künstlerviertel dringend auf die Fertigstellung, und grade mit dem Stück wollte sie sich besondere Mühe geben - die Kundin war nämlich eine echte Künstlerin und Musikerin. Sie musste sich eingestehen, dass sie ziemlich enttäuscht war. Gegen Mittag ging sie dann doch an die Arbeit und sagte sich, dass Feanor wohl heute nicht mehr auftauchen würde. Es war ihm möglicherweise etwas dazwischen gekommen. Aber eigentlich hätte er dann ja Nachricht schicken können. So fühlte sie sich den ganzen Tag unzufrieden und enttäuscht und es viel ihr ziemlich schwer, sich auf ihre Arbeit zu komzentrieren. Außerdem wuchs auchihre Sorge wegen dem, was laut Feanor vorgefallen sein sollte.


    Gegen Abend packte sie ihre Werkzeuge und die immewr noch unfertigfe Harfe beiseite und beschloss, noch ein wenig nach draußen zu gehen. Vielleicht traf sie ja auf Sicil - es war immer ein bisschen unklar, wie und wo sie zusammen sein konnten. Sie wollte gerade die Treppe zu ihrem Schlafzimmer hochsteigen, um sich umzuziehen, als ein leises Geräusch sie herumfahren ließ. Da stand Feanor - lächelte sie an, als wäre er nicht einen ganzen Tag zu spät und durch eine geschlossene Türe aufgetaucht. Sie musste ihn wohl etwas entgeistert angesehen haben, doch das störte ihn nicht weiter. Ein wenig verändert kam er ihr in diesem Moment schon vor, aber andererseis hatten sie sich zwei Jahre nicht gesehen. Wahrscheinlich - ganz bestimmt - hatte sie sich auch verändert. Und das Verlangen in seiner Stimme, als er sie umarmte, jagte ihr einen Schauer über den Rücken - der keineswegs nur unangenehm war, wie sie leicht erschrocken feststellte. Seine Umarmung war so vertraut.... wieder überkam sie Heimweh. Doch dann löste sie sich wieder von ihm und sah ihn ernst an.


    "Hattest du einen anstrengenden Tag?", fragte sie. "Ich habe auf dich gewartet.... na, egal, jetzt bist du ja hier. Darf ich dir etwas anbieten? Und dann lass mich bitte nicht länger im Ungewissen. Was ist geschehen, worüber du so dringend mit mir sprechen musst?"

    "Du weißt doch ganz genau, dass du mich so nicht nennen sollst." Ganz leicht knuffte Elaiya Feanors Oberarm und grinste ihn an. Aber irgendwie war es trotzdem schön, den alten Kosenamen wieder zu hören. Dann jedoch wurde auch sie ernst, als Feanor um ein Treffen unter vier Augen bat. Seine Stimme verhieß nichts Gutes. "Es ist doch meinen Eltern nichts geschehen?", fragte sie leise und versuchte, im Blick ihres Freundes eine Antwort zu lesen. Doch seine Körperhaltung drückte ichts von dem aus, was in seiner Stimme lag, im Gegenteil, er sah besser aus denn je - und als er ihr sein altes Lächeln schenkte, begann ihr Herz merkwürdig schnell zu klopfen. "Und natürlich können wir uns unter vier Augen unterhalten." Ein kurzer Seitenblick zu Sicil - er hatte hoffentlich nichts dagegen, aber sie würde ihrem alten Freund diesen Wunsch gewiss nicht abschlagen. "Komm mich doch einfach zuhause besuchen - vormittags ist nicht viel los in meiner kleinen Werkstatt. Wir werden genug Zeit haben." Sie beschrieb ihm den Weg zu ihrem Häuschen. Und plötzlich merkte sie auch, dass sie keine größere Lust mehr hatte, auf dem Ball zu bleiben. Das plötzliche Auftauchen Feanors und die merkwürdige Andeutung, die er gemacht hatte, würden ihr die Ruhe rauben, bis sie ihn morgen wiedergesehen und erfahren hatte, was er zu berichten hatte. "Ich glaube, für heute ist es Zeit, nach Hause zu gehen...", fügte sie deswegen leise hinzu. "Ich hoffe, du bist nicht enttäuscht, Sicil, aber ich würde den Ball nun wirklich lieber verlassen." Feanor aber lächelte sie noch einmal an. "Dann sehen wir uns wohl morgen wieder."



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    OT/ Damit können wegen mir Feanor und Elaiya den Ball verlassen, und wir können das Ganze in der Musikwerkstatt weiterführen.

    Mit einem Aufschrei sprang Elaiya auf und wich ein paar Schritte zurück von dem sich ausbreitenden Tod, der den Boden ergriffen zu haben schien. Entsetzt starrte sie auf dieses merkwürdige Phänomen. Soetwas war ihr in Waldheim noch nicht vorgekommen. Schlagartig viel ihr auch der Tote aus der Schankstube ein - aus dem Korallenriff, wo sie vor Kurzem bei einem Gesangswettbewerb teilgenommen hatte. "Diese Stadt ist verflucht!", flüsterte sie.

    Elaiya wandte sich überrascht um, als sie jemand ansprach. Wer konnte sie hier kennen außer Sicil und seinen Freunden? Jemand aus der Akademie? Doch dann glitt ein strahlendes Lächeln über ihr Gesicht, als es ihr gelang die Stimme zuzuordnen. Der Mann vor ihr hatte zwar sein Gesicht hinter einer Halbmaske verborgen, aber seine Gestalt, seine selbstbewusste Haltung, das alles kannte sie viel zu gut um sich täuschen zu lassen. "Feanor!", rief sie, und sie begann einen Duft nach Äpfeln und Vanille zu verströmen. Feanor kannte sie noch aus Waldheim - er war ein Schüler ihres Vaters gewesen, ebenso wie sie, obwohl er doch einige Jahre älter war - aber was bedeutete Alter schon einem Edelelfen. Sie hatten sich sehr nahe gestanden - fast wie Geschwister, aber nur fast. Wahrscheinlich hatte es nur an ihren eigenen Hemmungen und Ängsten vor einer festen Beziehung und dem Nymphenfluch gelegen, dass nie mehr daraus geworden war. Dann hatte Feanor Waldheim verlassen, ein Jahr bevor sie selbst nach Nir'Alenar gegangen war, und Elaiya hatte sich eingeredet - erfolgreich - dass sie mit ihrer Vorsicht recht gehabt hatte. Und dann hatte sie Sicil kennengelernt...


    Doch nun, da Feanor so unvermittelt vor ihr aufgetaucht war, merkte sie, dass sein charmantes Auftreten und seine selbstverständliche Sicherheit ihren Zauber nicht verloren hatten. Eine plötzliche Welle heftigen Heimwehs nach den Tagen in Waldheim überkam sie, und etwas davon zeigte sich wohl auch in ihren Augen, die sich für einen Moment dukler färbten. Dennoch blieb ihr das strahlende Lächeln erhalten. "Bist Du das wirklich? Wie ist es Dir ergangen? Ich habe Dich so lange nicht gesehen..." Fast unbewusst hatte sie nach seiner Hand gegriffen und drückte sie herzlich. Dann wurde sie Sicils Anwesenheit neben sich wieder gewahr und ließ Feanors Hand rasch wieder los. "Oh verzeiht - ich sollte euch direkt einander vorgestellt haben. Feanor, dies ist Sicil - Sicil, das ist Feanor, ein alter Freund aus Waldheim." Warum hatte sie nun lieber unerwähnt gelassen, was es mit Sicil auf sich hatte? "Und ja, Shir'elei habe ich noch....natürlich. Sie ist immer noch genaus eifersüchtigen Wesens...aber sag, was führt Dich hierher?" Für den Moment vergaß sie sogar, dass sie mitten im Gedränge stand.

    Elaiyas Blick jkehrte nun ganz in die Gegenwart zurück. Nachdenklich musterte sie die junge Frau neben sich. Ob sie mit der Bemerkung üper ihre Arbeitssuche etwas bezweckte. Elaiya war sich sehr sicher, dass sie zunächst keine Angestellten wollte, dazu lief ihr Geschäft nun auch wieder nicht gut genug. Bisher kam sie mit der anfallenden Arbeit alleine zurecht, sehr gut sogar. Vielleicht würde sich das ändern, wenn sie sich einen Namen gemacht hatte. Sie lächelte nur unverbindlich. "Nun, es gibt wirklich viele Geschäfte in der Stadt und ebenso viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Bestimmt würdet Ihr etwas finden. Was macht Euch denn Spaß? Was würdet Ihr gerne tun?"

    Elaiya wollte nicht auch noch dadurch auffallen, dass sie zu spät erschien, deshalb hatte sie Sicil gedrängt, früh aufzubrechen. Nun standen sie hier vor dem Wachhaus herum, und die Halbelfe wusste nicht so recht, was sie erwarten sollte. Aber sie hatte sich seit vergangener Nacht ein wenig gefasst und sah der ganzen Sache doch gelassener entgegen als zuvor. Was sollte auchgroßartig passieren? Darüber, dass Beron vielleicht auf freien Fuß kommen würde, dachte sie lieber nicht nach. Aber das würde dann höchstens ein Anlass sein, endlich damit zu beginnen, den Dolchkampf zu erlernen.


    Sie brauchten nicht allzu lange zu warten. Recht bald wurden sie hereingebeten. Hoch erhobenen Hauptes folgteElaiya den beiden Wachmännern, denselben, die schon in der Nacht dabeigewesen waren. Nun wurde sie doch nervös, aber sie würde sich dies um keinen Preis anmerken lassen.

    Langsam kam Elaiya wieder zu sich und blickte in das Gesicht einer jungen Frau - hatte sie sich nicht als Sängerin nachgemeldet? - und eines jungen annes, den sie als Kellner wiedererkannte. Etwas zögernd nahm sie den angebotenen Schluck wasser. Shir'elei strich um sie herum und leckte ihr mit ihrer rauen Zunge über Gesicht und Hände, und das brachte die Sängerin vollends wieder zu sich. Dennochbrachte sie noch kein Wort heraus. Langsam setzte sie sich auf und sah sich um. Die reglose Gestalt des Toten sagte ihr, dass sie keineswegs einer grässlichen Einbildung erlegen war. Was sich hier eben abgespielt hatte, war Wirklichkeit gewesen.


    Dann stand sie auf, die Beine waren immer noch etwas wackelig, doch hier in dieser heimgesuchten Schänke würde sie keine Minute länger bleiben. "Danke!", flüsterte sie und stürzte dann fluchtartig zur Tür hinaus. Der Ausgang des Wettbewerbes war ihr mittlerweile völlig egal.

    Elaiya lächelte sanft. Das war eine ziemlich persönliche Frage von Einer, die sie grade ein paar Minuten kannte. "Das hat mehrere Gründe.", antwortete sie ein wenig ausweichend. "Da wäre einmal mein Laden hier. Er geht ganz gut, und es macht mir Freude, Instrumente zu bauen. In Waldheim habe ich nicht so viel Gelegenheit dazu, es gibt einfach nicht so viele Leute, die welche bestellen. Auch wenn ich ganz ehrlich zugeben muss, dass es keine schöne Vorstellung ist, wenn eine meisterlich gefertigte Harfe als Statussymbol im sogenannten Musikzimmer eines Adeligen vor sich hinstaubt, ohne dass jemals jemand sie zum Leben erweckt. Dann stehen mir hier auch gänzlich andere Möglichkeiten offen, meine Ausbildung weiter voran zu treiben.Sicherlich werde ich irgendwann zurückkehren, doch noch nicht jetzt." Über Sicil sagte sie nichts. Natürlich war auch er ein guter Grund, in der Stadt zu bleiben, aber das musste sie nicht sofort jedem mitteilen. Die Anfeindungen, die der Nachtelf ertragen musste und die sich auch auf sie schon übertragen hatte, machten sie in diesem Punkt vorsichtig.

    "Welches Gefühl hat mein Wald...." Elaiya lachte. "Nun, mein Wald ist vor allem ein Weiden- und Birkenhain am Ufer des Silberflusses. Es ist kein sehr dichter Wald, sondern licht- und lufterfüllt. Er scheint hauptsächlich aus drei Farben zu bestehen, silbern, golden und grün, besonders im Herbst und er ist erfüllt vom Piepsen kleiner Vögel im Schilf und dem Rauschen des Flusses. Es ist ein sehr ruhiger und beruhigender Ort, an dem man merkt, das Worte nicht viel zählen. Dafür gibt es fast keinen besseren Ort, um dort Lieder zu schreiben und Musik zu erfinden. Waldheim ist dafür fast ebenso gut geeignet, doch von ganz anderer Art, hier trifft man auf viele Gleichgesinnte. Es ist eine sehr eingeschworene Gemeinschaft, die Leutze sind gesellig aber eigentlich nur unter sich. Es ist eben ein kleines Dorf, verglichen mit Nir'alenar. Jeder kennt jeden..." Elaiya verstummte. Ja, je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr spürte sie, wo sie wirklich hingehörte.


    [Ja, Waldheim liegt in Arvonar... der Silberwald ist auf der anderen Seite vom Silberfluss]

    Elaiya wurde aus ihrer gespannten Erwartung gerissen, als die Geisterfrau so plötzlich erschien. Shir'elei neben ihr fauchte, doch das Fauchen endete in einem ängstlichen Maunzen, und die kleine Sandkatze drückte sich gegen Elaiyas Beine. Die Musikerin selbst war aufgesprungen und presste die Hände vor den Mund. Was sich vor ihren Augen abspielte, war so entsetzlich, dass sie nicht einmal aufschreien konnte, nur ein leises Keuchen entwich ihr. Durch nichts in ihrem bisher so ruhigen und behüteten Leben war die junge Halbelfe darauf vorbereitet, mit Spuk dieser Art zusammenzutreffen. Und als die Geisterfrau wieder verschwand, gaben die Knie unter ihr nach, und plötzlich sah sie erst Sterne vor ihren Augen tanzen, dann wurde es dunkel um sie - mit einem leisen Seufzen sank Elaiya in sich zusammen und fiel schlicht in Ohnmacht.

    Wo war sie zu Hause? Elaiya musste eine Zeitlang überlegen. War es jener Weidenhein am Ufer des Silberflusses, wo sie ihre Kindheit verbracht hatte? Oder Waldheim, die Stadt ihrer Jugend, wo sie ihre Ausbildung erfahren hatte und wo es so provinziell (verglichen mit Nir'Alenar) und doch so vertraut und heimelig zuging? Beide Orte bedeuteten ihr unendlich viel. "Hm, aufgewachsen bin ich am Ufer des Silberflusses bei meiner Mutter, aber gelernt habe ich bei meinem Vater in Waldheim.", antwortete sie. "Ich denke, beide Orte würde ich Heimat nennen. So wie ich mich mal mehr als Elfe, mal mehr als Dryade fühle, je nach Stimmung... ebenso bin ich manchmal lieber in Waldheim und manchmal lieber am Silberfluss." Elaiya lachte leise. "Oder vielmehr, wäre... ich bin ja schließlich hier..... aber es tut mir sehr leid, dass Ihr Eure Eltern nicht kennt.", fügte sie wieder ernster hinzu. "Ich dachte schon, es sei schwierig, Elternaus zwei verschiedenen Völkern zu haben, aber seine Eltern gar nicht zu kennen..."



    [OT/ Oh Himmel, wie peinlich

    :blush:

    Ich stelle grade fest, dass ich ja auch aus dem Wald von Arvanor komme, irgendwie schwebte mir die ganze Zeit der Silberwald im Kopf... ich sollte mir die Karte mal besser einprägen

    :yeah:

    ]

    Elaiya schloss die Augen und lehnte sich zurück, während Losifa erzählte, und der Wald von Arvonar schien vor ihrem Auge Wirklichkeit zu werden. Dann schob sich ein anderes Bild dazwischen, das von ihrer eigenen Heimat, und mit einem Male spürte sie ganz sicher, dass sie in der Stadt niemals auf Dauer glücklich sein könnte. Wieder schob sie diesen Gedanken beiseite. "Ja, hier in der Stadt... alle möglichen Zwänge begegnen einem hier.", erwiderte sie leise. Dann lachte sie. "Nunja, aber es scheint, als ziehe es jeden irgendwann zurück zum Ort seiner Kindheit. Mich in die Wälder, euch nach Nir'alenar. Aber wie kommt es, dass Ihr so weit entfernt von den Ländern Eures Stammes aufgewachsen seid?"

    Elaiya blickte nachdenklich über das Wasser. "Hm, ich weiß noch nicht genau, ob mein Platz hier ist.", erwiderte sie. "Ich bin im Wald aufgewachsen, und der Wald wird letztendlich meine Heimat bleiben, denke ich. Es sieht jedoch im MOment so aus, als würde ein Stück meines Weges mich durch diese Stadt führen." Dann jedoch schüttelte sie diese nachdenkliche Stimmung ab. Manchmal war sie sich wirklich nicht sicher, ob sie in die Stadt gehörte oder in den Wald, doch was brachte es, zu sehr über die Zukunft nachzugrübeln. Im Moment jedenfalls war sie hier glücklich mit Sicil, ihrer Ausbildung und ihrer Werkstatt. "Den Wald von Arvonar kenne ich jedoch nicht - erzählt mir etwas darüber!", bat sie.