Beiträge von Keona Saldari

    „ Ja. Dieses Schiff gehört im Anteil meinem Onkel und Hyram.“ murmelte sie leise, war aber garnicht wirklich gedanklich bei diesem Thema.

    „ Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt, aber wenn werden wir jede Hilfe brauchen die wir kriegen können.“ Denn die flüsternde Inkie war wesentlich größer als die Wolkentänzer und vor allem was die Ausrüstung anging um einiges Wehrhafter. Doch dann gab Ipati Entwarnung. Viel zu wenig Information, denn der Windgeist gab lediglich Boreas Worte weiter.

    „ Ich soll euch entwarnung geben..“ meinte sie mit verwirrtem Gesichtsausdruck und starrte einen Moment auf sie Türklinke bevor sie mit einem „ Ich komm gleich wieder.“ aus dem Raum ging.


    Keona traute dem Frieden nicht mehr, und dieses Bedrängnis übertrug sich auf ihre zögerlichen Schritte die sie über das Deck zu Kapitänskajüte führten. Als wartete dort drinn das nächste Unheil, sei es durch Taten oder die grauenvolle Wahrheit über ihren Bruder oder anderen feststehenden Tatsachen. Ipati war hingegen Euphorisch, das alleine ließ sie jedoch nicht stetig einen Schritt vor den anderen Setzen. Es war das Vertrauen in Boreas. Dass er es trotzdem immer Geschafft hatte das Ruder noch herumzureissen, auch wenn ihnen das Wasser bis zum Hals gestanden war. Mit schwerem Herzen drückte die Verwandelte die Klinke herunter und trat zögerlich mit ausweichendem Blick ein.

    Boreas Worte schürten nur die Unruhe in ihrem Innern. Das klang als müsste sie sich jetzt vor ihrem Onkel für die Taten und somit den Grund rechtfertigen, warum ihr Bruder all das nun ausbaden musste, wo sie zu Feige gewesen und geflohen war.

    Ja sie mochten auf ihrer Seite sein, aber die Rüge konnte noch immer kommen.

    Aber stattdessen schritt der Weinhändler schnell auf seine Nichte zu, kaum dass sie durch sie Tür getreten war, schloss er sie erleichtert in seine Arme.

    „ Wir vermuteten schon das schlimmste.“ eröffnete er voller Sorge und schüttelte den Kopf.

    „ Ohne seine Hilfe wäre es auch anders ausgegangen.“ meinte die Geflügelte und suchte über die Schulter ihres Onkels hinweg Boreas Blick.

    „ Warum seid ihr nicht zu Cassiel?!“ fragte Gaveen vorwurfsvoll als er sich von ihr löste.

    „ Wie sollten sie?“ verteidigte sie nun Narean und warf eine Hand ungeduldig in die Luft. Gaveen war nur so im logischen Denken beeinflusst, wenn es um seine Familie ging.

    „ Du kennst Hyram... er wollte dich nicht mit reinziehen und wo hätten sie wohl zuerst gesucht, als bei deiner Frau und ihrer Tante?“ tadelte er ihn und klopfte wieder Boreas auf die Schulter. „ Sie habens schon richtig gemacht.“ er schloss dabei eindeutig alle drei Jungen Leute ein.

    „ Sie waren auch bei Orphelia.. in Rosandrie.“ gab sie die Bestätigung, dass Varin all ihre Verwandten in Betracht gezogen hatte auch wenn sie außerhalb von Yelindea lebten.

    Keona lehnte sich gegen die Hölzerne Verkleidung und schmulte zurück durch den Türspalt in den Vorraum. Die Wärme auf ihrem Kopf und die fordernde Frage Chispas ließ sie jedoch die Türe schließen und zu der Kii sehen. Der Bär wirkte in anbetracht der Situation nurnoch mindergefährlich.

    „ Vielleicht müsst ihr das sogar...“ deutete die Syrenia an und lauschte. Eigentlich wollte sie Boreas nicht dort oben alleine lassen. Was wenn es doch zu einer Auseinandersetzung kam? Aber Ipati war ja auch noch bei ihm... sie würde sie schon rechtzeitig Alarmieren und dem Kapitän der Wolkentänzer beistehen. Chispa der sich scheinbar schon Kampfbereit aufplusterte hielt sie mit einer Ausgestreckten Hand auf abstand und blockierte mit ihrem Körper die Tür.

    „ Entweder es sind Verbündete, oder Feinde... Ich vertraue nicht nocheinmal Blind auf Familiebande.“ eine dürftige Erklärung, das war ihr Momentan und so angespannt noch nicht richtig Bewusst.

    „ Auch wenn Mein Onkel ganz anders ist..... wer weiss..“


    Der Mann nickte zustimmend, seine Lippen waren dabei schlussfolgernd geschürzt. Finger trommelten leicht auf Boreas Schultern bevor sie bekräftigend zudrückten.

    „ Nun.. Das muss in der Familie liegen.“ grinste er und verlor nun den letzten Rest Anspannung. „dann ist ja alles geklärt und wir müssen nichtmehr um den heissen Brei herum reden. Aber du verstehst sicher meine Vorsicht.“ die Schuld von sich weisend breitete er kurz die Arme aus und lehnte sich dann lässig gegen die Reling. Er hatte nun in die Persönlichere Ansprache Gewechselt.

    „ Dann hat mich mein Gefühl nicht im Stich gelassen. Die Phoeniax sind noch eine Familie, denen die alten Werte wichtig sind. Aber ihr tut daran, sie auch weiterhin so zu verbergen. Gaveen!.“ er winkte seinen Partner hinüber und gab dann nickend die Bestätigung. Bisher hatte sich der Weinhändler eher zurückgehalten, doch bei dieser Aussicht, hob er stolzer das Kinn.

    „ Wir hörten nur viele Gerüchte.“ sorge schwang in Gaveen Tumuls Worten mit, als er wieder zurück zur Tür blickte. „ Können wir irgendwo reden? In Ruhe wo uns keiner sieht?“

    Zural Narean strich sich bei Boreas Worten über den Wohl gepflegten Bart. Er wirkte hochkonzentriert, während der Weinhändler und Keonas Onkel noch immer zu der Tür blickte in der die Frau verschwunden war.

    Bis der junge Stoffhändler eine Gegenfrage stellte nickte der Kapitän nur bis sich sein Gesichtsausdruck schließlich in ein überlegenes Lächeln wandelte.

    „ Nun... ihr wisst wie das Schicksal spielt, auch wenn es zu solchen Zufällen kommt.“ begann Narean wie beiläufig und zog sich die Weste straff. „ Ihr sagtet, ihr legt eure Hand ins Feuer für eure Crew...die Ja unter uns gleichermaßen Familie darstellt. Und auch wir sorgen für unsere Familie.“ Der schneidige Windvölkler machte einen Schritt auf den Jüngeren Volksmann zu und legte ihm einen Arm brüderlich auf die Schultern um in in Richtung der abgewandten Reling zu führen.

    „ Nehmen wir an... man erführe von einem Unrecht, dass einem oder Zwei Familienmitgliedern - Beispielsweise einem Neffen und einer Nichte- zuteil würde, würdet ihr euch auch dafür einsetzen, dass dies geklärt würde? Aber ja.“

    Narean nickte überdeutlich. Noch wirkte seine Haltung freundlich, aber unnachgiebig. Zuerst hatte er den Namen nicht zwingend damit in Verbindung gebracht, aber jetzt?

    „ Die Frage ist nur..welche Rolle spielt der junge Spross einer großen Händlerfamilie... in diesem Stück? Auf wessen Seite steht er...“

    Wie weit ging dieser ganze Varin-Komplott? Hatten sie ihren Onkel etwa nach Yelindea zitiert, damit er ebenfalls aussagen sollte? Oder suchten sie noch mehr Leute die sie für wine Erpressung verwenden konnten? Oder wusste er noch garnicht, dass seine Nichte geflohen und sein Neffe im Kerker saß? Keona versuchte sich vorzustellen wie er unter den Verschiedensten Gegebenheiten reagieren würde, schließlich hatte Hyram fast Zwei Jahre mit auf diesem Schiff verbracht. Wobei sie bei Onkel und Tante allein kaum gezögert hätte, aber der Umstand dass er nicht allein war, bedeutete viel mehr Risiko als möglichen Nutzen.

    Umso dankbarer war sie nun um die Aufgabe die ihr Boreas zuschanzte. Mit gesenktem Blick nickte die Magierin und reichte Ihrem Kapitän das halbleere Glas.

    „ Aye Käpt‘n. Entschuldigt mich...“ antwortete sie mit einer monotonen Stimme, die ihre eigene Sprechweise ein wenig zu Verbergen suchte und nur flüchtig blickte sie in die Richtung der beiden Männer, wie es die Höflichkeit gebot.

    „ Natürlich.“ nickte Narean freundlich und bereitete der Dame mit einer Geste den Freien Weg über Deck. Keona ließ sich das nicht zweimal sagen, auch wenn sie sich zügeln musste nicht davonzueilen um keine Aufmerksamkeit zu erregen.

    „ Eine Bezaubernde Gefährtin, habt ihr da, Kapitän...“ begann Narean anerkennend und leerte sein Glas. Boreas hatte sie Zwar nicht offiziell so bezeichnet, aber das war einfach seine nicht ganz adrette Art mehr über sein gegenüber herauszufinden „ Ungewöhnlich Schweigsam...aber, gesunde Vorsicht, ist eine Tugend... Ich würde mich geehrt fühlen, wenn ich mich zusätzlich mit einer Einladung, für eure Hilfe Erkenntlich Zeigen dürfte. Solltet ihr also einmal in meinem Heimathafen, Yelindea vor Anker gehen...?“ der Windvölkler ließ den Satz unvollendet. Und drehte das Glas zwischen den Fingern...


    Mit der ersten Stufe wurde sie immer schneller, bis sie schließlich an Mineas und Zoraks Tür klopfte und kaum ein Zeichen abwartete um die Tür aufzudrücken. Zumindest versuchte sie es, denn das Holz gab nur wenige Zentimeter nach, bevor sie von dem Bären aufgehalten wurde.

    „ Minea? Ich muss mit euch sprechen... lässt su mich rein?“

    Keona vermied es den beiden Windvölklern in die Augen zu sehen, als sie alle das Glas erhoben. Den hervorragenden Geschmack des Weines, konnte sie kaum genießen. Sie glaubte nicht, dass Narean sie erkennen mochte, das letzte Mal, als sie auf dem Luftschiff gewesen war, war sie ja beinahe noch ein Kind gewesen und trotzdem fühlte sie sich von dem schneidigen Mann beobachtet. Aber bei ihrem Onkel bestand mit sicherheit die Gefahr, dass er seine Nichte hinter dieser Illusion erkennen konnte. Wie weit mochte Freundschaft dort noch ausreichen? Bestandt die Gefahr, dass Narean sie an die Varins auslieferte? Sie hatte diesen Mann noch nie wirklich einschätzen können. Mal sprach er mit honigsüßer Stimme, aber sie hatte ihn auch schon ganz anders erlebt. Die geschäftigen Geräusche vom Nachbarschiff verdeutlichten, dass die Reperaturarbeiten bereits in vollem Gange waren. Ihr Blick wanderte suchend hinüber, hoffte beinahe, dass irgendwer noch eine Hand gebrauchen konnte, doch die Mannschaft war aufeinander enorm eingespielt. Es gab kein Entkommen für sie aus dieser heiklen Situation

    Der andere Kapitän würdigte den Wein mit einem erneuten Blick auf das Glas, bevor er Boreas eine Antwort gab. "Wir kamen aus Ymarue und wollten eigentlich nach Yelindea, wegen..Familienangelegenheiten." kurz wechselten die beiden Männer einen Blick, bevor Narean etwas ausweichender weiter Sprach." Der Sturm der vom Festland kam, zwang uns weiter aufs Meer auszuweichen. Zum Glück, sonst hätten wir wohl keine Chance gehabt."


    Ganz leise schwebte ein Lufthauch aus der Takelage der Wolkentänzer und setzte sich auf Boreas Schulter. Ipati hatte gespürt, dass irgendetwas Keona enorm aus der Fassung gebracht hatte und nun erkannte sie auch den Grund dafür. Ein energischer Wind heulte ablenkend übers Meer, bevor Ipati Boreas leise ins Ohr flüsterte. "Der linke ist Keonas Onkel...."

    Der Kapitän hielt kurz inne und führte grübelnd seine Hand ans Kinn um die vielen Falschen in den Holzwaben zu begutachten. Gelegentlich zog er eine heraus um das Ettikett genauer in Augenschein zu nehmen, schob sie dann aber schnell wieder an ihren Platz zurück.

    "Nun.. Ein starker Sturm trieb uns immer weiter nach Osten bis die erste Rah brach und die Segel eines nach dem anderen rissen. Die Einen Männer glauben. Der Sturm wurde von Alaria geschickt, weil der stille Liguurn einen Delphin in einem Netz gefangen hatte und ihn nicht wieder freilassen wollte und das Tier schließlich an Deck verendet ist... und der Rest glaubt, dass der Sturm von Selurian geschickt wurde und Alaria uns alle gerettet hat. Es gibt soviele Varianten.. Von Buße, über Wut.. über Dankbarkeit und Opfergaben... Seemänner sind abergläubisch.. aber Euch brauche ich das nicht sagen." Energisch winkte der Kapitän ab und hoffte wohl, dass sich das Problem mit der Priesterin jetzt mildern würde.

    "Hm.." brummte Narean und schien sich nicht recht entscheiden zu können. " Das kann wohl kaum einer... Wenn man denn wüsste welcher... der.. aus....."

    Seufzend schritt der Händler nun ebenfalls auf den Schrank zu und zog fast blind eine schlanke Grünglasflasche aus dem Schrank und drückte sie seinem Freund kopfschüttelnd in die Hand, so dass seine Ringe gegen das Glas schlugen und einen hohen Klang erzeugten.

    " Ah.. genau die. Danke Gaveen." grinste er breit und präsentierte Boreas die Flasche mit dem kunstvollem Ettikett nach vorne. " 200 Jahre alt.. mit besonderer Note nach.. Veilchen und erlesenen Tamrina-Beeren... aus Chadira."

    "Yelindea." verbesserte der Weinkundige, der das schließlich wissen musste, denn dies war der Lieblingswein seiner Frau und griff sich die zarten Kristallgläser vom Tisch um aus dem Besprechnungsraum zu treten.

    Narean rollte mit den Augen und beteutete Boreas den Vortritt um auf die Wolkentänzer zu deuten.

    "Wenn es Euch nichts ausmacht.. Hier stehen wir unseren Männern nur im Weg herum."


    Keona beobachtete das Treiben auf dem Fremden Schiff und behielt die Priesterin im Auge, bis die Zwei Kapitäne über die Planke auf die Wolkentänzer umsetzten.

    " Die Dame." neigte der Kapitän den Kopf und reichte Ori eines der Gläser, dass sie höflich nickend annahm. Besser man redete nicht zuviel, dann würde man nicht soviel aufmerksamkeit auf sich ziehen... Doch gerade als Narean den Wein großzügig in die Gläser eingoss, wurde ihr Blickfeld frei auf den Dritten Mann im Bunde. Die Hitze stieg ihr zu Kopf und schnell senkte sie den Blick. Als fürchtete sie nur, wenn der Windvölker sie ansah, würde er wohl sofort wissen wer sie war....

    Gaveen Tumul war nicht irgendein Weinhändler... Sondern der Mann ihrer aus der Gesellschaft verstoßenen Tante Cassiel. Hyram hatte fast zwei Jahre an Bord dieses Schiffes gelebt um sein Handwerk zu lernen, abstand von ihrer Familie zu bekommen und um ein Mädchen zu vergessen.


    " Auf den Zusammenhalt des Windvolkes und unseren Retter. Käptn Boreas Phoeniax." hob der stolze Narean das Glas und nickte Boreas dankbar zu.

    Keona blickte unsicher zu der Priesterin und dann auf den, im Schiff verschwindenden Boreas. Sie konnte doch die blinde Geweihte hier nicht alleine lassen oder? Unschlüssig stand die Syreniae an Deck vor der Planke. Doch Niiv schien sich weitaus sicherer zu bewegen, als sie befürchtet hatte und auch die Männer die hier und da auf Kisten saßen und eifrig Segel flickten hatten ein Auge auf die Frau die sich langsam den Weg über die Planken tastete. Doch hier herumstehen wollte sie auch nicht. Das war ein fremdes Schiff und so wirklich wohl fühlte sie sich hier nicht. Langsam und immer wieder einen Blick zurück auf die Priesterin werfend, balancierte sie über die Planke zurück auf das vertraute Windschiff um sich an der Reeling abzustützen. Vielleicht sollte sie sich unten nützlich machen? Kam ihr der Gedanke, als die ersten Männer mit Ballen beladen wieder an Deck kamen. Doch so wirklich wollte sie die Priesterin auch nicht aus den Augen lassen. Ein Seemann hatte sich ehrfurchtsvoll die Mütze vom Kopf gezogen und präsentierte eine glänzende Halbglatze als er mit Niiv sprach.


    "Jedes Stück Holz, ist uns eine enorme Hilfe." nickte der Kapitän dankbar und lud seine Holzbretter einem seiner Männer auf, der wieder über die Planke gerannt kam um Narean die Materialien abzunehmen.

    "Und der gute Fjoch ist ein hervorragender Zimmermann, der sogar schon einige der teuren Stühle restaurieren musste." Der schneidige Mann nahm Boreas das Fass von der Schulter um es selbst über die Planke zu tragen und stellte es schließlich nachdem er wieder auf sein Schiff zurückgekehrt war neben dem Masten ab.

    " Darf ich Euch nun zu einem guten Wein einladen? Oder ist euch ein Likör oder ein Schnaps lieber? Das wäre das Mindeste um mich vorläufig zu bedanken. Gaveen hat eine hervorragende Auswahl."

    Narean drückte sich an dem Botenjungen vorbei, der bereits mit dicken Backen an einem Stück trockenfleisch kaute und " Ischt gut.. If geh ihm zfur Hand." nuschelnd seinen Befehl entgegennahm und in die Takelage flog.

    " Dürfen wir deinen Schrank plündern, Gaveen?" fragte der Kapitän seinen Geschäftspartner, doch wartete er keine Sekunde ab um auf einen großen dunklen Holzschrank zuzugehen und die Flügeltüren aufzureissen.

    " Tu nur so, als wärst du höflich... Ich stells dir in Rechnung." grinste der Händler und es wurde nur zu deutlich, dass er seinen alten Freund aufzog.

    " Was bevorzugt ihr und eure Begleiter Käptn?" stellte er die frage und fischte mehrere Gläser aus den Silbernen Halterungen um sie zum Tisch hinüber zu tragen.

    Keona bedachte den Mann mit einem Freundlichen Lächeln, denn die Hand die der Kapitän ausgestreckt hatte um die Priesterin galant zu grüßen, wurde schlichtweg übersehen, weil sie nicht gesehen wurde. Jedoch bemerkte der Windvölkler nur allzuschnell, dass keineswegs Unhöflichkeit dahinter steckte und rieb sich etwas verlegen, über den Nacken durch das kurze Haar.

    "Nun um ehrlich zu sein... mussten wir streng rationieren, weil wir es sonst nicht bis zur Küste geschafft hätten. Und die Streitereien unter den Leuten, stacheln sie dazu an, alte Schulden gegen Rationen einzutreiben, ehrenwerte Priesterin." gestand er sich überraschend ehrlich ein und Keona ließ ihren Blick über die Mannschaft streifen. Irgendwie schien die Mannschaft zweigeteilt. Die einen Trugen Amulette um den Hals, die sie eindeutig als Alaria Gläubige auswiesen, während andere offensichtlich Selurian zugetan waren. Beides Götter der Seefahrt und dennoch schien es als wären die einen nicht gut auf die anderen zu sprechen.

    "Es scheinen sich zudem zwei Gruppierungen gebildet zu haben... Vielleicht hättet ihr ein paar Worte für die Mannschaft übrig, die ihnen Zeigt, dass keiner der Götter ihnen dieses Unwetter geschickt hat um sie zu bestrafen... Vielleicht könnt ihr sie Aufmuntern, solange Käptn Phoeniax uns mit den Materialien aushilft? Ich sehe es nicht gern, wenn meine Mannschaft zweigeteilt ist." unsicher sah er zwischen der Priesterin und Boreas hin und her, während Keona näher an die Priesterin getreten war.

    "Die einen tragen ein Zeichen Selurians und die anderen das eurer Göttin."

    "Entschuldigt uns bitte, Priesterin." mit einem kurzen leeren Griff an einen nicht vorhandenen Hut, machte er der Geweihten Platz und deutete Boreas den Vortritt

    "Euch schicken wahrlich die Götter!" lachte der Kapitän und auch die Miene des Weinhändlers hellte sich ein wenig auf bei diesen Neuigkeiten. "Nein, Nein.. Fliegen muss es garnicht, wenn uns nur der Wind wieder um die Nase weht!" Er lächelte und ließ seinen Stift auf den Tisch fallen.

    "Das mit der Begleichung, besprechen wir später bei einem guten Tropfen, dafür ist doch immer Zeit." nickte der- für einen vom Windvolk vergleichsweise großen Mann- eilig und richtete sich endlich wieder von seinen Karten auf. Die Berechnungen der Reisegeschwindigkeit war ja offensichtlich nichtmehr vorrangig und seine Ladung schien wieder sicher.

    " Ja, das war nötig." gab der Kapitän bedauernd zum Besten und Stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch nachdem er den Zettel entgegen genommen hatte. " Das Zeug verfault uns über Dauer in den Fässern und ein Teil der Kisten von Deck ist bei dem Sturm über Bord gegangen. Aber wenn die Segel wieder flott sind, sollten wir es gut bis in den nächsten Hafen schaffen."

    Schnellen Schrittes ging er zur halboffenen Tür und brüllte einige Männernamen hinaus die eilig trippelnd antraten. " Vielleicht dürfte ich Euch bitten sogleich das Leinentuch zum überladen vorzubereiten, damit die Männer schon etwas zum arbeiten haben?" fragte der Kapitän und deutete auf die Männer

    Keona begleitete das letzte Fass aus dem Bauch des Schiffes und kam neben der Priesterin zum stehen, die noch immer lauschend auf das Fremde Schiff zu schauen schien.

    "Ich denke das wird noch ein wenig dauern, ehrenwerte Priesterin. Die Segel sind beinahe komplett abgetakelt und eine Rah sieht gebrochen aus. Sie wirken alle sehr.. müde." Ich könnte Euch zu den Stufen führen, wenn ihr das wollt?" fragte die Syrenia höflich und legte ihren Flügel bequemer an. Vielleicht wollte die Priesterin aber auch eine Andacht drüben auf dem Schiff abhalten? In dem Falle konnte sie Boreas informieren um das dem anderen Schiff vorzuschlagen.

    Keona schlug kräftig mit den Flügeln um die Segel einzuholen, denn dazu brauchte es kaum einen Befehl, sein entschlossener Blick und ein kaum merkliches Nicken waren Zeichen genug. Auch der Anker war schnell gelöst und das Schiff kam schwankend auf den seichten Wellen zum stehen. Gerade lief sie an den beiden Kapitänen vorbei auf den Weg zum Heck, als sie Boreas Worte langsamer werden ließen. Boreas Worte ließen die Frau nicken. Ja sie hatten wirklich fast zu viel Proviant dabei. Aber wie man an dem Schiff der anderen Sehen konnte, war es wohl besser zuviel Vorräte dabei zu haben als zu wenig. Der Kapitän neigte höflich den Kopf und irgendwie, konnte sie nicht umhin dass ihr dieser Mann irgendwie bekannt vorkam. Aber selbst wenn.. er würde sie so ja auch nicht erkennen. Sie sah immerhin aus wie eine vom Windvolk und Ipati flog irgendwo unsichtbar in der Reling herum. Ein Gedanke der sie doch beruhigte und sie eine lockere Haltung annehmen ließ. " Kartoffeln, Trockenfleisch. Zwei Fässer Wasser." wiederholte die Syrenia die Worte ihres Kapitäns und hoffte, dass Zorak und Minea ihre Türe zur Mannschaftskajüte geschlossen hatten. Ein wenig schneller als die folgenden Männer sprang sie die Treppe zum mittleren Deck hinab und das trippeln von Stiefeln zeigte dass ihr die fremden folgten.

    Ein prüfender Blick zur Manschaftskajüte brachte Erleichterung und ließ sie kurz Ausatmen. Eines der Fässer beiseite schiebend, deutete sie auf zwei Fässer. " Zweimal Wasser " Ein kräftiger breitschultriger Seemann hiefte sich eines davon auf die Schulter und stapfte wieder die Treppe hinauf. "Kartoffeln und das trockenfleisch." der Zweite nahm sich das deutlich leichtere Fass mit dem getrocknetem Fleisch und brachte auch das hinauf. Der kleine Syreniae Junge zuckte mit den Schultern und deutete auf das Kartoffelfass. " Zusammen geht das..." schlug er vor und suchte einen festen Griff an dem Deckel.

    Gemeinsam trugen die zwei Geflügelten das Fass an Deck und entschlossen sich kurzerhand, einfach den Luftweg zu nehmen und waren so sogar schneller als der grobe Kerl mit dem Wasserfass, der Gerade wieder die Wolkentänzer betrat.


    " Auf die Phoeniax ist immer verlass." lachte er ein ehrliches Lächeln und klopfte enthusiastisch auf die Reeling. " Ich glaube ich kenne Euren Großvater.. oder Onkel? Tharis Phoeniax? Meine ganzes Mobiliar ist aus seinem Bestand." Er wies dem jüngeren Kapitän einladen einen Weg in den Besprechungsraum der Offiziere. Wo bereits zwei andere Männer ihren Posten bezogen hatten. Ein Mensch, der sein Werkzeug am Gürtel trug und seine Mütze schief auf dem Kopf trug und etwas gebeugt über dem Tisch kauerte um Dinge auf einem Zettel zu notieren. Und ein ebenso Ordentlich gekleiderter Windvölker im gleichen Alter wie der Kapitän, dessen langes weisses Haar im Nacken zusammenbeunden war. " Darf ich vorstellen, Unser Retter in der Not. Boreas Phoeniax. Das ist mein Geschäftspartner Gaveen Tumul."

    Gaveen ging um den Tisch herum und reichte Boreas die Hand. " Gut gut.. ihr seid wirklich Rettung in letzter Minute... Ich dachte schon, die Mannschaft würde sich bald an der Ladung vergreifen." meinte er sichtlich erleichtert.

    " Versucht hats irgendwer... ich muss die Tür abschleifen, die sie versucht haben aufzubrechen.." grummelte der Schiffszimmermann nuschelnd und strich etwas auf dem Zettel durch um ihm dem Käptn zu geben. " Das ist das mindeste was ich brauche damit wir wieder auftakeln können... Die Bettlaken taugen einfach nicht als ersatz..."

    Der Junge salutierte und setzte langsam mit den bloßen Füßen auf dem Achterdeck auf und legte die großen grauen Flügel an. Schnell hielt er dem Kapitän einen Zettel entgegen und rieb sich unsicher über den Arm.

    "Käptn Narean, und er fragt ob ihr etwas Segeltuch und einige Leinen entbehren könntet, Herr. Wir flicken das was wir noch haben sogar schon mit Ulfriks alten Socken. Der Wind hat das Marssegel und die Vortop davon getragen... und langsam gehen uns die Vorräte aus, wenn wir weiterhin mit einem Knoten vor uns hin dümpeln, erreichen wir die Küste nicht rechtzeitig." Der junge Seemann schien das ganze offizielle Anfragen garnicht gewohnt und seine Augen huschten immer wieder unsicher zwischen den Anwesenden hin und her. "Und vielleicht eine Eisenmanschette für die Rah? Der Käptn meint, er würde das selbstverständlich bezahlen... Vielleicht wollt ihr euch die Schäden selbst.. ansehen? Käptn Narean lädt Euch auf sein Schiff ein."

    Keona beobachtete das Geschehen und der Wind trug einige Wörter herüber. Unsicher nahm sie erneut das andere Schiff in Augenschein. tatsächlich waren viele Segel abgetakelt und die ganze Manschaft des Handelschiffs schien an Deck mit nähen beschäftigt zu sein. Wieso nur, kam ihr das Schiff so bekannt vor?

    Langsam schob sich die flüsternde Inkie neben die Wolkentänzer und ein Windvölkler mit gezwirbelten Schnurrbart und edler Seidenweste im Stil seines Volkes, stand an der Reling während zwei Seemänner eine Planke herantrugen, die der Kapitän mit einer Handbewegung dazu anhielt zu warten. Freundlich aber hoffend, blickte er zu Boreas und hob zum Gruß die Hand.

    "Ahoi, Käptn! Dürfen wir die Planke anlegen, damit ich Euch auf diesen schäbig wirkenden Kahn einladen darf? Ich bin Zural Narean und Käptn der flüsternden Inkie.

    Ein Fahnenschwenker zu Achtern stand eifrig mit den Wimpeln wedelnd auf der flüsternden Inkie. Und wiederholte ständig seine Nachricht.

    - Seenot -

    Keona half Boreas die Segel zu setzen und langsam, gleitete die Wolkentänzer auf das andere Schiff zu. Ein Jubelschrei der Mannschaft kam zur Antwort als ihnen die Hoffnung auf Hilfe bewusst wurde.

    Als Chispa an Deck gewuselt kam, schüttelte Keona den Kopf.

    „ Geh wieder unter Deck, Chispa! Wir wissen nicht obs nicht vielleicht eine Falle ist. Verhaltet Euch ruhig.“ erklärte die Syrenia und löste ein Segel. Es wäre besser man sähe die zwei Elementargeister nicht. Ipati flog unsichtbar in der Takelage umher und löste gelegentlich auf Boreas Anweisungen hin, die Taue, doch sie wusste nicht ob Chispa sich ebenfalls unsichtbar machen konnte.

    Die Schiffe waren noch gut 400 Meter voneinander entfernt als sich ein geflügelter Schatten von der flüsternden Inkie löste und gemächlich kurs auf die Wolkentänzer nahm.

    Der Junge Syreniaer umrundete die Wolkentänzer längsseits und schloss sich kurshaltend backbords dem Luftschiff an.

    „ Selurian mit Euch! Seid ihr der Kapitän?!“ rief der Halbwüchsige und wedelte mit einem Pergamentblatt. „ Ich habe eine Nachricht für Euch von Zural Narean, Kapitän der Flüsternden Inkie. Wir sind in Seenot geraten und Hoffen dass ihr uns helfen könntet, Käpt‘n...“ er flatterte unruhig neben dem Schiff wagte es aber offensichtlich nicht zu landen.

    „ Ich bin unbewaffnet und Bitte um Erlaubnis an Bord kommen zu dürfen, Sir.“

    Keona kletterte hinter Boreas aus dem Bett und sah erschrocken zu der Tür, aus der er soeben hinausgerumpelt war. Die Anderen warnen.... doch nicht so. Keona würde sie alle in Gefahr bringen, wenn sie jemand so sah und sei es nur durch ein Fernrohr. Schnell wirkte sie den Illusionszauber, den sie schon in der Hauptstadt gewirkt hatte. Schnell folgte die Frau, die nun aussah wie ein Windvolkmischling in einem einfachen Kleid, dem Kapitän hinaus an Deck.

    Weiter entfernt erspähte sie ein Schiff am Horizont, nur jämmerliche Segelfetzen hingen in der Takelage und sogar für Keona schien es deutlich dass sie Probleme haben mussten. Kühl strich ihr die Morgenluft um den Körper und bildete eine Gänsehaut auf ihrer Alabasterhaut, denn die Ilussion des Kleides, wärmte keineswegs. Ipati kam müde aus der Kapitänskajüte getapst und sah verschlafen zu dem Kapitän. Keona wollte schon weiter unter Deck rennen, doch so ruhig wie Boreas an der Reling stand, bremste ihren Schwung.

    " Und wenn es eine Falle ist?" fragte die Syrenia besorgt und schritt neben den Windvölkler den Blick auf den Dreimaster gerichtet.

    Die Tür zum Unterdeck wurde geöffnet und Priesterin Niiv tauchte am Treppenabsatz auf. Schnell trugen sie ihre Füße zu der Geweihten den Blick nur schwerlich von dem Schiff abwendend, das beharrlich näher kam.

    " Ich fürchte... wir bekommen Gesellschaft, Priesterin. Ein Schiff kommt langsam auf und zu und es hat kaum Segel gehisst, außerdem wirkt ordentlich mitgenommen. Wenn ihr mich vor den Leuten Ansprechen wollt, bitte ich Euch den Namen Oreithyia, oder Ori zu verwenden."

    Die Rufe von dem Fremden Schiff wurden lauter und verschiedene Signale wurden von einem Fahnenschwenker übermittelt.

    Keona ging schnell um Zorak und Minea die Sache zu erklären und bat sie beide sich möglichst ruhig zu verhalten.

    Seit sechs Tagen dümpelte nun schon die " Flüsternde Inkie" mit den Wellen, ein Umstand der dem Kapitän durchaus mehr als nur Sorge bereitete, denn eigentlich sollte der stolze Dreimaster durch die Lüfte gleiten und nicht wie jetzt mit geschätzten zwei Knoten auf der Strömung vor sich hinkriechen. Kapitän Narean stand mit seinem Geschäftspartner und Kindheitsfreund Gaveen Tumul an seinem Schreibtisch und brütete über den Logbüchern und maß nun zum Dritten Mal die Strecke auf einer Karte ab, die sie noch zurücklegen mussten, ehe sie an einen Hafen oder wenigstens auf Land stießen, so denn die Ströhmung sie dorthin trieb. Eine Spanne von noch mindestens zehn, wenn nicht doppelt sovielen Tagen, wenn sie es nicht schafften einen Großteil ihrer noch verbliebenen Segel zu reparieren. Während der eine Teil der Mannschaft der festen Überzeugung war, Selurian musste ihnen grollen, meinte der andere sie sollten lieber allen Göttern danken, diesen Sturm überlebt zu haben. Einem Sturm der beinahe alle Segel zerfetzt und die größten im ganzen mit sich gerissen hatte, denn so schnell wie der Sturm aufgezogen war, hätte wohl niemand auch nur eines bergen können. Die Moral der Crew schwand mit jedem Tag und die Laune der zwei Windvolkhändler litt bei dem Gedanken daran, wie der Profit mit jeder Stunde schwand.

    " Wenn wir länger als zehn Tage brauchen - und das brauchen wir ziemlich sicher. Sollten wir die Vorräte rationieren. Vor allem das Wasser. Sonst plündert die Mannschaft deine Ladung, Gaveen." meinte der Kapitän und strich sich über den schmalen wohlgepflegten Bart.

    " Ich gebe Meriuan bescheid." Bei dem Gedanken daran wie sich die Mannschaft an seinen teuren Weinlieferungen vergriff, strich sich der Händler über das zusammengebundene gesträhnte Haar und seufzte.

    Plötzlich wurde die Schwere Eichenholztüre aufgerissen und der Schiffsjunge , ein Syreniaer- Elfen Mischling mit mausgrauen Locken, stolperte beinahe über die Eiserne Schwelle.

    "Käpt'n ! Ein Schiff..... am Horizon. Es ankert und wir treiben in seine Richtung!!" Keuchte er aufgeregt und hielt sich an der Türklinge fest.

    Plötzlich herrschte hecktisches Gewusel auf dem zuvor so ruhigen Handelsschiff, denn Eilig begannen die Vorbereitungen. Fahnen wurden zu Signalen gewunken und die zwei Männer spurteten an Deck um zum Steuermann aufzuschließen.

    Ein leises aber stetiges Pfeifen drängte an Keonas Ohren und schlagartig setzte sich die junge Syreniae auf. Boreas lag neben ihr und für einen Moment beobachtete sie seinen ruhigen Schlaf und lauschte. Die hohe Pfeife hatte ausgesetzt nur um direkt wieder einzusetzen. Ihre Atmung ging schneller und schon lag ihre Hand auf der Brust des Windvölklers um ihn zuerst zögerlich, dann aber doch energischer Wachzurütteln.

    " Boreas. Hey... Da ist jemand... Boreas..."

    Rhynn war schon im Begriff sich zur Tür umzudrehen, als sie den Befehl des Heilers vernahm. Na toll.. genau vor ihm floh sie doch gerade. Zum Teil zumindest, denn eigentlich wollte sie für einen Moment der ganzen Deprimierten Stimmung entfliehen. Der Schwadronsführer ließ sich das nicht zweimal sagen und tat so, als hätte er Rhynns genervtes Schnauben nicht mitbekommen als er zu ihr aufschloss und sie mit einem Arm auf ihrer Schulter einfing.
    Energisch fuhr sich die Katze mit der Hand durchs Gesicht. Sie hatte überhaupt keinen Hunger, vor allem nicht weil sie wusste was Owatu in wenigen Stunden bevorstand aber Karrun würde sie auch nicht in frieden lassen.
    Der Schwadronsführer der sich hier wohl besser auskannte als die Cath`Shyrr führte die Greifenreiterin, zielstrebig an der Lesungstür vorbei bis zur vorletzten Tür im Gang. Der Raum war als Versorgungsraum vorgesehen, doch gerade jetzt befanden sich hier unmengen Stühle und Tische, die eigentlich in den Räumen standen, in denen nun das provisorische Krankenzimmer und der Verhöraum eingerichtet hatte. Das erste was Karrun tat, war eines der größeren Fenster zu öffnen und Rhynn auf einen Stuhl zu bitten. Nur widerwillig setzte die Katze einen Fuß vor den anderen auf den Holzstuhl zu. Warum durfte sie nicht einfach gehen? Doch allzuviel Fundament für einen Protest blieb ihr nicht. Sie war mehr oder weniger an der Frischen Luft und raus aus dem Krankenzimmer und sie wurde das Gefühl nicht los, dass Karrun es sich zur Aufgabe gemacht hatte sie zu überwachen. Skeptisch sah sie auf den Menschen der angefangen hatte die Schränke nach etwas anderen zu durchforsten, als das zurückgelassene Obst in dem Korb.
    " Wir finden sie schon... wir machen uns auf den Weg sobald wir unsere Befehle erhalten haben... " versuchte es Karrun und zog einen Korb aus dem angrenzenden Regal späte hinein und grinste Triumphierend. Doch Rhynn verzog noch mehr das Gesicht als er ihr eine Art süßes Gebäckstück unter die Nase hielt. Ging es ihm gerade nur darum? Owatu hatte die Lesung noch vor sich und er dachte gerade nur daran was wohl danach passiert... In seinem Geschwächten Zustand konnte alles mögliche davor mit Owatu passieren. Und was wäre dann?
    " Karrun.. ich will jetzt nicht drüber reden..." schüttelte Rhynn den Kopf und sah abwesend aus dem Fenster ohne nach dem angebotenen Essen zu greifen.. Natürlich konnte Karrun nichts dafür, doch unbeschreibliche Wut geboren aus Angst Verzweiflung und Sorge schwemmte gerade alles hinfort. Sie war einfach so absolut unbrauchbar in diesem Moment... sie konnte weder Owatu die Schmerzen nehmen noch durfte sie nacher mit hinein zur Lesung um wenigstens ihn wenigstens Moralisch zu unterstützen. Und immer wieder sah sie seinen getrübten Blick vor Augen. Und den Kummer als die Tränen sich in seinen Augenwinkeln gesammelt hatten. Rhynn stütze sich mit dem Ellenbogen am Fensterbrett ab und legte ihr Kinn in die Handfläche.
    " Du solltest aber wirklich etwas essen." appelierte der Schwadronsführer und biss selbst von dem Stück ab, dass er ihr hingehalten hatte.
    " Ich werds überleben..." brummelte die Katze in ihre Hand und sah hinaus auf das Dach des gegenüberliegenden Hauses und dann hinauf in den strahlend Blauen Himmel. Welch eine Ironie... solch ein schönes Wetter an so einem Tag... Eine Zeitlang verfolgte sie einen Sichelförmigen Schatten der hoch über dem Gebäude seine Kreise zog. Gefangen zwischen Deprimierenden Befürchtungen und dem seltsam Mulmigen Gefühl, dass Owatu fand dass sie ziemlich hübsch wäre lehnte sie ihren Kopf gegen das geöffnete Fenster und schlief irgendwann ein.
    Karrun wickelte indess sorgfältig ein kleines Fresspaket für die Greifenreiterin in ein Leinentuch und stellte es neben ihr auf die Fensterbank und erst als er sich wirklich sicher war, dass sie Schlief und nicht nur so tat, damit er verwand. ging er zurück zu Seran um dem Heiler bei seinen Patienten zu helfen.


    Es schienen ihr nur Sekunden vergangen, ehe Rhynn wieder an der Schulter wachgerüttelt wurde. Blinzelnd öffnete sie die Augen und das erste was sie sah war eine schmale schwarze Feder die auf dem Fenstersims neben dem Paket lag.
    "Rhynn.. Seran kann den General nichtmehr vertrösten.. sie wecken gerade Owatu auf ..." erklärte Karrun und machte ihr Platz damit sie aufstehen konnte.
    " Sie tun was?" fragte Rhynn empört und war schlagartig hell wach. Konnten sie ihn nicht einfach schlafen lassen?! Wie lange hatte sie überhaupt geschlafen?
    Die Katze stemmte sich aus dem Stuhl hoch und spurtete den Gang entlang. Der General kam ihr aus dem Krankenzimmer entgegen und schritt sie völlig ignorierend weiter. Schlitternd kam die Katze zu stehen, und drückte sich durch die Tür.
    Seran nickte missmutig. Auch wenn er das nicht guthieß, erkannte er dennoch den Stolz in den Augen des Tua´Tanais. Umsichtig schlug der Satyr die Decke zurück und bot dem Patienten eine Hand an, an der er sich hochziehen konnte.
    " Aber langsam..." stellte er die Bedingung und wartete darauf, dass Owatu nach der Hand griff.
    " Warum musstet ihr ihn Aufwecken?" raunte Rhynn wütend dem Hauptmann entgegen, als sie näher gekommen war. " Kommt es wirklich auf eine Stunde mehr oder weniger an?"
    Leander schüttelte beteuernd den Kopf.. " Es war nicht meine Idee..." resignierte er und ging ein Stück von dem Bett weg.
    " Ich will mit rein." verlangte Rhynn geradezu und fixierte den großen Mann mit den schönen Augen.
    " Du weisst das das nicht geht."
    " Warum nicht??... dann soll wenigstens Seran mit rein... ich will nicht dass dieser Spitzohrige Schlächter.. mit seinen Spinnenfingern an ihm herumdoktert. Und auf die Idee kommt ihm Eisen auf die Haut zu drücken damit er wieder wach wird..." knurrte Rhynn und senkte mit der Beleidung die Stimme etwas und trotzdem konnte sie wohl jeder im Raum hören.

    Rhynn hatte schon befürchtet, dass er vor lauter Schmerzen, nichtmehr reden konnte, doch sie wusste nicht so recht ob sie erleichtert sein sollte, als er den Kopf aus seinen Armen herausnahm. Der Bereich um seine Augen glänzte nass, es war also nicht nur eine Träne gewesen. Owatu weinte... und das nicht um Tameqa sondern wegen ihr. Sie war schuld an seinen Schmerzen. Kurz blickte sie sich nach Karrun um, ihr Flügelmann würde es nicht wollen, dass andere ihn so sahen, sie selbst war schon zuviel. Aber Karrun hatte sich neben Paranoel gesetzt und sah sie fragend an. Beinahe hätte sie vor lauter Sorge und Schuldgefühl vergessen Owatu zu antworten.
    „ Darüber wie schlimm ich dich damit verletzen könnte. Ich war... verzweifelt und hab auf deine Verletzung geschlagen und ... ich war es die dir die Rippen gebrochen hat...“ schuldbewusst legten sich ihre Ohren an. Sie war am Anfang viel zu zimperlich mit ihm gewesen und dann zu grob...
    Und wieder hatte sie etwas komplett falsches gesagt. Du blöde taktlose Kuh... du redest hier vom Mücken fangen... während er hier ans Bett gefesselt war! Was gab es schlimmeres für einen Vogel als eingesperrt zu sein?? Und was für ein Fehler, dies gewesen war erkannte sie erst jetzt wirklich, als Owatu sich verkrampfte und die Hand unter ihrer spannte sich an, als wollte er gegen die Fesseln kämpfen.
    „ Nein.. bitte Rem... neyrfrilir ralwir..Owatu.. ..“ noch während sie sprach verfiel sie ungewollt komplett in Cashrra und wiederholte ständig entschuldigungen, und Bitten, dass er sich nicht bewegen sollte. Immer machte sie alles Kaput... sie sollte einfach mal die klappe halten.
    Wollte er lieber alleine sein? Sie wusste es nicht. Rhynn wusste sich nicht zu helfen und ihr Griff um seine Hand wurde fester. Doch was wenn ihre Berührungen alles nurnoch unangenehmer für ihn machte? Offensichtlich konnte sie ihm garnicht helfen... egal was sie tat..leise atmete sie tief ein. Einmal alles anders angehen. Noch schlimmer machen konnte sie es nicht oder? Vielleicht ging sie alles falsch an... einfach mal raus mit deinen Ängsten...sag ihm was dich bedrückt! Das hatte schon einmal geklappt. Du musst dich öffnen, damit er es kann.
    „ Ich ... Owatu?“ zwang sie sich ruhig zu sprechen und vorsichtig strich sie ihm die Haare nach hinten.
    „ Hilf mir....“ flüsterte sie nun, obwohl alle anderen im Raum beschäftigt waren. „ ich hab was dummes gesagt...ich weiss... es tut mir leid... ich will nicht, dass du böse auf mich bist... ich würde dir gern helfen. Aber ich weiss nicht wie? Und vor allem ob du das überhaupt willst. Ich sehe wie dich das quält... du glaubst nicht, wieviel Angst ich in den letzten Stunden um dich hatte. Aber ich habe jetzt Angst dass ich alles noch schlimmer mache. Ich weiss ja nichtmal ob dich das stört... oder ob nur ich mich selbst damit beruhige.“ erklärte sie und der Kloß in ihrem Hals erschwerte ihr das sprechen und meinte mit dem letzten Teil und einem Blick auf seinen Unterarm auf dem ihre Hand lag. „ Und ob es nicht furchtbar nervig für dich ist ... dass ich hier bin.“

    „ Ja finde ich auch.“ nickte die Katze und wollte eigentlich nur irgendetwas sagen, damit Karrun nicht auf einer Antwort beharrte. Doch der Schwadronsführer tat ihr den Gefallen nicht. Ein Treffen? Der Gedanke an ein offizielles Treffen mit einem Mann ließ ihr die Hitze zu Kopf steigen, kurz lag ihr Blick auf Owatu. Nein sie konnte das nicht machen... Kerio hatte ja ganz nett gewirkt, allerdings kam es ihr grad vor wie Betrug an ihrem Flügelmann. Noch dazu konnte sie doch in der Jetzigen Situation nicht über eine Verabredung nachdenken.
    „ Ehm.. Wozu?“ stellte sie sich dumm und rutschte von ihrem Bett. Vielleicht hörte er ja auf? Rhynn stellte sich an das Fußende von Owatus Bett und Seran schüttelte nur kurz den Kopf, offensichtlich war er es leid, sie alle wieder in ihre Betten zu schicken. Am liebsten hätte die Katze mit angefasst, als Owatu vor Schmerz aufschrie. Die Hände verharrten halb in der Luft und fast verzweifelt fragte sie den Heiler.
    „ Kann ich helfen?!“ sorgfältig bedeckte sie Owatus Füße wieder mit der Decke, als Seran nur schnaubte und sie zur Seite drängte, damit er seine Arbeit machen konnte.
    „ Ich glaube, es täte dir gut, mal mit jemandem außerhalb der Garde Zeit zu verbringen. Ich weiss genau, dass du auch in deiner Freizeit die Kaserne kaum verlässt.“ setzte der Mann weiter nach, der Rhynn genau ansah, dass sie einfach zu höflich für ein direktes ‚Nein‘ war.
    „ Karrun ich denke nicht...“ schüttelte sie den Kopf und strich sich überfordert mit den Fingern über die Stirn, als sie neben Owatu in die Hocke ging. Sie saß eigentlich direkt vor ihrem Flügelmann, doch sie blickte nur zu dem braunhaarigen Menschen der sich am Bettpfosten abstützte und überlegen grinste.
    „ Ach komm schon, Kylan. Kerios ist wirklich in Ordnung.. du wirst ihn mögen, wenn du ihm ne Chance gibst...“
    Mit beiden Händen hielt sie sich an der Matratze von Owatus Bett ein und schüttelte erneut den Kopf.
    „ Wie stellst du dir das vor? Ich kann mich nicht mit ihm treffen... ich hab-„ sowas noch nie gemacht? Wollte sie ihren Satz fortführen doch war das nicht peinlich? Zugeben noch nie eine Verabredung gehabt zu haben? Das Bild war doch absurd, wie sie sich herrichtete und von einem Mann an ihrer Stubentür abgeholt werden würde
    „ seit dem ich vier war kein Kleid mehr getragen...? Das ist doch bescheuert... ich hab keine Zeit für sowas.“ führte sie ihren satz fort und winkte ab. Sie zwang sich den Schwadronsführer zu ignorieren und konzentrierte sich jetzt auf Owatu. Der absolut nicht gut aussah. Rhynn erschrak und hektisch wanderten ihre Augen über den Tua‘Tanai. Er schien Schmerzen zu haben. Und sogar eine Träne hing an seiner Nase. Sie plauderten hier über solche albernheiten, wie eine Verabredung während er hier litt! Was war denn sie für ein Flügelmann?
    „ Ich.. sollen wir es anders ausprobieren?“ Fragte sie hektisch und legte eine Hand auf seinen festgebundenen Unterarm.
    „ Hey.. brauchst du mehr von dem Schmerzmittel?“ fragte sie mitfühlend und nahm ihren Ärmelsaum zwischen die Finger um möglichst unauffällig seine Träne aufzufangen, während sie so tat, als würde sie die Riemen auf ihren Sitz überprüfte.
    „ Oder hast du Hunger? Ich... weiss nicht wie ich dir helfen kann...“ raunte sie leise und schien verzweifelt.
    „ Du brauchst doch kein Kleid um dich mit ihm zum Essen zu treffen... du bist auch so bezaubernd. Gib ihm ne Chance“
    Rhynn seufzte laut und verdrehte die Augen.
    „ Ja! Ist ja gut! Mach doch was du willst...“ erklärte sie genervt und schüttelte den Kopf. Hauptsache er hielt endlich die Klappe.
    „ Du wirst es nicht bereuen. Versprochen.“ er schnippte mit beiden Fingern und grinste. Doch Rhynn sah nurnoch zu ihrem leidenden Flügelmann. Und wie er litt, und sie konnte nichts tun.. rein garnichts die Fesseln waren notwendig und er hatte Schmerzen wegen ihr. Sie hatte ihm die Rippen gebrochen.
    „ Es tut mir leid... es ist meine Schuld dass du so Schmerzen hast. Es war eine kurzschlussreaktion... ich hab nicht nachgedacht.“ erklärte sie bedauernd und legte zaghaft eine Hand auf seine und versuchte es mit einem aufbauenden Lächeln. „ Gibt es Irgendwas das ich tun kann? Ich jag dir auch ein paar Mücken?“

    Nein es ging nicht, das konnte sie doch sehen. Und dennoch hielt sie in ihrer Bewegung inne, sie war sich nicht sicher ob ihre Beine sie tragen würden, so zittrig waren sie noch immer. Rhynn drehte den Kopf als Karrun an ihr Bett getreten war und erleichtert sah sie, dass er sogar vergleichsweise fit schien. Einhalten hätte sie sich auch müssen.
    " Ich glaube er war wütend, weil er mich nicht Baden sehen konnte...." warf sie scherzend ein, und musste an die Worte Rarlinurs denken, der ziemlich erschöpft gewirkt hatte. Ein wenig unschlüssig blickte sie Karrun entgegen, der mit einem verschwörerischem Blick näher kam. Was hatte er denn jetzt vor? Die Katze hielt einfach still obwohl Karrun ihr so nahe kam, vielleicht war ihm ja irgendein Plan eingefallen. Doch natürlich war es Seran, der den Schwadronsführer davon Abhielt ihr etwas ins Ohr zu flüstern. Kurz strichen seine Haare über ihre Wange und gänzlich verhindern konnte sie es nicht, dass ihr eine Gänsehaut über die Schultern kroch. Ob das nun noch von dem Schrecken kam, wie nah ihr jemand nach diesem Traum gekommen war...oder einfach weil es etwas verschwörerisches hatte, konnte sie nicht sagen. Mit entschuldigendem Blick sah der Mensch zu der Katze als er sich wieder aufrichtete. Was hatte er ihr sagen wollen?
    Natoll jetzt hatte sie es geschafft, jetzt waren alle wach in dem Zimmer und jeder hatte das Theater mitbekommen.
    " Dann wär ich nicht ich." winkte Karrun ab und setzte sich an das Fußende von Rhynns Bett und nahm den Becher von dem Heiler entgegen. " Dann mach dich wenigstens nützlich und pass auf das sie das trinkt und SITZEN BLEIBT!" keifte er denn kaum hatte er ihr den Rücken zugedreht, hatte Rhynn versucht sich auf die Füße zu stellen. Durfte sie denn nicht wenigstens kurz nach Owatu sehen? sprach ihr vorwurfsvoller Blick bände, als Karrun sie am Kragen zurück aufs Bett zog.
    " Der Meister hat gesagt.. du sollst sitzen bleiben." sprach er langsam und beugte sich mit jedem Wort ein Stück weiter vor. Die Cath`Shyrr brachte tatsächlich ein kurzes Lächeln zu stande, als der Schwadronsführer tatsächlich zu einem erneuten Versuch ansetzte ihr etwas ins Ohr zu flüstern und eine Hand lag in ihrem Rücken, als er leise Sprach
    " Ich denke nicht, dass er es weiss.. Der General hätte sofort was gesagt.. und Rarlinur wollte das einfach nur durchziehen und bei mir bestand wohl die größere Gefahr, dass ich eine Rebellion anzetteln könnte."
    Erschrocken lehnte sie sich zurück und sacht begann sie den Kopf zu schütteln, während sie ungläubig ihrem Vorgesetzten in die Augen blickte. " Du meinst..." und Karrun bestätigte Lächelnd, dass sie wohl bei ihnen bleiben durfte. " Jetzt trink deinen Tee.." hielt ihr der Mann den Becher unter die Nase und Rhynn fiel ein riesen Stein vom Herzen. Karrun glaubte, dass sie bleiben konnte... Es würde jetzt nicht ans Licht kommen. Das Lächeln verbreiterte sich und ihre Augen wurden glasig vor erleichterung. Sacht klopfte der Mann über ihre Schulter. Rhynn griff den Becher mit beiden Händen und nahm den ersten schluck des warmen Getränks.

    Erleichtert kostete sie die Möglichkeit frei zu atmen aus, nun da sie die Decken nichtmehr so einschnürten. Sie wüsste auch garnicht wo sie jetzt hin sollte. Wobei der Gedanke an frische Luft und einen kleinen Spaziergang gerade etwas unglaubliches Verlockendes hatte. Was wollte sie denn noch hier? Wo sie keinem mehr in die Augen sehen konnte...? Doch halt... hatte Karrun nicht gestern den Anschein erweckt, dass es in seinen Augen garnicht so schlimm war? Dass er sie sogar rausboxen wollte, wenn er konnte? Aber Owatu wusste es noch nicht... hoffentlich würde er das auch nie erfahren....
    „ Ich hab was?“ fragte sie beschämt und überrascht zugleich. Sie hatte nach Owatu gerufen? Natoll, wenn sie jetzt schon im Traum redete, sollte sie darüber nachdenken sich einen Vorrat an Zirilium anzulegen. Dieses Mittel war teuer, bescherte aber einen traumlosen Schlaf. Lieber gab sie ihr ganzes Gehalt aus, als dass sie im Schlaf plötzlich Dinge ausplauderte. Doch erzürnte das Minaril nicht noch mehr? Vielleicht brauchte sie eine Geistführung von Onkel Caror... dieses Chaos in ihrem Kopf zu entwirren. Seran wuselte geschäftig im Raum herum, doch Rhynn starrte nur auf ihre Finger. Sie konnte dem Satyrn nicht erzählen, was sie geträumt hatte... auf keinen Fall. Träume und deren Inhalte verrieten soviel über die Person und wenn sie alles erneut durchging, was es doch klar was sie bekümmerte... sie hatte Angst vor Owatus Abweisung, wenn auch nicht in dem Sinne, dass sie hoffte dass er ihre Gefühle erwiedern würde... oder doch? Nein! Sie wollte doch nur das das aufhörte. Sie hatte Angst die falschen Entscheidungen zu treffen und ihre Männer zu verraten. Doch wieso war gerade der Mauersegler in ihrem Traum vorgekommen?
    Erst Owatus flüsternde Nachfrage riss sie aus ihren düsteren Überlegungen.
    „ Ehm ... entschuldige, dass ich dich aufgeweckt hab.... ich weiss auch nicht... Das war wohl alles zuviel. Aber eigentlich, war die Lesung diesmal garnicht so schlimm...“ erklärte sie und rieb sich über den Nacken. Lieber gibst du deine Schwäche zu, als ihm zu sagen dass du von ihm geträumt hast? Ist doch nichts dabei.. sogar Rangolf war darin vorgekommen? Aber bei den Tua‘Tanai hatten die Träume beinahe ebensoviel Gewicht wie bei den Cath’Shyrr. Vielleicht würde er etwas falsch interpretieren, wenn sie zuviel davon erzählte.
    „ Ich hab dich nicht gefunden... kann sein dass ich auch nach dir gerufen hab...“ erklärte sie knapp und nachdem sie sich erneut selbst scholte, dass dies nur ein traum gewesen war, hob sie zahhaft den Kopf. Zwang sich regelrecht ihm in die Augen zu sehen. Doch außer ein leicht verkrampftes Gesicht, sah sie zumindest kein Hämisches Grinsen. „ Wie geht es dir? Brauchst du noch ein Schmerzmittel?“ fragte sie besorgt und schwang die Beine aus dem Bett.

    Rhynn warf hektisch das überschüssige Gerümpel aus ihrer Tasche, dass sie zuvor achtlos hineingestopft hatte.
    „Die ganze Zeit?“ Fragte sie überrascht und warf Owatus Bandage beiseite. Hatte Meister Horgund nicht etwas erwähnt? Sie überlegte einen Moment und sie war froh um die zweite Frage des Elfen. Zielsicher griff sie nach dem Lederbeutel mit dem körnigen Inhalt und hielt ihn Paranoel entgegen nur um dann festzustellen, wie stark ihr Vorrat an Roltarwurzeln geschrumpft war. Vier ruhten noch in dem Seitenfach, doch es gab ja noch genug andere Kräuter die schmerzstillende Wirkungen hatten. Sie griff sich die verbliebenen Wurzeln und legte sie auf den kleinen Stapel sauberer Leinenfetzen,
    „ Der General hat ihm ne Kopfnuss verpasst. Soweit ich weiss...“ antwortete die Katze und wollte gerade ansetzen Jankris atmung zu überprüfen, allerdings wurde ihr in dem Moment bewusst, dass Paranoel das sicher schon getan hatte.
    „ Ich bin von Meister Horgund gebeten worden, mir eure Verletzungen anzusehen.“ antwortete die Katze auf Markuns Frage, nickte aber dem Zwergen und Paranoel sachte zu. Wer konnte schon wissen, ob die Wände hier nicht Ohren hatten. Karrun wollte sie dort nicht mit hineinziehen indem sie ihm hier anschwärzte.
    „ Was ist mit deinem Arm?“ fragte Rhynn besorgt bei dem Blick auf den blutigen Verband und bekam nur ein Achselzucken zur Antwort.
    „ Tua‘ Käfig... Drecksloch.. ich war grad bei ihm.“ nickte sie knapp und sah zu Paranoel auf, als sie die ängstliche Frage hörte. Also war es bei ihnen das gleiche. Sie schienen nicht zu wissen, was passiert ist.
    „ Sie wurde ins Lazarett getragen... ich weiss es leider nicht. Ich hab mich um den Kharadpriester gekümmert.“ erklärte sie knapp und schüttelte die nächste Leuchtphiole um sie zu entkorken. Mit dem Licht bewaffnet hob Rhynn Hand des Elfen mitsamt Tuch an um die Wunde anzusehen. Eine großflächige Beule prangte auf seiner Stirn und aus einem groben Riss sickerte das Blut.
    „Wir sollten das nähen, bevor wir ihn aufwecken.... wie geht es dir?“ fragte die Cath’Shyrr den Elfen und zog eine Stoffrolle heraus.
    „ Besser als den anderen.“ gab er bedauernd zu und nahm ihr das Nähzeug ab.
    „ Ein paar Prellungen und Kratzer nichts weltbewegendes... aber Ausgebrannt irgendwie ... obwohl ich nichteinmal weiss wie ich hier hergekommen bin. Gerade stand ich noch vor der Bühne und im nächsten Moment werde ich hier reingeschubst. Der General hat uns Dinge vorgeworfen... aber irgendwie..“ der blonde Mann schluckte und fädelte mit zitternden Händen einen Faden durch die Öse, während Rhynn den Lappen auf die Stirn des Drachenmannes drückte.
    „ Wie geht es Owatu?“ fragte er besorgt nachdem Rhynn ihm den Alkohol entgegenhielt.
    „ Seine Rippen sind gebrochen... und er atmet schwer... Ich kann nicht viel tun hier drinn.“ fauchte sie nun beinahe und nahm Paranoel den in Alkohol getränkten Lappen ab um ihn auf Jankris Stirn zu drücken. Kurz flatterten die Augenlider des Mannes, doch er blieb weiterhin unansprechbar.
    „ An was erinnert ihr Euch? Eine Person.. ein Geruch.. Bilder ..irgendwas?“ fragte sie verzweifelt und begann die Stirn des Mannes zu nähen.