Beiträge von Layia Wolfstochter

    Eine Hand des Syrenia griff in ihr Fell, nahe ihrer Schulter und noch viel näher an einem mit 42 scharfen Zähnen versehenen Maul. Er hatte ihre eindeutige Warnung so schamlos missachtet, dass sie im ersten Moment nicht reagierte und ihm in die Hand biss, sondern einfach nur erstarrte. Die Tua'Tanai musterte den im Laub liegenden Geflügelten skeptisch. Er musste wirklich schwer auf den Kopf gefallen sein ...


    "Narr!", wollte sie sagen, doch der Wolfskehle entkam nur ein ähnlich klingendes Grollen.


    Der Syrenia schien ihr jedoch nicht wirklich schaden zu wollen, denn als sie einen entschlossenen Schritt zurück tat, fiel seine Hand widerstandslos von ihr ab, er setzte sich auf begann zu sprechen. Sie lauschte mit aufmerksam aufgestellten Ohren, doch mit jedem Wort nahm sie ihn weniger ernst.
    So so, er glaubte also zu wissen, dass er keine gewöhnliche Wölfin vor sich hatte? Interessant. Aber selbst wenn das so wäre, was ließ ihn denken, dass sie ihm wohlgesonnen war?


    Layia tat sich schwer, dem sichtlich etwas mitgenommenen Syrenia böse zu sein, denn er schien wirklich nur etwas neben sich zu stehen. So zog sie sich langsam rückwärts tapernd ins Gebüsch zurück und war wenige Augenblicke später schon gänzlich im raschelnden Unterholz verschwunden.


    Als sie aus wieder dem Blattwerk auftauchte, stand sie aufrecht, trug ihre Reisekleider, hielt ihren Stab in den Händen und sah aus blattgrünen Augen etwas säuerlich auf den immer noch am Boden liegenden Mann hinab. In ihrem Haar hatten sich ein paar Brombeerblätter verfangen, doch das schien sie nicht weiter zu bekümmern.


    "Du solltest vorsichtiger sein.", riet sie ihm in einer trockenen Tonlage und trat etwas näher, wobei sich ihre Brauen zusammenzogen. "Fasst du jedes wilde Tier an, das dir über den Weg läuft? Auch ein Wolf mit den Augen deiner Schwester kann dich töten, wenn er will."


    Aus der Nähe und mit dem vollen Farbspektrum ihrer Tua'Tanai-Augen betrachtet, wirkte der Syrenia tatsächlich etwas blass um die Nase. Sie bemerkte die Narbe in seinem Gesicht und wunderte sich, ob er wohl öfter so unvorsichtig vorging.

    Kaum hatte Layia ihren ersten Schrecken überwunden und wollte die Flucht ergreifen, trug ein lauer Wind die Fährte des Schattens an sie heran und sie konnte sehen, wie er einen Bogen spannte. Layia war verwirrt. Es war also doch kein riesenhafter Vogel? Sie witterte. Die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag ins Gesicht: da saß ein Syrenia im Baum und machte Jagd auf sie!
    Schon setzten sich ihre Beine in Bewegung und sie wollte mit ein paar Sätzen ins Gebüsch fliehen, doch im selben Augenblick senkte er plötzlich seine Waffe. Die dunkle Gestalt schwankte und stürzte schließlich krachend herab, rauschte durch splitterndes Geäst und kam mit einem dumpfen, schweren Geräusch auf dem Waldboden auf.


    Die Vögel gerieten in Aufruhr, ein Schwarm Spatzen ergriff sogar spontan die Flucht, doch Layia fand sich hin und her gerissen zwischen dem Weglaufen– der sicheren Wahl – oder dem Nachsehen. Irgendetwas erschien ihr seltsam an der Situation und so entschied sie sich dafür nachzusehen, was es mit diesem seltsamen Geschöpf auf sich hatte.
    Im Näherkommen bestätigte sich ihr Verdacht. Vor ihr lag im weichen Laub ein Syrenia, mit dem Gesicht voraus im Dreck und mit schwarzem Haar voller sich darin verwickelter Ästchen. Sie hatte schon lange niemanden mehr vom geflügelten Volk gesehen, doch sie erinnerte sich genau an deren imposante Erscheinung. Layia hatte jedoch nicht damit gerechnet, ihren nächsten Syrenia bewusstlos am Boden liegend anzutreffen. Die schwarzen Schwingen in seinem Rücken sahen beeindruckend aus und so wie sie es erkennen konnte, waren zumindest diese unverletzt. Sein Brustkorb hob und senkte sich, wenn auch schwach – er schien also tatsächlich nur ohnmächtig geworden zu sein.


    Vorsichtig schnupperte sie an ihm, strich mit der Schnauze das schwarze Haar aus dem blassen Gesicht und lauschte auf seinen Atem. Nun gut ... es war sein Pech. Es war nicht ihr Problem, dass er hier lag. Eben noch hatte er unverschämterweise einen Pfeil abschussbereit direkt auf sie gerichtet – welcher imÜbrigen nun in der Mitte auseinandergebrochen neben seinem regungslosen Körper lag – und er hatte ihre Hilfe nicht verdient.
    Der Wolf machte einen kleinen Schritt zurück und wollte sich soeben auf den Weg machen, als sich die Lider des Geflügelten öffneten und sie zwei hellblaue Augen geradeaus ansahen. Erschrocken machte ihr Herz einen Hüpfer und begleitet von einem tiefen Grollen zeigte die Wölfin ihre Zähne.
    Sollte er etwas versuchen, würde sie an seiner Kehle sein - nochbevor er einen einzigen klaren Gedanken gefasst hatte.

    Bald schon hatte sich Layia sich am Vogelgesang und Blattrauschen sattgehört und sie begann in ihrer eigenen Gedankenwelt zu versinken.
    Sie erinnerte sich so bildlich an das erste Mal, als sie diesen Teil Beleriars bereist hatte. Damals, als das Wolfsherz in ihrer Brust so fremd und gefährlich geschlagen hatte, damals, als sie einfach nur vergessen wollte, woher sie einst gekommen war und nicht erfahren wollte, wohin ihr Weg sie führen würde. Sie hatte diesen Wald als einen unbehaglichen, alten Düsterwald in Erinnerung, in welchem der Wind nach längst vergangenen Zeiten roch. Wo angeblich Wesen hausten, die es sonst nur in Märchengeschichten gab und in dessen Untiefen sich die Ruinen einer versunkenen Elfenstadt verbargen.


    Insgeheim wusste sie, dass sie ihn auch hier nicht finden würde, doch ein kleiner Funken Hoffnung blieb in ihr und dieser Hauch von Zuversicht war es, der einen entschlossenen Ausdruck in ihr Gesicht brachte und sie die klare Morgenluft tief einatmen lies.


    Layia seufzte leise und schüttelte ihr ungekämmtes Haar aus, was wie ein vergeblicher Versuch wirkte, Ordnung in ihre Mähne zu bringen. Alle reifen Beeren in ihrer Reichweite waren gegessen und die verbleibenden wollte sie gerne den Vögeln des Waldes überlassen. Sie packte ihre wenigen Habseligkeiten wieder zusammen. Es war Zeit, weiterzugehen. Innerhalb eines Augenblickes saß dort, wo bin eben noch eine zierliche Frauengestalt gestanden hatte, wieder ein braunpelziger Wolf. Als sie das Bündel zu ihren Pfoten aufnehmen wollte, beschlich sie jedoch langsam aber sicher ein seltsames, ungutes Gefühl.
    Jetzt, da sie sich ihrer wölfischen Sinne bedienen konnte, fiel es ihr auf. Etwas im Gesang der Vögel hatte sich verändert. Ein Eichelhäher stieß seinen heiseren Schrei aus, der die Tiere des Waldes vor Jägern warnte – und sie wusste, dass damit nicht sie gemeint war. Ihr wär plötzlich, als würde sie beobachtet werden ...
    Der Pelz ihrem Nacken stellte sich. Etwas war ihr näher gekommen. Sie hatte über die Jahre gelernt, ihren Wolfssinnen zu vertrauen, und jetzt rieten sie ihr dazu, im Unterholz zu verharren, damit sie ihre Position nicht verriet.


    Sie hob die Schnauze leicht an, um zu wittern, was oder wer auf sie anlegte, doch die Luft war unbewegt und trug keinen verräterischen Duft an ihre Nase. Mit leuchtend grünen Augen suchte sie die Umgebung nach einem Hinweis auf ihren Beobachter ab. Layia war davon ausgegangen, dass sie dem Faunwald noch nicht nahe genug gekommen war, um mit seinen seltsamen Geschöpfen rechnen zu müssen ... doch scheinbar hatte sie sich geirrt. Etwas in den Baumkronen hatte sich bewegt. Die Wolfsaugen weiteten sich. Kireala, steh mir bei.
    Kaum 20 Schritte entfernt, im Geäst einer knorrigen Linde, hockte ein mannsgroßer, geflügelter Schatten. Und er hatte sie entdeckt.

    Ein Wald war niemals still. Wer auch immer eines Tages damit angefangen hatte, so poetisch von der "Stille des Waldes" zu sprechen, war höchstwahrscheinlich niemals zuvor mit wachen Sinnen durch einen Wald gegangen.
    Bereits mit dem ersten Kuppellicht hatte der leidenschaftliche Gesang vieler Vögel das Rascheln und Raunen der Nacht abgelöst und während sich Dachs und Marder in ihre Bauten zurückzogen, huschten bereits die ersten Eichhörchen in den Baumkronen des alten Waldes umher. Ein ruhig dahinfließender Wasserlauf teilte das dichte Grün und mit ihm zogen Schwärme von Mücken durch die klare Morgenluft.


    Ein einsamer, zottiger Wolf mit rotbraunem Pelz trabte in gemütlichen Tempo durch das Unterholz heran und es war kein ungewöhnlicher Anblick für diese Gegend - wäre da nicht das große Stoffbündel gewesen, dass er in seinen Fängen transportierte.
    Das Tier hielt inne, legte das Bündel ab und senkte für einen Moment den Kopf um in langen Zügen zu trinken. Dann, mit seinem Gepäck im Maul, folgte er noch eine Weile dem Flusslauf, ehe das Ufer zu steil wurde und er rasch wieder tiefer in den Wald verschwand.


    Das weiche Auftreten der Wolfspfoten war so viel lautloser als das ihrer nackten Füße, was Layia wie immer erneut festellen musste, als sie sich im Brombeergestrüpp für ihre zweibeinige Gestalt entschied. Sie war die ganze Nacht ohne eine einzige Pause gelaufen, Pfoten konnten nunmal keine Brombeeren pflücken ... und es war höchste Zeit für ein Frühstück.
    Aus der schmutzigen Tasche zu ihren Füßen beförderte sie zunächst ihre dunkelgrünen Wanderkleider zu Tage (die sie ob der Kühle im Schatten sogleich anzog) und ihre weichen Stiefel, die sie neben der Tasche abstellte. Zuletzt kramte sie noch die Holzsegmente heraus, aus denen sie ihren alten Wanderstab zusammensteckte.


    Mit diesem hob sie geschickt die stacheligen Ranken an und pickte mit spitzen Fingern die schwarzen Beeren heraus, die sie sich ohne viel Federlesens in den Mund schob. Während sie aß (und hin und wieder das Gesicht verzog, wenn sie eine sauere Beere erwischt hatte) lauschte sie achtsam wie immer auf die Geräusche ihrer Umgebung.
    So vernahm sie deutlich das Knacken zerbrechender Ästchen, als sich ein Reh unweit erschrak und das Weite suchte, sie hörte das Flattern eines verspätetend Kauzes auf dem Weg in seinen Schlafbaum, das unaufhörliche Flüstern der Blätter in den wogenden Baumwipfeln weit über ihrem Kopf ... und das ... was war das?
    Kauend reckte die Tua'tanai den Hals und sah in die Richtung aus der sie das verhaltene Schnauben eines Pferdes gehört hatte. Vermutlich nichts weiter als ein Wanderer mit seinem durstigen Reittier, der bald schon weiterziehen würde, ohne sie erst zu bemerken. Layia verließ sich auf ihre Tarnung im Dickicht aus Dornen und Blättern, aß schweigend weiter und überlegte dabei, wie tief sie sich in den Faunwald vorwagen sollte ... oder ob ein Umweg nicht die sicherere Wahl war.

    Misha musste nicht erst in Behrus Gesicht sehen, um deren aufkeimende Furcht zu spüren. Sie kannten sich schon lange und manchmal brauchten sie keine Worte um miteinander zu sprechen. Während sie selbst noch immer sprudelnde Neugier verspürte und kaum erwarten konnte, dass das nun blaugrüne Fischchen ihre Frage beantworten würde, war ihre Freundin verstummt und zögerlich halb hinter sie geschwommen, als wollte sie sich hinter Mishas zarter Gestalt verbergen.
    Misha fasste entschlossen hinter sich, fand sogleich eine Hand ihrer Freundin und verwob ihre Finger mit den ihren, so sehr es die Schwimmhäute zuließen, um ihr zu helfen ein wenig Mut zu fassen. Magie war etwas, für dass sich Misha schon immer begeistern konnte und wenn dieser Fisch wirklich ein magisches Geschöpf war ... konnte es ihr mit Sicherheit viel darüber erzählen!
    Dass Behru dem allen etwas anders gegenüberstand war ihr bewusst, doch sie musste doch auch hören wollen, wie ein Fisch an Land leben konnte, oder nicht?


    "Nun sag schon!", drängelte die Nixe ungeduldig und ihre Schwanzflosse zeichnete kleine Spiralen ins Wasser. Der spontane Farbwechsel des Wesens und seine durchscheinende Art phaszinierte Misha und sie schloss sich der Frage der schönen Tritonin an. "Was bist du wirklich ... und man muss sich vor dir bestimmt nicht fürchten ... oder doch?"

    Tücher sind definitiv Langzeitprojekte ... vor allem wenn die Reihen immer länger und länger und länger werden ... *nickt wissend*
    Die Farbe wäre jetzt auch nicht so meins, aber ich mag den Farbverlauf.

    100% Schurwolle, Kammgarn, ungefärbt ... ich habe aber auch schon 100% Baumwollgarn gefärbt und tolle Ergebnisse bekommen. Der Trick ist das Beizen vorher, dann kriegt man so ziemlich überall Farbe rein

    ;)

    Siehst Du, Saniya ... du kannst also doch stricken!

    ;)


    Mit braunen Zwiebelschalen kann man ein Spektrum von hellgelb nach safrangelb/orange färben. Rote Zwiebelschalen ergeben aber interessanterweise einen Grünton. Rein theoretisch färbt ziemlich alles, aber nicht alles gibt schöne Farben. Leider färben die meisten Pflanzen relativ uninteressante Gelb- und Brauntöne ... Blau, Rot und Grün sind dagegen relativ selten. Und manchmal kommen Sachen raus, die man so nicht erwartet ... zum Beispiel geben Holunderbeeren nur ein bleiches Grau ab und Färberwaid entwickelt sich am Licht über grün nach blau.


    Färbechemie: superspannend

    8)

    Das ist Gewöhnungssache ... Du musst nur ein bisschen dranbleiben

    ;)


    Haben wir eigentlich auch Färber unter uns? Also ich bin dem Färbevirus schon lange erlegen ... also Vorsicht, wenn man einmal damit angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören! Und ich fürchte, es ist ansteckend! *niest ein bisschen herum*

    :crazy:


    Das hier ist meine neueste Färbung mit getrockneten Krappwurzeln, noch gar nicht ganz trocken. Es hat einen ganz langsamen Farbverlauf von hell-beige nach dunkel-ziegelrot und wieder zurück zum beige (die Farben sind natürlich total verfälscht ... hmpf):


    [xattach=1488][/xattach]


    Außerdem verstricke ich gerade ein Sockengarn, das ich irgendwann letztes Jahr mit Zwiebelschalen gefärbt habe:


    [xattach=1489][/xattach]

    Dateien

    • krapp.JPG

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    • socken.JPG

      (125,64 kB, 3 Mal heruntergeladen, zuletzt: )

    Wo hängt es denn? Hältst Du die Nadeln und den Faden richtig? Randmasche klar?
    Um etwas wie Stricken erklären zu können, ist es immer hilfreich, jemanden da zu haben, der es einem in echt zeigt ... nur so ein Video hilft mir oft auch nicht richtig weiter. Ich habe da aber auch Glück von Strickerinnen und Strickern umgeben zu sein, die mir das alles zeigen konnten.