Beiträge von Brennan

    "Auf das Shirashai eure Geschäfte noch lange unter ihren segnenden Stern stellen wird."
    Brennan nickte und folgte dem Rattenfänger hinaus.
    Egal wie häufig er schon die Höhle des Einsiedlers aufgesucht hatte - bei jedem Mal war er erneut froh, dass der Rattenfänger ihm den Ausgang zeigte.


    Bei der Brücke angekommen streckte Brennan Klivv die Hand entgegen und drückte sie fest.
    "Ich.. ich weiß euer Angebot mir zu helfen sehr zu schätzen. Ich weiß allerdings nicht, wie lange ich mein Geschäft in Nir'alenar noch halten kann." Sagte der Schwarzäugige und sein Blick war bedauernd und doch kalt.
    "Solltet ihr je nach Shay'vinayar kommen..." Das seichte Lächeln mit zusammengekniffenen Lippen wurde von einem Nicken unterstützt. Klivv sollte wissen, dass Brennan ihn immer als Geschäftspartner schätzte. Egal wann und wo.


    Und so drehte sich der Vogelhändler um, war einen letzten Blick auf den Rattenmann sowie die kleine Noinin und schritt dann über die wankende Brücke.

    Brennan half Klivv beim Aufbau der Käfige, versuchte den Ratten aber nicht zu nah zu kommen. Er hatte zu häufig gehört, dass diese Tiere eine Unmenge an Krankheiten mit sich trugen.


    "Trinken?" Die dunklen Augen des Vogelhändlers sahen auf und blickten den Rattenfänger an. Irgendetwas in Brennan schrie nach ein paar Tropfen Alkohol. Die Hoffnung, den Verstand ein wenig zu vernebeln klang verlockend. Und doch - Brennan war nicht in der richtigen Stimmung.
    Er wußte, wenn er jetzt trank, würde er nicht die ausgelassene Freude spüren, die ihm der Alkohol an einem guten Tag, in einer gemütlichen Schenke, mit einem hübschen Mädchen auf dem Schoß schenkte. Nein, wahrscheinlich würde sich das Gefühl, dass er momentan in sich trug, nur noch weiter in ihm ausbreiten. Seinen Körper langsam taub werden lassen, seine Gedanken schwärzer als Shirashais schwarzeste Nacht einfärben.


    "Nein danke," antwortete Brennan und sah in Klivvs tiefliegende Knopfaugen. Er nickte dem Rattenfänger zu und berührte ihn an der Schulter.
    "Ich weiß euer Angebot zu schätzen und nehmt es mir nicht krumm, wenn ich ablehne und gleich den Gang nach Hause anstrebe." Als wenn Klivv irgendetwas krumm nehmen würde. Brennan atmete tief ein und richtete sich ein wenig auf. Er meinte, sich erklären zu müssen. "Ich.. es plagen mich geschäftliche Sorgen, aber ich will euch nicht weiter damit belästigen. Mir.. ist heute nur nicht nach Gesellschaft." Ein Schatten lag auf Brennans sonst so entspanntem Gesicht. Wenn Klivv etwas von Brennans Gerede nachvollziehen konnte, dann waren es wohl die letzten Worte..

    Immernoch missmutig erhob Brennan sich und stiefelte hinter Klivv her. Er nahm sich zwei der Säcke mit den Käfigen und trug sie in den Raum, in dem der Rattenfänger seine Tiere züchtete.
    "Es sind simple Käfige mit einem Einhakriegel. Ihr braucht keine Schlösser dafür."Erklärte er, während er die ersten Käfige aus den Säcken holte und in den Raum stellte.


    "Allerdings solltet ihr auch aufpassen, dass euch die Käfige nicht umfallen. Ein kräftiger Ruck in die falsche Richtung und.." Brennan demonstrierte den Mechanismus aus Metall. ".. ihr könnt die Ratten in eurer eigenen Höhle einfangen."

    "Ein Schutzzauber? Das Ding sieht nicht unbedingt magisch aus." Sprach Brennan mit Zweifel in der Stimme. Er hatte keinen Blick dafür wenn etwas magisch war. Wie auch? Manchmal war Magie klein wie eine Stecknadel. Manchmal so groß, dass sie Häuser, Straßen, ja ganze Städte verschlingen konnte. Seine eigene, göttliche Magie, spürte er ganz klar. Sie saß zwischen seinem Herzen und seinem Magen, tief unter dem Brustbein. Sie war nicht immer dagewesen, doch konnte er sich nicht mehr an das Gefühl erinnern, als sie noch nicht dort saß. Sie schlug ihm warm und wild im Köper, wie ein pulsierender Stern. Shirashais Stern.Doch er war lebendig. Dieses Amulett war ein Gegenstand. Wenn Klivv sich nicht irrte, mit einem Spruch belegt. Magie war an etwas Dingliches gekoppelt worden.


    "Nun, Schutz können wir in diesen Tagen wohl alle brauchen." Brummelte der Vogelhändler noch immer vor sich hin. Für einen Augenblick, dem gefühlten Hundertstel einer Sekunde, dachte er an die Vogelkäfige in seinem Laden. Wie viele Wochen wartete er jetzt schon auf neue Lieferung? Wie lange blieb ihm nun schon mehr und mehr der teuren Lebendware aus?Den Blick von der Kette gewandte, stand Brennan auf. "Wenn ihr daran glaubt, einen Talisman vor euch zu haben, so schenke ich ihn euch." Das zweite Geschenk, welches Brennan Klivv am heutigen Tag machte. Seine eigene Großzügigkeit wurmte den Mann aus Shirashai. "Mein Leben und wirken habe ich ganz unter den Schutz Shirashais gestellt."

    Brennan zuckte mit den Schultern.
    "Einen Sammler.. in adeligen Kreisen werdet ihr sicherlich jemanden finden, der Interesse an dem Stück haben könnte. Aber fragt jetzt bitte nicht, ob ich euch da vermitteln kann."
    Abwehrend hob Brennan die Hände vor seinen Körper. Er hatte keine Lust, nach den Erkundungen zur Münze sich jetzt auch noch um deren Veräußerung zu kümmern.
    Es musste ja reichen, dass er an Klivv bereits einen Vogel verloren hatte.


    Das das Interesse des Rattenmannes nach wenigen Augenblicken bereits dem Amulett galt, registrierte Brennan erst einen Moment später. Er nahm dem Kauz die Kette aus der Hand - das Baumeln vor seinem Gesicht machte Brennan nervös.


    "Eine Kette. Streng genommen gehört sie euch.." Brennans Augenbrauen schoben sich zusammen. "Ich habe sie vorne, vor eurer Wohnhöhle gefunden.." Der Vogelhändler wischte wie zum Beweis noch etwas Dreck von dem Anhänger und schon ihn dann Klivv rüber.

    "Und wie wir uns verstehen.." Dachte Brennan voll Ironie.
    Es brach ihm das Herz, einen seiner Vögel derart zu verlieren. Aber wahrscheinlich war es so am Besten.
    Noinin wurde hier unten gut behandelt, Klivv musste Verantwortung für eine einer Spinner übergeordneten Lebensform übernehmen und er selbst würde nicht täglich mit seiner Schmach konfrontiert, wenn er in Noinins Knopfaugen blickte.


    "Die Münze, ach ja." Brennan kramte in seiner Tasche.
    "Ich habe mich tatsächlich ein wenig umgehört. Es sieht aus, als wäre es eine alte Prägung aus Vakris. Diese Rille hier.." Noch immer suchten Brennans Finger unablässig die goldene Münze, die er in seiner Tasche verstaut hatte. Hervor brachten sie jedoch das Amulett, welches Brennan im Morast gefunden hatte. Er legte es vor sich auf den Tisch und mit dem nächsten Griff in seine Tasche hatte er auch die Goldmünze gefunden.
    "Diese Rille hier symbolisiert wohl den Kristallfluss. Diese Kreise die Weinberge." Er deutete auf die feinen Symbole des Goldstücks.
    "Ein Sammler gäbe euch vielleicht 5 Golddukaten. Doch das Gold ist nicht besonders sauber. Auf dem freien Markt bekommt wohl nicht mehr als 2."

    Brennans Kiefer begann zu vibrieren. Klivv kratzte an etwas sehr Gefährlichem ohne es auch nur zu ahnen. An Brennans Stolz.
    Immer grimmiger wurde der Blick in den Becher mit der roten Flüssigkeit. Immer schneller rauschte das Blut durch die Ohren des Dunkelhaarigen.
    Musste er sich hier wirklich von einem Rattengesicht vormachen lassen, wie man einen Vogel zu dressieren hatte? Er, einer der erfolgreichsten Junghändler in Shay'vinayar? Er, der mit den Tieren aufgewachsen und nie etwas anderes hatte machen wollen, als mit ihnen zu arbeiten? Sollte tatsächlich eine Kanalratte einen besseren Draht zu den Tieren haben? Er ballte die Faust und atmete tief ein.


    Sein Blick traf Klivvs tiefliegende Augen. Wievielen Ratten mochte er schon den Garaus gemacht haben?


    "Wenn sie sich so gut bei euch gemacht hat.." Brennan schluckte und seine Stimme blieb kalt.
    "Ist es vielleicht das Beste, Noinin bleibt bei euch."
    Blauen Augen sagte man oft nach, dass sie kalt waren. Doch auch aus Brennans dunklen Augen war alle Wärme gewichen.

    "Klingt als wäre das nicht euer erster Besuch, bei.. einem Verwandten."
    Amüsiert blitzten Brennans Augen auf. Eine Frau, die sich häufiger an dunklen, feuchten Orten aufhielt? Eine Frau, die es trotz ihrer Schönheit nicht störte, sich die Finger dreckig zu machen?
    Brennans Herz schien lauter zu schlagen. Tatsächlich war er froh, dass die Schattenfee fort war. Er traute diesen magischen Wesen nicht. Wahrscheinlich hätte sie sofort seine erhöhte Herzfrequenz bemerkt und ihrer Meisterin berichtet.
    Oder es auf sich bezogen. Brennan lachte.


    "Oh, eure Freundin macht sich nichts aus Größe und Konventionen? Sympathisch."
    Erst jetzt hörte auch Brennan die Gesänge der Diener Moravons.
    Ungestört würden sie hier nicht mehr lange bleiben. Welch Ironie der Götter. Natürlich musste ihn jemand stören, wenn er an einem der unwirtlichsten Orte Nir'alenars eine Frau traf, die, die.. ja was eigentlich? Ihn faszinierte obwohl er sie nicht mal bei Tageslicht gesehen hatte? Deren Ausstrahlung ihn in einen Bann zog, obwohl sie gewiss keine Nymphe war?
    So unauffällig wie möglich versuchte Brennan den Geruch der Umgebung aufzunehmen. Dunkelheit, Nässe, Moder waren trotz Shizars Anwesenheit an diesem Ort vorherrschend. Nein, sie war keine Nymphe.


    "Gerne." Antwortete er letztendlich auf ihre Frage. "Auch wenn ich euch wahrscheinlich enttäuschen muss. Die meisten meiner Tiere verkaufe ich noch immer weil sie und ihr Gesang gefallen. Aber der ein oder andere wünscht sich eben ein paar zusätzliche Fähigkeiten seiner gefiederten Freunde. Vor etwas längerer Zeit hatte ich eine Anfrage von einem Adeligen, der wollte zum Beispiel unbedingt seine Schwester bespitzeln..."
    Brennan deutete Shizar an, dass sie vorgehen sollte. Wenig später konnte er auch schon seine Vogelkäfige wieder einsammeln. Alle Tiere hatten zurückgefunden und saßen friedlich auf ihren Stangen.

    "Schlechte Augen?" Brennans Augen waren es nun, die sich zweifelnd aneinander schoben und eine tiefe Furche über dem Nasenrücken hinterließen.
    Sein Leben lang war er von Vögeln umgeben gewesen. Er kannte so ziemlich alle möglichen und unmöglichen Krankheiten, Fehlstellungen, Behinderungen. Aber in diesem Fall hatte er tatsächlich nichts bemerkt. Überhaupt nichts. Das machte ihn skeptisch.
    Er würde recherchieren müssen. Wahrscheinlich würde nichts ihn in der nächsten Nacht von der dicken Enzyklopädie der Vogelkrankheiten wegholen können.


    "Aber hier im Dunkel.. sie fliegt?" Fragte er zögernd nach. "Ohne gegen irgendeine Wand zu fliegen? Ohne sich das Genick am harten Stein zu brechen?"
    Brennan besah sich den winzigen Schluck Blutwurz, der gerade den Boden seines Bechers benässte. Grübelnd ließ er ihn hin und her schwanken.
    "Ihr meint, ihr könnt den anderen Vögeln erklären, dass...?" Immer noch den fragenden Blick im Gesicht, sah er Klivv an.
    Brennan konnte gut mit den Tieren. Aber sie waren nun mal das, was sie waren. Tiere. Tiere die äußerst gelehrig waren und schnell die Sprache der Vogeldressur lernten. Tiere, mit denen sich Brennan sogar je nach Ausbildung Unterhalten konnte. Aber ihnen erklären, dass einer unter ihnen - wäre er ein Mensch - eine Brille nötig hätte? Das konnte sich Brennan bei aller Liebe nicht vorstellen.

    Brennan nickte stumm und ging hinter Klivv her.
    Den Blick hielt er auf Noinin gerichtet. Sie sah tatsächlich gesund und munter aus. Munterer als noch vor einer Woche. Was durchaus seltsam war. Ein Vogel, der nicht unter freiem Himmel lebte..


    "Rattenfell? Soso.." Kommentierte er und seine Stirn legte sich in Falten. Irgendetwas in ihm sagte ihm, dass es noch nicht der Zeitpunkt war, Noinin wieder mitzunehmen. Irgendetwas in ihm befürchtete, dass dieser Zeitpunkt vielleicht nie mehr kam. Wenn sie sich hier unten in der Einsamkeit wohl fühlte...
    Brennan setzte sich auf den gleichen Platz, den er letztes Mal bereits eingenommen hatte.


    "Gut, dann erzählt mir erst von Noinin. Ich helfe euch gleich die Käfige aufzustellen. Neues Futter habe ich auch mitgebracht. Nicht sonderlich hochwertig, aber es sollte genügen. Ist in dem dreckigen Sack." Sprach er und wartete darauf, dass Klivv sich mit dem Blutwurz-Geschirr zu ihm setzte.

    "Die sauberen meine ich." Äffte Brennan im Flüsterton nach und tat wie ihm geheißen.
    Mit einem - etwas zu festem - Wurf, kam der erste sperrige Sack mit den Käfigen Klivv entgegen.
    Der zweite Sack folgte kaum das Klivv erneut aus der Öffnung schaute.


    "Ein Dutzend Käfige, wie versprochen." Kommentierte der Vogelhändler seine Lieferung, als er über die Brücke und hin zu Klivv gestiegen war.
    "Wie geht es meiner Hübschen?"
    Brennan hatte nicht mal ein Grußwort für Klivv über - was dem sicherlich nicht einmal auffiel - sondern blickte direkt zu Noinin, die zufrieden auf des Rattenfängers Schulter saß.
    Sie war gutgenährt, ihr Federkleid glänzte und sie begrüßte ihren eigentlichen Herren mit einem sanften Laut, der einem Gurren nah kam. "Gut sieht sie aus."

    Schon von Weitem hörte man an diesem Morgen den Vogelhändler in die Tiefen der Katakomben einsteigen. Selbst Noinin reckte und streckte das Köpfchen, obwohl Brennan noch weit von Klivvs Wohnhöhle entfernt war.


    Der dunkeläugige Händler hatte Käfige dabei. 4 in der Rechten, 4 in einem schweren Leinensack auf seinem Rücken und 4 die bis vor wenigen Minuten noch in einem Sack in seiner Linken gewesen war, nun aber im Morast der Nir'alenarer Kanalisation lag.
    Brennan wischte sich die freie Hand an seiner ledernen Hose ab, als er von den Sprossen gesprungen war. Er blinzelte einige Male um sich an das Licht hier unten zu gewöhnen, doch gelang es ihm nicht auf anhieb.
    So hob er den Sack auf und blieb noch einige Augenblicke wie angewurzelt stehen, bevor er sich weiter auf den Weg machte.


    "Shirashai, was schickst du mir da?" Nuschelte er leise, als sein Blick auf etwas kleines Silbernes fiel.
    Brennan beugte sich hinab, machte erneut die Hand frei und steckte etwas das wie ein Amulett mit einer dünnen, feingliedrigen Kette aussah ein. Er würde es sich später angucken. Jetzt musste er erst Klivv finden.


    "Rattenfänger!" Tönte sogleich die souveräne Stimme des Mannes aus Shay'vinayar durch die Katakomben.

    "Ach, eine einfach Dienstleistung ruiniert noch lange nicht den Ruf eines angesehenen Geschäftes." Brennans Tonfall ähnelte für einen Moment lang dem kühlen Tonfall Shizars.
    "Im Gegenteil." Ein breites Grinsen huschte plötzlich über seine Lippen. "Bisher haben mir diese Extrawünsche selten geschadet."
    Eigentlich machten Sie sogar den Großteil seines Geschäftes in Nir'alenar aus. Während in Shay'vinayar die Vögel selbst durch ihren Gesang und ihr Gefieder ihren ganz eigenen Stellenwert hatten, war in Nir'alenar viel häufiger gefragt, was sie konnten. Und je mehr sie konnten, desto begehrtester waren sie. Hier in Nir'alenar war das Training der Vögel oft noch vielschichtiger als in der Stadt der Vögel. Und ob er hier viele Tiere verkauft hätte, die einfach nur hübsch singen konnten - die Frage wollte sich Brennan nicht einmal stellen.


    Die fastschwarzen Augen funkelten amüsiert, verloren ihren Glanz jedoch, als die Schattenfee sich verabschiedete. Ohne das Wort an sie zu richten sah der Dunkelhaarige Dandara hinterher.
    "Ich hoffe, ich habe eure Freundin nicht verschreckt."
    Brennan stieß sich wieder ein Stück von der Wand ab. "Das war nicht mein Ansinnen und wenn ich euch bei.. bei eurer Suche störe.." Brennans Blick fiel auf den Ärmel von Shizars Robe, in dem die Karte verstaut worden war. "So kann ich auch an einem anderen Tag wieder kommen. Wahrscheinlich haben meine Tiere nach der Begegnung sowieso keinen Drang mehr Neues zu lernen.."

    In dem kurzen Moment, dem er Shizar über die Schulter gesehen hatte, hatte Brennan rein gar nichts auf der Karte erkennen können.
    Auf der Suche nach der Grabstätte eines entfernten Verwandten... Zweifelnd sah Brennan Shizar an. Sie wirkte glaubwürdig, ihre Kleidung einer Grabessuche entsprechend. Und doch war da etwas an der Dunkelhaarigen, was eindeutig dafür sprach, dass dies kein "Verwandtenbesuch" werden sollte. Brennan wußte nur nicht was.


    "Erfreut euch kennen zu lernen, Shizar" Entgegnete der Vogelhändler.
    "Eine berechtigte Frage die ihr stellt. Die meisten würden wohl jemanden der Vögeln in Höhlen das Fliegen lernt für mehr oder weniger verrückt halten. Und doch liegt meine Begründung geradewegs auf der Hand." Er schmunzelte und stütze sich an der nächstgelegenen Wand ab.
    "Es sind Vögel aus Shay'vinayar. Sie sollen lernen, sich im Dunklen Zurechtzufinden."
    Brennans Stimme war in seiner Erklärung ruhig, beinah sanft geworden.
    "Ihr glaubt gar nicht, wie viele Personen sich wünschen, dass ihre Tiere auch nachts Nachrichten durch Nir'alenar versenden können."
    Unverholen und mit spitzbübischen Lächeln sah Brennan Shizar an. Er hatte mit vielem in den Katakomben gerechnet. Aber eine Frau mit so hübschen Gesichtszügen hier zu treffen - seine Göttin schien es gut mit ihm zu meinen.

    "Ah, ihr kennt euch." Stellte Brennan trocken fest und öffnete die Voliere um Amina einzulassen.
    "Umso besser, ich fürchte zu dritt haben wir wenig Platz dort drin."
    Er schmunzelte und lehnte die Tür hinter der Kundin ins Schloss


    Aufmerksam verfolgte er, wie Amina die ersten Befehle sprach und Libell sofort gehorchte. "Sehr gut." Lobte er.
    "Nun lasst Libell auf eure Hand fliegen. Djasihra, ihr könnt etwas Futter in die Luft werfen Libell sollte es erst holen, wenn ihr sie dazu auffordert, Amina. Ruckt einfach mit der Hand ein wenig hoch."
    Erklärte er und lehnte sich an die Voliere.

    Noch im Gehen drehte Brennan den Kopf zu Amina.
    "Keine Sorge, meine Wut ist größtenteils verraucht." Sprach er und ein Schmunzeln lag auf seinen Lippen. Er hatte Aminas angespannten Gesichtsaudruck gesehen.
    "Aber glaubt nicht, dass das heißt, ich hätte euer Angebot vergessen." Der Blick, der Amina aus den dunkelbraunen Augen traf, war undeutbar.


    Mit großen Schritten war Brennan erneut im Garten. Er deutete auf die Voliere, in der Djasihra von Vögeln umringt war.
    "Darf ich vorstellen? Djasihra, eine Freundin. Und wie mir scheint, sitzt eure Libell gerade aus ihrer Schulter."

    Brennan hob die Augen von der kleinen Kreatur und blickte gleich in die nebelfarbenen Augen Shizars. Einen kurzen Augenblick war er sprachlos. Er hatte nicht erwartet hier unten überhaupt jemanden zu begegnen, schon gar keiner Schattenfee - und erst recht keiner Frau mit solchen Augen.


    "Targo,.. Brennan Targo." Stellte er sich erneut vor und deutete abermals eine kurze Verbeugung an. Diesmal senkte er den Blick jedoch nicht zu Boden, sondern wandte ihn keine Sekunde von Shizars Antlitz ab.
    "Wenn diese Biester euch gestört haben.." Er deutete dezent auf Shizars Haar.
    ".. möchte ich mich bei euch und.." Sein Blick glitt kurz zu der kleinen Fee, deren Gesichtsausdruck irgendwo zwischen wütend und genervt lag. Zumindest soweit er es einordnen konnte. Wie oft sah man schon einer Schattenfee ins Gesicht?
    ".. eurer Fee entschuldigen. Meine Tiere sind noch jung, gerade in der Ausbildung." Im selben Augenblick flog einer der Vögel an der Personengruppe vorbei, in Richtung Käfige. Brennan war erleichtert.


    "Kann ich mich für dieses Verhalten irgendwie entschuldigen? Kann ich euch hier unten helfen?" Der Dunkeläugige versuchte einen Blick auf Shizars Karte zu werfen.

    "Schuld hat nie einer allein." Antwortete Brennan trocken. "Egal ob Nymphe oder Mann."


    Er ging zur kleinen Voliere und deutete mit einer einzelnen Handbewegung an, dass Djasihra näher kommen solle - und das Gespräch über Nymphen für den Vogelhändler erledigt war.


    "Sie fürchten sich nicht vor Menschen, gehorchen ihnen aber auch nicht. Wenn du möchtest .."
    Er schloss die Käfiganlage ein und bat die Djirin hineinzugehen. Dann griff er in seine Hosentasche ein paar Vogelkörner und streute sie Djasihra in die Hand.
    "Halt die Hand ganz flach, so.. ein wenig weiter von dir weg, ja.. und jetzt pass auf."
    Das letzte Wort war noch nicht einmal ausgesprochen, da hatte Djasihra bereits einen Vogel auf ihrer Hand. Klein, blau gefiedert und mit einer Kopfform, die ihm ein sehr energisches Äußeres verlieh.


    "Da ist jemand im Laden. Warte bitte einen Augenblick hier auf mich." Sprach Brennan und drückte der Djirin in die andere Hand noch etwas mehr Futter. Dann verließ er den Käfig, lehnte die Tür an und schritt in seine Geschäftsräume.


    "Ah, die junge Spionin." Sprach er Amina an, wirkte dabei aber doch bei weitem nicht mehr so unfreundlich, wie bei ihrer letzten Begegnung.
    "Ihr wollt sicher mit Libell trainieren? Kommt mit, sie ist im Garten.."
    Sprach er und zeigte mit einem Kopfnicken in die Richtung, bevor er sich in Bewegung setzte.

    "Nymphen." erklärte Brennan, während er Djasihra hinaus führte.
    "Oreaden, Najaden, Nereiden, Dryaden, wie sie auch immer alle heißen.. Die Töchter Yanariels. Ein Blick von ihnen verzauberrt jeden Mann, ihr Duft betört dich, ihre Anmut zieht einen unweigerlich in ihren Bann. Und dann bricht sie dir das Herz..."
    Brennan hatte viel über Nymphen gelesen und hätte ganze Abhandlungen von ihnen schreiben können.


    Aber wie schmerzhaft seine Erfahrungen auch waren, bei Djasihras Worten mußte er schumzeln.
    "Sicher hat er zufrieden ausgesehen. Eine Nymphe kann ein sehr.. anregender Kurzweil sein.
    Doch glaube ich nicht, dass Xandros Verlobte das so sehen würde. Und deren Vater ist dummerweise einer meiner wichtigsten Partner." Er hob entschuldigend die Schultern.
    "Wenn er schon in ein Messer rennen möchte, dann irgendwo in einer Schenke, nicht in meiner Handlung."


    Sanft strich er über Djasihras Hand und deutete dann auf den Garten, der nun vor ihnen lag.
    "Der Handel läuft gut, ich habe momentan nicht viele Vögel hier. Aber komm, ich zeig dir die Jungtiere." Er deutete auf eine Voliere, in der ein Dutzend kleine, bunte Vögel saß.

    Brennan sah Kyleja ebenso hinterher wie er Xandros hinterher sah. Er schüttelte den Kopf, wischte sich mit dem Handrücken über die Wange und drehte sich wieder zur Djirin um.


    "Entschuldige, dass du das mitbekommen musstes. Was du auch immer mitbekommen hast."
    Entschuldigend zuckte er mit den Schultern.
    "Ich habe bei Narions faulem Zahn schon so einige Nymphen kennengelernt und nur die Götter wissen, dass ich selten unschuldig war. Aber ein solch offensives Musterexemplar einer Nymphe ist mir noch nie begegnet."
    Er seufzte, trat auf Djasihra zu und fuhr sich mit der Hand über den Nacken.


    "Xandros ist erwachsen. Jeder macht seinen Weg.. aber ich kann man die Augen verschliessen und jemand in ein geschärftes Messer rennen lassen?"
    Der Blick des Vogelhändlers ließ für einen Augenblick tatsächlich so etwas wie Sorge erkennen. Xandros war der beste Gehilfe, den Brennan je gehabt hat.


    "Aber genug von Nymphen und dummen Jungen. Kommen wir zu uns." Der trübe Gesichtsausdruck verschwand und wich einem ehrlichen Lachen. Brennans Hand umfasste die Djasihras.
    "Komm mit in den Garten!"