Des einen Glück...?

  • *Hust - falscher Avatar* Atashkada:


    Der gestrige Abschiedsabend mit den Dorfbewohnern war laut, fröhlich, unterhaltsam und mit reichlich Alkohol gesegnet gewesen. Die Feierwütigen unter den Familienmitgliedern hatten den letzten Abend mit starken Kopfschmerzen und grosser Müdigkeit zu bezahlen und doch wurde hier und da während der Fahrt gelacht und getratscht, bis sich wieder die Köpfe oder Mägen gehalten wurden. Das Oberhaupt der Familie hatte irgendwann ein Einsehen und entschloss sich dazu schon um einiges eher ein Lager aufzuschlagen. Sie kamen gut voran und ein bisschen Ruhe konnte keinem schaden. Irgendwo zwischen Ymarue und zahlreicher Dörfer waren sie gerade unterwegs. Es würde nur noch ein paar Tage dauern, bis sie Nir'alenar erreichen würden.
    Sie verließen die Straße und suchten sich wie üblich etwas abgelegen unter Bäumen und hinter Sträuchern einen Lagerplatz. Die bunten und unterschiedlichen Wagen wurden in einem Kreis, soweit möglich aufgestellt, gesichert und die Tiere abgeschirrt. Atashkada und ihre Familie funktionierte wie ein gut laufendes Uhrwerk. Jeder wusste was zu tun war und rasch waren die Tiere versorgt, das Lager für ihren Aufenthalt gerichtet und die Stimmen verklangen so langsam. Viele zogen sich bereits für etwas Ruhe zurück, so auch Atashkada.


    Ein leiser Essensduft, am späten Nachmittag, der plötzlich in der Luft lag, holte die Anwesenden aus ihren Wagen hervor und das Lager füllte sich mit fröhlichen Stimmen. Lieder wurden angestimmt. Einige der Jungs versuchten sich an Stockkämpfen und ihr Aufeinanderschlagen war zu hören. Das Lager erwachte erneut zum Leben. Atashkada machte sich noch rasch frisch, ordnete ihre Kleidung - sie trug eine weiße Bluse und einen dunkelblauen Rock. Ihr Haar wurde gehalten von einem Tuch in gleicher Farbe - und gesellte sich in das bunte Treiben.
    Einige der Männer und Kinder hatten sich auf einem recht freien Stück Wiese versammelt und warfen sich den Ball gegenseitig zu oder warfen sie sich ab. Immer wieder musste ein getroffener das abgesteckte Feld verlassen. Aber auch jene mussten es Räumen, von denen der Ball vom 'Opfer' gefangen wurde. Sie spielten ein Ballspiel, was der Chronist der Familie schon in seiner Kindheit gespielt hatte. Hase und Jäger, nannte es sich und schien den Spielern großen Spass zu bereiten.
    Einige der Frauen standen dabei uns jubelten ihren Kindern oder Männern zu. Andere waren am Lagerfeuer und gingen der heutigen Köchin zur Hand.

  • Djamila war schon viel zu lange zu Fuß unterwegs. Sie merkte, wie sehr
    sie sich nach einer Kutsche sehnte! Ja, wäre sie doch nicht in diese
    vermaledeite Taverne geraten... Aber bis sie sich dafür die Schuld geben
    würde, dauerte es noch. Und bis sie etwas an ihrem Verhalten ändern
    wollen würde, nun dafür musste noch mehr passieren. Schlussendlich war
    ja nichts wirkliches passiert. Dank der Elfe war sie erfolgreich aus der
    Situation herausgekommen und Djamila war übermütig genug, nicht daran
    zu denken, was ohne se passiert wäre.


    Im Moment lief sie also und schimpfte dann und wann über Rogbert.
    Natürlich gab sie darauf Acht, dass niemand sie hörte, das wäre ja noch
    schöner. Ihre Schuhe waren schon fast durchgetreten, ihre Haaren lösten
    sich aus der Frisur und am liebsten hätte sie sich irgendwo hingelegt,
    aber gut. Dann würde sie einfach bis zur nächsten Ortschaft durchlaufen.
    Vielleicht würde irgendeine arme Seele dazuhinreißen lassen ihr zu
    helfen.


    Was sie alles für einen Spiegel geben würde! Oder ein Bett! Ja, ein
    schönes Bett aus mit Daunen wäre jetzt genau das richtige. Und danach
    ein Bad. Aber schön heiß. Mit Rodenduft. Kurz schloss Djamila die Augen
    und atmete durch. Es würde ja nichts nutzen, sich jetzt alles das
    vorzustellen, was sie in dieser Situation nicht haben konnte. Vielleicht
    würde sie doch aus der Sache was lernen. Und was?, fragte sie sich
    sarkastisch. Ja, dafür würde sie wohl lange überlegen müssen. Und wie
    sie sich den Weg so ansah, hatte sie da noch etwas Zeit.


    Was war denn das? Ihr Weg mündete in einen anderen und auf diesen waren
    sehr tiefe Wagenspuren zu sehen, fast gleichzeitig hörte sie viele
    Menschen reden. Djamila spitzte die Ohren. Ja, das waren Gespräche. Ihr
    Herz schlug schneller. Ob sie schon an der nächsten Stadt war? Oh
    hoffentlich! Sie lief etwas schneller und sah ein paar Kinder spielen.
    Nein, es schienen fahrende Leute zu sein, die hier ihr Lager
    aufgeschlagen hatten. Djamila fiel ein Stein vom Herzen und sie schickte
    ein kleines Gebet an Lilliande und Yariel. Kurz zögerte sie, ob sie
    wirklich einfach in die Mitte dieser Menge gehen konnte, alle schienen
    irgendetwas zu tun zu haben, Beschäftigung lag in der Left, dann trat
    sie sicheren Schrittes an eine der jungen Frauen heran.


    "Entschuldigt bitte, könnte ich mich für einen Moment bei Euch ausruhen?
    Ich bin die halbe Nacht unterwegs und falle gleich um vor Erschöpfung."
    Sie strich sich eine Strähne ihres losen Haaren hinter die Stirn und
    wurde rot, als ihr bewusst wurde, das andere Menschen sie so sahen, aber
    sie versuchte sich ihre Verlegenheit nicht anmerken zu lassen, was für
    sie nicht sehr einfach war.

  • Zu mehreren waren die Frauen dabei sich um das gemeinsame Essen der Familie zu kümmern. Auch Atashkada war unter ihnen und schnitt gerade Gemüse zurecht, nahe dem großen Lagerfeuer über dem ein großer Topf und mehrere kleinere hingen. Die Frauen schwatzten dabei über den gestrigen Abend, tuschelten und lachten. Sie hatten alle viel getanzt, geflirtet oder sich unterhalten und so einige Neuigkeiten zusammen getragen, welche sie nun austauschten.
    Ehe die Dheoran verstand, dass man sie angesprochen hatte, ruhten auf der fremden Frau viele musternde Augenpaare. Atashkada sah auf, erhob sich und wurde ein wenig von einer fremden Weißhaarigen überragt. Diese bat darum sich in ihrem Lager ausruhen zu dürfen. Verdutzt musterte Atashkada die junge Fremde. Sie sah wirklich so aus, als sei sie die halbe Nacht und den ganzen Tag bereits unterwegs gewesen. Aber so ganz alleine? Kein Pferd und ohne Gepäck? Die Dheoran lächelte die Fremde mitfühlend an und nickte. "Natürlich. Kommt ruhig näher, nehmt Euch eine Decke...", sie deutete auf einen Stamm mit zahlreichen, einfachen Decken, "... und setzt Euch nur. Nehmt Euch etwas Tee. Zu Essen wird es auch bald geben.", bot sie ihr an. Wie sollte man eine solche Frage auch ablehnen und sie waren es gewohnt Gäste zu haben. Außerdem machte die Fremde den Eindruck als könnte sie vielleicht für neue Geschichten sorgen...
    Atashkada zählte schon nicht mehr zu den jungen Frauen, auch wenn man ihr ihr Alter nicht ansah, aber eine Frau mit solch weißer Haut und Federn im zarten Gesicht hatte sie noch nicht gesehen. Aber scheinbar einige der älteren Dehoran. "Kommt, Mädchen des Schwanenvolks, setzt Euch ans Feuer und ruht Euch aus.", erklang es vom Feuer her. Es war Atashkadas Mutter, die wohl mit Abstand älteste Frau der Familie.

  • "Vielen Dank!" Djamila war erleichtert, das ihr Wunsch
    gewährt wurde, denn auch wenn sie schon mit Dheoran zu tun gehabt hatte,
    war sie sich nicht sicher gewesen, wie gastfreundlich sie wirklich
    waren. Dankbar sah sie die Frau an, die extra auch noch aufgestanden
    war. Djamila war eigentlich nicht die Person, die groß dankbar war, es
    lag einfach nicht in ihrer Natur, aber jetzt in diesem Moment fühlte
    sie, wie dankbar sie war. Man wollte ihr sogar etwas zu essen geben! So
    wie sie jetzt aussah wunderte es sie überhaupt, das man mit ihr sprach.


    Sie setzte sich auf den Stamm und schlang eine Decke um sich. Auch wenn
    es kein besonders kühler Tag war, eine Decke war genau das was sie jetzt
    brauchte.


    Kurz irritiert sah sie auf. Hatte man sie erkannt? Gewöhnlich war sie
    nicht mehr als ein Gerücht, niemand hatte wirklich jemals eine Cygnai
    gesehen. Nun, bis sie Djamila sahen. Nur wenige kannten sie und hielten
    sie für mehr als eine Legende. Und diese Frau erkannte sie! Sie strich
    sich wieder eine Strähne hinters Ohr und sagte dann: "Ihr kennt Cygnai?"
    Sie hatte sich vor gebäugt um der Frau näher zu sein, jetzt hatte sie
    ihre volle Aufmerksamkeit.

  • Freundlich nickte die Schwarzhaarige ihr zu, als die Fremde sich bedankte.
    Mädchen des Schwanenvolks, hatte Atashkadas Mutter gerade gesagt. Eine Cygnai also. Atashkada hatte von ihnen gehört und gelesen, aber noch nie hatte sie jemanden von diesem Volk gesehen. So apart wie die junge Frau aussah, war es vielleicht an der Zeit eine neue Handpuppe zu erschaffen, eine neue Geschichte? Die Neugier der schwarzhaarigen Frau war geweckt und sie suchte die Nähe der Fremden und ihrer Mutter Alamea.
    Atashkadas Mutter, die Frau des Oberhauptes dieser Familie lächelte die junge Cygnai freundlich an, als sie ihre Frage vernahm und nickte leicht. "Kennen ist vielleicht zu viel gesagt. Auch ist es schon lange her und war nur eine flüchtige Begegnung." Lange traf es sicherlich gut. Alamea war selbst noch eine junge Frau gewesen und mit ihrer Familie unterwegs gewesen. Mittlerweile war der älteste ihrer Söhne fast an die 100 Jahre alt. "Aber vielleicht wisst Ihr, dass wir Geschichten sammeln und niederschreiben so auch zu den Völkern die unsere Welt, unsere Insel bevölkern. Ich denke es ist mehr geschriebenes Wissen." Alamea lächelte und rührte in dem großen Topf. "Das Gemüse, bitte." Ataschkada nickte und gab immer wieder etwas von den geschnittenen Zutaten dazu. Dann sah sie die Fremde an. "Mein Name ist Atashkada.", sie lächelte offen und freundlich. "Vielleicht wollt Ihr uns etwas von Eurem Volk erzählen?"

  • Während der Antwort der Alten hörte Djamila ganz konzentriert zu. Nun, den Begriff "kennen" konnte man auch dehnen. Und für sie war es in diesem Moment einfach schön, dass sie keine Fantasiefigur war, sondern, dass man von ihrer Art bereits gehört hatte und sie für wahr hielt.
    Djamila verneigte als Zeichen ihres Respektes ihren Kopf leicht. Gleichzeitig schicke sie einen weiteren Dank an Lilliande und Yariel, dass sie hierher gekommen war. Ihr Magen fragte sich allerdings bereits, wann es etwas zu Essen geben würde und sie sah neugierig in Richtung des Feuers.
    Eine Frau stellte sich vor sie und weil Djamila saß kam sie ihr viel größer vor, als sie eigentlich war. Dennoch lächelte sie freundlich und die Cygnai lächelte zurück. Ihre Frage lies sie die Stirn runzeln. Wollte sie etwas über ihr Volk erzählen? Eigentlich hatte sie damit kein Problem, aber ging das die Dheoran überhaupt etwas an?
    "Eurer Volk sammelt Geschichten, richtig?" Sie sah sie fragend an. Sie war sich nicht wirklich sicher, aber sie hatte viel davon gehört. "Nun, es wäre mir eine Ehre, etwas von mir zu erzählen." Vielleicht würden sie es als kleine Gegeneistung zu ihren Aufenthalt sehen. Denn Djamila hatte ja nichts anderes, so gesehen war sie jetzt komplett hilflos und sie versuchte ihre Angst und ihren Kummer runterzuschlucken. Fast erfolgreich, nur ihre Lippe bebte kurz, aber sie sah zur Seite, wo ein paar Kinder spielten, damit es Atashka nicht auffiel.
    "Mein Name ist übrigens Djamila Anghar Ciar D'or, aber meine Freunde dürfen mich Djamila nennen." Mit einem herzlichen Lächeln lud sie die Fremde dazu ein, sich zu diesen zu gesellen. Auch wenn es ja nicht mehr viele waren. Djamila schluckte abermals ein paar Tränen runter.

  • "Oh ja.", Atashkada lächelte begeistert und setzte sich kurz zu der Cygnai. Sie wollte nicht auf sie hinabsehen, Auge in Auge unterhielt es sich besser. "Das tun wir. Nur müssen sie wahr sein, damit wir sie aufschreiben.", erklärte sie. "Aber wir hören auch gern ausgedachte Geschichten - wenn sie unterhaltsam sind." Sie zwinkerte dem unerwarteten Gast zu. Und sollten die Geschichten besonders gut gewesen sein, so war es schon geschehen, dass ihre Familie ein besonderes Amulett mit einer Schutzrune verschenkte. Aber das wollte sie nicht erwähnen. Die junge Frau sollte ihre Geschichte ohne Hoffnung auf Gegenleistung erzählen und auch würde es der Chronist der Familie entscheiden. "Uns wäre es eine Ehre, wenn Ihr uns eine Geschichte von Euch erzählen wollt." Atashkada war gespannt und sicherlich würden sich alle anderen Familienmitglieder auch sehr darüber freuen.
    Die junge Frau wirkte nicht nur äußerlich mitgenommen, stellte Atashkada für sich fest und erneut wunderte sie sich darüber, wie es kam, dass die junge Frau ganz alleine und ohne Gepäck unterwegs war. Hoffentlich gab es dazu nicht eine traurige Geschichte ....."Sehr erfreut Djamila." Atashkada lächelte freundlich und mitfühlend, wechselte dann einen Blick mit ihrer Mutter. "Das Essen wird nicht mehr lange brauchen. Wollt ihr Euch vielleicht vorher etwas frisch machen?" Atashkada hielt es für eine gute Idee, der jungen Frau die Möglichkeit zu geben sich etwas zu fangen und auch hatte sie das Gefühl, sie würde sich unter den Augen ihrer Brüder damit wohler fühlen sich die Strapazen aus dem Gesicht gewaschen zu haben. "Seht Ihr die beiden Wagen?" Die Dheoran zeigte auf einen in grüner und einen in orangener Farbe, zumindest waren das die vorherrschenden Farben, neben reichlich kunstvollen Verzierungen. "In dem Orangenen findet Ihr alles, was Ihr benötigt." In dem Wagen hatte es einen Sichtschutz, Eimer mit Wasser, Seife sowie Tücher um sich zu trocknen und noch einiges mehr. Es war ein sehr kleines und einfaches 'Badehaus' auf Rädern, einer der Waschwagen der Familie. "Ich halte Euch einen Platz am Feuer frei."

  • Zuerst fühlte sich Djamila ein wenig unwohl. Natürlich redete sie gerne
    über sich, das lag in ihrer Natur, aber in der Lage, in der sie sich
    gerade befand fiel ihr das schwer. Wie sollte sie über die Dinge
    prahlen, die sie bei Rogbert in eine solche Bedrängnis gebracht hatten
    unmöglich, jedenfalls im Moment für sie.


    Als die Dheoran von der Waschmöglichkeit berichtete, setzte sich Djamila unbewusst etwas gerader hin. "Ja? Das wäre wirklich sehr freundlich von Euch!"
    Sie stand auf, schüttelte ihre Flügel kurz und verneigte sich dann. Bei
    Cygnai war es so üblich, man verneigte sich vor anderen, die einem
    höher gestellt waren und auch wenn das im Moment nicht der Fall war,
    wollte Djamila einfach ihren Respekt zeigen.


    Schnell war sie bei dem Orangenen Wagen und drehte sich kurz zu Ataschka
    um. Sie warf ihr ein kurzes lächeln zu, dann verschwand sie im Wagen.
    Der war wirklich nur mit dem nötigsten ausgestattet und eigentlich nicht
    nach Djamilas sonstigen gehobenen Ansprüchen. Aber es war ihr egal, sie
    arrangierte sich mit dem kalten Wasser, mit dem halb verbeulten Spiegel
    und machte sich frisch. Mit geübten Fingern richtete sie ihre Frisur
    und es dauerte nicht lange, dann befand sie sich selbst wieder für
    vorzeigbar.


    Ein letztes lächeln in den Spiegel, dann stand sie vor dem Wagen. Vor
    dem Feuer war schon viel los, Kinder sprangen herum, es wurde Musik
    gespielt, Leute redeten und lachten und Djamila fühlte sich wohl.
    Leichten Schrittes war sie zu Ataschka getreten und setzte sich neben
    sie.


    "Vielen Dank! Wie soll ich das Euch nur verdanken!"

  • Auf die höfliche Verbeugung Djamilas senkte Atashkada ihren Kopf leicht zur Bestätigung. Sie sah der jungen Cygnai nach und musterte ihre Gestalt samt der Flügel fasziniert. Sie wirkten sehr klein, ob sie damit fliegen konnte? Djamila wand sich um und Atashkada erwiderte das Lächeln. Die Dehoran verlor sich eine kurze Weile in verschiedenen Überlegungen für ihr Theater.
    Die Stimme ihrer Mutter holte ihre Aufmerksamkeit zurück und schon erhob sie sich um ihr weiter zur Hand zu gehen. Das Essen köchelte über dem Feuer, Geschirr stand bereit, noch spielten die Kinder. Die Stimmung war fröhlich-gelöst und nahe des Feuers erklang unterstreichend eine locker leichte Musik. Es war ein Mann, jung und äußerst gutaussehend. Er wirkte verträumt, versunken in eine andere Welt. Die Geige an seinem Kinn, die Augen geschlossen und seine Finger führten den Bogen so zärtlich über das Instrument als sei es der Leib seiner Geliebten. So entlockte er jener eine traumhafte Melodie. Atashkada liebte seine Musik und wiegte sich leicht zu deren Takt, ehe sie sich am Feuer nieder ließ. Kurz darauf schon traf die junge Frau bei ihr und setzte sich. Sie sah nun wirklich schon frischer aus als zuvor noch, auch wenn ihr eine Mütze Schlaf sicherlich wohl tun würden. "Erholt Euch erst einmal. Wir werden uns schon einig werden.", flüsterte sie verschwörerisch und zwinkerte der Cygnai zu.
    Immer mehr Familienmitglieder fanden sich am Feuer ein und nickten der Fremden zur Begrüßung freundlich zu. Nun kamen auch jene, die etwas abseits dem Ballspiel nachgingen. Es war schwer zu erkennen wer genau zu wem gehörte. So vertraut war der Umgang untereinander. Der frische Eintopf und Tee wurde ausgeteilt, beginnend bei ihrem unverhofften Gast. Auch Atashkada erhielt eine Schüssel und einen Becher. "Einfache Kost.", lächelte sie. "Hoffentlich schmeckt es Euch."

  • Djamila nahm gerne eine Schüssel des einfachenen Essens
    an, denn sie war wirklich hungrig. Und jetzt, wo sie wieder vorzeigbar
    aussah, war es für sie nicht mehr ganz so schlimm, dass der halbe Clan
    der Dheoran sie ansah. Sowieso sahen sie alle sehr nett aus, freundlich,
    nicht so, als würden sie sie verachten, nur weil ihr Kleid nicht mehr
    ganz so gepflegt aussah.


    Sie aß eine Schüssel auf und fragte dann höflich, ob sie noch eine
    zweite haben könnte. Welche ihr wunderbarerweise gewährt wurde. Die
    Menschen hier waren wirklich nett. Auch wenn Djamila sich eher im
    Hintergrund hielt und nicht wirklich ein Gespräch mit jemanden anfangen
    wollte, was sonst gar nicht ihre Art war. Lieber lachte sie, wenn die
    anderen lachten und hielt sich an Atashka, die wohl viele Leute hier zu
    kennen schien, aber das war auch logisch, es war ihre Familie.


    Auch wenn viele Männer herumliefen, auch viele hübsche Männer, Djamila
    hatte die Nase voll davon, sie würde für eine längere Zeit erstmal die
    Finger davon lassen. Sie war sich noch nicht sicher wie lange genau,
    aber auf jeden Fall eine Zeit lang. Dennoch konnte sie die Augen nicht
    von dem hübschen Geigenspieler abwenden, ihre Augen blieben praktisch an
    ihm kleben und ihre Füße wippten im Takt der Musik mit. Gerne hätte sie
    getanzt, aber dafür fühlte sie sich noch zu erschöpft.

  • Das Schöne am gemeinsamen Essen: Es brachte einfach alle zusammen - ob Familie oder Gäste - und hinterließ ein angenehmes Gefühl. Nicht nur in den Mägen.
    Atashkada hatte ein Auge auf die junge Fremde, doch schien sie sich recht wohl zu fühlen, lachte hin und wieder und schmecken tat es ihr scheinbar auch. Oder sie hatte so großen Hunger...?
    Als Djamila sich einen Nachschlag holte verklang die Geige und leise Flötenklänge waren nun zu hören. Eine Frau, reifer als der junge Mann - obwohl eine gewisse Ähnlichkeit unverkennbar war - hatte ihm eine Schale gereicht. Die Geige ruhte sicher neben ihm und während er den Eintopf löffelte, streiften seine Augen über die Anwesenden und blieben an der exotischen Schönheit neben Atashkada hängen. Darüber vergaß er sogar das Essen in seinen Händen für ein paar Momente. Seine sanften rehbraunen Augen musterten die fremde junge Frau und begegneten den ihren für einen Moment. Seine sinnlichen Lippen verzogen sich zu einem Lächeln und er nickte ihr grüßend zu. Rasch löffelte der Dheoran seine Schüssel leer und griff erneut zu seiner Geige. Sein Blick verweilte fast verträumt auf Djamila, während er sich das in viele kleine Zöpfe geflochtene, tiefdunkelbraune Haar zurückstrich. Er begann wieder zu spielen. Sinnliche Sehnsucht sprach nun die Melodie und immer wieder kehrte der Blick des jungen Mannes für flüchtige Augenblicke zu der Fremden zurück.
    Atashkada musterte das sich ihr bietende Bild und hatte eine Augenbraue empor gezogen. Doch dann lächelte sie. "Keine Musik liebe ich mehr als Lazarions.", gestand sie Djamila gegenüber ein. "Sagt, wohin führt Euer Weg?"

  • Bestimmt bildete sich Djamila es sich ein, dass der
    Dheoran sie ansah. Nein, wenn es etwas gab was sie wusste, dann wann sie
    beobachtet wurde und wann nicht. Und dieser Mann sah sie an. Und
    Djamila müsste lügen wenn sie sich sagen würde, dass sie es unangenehm
    fand. Im Gegenteil, es gab ihren etwas ramponieten Selbstvertrauen neuen
    aufschub und sie kam nicht umhin, seine Blicke zu erwidern.


    Sie nickte zu Atashkas Worten und sah dann, etwas wehmütig, sich von dem Geigenspieler abzuwenden, zu ihr. "Eigentlich
    habe ich nicht wirklich einen Weg, ich gehe dorthin, wo mich das
    Schicksal hin verschlägt. Nun, im Moment würde ich gerne einfach weg von
    der Gesellschaft, in der ich mich vorher befunden habe." Sie schüttelte sich unwillkürlich und sah zu Boden, komplett in Gedanken an Rogbert und dem, was ihr passiert war.

  • Die Antwort der jungen Frau warf Fragen auf. Was ihr wohl widerfahren war, dass sie nur mit der Kleidung an ihrem Leib und ohne sichtbares Hab und Gut unterwegs war. Davon, dass sie ganz alleine war einmal abgesehen. Die dunkelhäutige Frau selbst nahm ständig Abschied, manchmal mit etwas Wehmut, meist ohne - das war ihr Leben, das Leben der Dheoran. Dennoch war es nie einsam, denn die Familie war immer da und ihr Hab und Gut führten sie überall mit hin. Jedem Abschied war auch schon die neue Begegnung immanent, vielleicht schon hinter der nächsten Wegbiegung. Das Thema war denkbar ungünstig gewählt, es war der Haltung Djamilas deutlich anzusehen. Atashkada hatte Mitleid mit ihr und wollte nicht in sie dringen, sie wirkte so freundlich und konnte sicherlich etwas Unterstützung gebrauchen. Vielleicht sollte sie mit ihrem Vater sprechen. Wenn die junge Cygnai sich etwas nützlich machen würde, könnte sie vielleicht eine Weile mit ihnen reisen...? Wenn sie das wollte. "Wir sind auf dem Weg nach Nir'alenar. Verbringt die Nacht doch hier bei uns, im Schutz unseres Lagers und morgen sehen wir weiter?", lächelte Atashkada sie aufmunternd an.


    Lazarions Blicke hatten immer wieder das Antlitz der jungen Frau mit der weißen Haut gesucht und seinem feinfühligen Wesen war ihre veränderte Stimmung nicht entgangen. In einem fließenden Übergang wurden die Töne der Geige fröhlicher und beschwingter. Luden dazu ein sich zu ihnen zu bewegen und trübe Gedanken beiseite zu legen und sich einfach nur an ihnen zu erfreuen. Das Leben war zu schön, um in düsteren Gedanken zu versinken. Lazarion wollte die aparte Schönheit wieder lachen sehen.
    Das Stimmengewirr im Lager hob wieder mehr an, jetzt wo die meisten ihr Mahl beendet hatten und so einige, die keinen Küchendienst zu verrichten hatten, fanden sich zu den ausgelassenen Klängen zum Tanz oder zu Gesprächen.

  • "Vielen Dank" Djamila lächelte die Dheoran an und legte ihr eine Hand auf die Schulter. "Nicht jeder wäre so nett zu einer Fremden..." Sie sah auf. Sie kannte das Lied und das lächeln auf ihren Lippen vertiefte sich, als sie zu dem Geigenspieler sah. "Ihr
    habt Recht, morgen wird es sicher besser sein. Was haltet Ihr davon,
    wenn auch wir etwas tanzen? Ich habe gehört, Dheoran tanzen auch
    gern...?" Sie stand auf und sah auf Atashka hinab, ihre Füße
    konnten schon nicht mehr stillstehen. Überall tanzten die Menschen und
    Djamila wollte dazugehören. Auch wenn sie es eher gewohnt war, alleine
    auf einer Bühne zu stehen, den Leuten hier schien es Spaß zu machen,
    deswegen konnte es ja nicht so verkehrt sein, oder? Genau, sagte sie
    sich. Hatte sie nicht ein wenig positives verdient? Und das die Augen
    des Geigenspielers dann auf ihr liegen würden, nun, da hatte sie nicht
    mal den Hauch eines Zweifels. Und das ihre Figur beim tanzen sehr gut
    zur Geltung kam, dass wusste sie, deswegen bewegte sie kurz ihre Flügel
    und sah sich bei den Tänzern um. Sie tanzten nicht so, wie sie es
    gewohnt war, aber Djamila würde sich anpassen können. Wieder sah sie zur
    Dheoran und erwartete lächelnd eine Antwort.

  • "Wir sind ein geselliges Volk." Atashkada lachte auf. Bei der ausgelassenen Fröhlichkeit und der Musik schien Djamila sich schnell zu erholen und bereits neue Kraft geschöpft zu haben. "Da habt ihr richtig gehört." Die junge Frau hatte sich schon erhoben und besah sich dieTanzenden, ihre Füße hatten schon Feuer gefangen. Das war sehr typisch für die Melodien, die ihr Neffe spielte, zumindest für viele davon. Atashkada legte Schüssel und Becher bei Seite und erhob sich. Das Gefieder der Flügel raschelte leise, als Djamila es bewegte und Atashkadas Blick viel kurz darauf.
    Die Dheoran strich sich über Bluse und Rock. "Dann lasst uns tanzen." Ganz selbstverständlich nahm sie die Fremde an der Hand und begann sich leichtfüßig den Weg zu den Tanzenden zu bahnen. Dort angelangt ließ sie los und bewegte sich sogleich zu den Klängen. Es gab hier keine festen Paare, ständig wurde gewechselt. Jeder konnte mit jedem tanzen oder auch für sich alleine. Die Stimmung war frei und ungezwungen, kein Vergleich zu Tänzen, an irgendwelchen Höfen.


    Der Geigenspieler sah seine Tante sich mit dem unbekannten Gast erheben. Sie begaben sich zu den anderen die zu seinem Spiel tanzten. Es feuerte ihn an und so entlockte er seinem Instrument gekonnt und mit unsäglicher Leidenschaft Töne, die wie magisch ins Blut zu gehen schienen, sogar der Herzschlag schien sich dem Rhythmus anpassen zu wollen.

  • Djamila lies sich gerne von der Dheoran zwischen die Tanzenden ziehen.
    Sie lachte, es war ein ehrliches lachen, nicht ein Teil von ihr dachte
    daran, dass der Geigenspieler sich sicher über ihr Glockenhelles Lachen
    freuen würde. Die Leute hier tanzten zusammen, allein, immer wurden
    Partner gewechselt und Djamila, die sehr geübt im Tanzen war, war es
    egal, deswegen fing sie einfach an, ihr Hüften zu bewegen und hatte
    Spaß.


    Ja, sie hatte mit den Tanzen angefangen, damit sie endlich von zu Hause
    verschwinden konnte. Oder nein, sie war die beste Tänzerin geworden, um
    endlich gehen zu können. Aber sie machte es auch, weil sie Spaß dabei
    hatte. Wer fühlte sich nicht gut, wenn er Dinge tat, die er gut konnte?
    Deswegen blieb das lächeln auf ihren Gesicht.


    Es vertiefte sich sogar, als sie bemerkte, dass der Blick, des
    Geigenspielers immer noch auf ihr ruhte. Sie sah zu Atashka und beugte
    sich etwas vor, damit sie nicht so laut schreien musste. "Ihr tanzt aber sehr gut!" Es stimmte, Atashka konnte gut den Rythmus halten und machte eine gute Figur beim tanzen. "Lasst uns etwas versuchen..." Sie
    nahm die Hände ihres Gegenübers und drehte sie in eine Figur, die
    eigentlich sehr leicht war. Sie hatte schon einige Schritte davon in
    Atashkas Tanz gesehen, sie musste nur ein wenig geführt werden.

  • Die Stimmung war, wie an so vielen Abenden, ausgelassen und hatte augenscheinlich auch Djamila angesteckt. Sie tanzte, als hätte sie es von Kindesbeinen an gelernt, auch wenn ihre Bewegungen ganz anders anmuteten oder war es nur diese besondere Art der jungen Frau...?
    Ataskada bewegte sich wie es für sie üblich war, frei und ungezwungen. Ihr Körpergefühl war sehr ausgeprägt. Die Dheoran liebte ihr Handpuppentheater, liebte es für neue Geschichten zu sorgen und belagerte oft ihre Familienangehörigen mit Bitten um neue Puppen, Kleidung, Hintergrundbilder, Schnitzereien oder auch Musik. Aber auch das Tanzen lag ihr im Blut, ein natürliches Gespür für Rhythmen, auf das sie jederzeit zugreifen konnte. Daher wusste sie ihren Körper harmonisch zur Musik zu bewegen, auch wenn es keine ausgefeilte Chorographie war.
    "Das kann ich nur zurückgeben. Ihr tanzt wunderbar.", lächelte Atashkada fröhlich und nickte zu der Aufforderung der jungen Frau. Sie war nie abgeneigt, etwas Neues zu versuchen. Sie nahm die Hände und ließ sich voll auf die Führung Djamilas ein. Aus einer Drehung entstand eine Figur, die Atashkada so noch nie getanzt oder gesehen hatte und wollte es gleich noch einmal versuchen. Es gelang besser und sie lachte glücklich. "Tanzt man so bei Eurem Volk?", fragte sie übermütig.


    Immer wieder fand der Blick des jungen Mannes die schöne junge Frau unter den Tanzenden und verfolgte ihre sicheren und schön anzuschauenden Bewegungen. Er selbst hatte noch nie jemandem von diesem Volk gesehen und war über alle Maßen fasziniert. Fasziniert von ihren Bewegungen, dem Luftspiel in ihren Flügeln wenn sie sich drehte und bewegte. Auch andere Familienmitglieder sahen dem atemberaubenden Tanz der Fremden bewundernd zu. Lazarion spielte Lied um Lied, bis er ein kaum sichtbares Zeichen gab und die Geige von zwar nicht mehr ganz so berauschenden, aber ebenfalls munteren Klängen eines Akkordeons abgelöst wurde. Er brauchte eine Pause und man reichte ihm augenzwinkernd etwas zum Trinken.

  • Djamila nickte. "Ja, auch wenn einige
    Bewungen von anderen Völkern kommen. Ich bin schon so viel gereist und
    immer auf der Suche nach neuem. Das Tanzen ist meine Leidenschaft",
    gab sie zu. Aber diese Information teilte sie gerne, besonders mit
    Atashka, die auch gerne zu tanzen schien. Die Figur, die sie tanzen,
    meisterte sie fast Fehlerfrei. Wenn Djamila an ihre ersten Tanzstunden
    dachte, oder die, an die sie sich noch erinnern konnte, sie hatte
    schließlich noch als Kind angefangen, dann wusste sie, dass sie nicht so
    gut war. Ihre Lehrerin sagte ihr immer wieder, wie schlecht sie wäre
    und auch wenn Djamila wusste, sie sagte das auch zu ihren größeren
    Schwestern (die damals noch viel besser tanzten als sie, sie waren
    schließlich älter), machte es Djamila etwas aus. Denn hier wollte sie
    die beste sein. Und jetzt war sie es. Auch wenn die Dheoranfrauen gut
    tanzten, sie wusste, sie tanzte am besten. Vielleicht war sie ein wenig
    eingebildet, aber manchmal entsprach das auch einfach der Wahrheit.


    Schließlich bemerkte Djamila wie erschöpft sie war. Die Bewegungen
    fielen ihr nicht mehr ganz so leicht und sie war außer Atem. Sie hätte
    die halbe Nacht durchtanzen können - wenn sie in einer anderen
    Verfassung gewesen wäre. So war sie die letzte Nacht fast und den
    letzten Tag komplett durchgelaufen und konnte nicht mehr. Sie warf
    Atashka einen entschuldigenden Blick zu und sagte: "Es tut mir leid, aber ich muss mich ein wenig ausruhen, der Tag war so anstrengend..."
    Mit diesen Worten drehte sie sich um und setzte sich an einen Baum, der
    in der Nähe stand. Ihre Augen suchten den Geigenspieler und tatsächlich
    fanden sich ihre Blicke.

  • Die Worte der jungen Frau nahm Atashkada mit einem freundlichen Lächeln entgegen. "Ihr habt allen Freude bereitet. Seht Euch nur um." Sie deutete auf ihre Familienmitglieder, von denen viele keinen Hehl daraus machten, dass Djamila sie hervorragend unterhalten hatte mit ihrem Tanz. "Ruht Euch nur aus. Ich bleibe in der Nähe, einverstanden?" versprach sie der jungen Cygnai und fasste darauf die ihr entgegengestreckte Hand eines Mannes. Er war größer und sicherlich auch älter als sie, dennoch sahen sie sich ähnlich. Die Musik wirkte nun traditioneller und so auch die Bewegungen der Frauen und Männer. Es war schade um den bezaubernden Farbklecks unter den Tanzenden, auch wenn es verständlich war. Djamila hatte ja gesagt, dass sie bereits lange unterwegs gewesen war. Um so erfreulicher, dass sie noch Kräfte mobilisieren konnte und sie etwas von ihrem Können gezeigt hatte. Atashkada hielt Wort und entfernte sich nie so weit, dass sie Djamila aus den Augen verloren hätte. In ihrem Kopf begannen sich bereits verschiedene Möglichkeiten zu entwickeln für ihr Handpuppentheater... Aber sie wollte sich noch nicht festlegen...


    Lazarion saß auf einem liegenden Baumstamm nah dem Feuer und nahm große Züge von dem gereichten Getränk. Als sein Blick zu den Tanzenden zurückkehrte war die schöne junge Frau aus dem Getümmel verschwunden. Seine Augen suchten sofort nach ihr und entdeckten sie unweit der provisorischen Tanzfläche. Immer wieder schoben sich die Tanzenden zwischen ihre Blicke, doch wand der junge Mann den seinen nicht ab. Er lächelte die bezaubernde Schönheit freimütig an und stellte dabei fest, dass es ihr an etwas zu Trinken fehlte. Sorgfältig legte er seine Geige in ihren Kasten und erhob sich etwas ungelenk. Lazarion ließ sich seinen eigenen Becher füllen und einen weiteren reichen. Mit jenen umrundete er das Feuer, passierte die Tanzenden. Wenn man genau hinsah, so wirkte sein Bewegungsablauf nicht rund und fließend, nein der junge Mann hinkte. Bei der jungen Cygnai verbeugte er sich leicht. "Mylady, wenn ich mich vorstellen darf? Lazarion aus dem Feuer des Nelio.", seine Stimme war warm und freundlich und von einem sehr angenehmen, melodischen Klang. Der Dunkelhäutige reichte der jungen Frau einen der Becher. "Ihr müsst durstig sein." Er lächelte. "Möchtet Ihr einige Augenblicke für Euch sein oder darf ich mich zu Euch setzen?"

  • Djamila:


    Djamila schlug die Augen nieder. Sie war
    fertig. So schlimm war es schon lange nicht mehr gewesen. Ja, damals,
    als sie jung gewesen war hatte sie immer viel getanzt, macmal zu viel.
    Ihre Muskeln hatten geschmerzt, manchmal kam sie am nächsten Tag kaum
    aus dem Bett. Doch so müde wie jetzt war sie selten gewesen. Und wie es
    in solchen Situationen war, konnte sie sich nicht daran erinnern, dass
    es je so schlimm gewesen war. Doch hier einschlafen konnte und wollte
    sie nicht. Nicht mitten auf diesem wunderbaren Fest. Sie hatte Spaß
    gehabt, oh ja. Doch allmählich war der Tag zu lang für sie. Und vor
    allem zu aufregend.


    Als sie wieder aufsah, war der geigenspieler verschwunden und Djamila
    war kurz enttäuscht. Jedenfalls bis zu dem Moment, als sie ihn durch die
    Menge laufen sah. Ihr Herz schlug schneller und ihre Müdigkeit war für
    den Augenblick vergessen.


    "Natürlich, setzt Euch. Mein Name ist Djamila Anghar Amira Jahanara Ciar'dor." Lächelnd nahm sie den Becher entgegen. Tatsächlich war sie durstig und von diesem Fremden würde sie sicher nichts abschlagen. "Ihr
    könnt mich gerne Djamila nennen. Ihr habt gerade die Geige gespielt,
    richtig? Ihr habt wirklich wunderbar gespielt. Ich habe schon so einiges
    gehört und Ihr könnt Euch an den Meistern aus den großen Städten
    messen!" Das war sowohl Kompliment als auch Wahrheit. Er war
    wirklich gut. Doch jeder Meister würde ihn auslachen, wenn er ihn sehen
    würde, er stammte "nur" aus dem fahrenden Volk. Doch für Djamila spielte
    das keine Rolle. Er sah gut aus und schien etwas zu können, der Rest
    war egal, richtig?