Obilee's Schneiderei

  • Von außen hin mag der kleine Laden ein wenig unbeeindruckend wirken, doch wenn man ihn betritt, wird man von verschiedenen Eindrücken gar nicht mehr losgelassen. Überall hängen die besten Kleider der Schneiderin, auf jedem ein aufwendiges Muster, das entweder in grünen, roten oder blauen Farben erstrahlt. Wagt man sich weiter in den Laden hinein, so erkennt man eine kleine Theke, die über und über mit Nähsachen belegt ist. Daneben steht ein kleiner Stuhl, auf den sich Obilee immer setzt um ihren Kleidern den Zauber zu geben, den sie immer ausstrahlen. Rechts der Theke hängen große Bahnen Stoff aus, die man entweder einzeln kaufen kann oder sie für ein Kleid auswählt. Es sind einfache Stoffe, Obilee behauptet auch nicht, dass sie etwas besonderes sind. Aber ihre Stickereien machen alles erst interessant. Folgt man weiter dem Raum nach hinten, so erblickt man hinter einer Tür eine Kammer, in der verschiedene Stoffe und andere Nähsachen untergebracht sind. Direkt neben der Kammer ist eine weitere, in der die Perlen und Steine untergebracht sind, die auf den Kleidern Platz finden. Diese Tür ist jedoch immer verschlossen, sie wird nur geöffnet wenn Obilee etwas braucht.
    Wenn man also im Großen und Ganzen den Laden betritt, ist er größer als man denkt. Jedoch wird das von den ausgebreiteten Kleider an der Wand, und an verschiedenen Puppen verliehen, die den Raum größer wirken lassen. Es herrscht immer ein leichter Lavendelduft, denn Obilee benutzt Lavendel, damit ihre Kleider immer gut riechen.

  • Shiya war nun einige Zeit umhergesträunt. Sie hatte viel nachdenken müssen über das, was die Valisar, die Wahrsagerin, ihr berichtet hatte. Sie war nach wie vor etwas verwirrt und wusste noch nicht, wie sie weiter vorgehen sollte. Im Moment brauchte sie jedoch etwas Ablenkung und so verschlug es sie in das Künstlerviertel. Es war eines der Viertel, die der Cath'shyrr hier in Nir'alenar am besten gefielen.


    Nach ein paar Minuten blieben Shiyas Augen an einem kleinen Laden hängen - eine Schneiderei. Eigentlich hatte sie nicht vorgehabt einen Laden zu betreten, doch an schönen Kleidern konnte Shiya einfach nicht vorbeigehen. Und warum sollte sie sich nicht mit dem Kauf eines neuen Kleides von ihren trüben Gedanken befreien? Es war ohnehin Zeit für ein neues, denn Shiya besaß seit ihrer Ankunft auf Beleriar keine Kleidung - die, die sie trug ausgenommen.


    Also ging sie auf den Eingang zu, schlug dabei ihre Kapuze zurück und trat vorsichtig ein - gespannt darauf, was für Kleidung hier angeboten wurde.

  • Obilee saß auf ihrem kleinen Stuhl, und betrachtete einen Stoff, den sie zwischen ihren Fingern hielt. Immer wieder strich sie über den weichen Stoff. Manch einer mag wohl denken, die Frau ist verrückt, doch Obilee tat dies immer bevor sie einem Kleid den gewissen Zauber verlieh. Für sie war jedes Kleid, jeder Stoff der anders verarbeitet war anders. Schließlich holte sie Nadel und Faden, und fing an das Kleid zu besticken.


    Die Elfe saß nun schon den ganzen Tag an dem Kleid, doch ihre Arbeit vermag sie immer noch nicht zu ermüden. Andere hätten sie wohl schon stöhnend aufgegeben, doch Obilee wollte an diesem Tag noch das Kleid fertig bringen. Es fehlten noch ein paar Steine, und das Muster war fertig. Nebenbei hatte sich Obilee etwas zum Trinken bereit gestellt, mehr tat sie nicht außer dem Besticken. Als das Kleid schließlich fertig war, musste sie zugeben, dass sie ziemlich geschafft war. Auch wenn es sich wie eine einfache Arbeit anhörte, doch war die Näherei nicht gerade leicht, schon gar nicht im Falle von Obilee's Handwerk.


    Sie holte aus einer der hinteren Kammern eine der Puppen, und vorsichtig streifte sie dieser das Kleid über. Obilee wich ein paar Schritte zurück um ihr Werk zu bewundern. Sie hatte wieder alle Arbeit geleistet, und sie war stolz auf das Stück, wie auf jedes andere Kleid in dem Laden. Obilee hörte, wie sich jemand am Eingang ihres Ladens bewegte. Sie drehte sich um und erblickte eine rothaarige Dame. Auf Obilee's Lächeln bildete sich ihr gewohntes, freundliches Lächeln ab. Jedoch blieb sie dort stehen, wo sie war. "Guten Tag" begrüßte sie die Dame höflich. Der Grund, warum sie stehen blieb, war der, weil sie sah, dass sie sich umsehen wollte. Wahrscheinlich kannte sie den Laden noch nicht.

  • Shiya konnte sich nur kurz umsehen, da sie sofort von einer Frau angesprochen wurde. Ob sie die Besitzerin der Schneiderei war? Shiya musterte die Frau kurz, die sie nun als Edelelfe erkannte. "Seid gegrüßt. Seid Ihr die Schneiderin? Mein Name ist Shiya." Der Blick der Cath'shyrr schweifte einen Moment lang durch den Laden. Ob sie hier fündig werden wird? Ihre Ansprüche waren nun einmal sehr hoch.


    Shiya sah erneut die Edelelfe an und ging ein paar Schritte auf sie zu. "Könntet Ihr mir einige Kleidungsstücke zeigen? Bestimmte Vorstellungen habe ich nicht, doch muss die Kleidung bequem sein und einiges an Bewegungsfreiheit liefern. Dennoch soll sie meinen Körper vorteilhaft betonen." Nun lächelte auch Shiya, denn sie freute sich auf die verschiedenen Kleider.

  • Als sich die Cath’ Shyrr vorstellte und fragte, ob sie die Schneiderin sei, nickte Obilee. "Ja, das bin ich. Mein Name ist Obilee" stellte sich Obilee nun vor. Sie blieb weiterhin stehen und beobachtete Shiya. Ja, sie kannte diesen Laden wohl noch nicht, doch Obilee machte das nichts aus, ganz und gar nicht.
    Als Shiya ein paar Schritte auf sie zulief und ihre Bitte nach einem Kleidungsstück aussprach, überlegte Obilee kurz. Sie hatte viele solcher Kleider, von denen das geforderte erfüllt wurde, doch die Elfe versuchte immer als erstes ein Kleid anzubieten, dass von ihrer Meinung nach auch zu dem Kunden passte. "Ich glaube ich kann ihnen da ein paar Kleider zeigen" Obilee schritt los und bewegte sich in Richtung der Kleider, die sie für passend hielt. "Hier sind die Kleider, die euren Anforderungen entsprechen" verkündete Obilee nun lächelnd und machte eine Geste um Shiya die Kleider zu zeigen. "Die meisten hier sind aus sanfter Seide, sie haben einen weiten Rock und auch keine zu enge Taille, die Ihnen Probleme bereiten könnte" stellte die Elfe nun die Kleider vor. Jedes Kleid hing einzelnd an einem kleinen Haken an der Wand, und jedes hatte eine andere Verzierung. War es nun ein Drache aus roten Steinen oder Blüten aus weißen Perlen die sich über den ganzen Oberkörper zogen, es waren die verschiedensten Muster. Weiterhin lächelnd sah Obilee nun zu Shiya, die die Kleider betrachtete.

  • Shiya folgte Obilee zu den Kleidern. Lächelnd betrachtete die Cath'shyrr sie nun. Die Muster und Farben waren außerordentlich schön und die meisten Kleider gefielen Shiya auf Anhieb. Und doch musste sie schließlich an die Funktionalität denken. Natürlich würde sie liebend gerne wieder einmal ein großes Fest besuchen. Doch Shiya wusste schließlich nicht, wann sich die Gelegenheit dazu bieten würde. Im Moment war ihr ein Kleid aus Seide eher im Weg.


    Dennoch konnte sie ihre Augen nicht von ihnen lösen. Die Schönheit der Kleider faszinierte sie zu sehr. Mit ihren langen, schlanken Fingern fuhr Shiya den Stoff entlang, erfühlte die Zartheit und ebenso die Qualität der Seide. Nach einigen Augenblicken wandte sie sich wieder der Schneiderin zu. "Ich muss zugeben, Eure Kleider sind wunderschön." Sie ließ noch einmal den Blick über sie schweifen und schüttelte dann leicht den Kopf. "Leider ist ein Kleid aus Seide nicht das, was ich im Moment benötige." Shiya dachte einen Moment nach. Was benötigte sie für ein Kleid? "Wisst Ihr, ich bin viel auf Reisen. Natürlich lege ich sehr viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres, ebenso auf schöne Kleidung. Aber der Stoff muss auch einiges aushalten können. Seide ist dafür leider nicht geeignet." Ein wenig Bedauern lag in Shiyas Stimme. Seide mochte sie wirklich sehr, aber sie passte nun einmal nicht zu ihrem Leben - jedenfalls momentan nicht. "Außerdem sollte das Kleid von dunklerer Farbe sein", fügte sie noch hinzu und sah an sich hinab auf den weiten schwarzen Umhang, der den Rest der Kleidung beinahe gänzlich verdeckte.


    Freundlich sah die Cath'shyrr wieder Obilee an und wartete auf deren Antwort. Sie hoffte, dass die Schneiderin genauso wunderschöne Kleider aus robusteren Stoffen besaß, wie die aus Seide.

  • Ein lautes Rascheln war aus der linken Ecke zu vernehmen. Aus diesem Rascheln wurde eine Bewegung und eines der Kleider, ein blutrotes, sehr elegant geschnittenes Kleid, begann sich wie von Geisterhand zu bewegen. Es löste sich vom Kleiderhaken und begann sich scheinbar zu einer nicht wahrnehmbaren Melodie sanft im Kreis zu bewegen. Sonst war aber Nichts zu sehen. Nur dieses Kleid, welches in der Luft zu tanzen schien...

  • Das Rascheln riss Shiya aus ihren Gedanken. Einige Sekunden betrachtete sie verwirrt, was nun vor sich ging. Ein fliegendes Kleid? Die Cath'shyrr schüttelte den Kopf und blinzelte ein paar Mal. Doch das Kleid flog nachwievor, tanzte regelrecht vor den Nasen der beiden Frauen.


    Blitzschnell griff Shiya nach ihren Dolchen und zeigte mit den Klingen auf das blutrote Gewand. Was geht hier nur vor sich? Ein kurzer Blick in Obilees Richtung zeigte Shiya, dass diese das fliegende Kleid ebenso sah und ebenso nicht verstand. Sie war also nicht verrückt geworden. Aber so etwas hatte sie noch nie erlebt und es breitete sich langsam ein ungewohntes Gefühl in ihr aus - Angst. Sie schüttelte erneut den Kopf und ging langsam rückwärts auf die Tür zu. Das unheimliche Kleid ließ sie dabei keine Sekunde aus den weit geöffneten Augen.


    Als sie endlich die Wand in ihrem Rücken spürte, drehte die Cath'shyrr sich um und eilte hinaus. Ein paar Mal atmete sie schneller, doch als sie auf ihre Waffen hinunterblickte, musste sie lachen. Wie albern. Nicht nur, dass gerade ein wunderschönes Kleid sich selbstständig bewegt hatte, nein, jetzt war sie - eine erfahrene Kämpferin - auch noch davor geflohen. Nachdem sie die Dolche wieder verstaut hatte, ging sie kopschüttelnd davon. An den Kauf eines Kleides dachte sie nun nicht mehr.

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