[Corandir] Die Greifenreiter von Corandir

  • Gestern war es doch etwas ausgelassener und später geworden. Doch das sie ihre Ausbildung nun abgeschloßen hatten, war ein guter Grund zum Feiern gewesen.
    Man hatte zwar auch gestern noch durchaus merken können, dass es einigen Kameraden missfiel, das eine Frau in ihren Reihen war, doch diese Leute waren weniger geworden. Rhynn hatte sich mehr als einmal bewiesen und vor allem den Respekt des Hauptmanns verdient.
    Auch Owatu hatte die Katze mittlerweile schätzen gelernt und den Fehler sie zu unterschätzen, hatte er nun am Anfang noch mal gemacht. Tatsächlich gingen ihm irgendwann die Sticheleien bezüglich seines Flügelmanns nur noch auf die Nerven, aber die Worte kränkten ihn nichtmehr. Irgendwie hatte er sich damit abgefunden. Vielleicht, weil er älter geworden war, vielleicht, weil sein Vater trotzdem sowas wie stolz gezeigt hatte. Vielleicht aber auch einfach, weil man sich auf Kylan verlassen konnte und sie doch ziemlich gleich tickten. Außerdem erwies sich die Entscheidung des Generals, das Greifengeschwisterpaar nicht zu trennen, als mehr als Gold wert. Die mittlerweile stattlichen Tiere verstanden sich blind und so schnell wie sie aufeinander reagierten konnten sie sich unmöglich verständigen. Ja er war durchaus stolz auf ihre kleine Vierereinheit.
    Die Fanfare erklang und Owatu straffte sich.
    Die Greifenreiter standen, mit angelegter Rüstung in Reih und Glied auf dem Appelhof, ihre majestätischen Tiere direkt hinter ihnen. Rhynn stand links neben ihm, doch es war das erste Mal, dass rechts von ihm jemand stand, der nicht aus der Ausbildunsgeinheit war. Ein Umstand, der zeigte, dass sie nun vollwertige Mitglieder der Greifenreiter waren und somit den leichten Kater, den der Tua’Tanai hatte locker überdeckte. Die kühle Morgenluft tat ihr übriges dazu.
    Eine seltsame Anspannung lag in der Luft, die weder greifbar noch erklärbar war und ein Ruck ging durch die Greifenreiter als nicht etwa Hauptmann O’Mura den Platz betrat, sondern der General höchstpersönlich. Salutierend begrüßte Owatu, wie alle anderen den Anführer der Garde. Der Satyr hatte doch gestern schon seine Rede gehalten. Was machte er denn heute früh schon hier? Fragte sich Owatu zudem die steinerne Miene des Generals nichts Gutes verheißen lies. Man sah ihm an, dass irgendetwas schwer auf ihm lastete und das er eindeutig zu wenig Schlaf bekommen hatte.
    „Guten Morgen.“ begann er, aber seine Stimme verriet, das es ganz und gar kein guter Morgen war. Und Owatu fragte sich, wo ihr Hauptmann war, der eigentlich hier stehen sollte, zudem er gestern noch voll mit dabei war, als darum ging, die nun vollwertigen Greifenreiter zu ‚taufen‘.
    „Ich bin hier, da ich euch mitteilen muss, dass Hauptmann O’Mura in den frühen Morgenstunden ermordet wurde.“ Er machte eine Pause um das gesagte etwas sacken zu lassen, doch obwohl diese Nachricht mit Sicherheit nicht nur bei Owatu Bestürzung auslöste, blieb es ruhig und alle behielten Haltung.
    „Es war ein Anschlag, der wohl eigentlich dem Sohn des Bürgermeisters galt, bei dem Hauptmann O’Maru ums leben kam. Laut Herrn Tannrich dem Jüngeren, war es eine junge Frau, die versuchte mit einem Messer auf ihn loszugehen und Hauptmann O’Mura versuchte die Angreiferin abzuwehren.
    Der Schnitt, den sie ihm zufügte war nicht tief und die beiden konnten leicht die Frau überwältigen. Doch die Klinge war vergiftet und.“ Der General brauchte eindeutig einen Moment um sich zu sammeln und den Bericht, den er versuchte trocken rüber zu bringen, fortzusetzen.
    „Er erlag dem Gift noch vor Ort.“
    Owatu musste schlucken. Wie konnte das sein? Diese Stadt war immer ein Platz des Friedens gewesen. Klar gab es mal eine Schlägerei, oder Meinungsverschiedenheiten. Aber Mord und Totschlag, kam nie vor, bis, ja bis auf den Mord an diesem Heiler. Dafür sorgten die Greifenreiter und die Einhornreiterinnen ja. Und jetzt war er wirklich einer von ihnen und kam sich gleich schon so vor, als ob er versagt hätte.
    „Wir konnten die Frau festsetzen, die keine Bürgerinn der Stadt ist. Doch sie weiß nichts mehr von ihrer Tat und macht generell einen verwirrten Eindruck.
    Auch gehen wir der Frage nach, ob der Mord an dem Herrn von Levis, von dem sie sicherlich gehört haben, mit diesem Anschlag hier in Zusammenhang steht.“
    Die Vermutung war naheliegend, denn zwei Morde in so kurzer Zeit, jeweils mit einem Mörder, oder vielleicht auch dem selben, der an den Einhornreiterinnen vorbeigekommen sein musste, das konnte kein Zufall sein.
    „Wir werden natürlich alles daran setzen, diesen Anschlag aufzuklären. Dabei wird es euere Aufgabe sein zunächst einmal nach Hinweisen ausserhalb der Stadt zu suchen. Ich möchte Wissen, wer sich dort draußen bewegt, was wer wo treibt und ob es irgendetwas verdächtiges gibt.“ In seinem letzen Satz schwang eindeutig Wut mit und seine Stimme war lauter geworden.

  • Rhynn kniff für einen Moment die Augen zusammen. Auch nach all den Jahren, war der Antritt zum Morgenappell noch immer eine Qual. Insbesondere nach dieser beinahe durchzechten Nacht, in der Krügeweise Bier und Wein geflossen waren und nicht nur in den Magen. Vielleicht hätte sie gleich wach bleiben sollen wie sie sich selbst verfluchte.
    Das Licht stach unangenehm in ihren Augen und es pochte unablässig in ihrem Kopf. Ja, sie wurde tatsächlich nicht betüdelt in den Reihen der Männer, eher noch wurde sie stets von einzelnen herausgefordert und ins Visier genommen, als wollten sie testen wieviel sie vertrug oder als erwarteten sie irgendeine Form von Ausschreitung ihrerseits. Von den meisten Freundschaftlich, aber von anderen wiederum mit einem Maß an Rivalität die an Bosheit grenzte. So war es auch in der letzten Nacht gewesen. Mrantheo der behauptet hatte, Rhynn könnte sich nach zwei Krügen Bier nicht länger als zwei Minuten Balancierend auf einer Stuhllehne halten, wurde eines Besseren belehrt, was aber nicht unbedingt zur Nüchternheit des Abends beitrug. Die Cath'Shyrr forderte einen Ausgleich, wobei eine regelrechte Welle von Wettbewerben folgte, bis das ganze ausuferte und der Satyr ungeschickt auf den Tisch fiel der sogleich in zwei Teile barst. Der Wirt ließ nach dem Hauptmann schicken um den Schaden am Mobiliar begleichen zu lassen und um die Schuldigen anzuschwärzen, doch O'Mura schien nicht sonderlich überrascht oder wütend, im Gegenteil denn er hatte einige der älteren Greifenreiter im Schlepptau die sogleich die Frischlinge mit zwei Fässern des goldenen Gerstensafts tauften und anschließend mit unmengen Hühnerfedern dekorierten und sie weiter in die nächsten Gaststuben zerrten, wo die Feierlichkeiten weiter gingen.


    Rhynn hörte Selphet leise hinter sich brummeln, er musste zwangsläufig die Verfassung von seiner Reiterin spüren und machte so seinen Missmut kund. Hoffentlich würde O'Maru gleich auftauchen und dem ganzen Prozedere ein Ende bereiten, hoffte die Katzenfrau. Doch es war nicht der dunkelhaarige Hauptmann der über den Platz marschierte, sondern der General. Rhynn salutierte ebenso wie alle anderen auf dem Platz und das Unbehagen schwappte auf alle Anwesenden über als der General sprach. Fassungsloskeit breitete sich in der jungen Greifenreiterin aus. Sie konnte nicht glauben, dass der Hauptmann, mit dem sie noch wenige Stunden zuvor ausgelassen gefeiert, ja beinahe Brüderlich getrunken hatten, jetzt tot sein sollte. Ermordet. Vergiftet. Zorn stieg in ihr hoch und sie konnte sich gerade noch zusammenreissen nicht so über den Platz zu brüllen, wo die verdammten Heiler gewesen waren und schließlich wie ein Mörder oder Auftraggeber es in die Stadt geschafft hatte. Seine folgenden Worte verrieten nur zu deutlich, dass keiner von ihnen in nächster Zeit eine freie Minute haben würde, doch das war Rhynn ohnehin egal. Sie sollten also nach Hinweisen suchen, doch wo fing man da an? Der Sohn des Bürgermeisters, die Gefangene oder doch lieber bei den Nachbarn? Giftmischer.... Apotheker gab es hier genug, die wussten, welche Gifte schnell wirkten und kaum erkennbar waren. Doch wie sollte man einen schuldigen rausfiltern? Rhynn versank für einen Moment in Gedanken.
    " Leander und Theell, vortreten." Befahl der General plötzlich und zwei Männer aus den hinteren Reihen lösten sich. Ein braunhaariger Mensch mit Locken und ein schwarzhaariger Elf lösten sich aus der Menge und salutierten erneut.
    " Ich hatte gehofft, Euch unter anderen Umständen befördern zu können, dennoch werdet Ihr den Platz O'Marus einehmen. Merik Leander ihr dürft Euch nun Hauptmann der Greifenreiter nennen und euer Flügelmann Walandriel Theel, bekommt die Verwantwortung für die Aufklärung des Mordes an Hauptmann O'Maru." die Stimme des Generals hatte seine Festigkeit zurückgewonnen. " Ich lasse Euch alle Einzelheiten und Protokolle zukommen."
    Leander war eine gute Wahl für den Posten des Hauptmannes, wie Rhynn beinahe bewundernd feststellte. Gelegentlich hatten die Frischlinge, die Älteren bei den Übungskämpfen und Flugübungen beobachten können und dieser Greifenreiter war bemerkenswert schnell mit der Waffe und vor allem ging er bei allem was er tat, äußerst präzise und taktisch vor und stach damit deutlich heraus.

  • Der Blick der beiden Männer verriet, dass sie sich eine Beförderung anders vorgestellt hatten. Und gerade Leander gelang es nicht seine Unsicherheit vollends zu überspielen. Sein Blick huschte einmal kurz zu Theell, dann zu den Versammelten Greifenreitern und schließlich nochmals zum General, der einen Schritt zurück getreten war. Die Geste war eindeutig – dies waren nun Leanders Männer.
    Owatu konnte das soeben gehörte immer noch nicht glauben. In gewisser Weise waren sie in den letzen Jahren darauf vorbereitet worden, dass es immer sein konnte, das Jemand von einem Einsatz nicht zurückkehrte. Aber gestern, das war kein Einsatz gewesen. Der Abend bekam nun einen schalen Nachgeschmack. All die Ausgelassenheit, die Freude, floss dahin und verschwand in einem schwarzen Loch. Wären sie doch mal alle zusammen wieder in die Kaserne gegangen. Hätten sie doch…. ach das nütze doch nichts, dafür war es nun zu spät.
    Am liebsten hätte er etwas zu Rhynn gesagt, doch ihnen war bisher nicht erlaubt worden sich zu rühren, zu gehen, oder sonstwas zu tun.
    Die drei Männer hatten sich indes kurz zusammen gestellt. vermutlich um sich zu beraten. – Es war auch zu viel verlangt, das der neue Hauptmann jetzt gleich ohne einen Hauch einer Vorbereitung, etwas sagte. Nicht, das Leander so etwas nicht konnte, es war gut im Reden. Doch diese Situation war alles andere als einfach.
    Die Zeit schien fast Rückwerts zu laufen. So kam es dem Tua’Tanai zumindest vor und auch Tameqa hinter ihm schien die Stimmung nicht zu behagen. Sie wirkte ungewöhnlich unruhig.
    „Männer!“ trat Hauptmann Leander nun vor, sogleich zollten die Greifenreiter dem neuen Hauptmann salutierend Respekt.
    „Ich…. Dies…. Es…“ Er haderte mit den richtigen Worten und brach schließlich ab… Es gab gerade keine richtigen Worte, die halfen.
    „Schwadron 1, ihr sucht in dem südlichen Wald nach Hinweisen, Schwadron 2, den Westlichen, Schwadron 3 den Nördlichen, Schwadron 4 den Östlichen. Schwadron 5 und 6 sind Reserve, falls sich etwas neues ergeben sollte.
    Momentan gehen wir davon aus, dass die Attentäterin von Ausserhalb kam. Es gibt also möglicherweise ein Lager. Vielleicht auch Komplizen. Die Frau wirkt nicht so, als wäre sie in der Lage das alleine zu Planen. Das verwendete Gift war doch sehr hochwertig.“ erklärte er kurz.
    „Selt, Saraniel, Moruqa, Karrun, Niwan und Tereion, zu mir!“ zitterte er anschließend die Schwadronsführer zu sich um ihnen mehr Einzelheiten für den Auftrag zu geben, damit diese es an ihre Leute weiterleiten konnten.
    Owatu sah geistesabwesend den sechs Männern, drei Menschen, einem Tua und zwei Elfen, nach, wie sie zum neuen Hauptmann gingen.
    Tot, tot, tot. Wiederholte er immer wieder mechanisch in seinem Kopf, die Worte. Um sich selbst klar zu machen, dass es wirklich so war.

  • Rhynn salutierte erneut, als die Stimme Leanders über den Platz schallte. Der neuernannte Hauptmann schien zuerst ungewohnt unsicher, doch wer konnte es ihm verübeln. Die Luft war zum zerreissen gespannt als die Schwadronführer vortraten und kurz huschte ihr Blick zu Owatu. Entsetzen und unverständnis spiegelte sich auf seinen Gesichtszügen, vermutlich so wie auf ihren. Selphet stieß ein tiefes Brummen aus und seine Muskeln spannten sich an, als er sichtlich Probleme hatte still zuhalten. Vor jedem Flug wurde er unruhig und manch einer behauptete sie hätte ihren Greifen nicht unter Kontrolle oder sie würde ihn verhätscheln. Doch Selphet strotzte einfach vor Kraft und Tatendrang. Abgesehen davon, musste Selphet keine Befehle erhalten um das Richtige zu tun. Er und Tameqa arbeiteten gänzlich selbstständig. Rhynn versuchte den stattlichen Greifen im Geiste zu beruhigen doch eine fast genervte Aussage hallte durch ihren Kopf.
    " Schneller."
    Er konnte es kaum erwarten zu fliegen und seine Ungeduld schwappte auf Rhynn über als sie die Gruppe Männer beobachtete. Karrun wirkte angespannt als er mit ausholenden Gesten mit Moruqa diskutierte doch sie wurden von einem einsetzen Glockenläuten übertönt, und wie Rhynn vermutete ine Andacht zu Ehren O'Marus sein musste, denn für gewöhnlich Leutete die Glocke nur einmal am Morgen und nicht wie jetzt in einem ruhigen stetigen Takt.
    Karrun war der Leiter der Dritten Einheit zu der sie und Owatu gehörten und selbst ein wenig aufbrausend und versuchte stets die wie er sie nannte. " Veralteten Taktiken und schwachsinnigen Kommandohierarchien" umzukrempeln. Vermutlich hatte auch er desshalb darauf bestanden Rhynn und Owatu in seiner Schwadron zu haben. Es schien ihn nicht zu stören, dass sie eine Frau war und sah einzig ihrer beide Potential und wie Rhynn vermutete, schien er das- beinahe an Rebellion grenzende- Temperament der Katze besonders gutzuheissen. Leander schritt schließlich zwischen die beiden Diskutierenden und scheuchte sie beide auseinander. Karrun stapfte zurück zu der Reihe die seine Einheit bildete und bestieg schwungvoll seinen Greifen.
    " Einheit Drei, aufsitzen! Treffpunkt Nordtor." rief er leicht gereizt und Rhynn zögerte nicht lange um diesem Befehl folge zu leisten. Die Katzenfrau zog sich in den Sattel und Selphet ließ ihr kaum Zeit sich richtig zu positionieren da breitete er auch schon die Flügel aus. Rhynn sah zu ihrem Flügelmann, dies war ihr erster Einsatz als vollwertige Mitglieder der Greifenreiter und neben der Anprobe wohl auch das erste Mal, dass sie die aufwenige Rüstung der Greifenreiter trug. Es war eine Sonderanfertigung, denn obwohl man ihr damals gesagt hatte, es würde für sie keine Sonderbehandlungen geben, war es halt doch unmöglich sie in eine Männerrüstung zu stecken. Ein bitterer Beigeschmack. Lieber säße sie hier, in der einfachen Lederrüstung der Frischlinge, wenn es nur diese Umstände nicht gäbe. Beinahe gleichzeitig flatterte ihre Einheit los, Karrun und seinem Flügelmann hinterher weiter in Richtung Nordtor.

  • Das Glockenleuten ging durch Mark und Bein. Es war die Bestätigung dafür, dass dies alles hier Realität war. Tameqa hingegen zuckte unter dem Leuten nur deshalb zusammen, weil sie das Gebimmel nicht mochte. Es tat ihr weh in den Ohren, wie sie es beschrieben hatte. Und sogleich legten sich auch die Ohren der Grauen an. Owatu wusste das, ohne sich nach der Greifin umzuschauen.
    *Die hören auch gleich wieder auf* versuchte er sie zu beruhigen. Aber dieses Glockenleuten hielt länger an, als das übliche, welches Morgens erklang.
    Erst als Ihr Führer den Befehl gab, nutze Owatu um sich Rhynn zuzuwenden. Sie sah genauso betroffen aus, wie die anderen Gesichter um ihn herum. Keiner schien es wirklich glauben zu können. Aber alle, ihm eingeschlossen, waren froh darum, jetzt etwas tun zu können. Auch wenn er sich nicht so recht vorstellen konnte, das eine Suche irgendetwas hervorbringen würde. Es gingen so viele Leute ein und aus in Corandir. Was konnte es da an Auffälligkeiten geben, die den Täter von anderen Leuten unterschied?
    Mit einem kräftigen Sprung und starken Flügelschlag herob sich Temeqa in die Luft, schnell ihrem eifrigen Bruder folgend. Heute Morgen hatte Owatu keinen Blick für die Schönheit der Stadt unter ihm, wie sie sich tautropfengleich aus dem Grün des Waldes schälte.
    Auf der kleinen Lichtung vor dem Nordtor gingen sie noch einmal runter. Sie waren die ersten, die aufgebrochen waren und es war klar, dass Karrun seine Anweisungen nicht vor all den anderen geben wollte. Vermutlich hatte er gerade bei der Besprechung Konter bekommen, wollte aber nicht all seine Ideen aufgeben.
    „So, Rastersuche ist angesagt. Aber nicht von hier aus.“ Begann er und seine Miene blieb ernst, obwohl so ziemlich alle anwesenden wusste, dass er nun am liebsten breit gegrinst hätte.
    „Wir werden weiter in den Norden fliegen und von diesem Punkt wird ein Teil weiter nach Norden suchen, ein andere wieder zur Stadt hin. Damit bekommen wir ein größeres Gebiet abgedeckt. Zudem in unmittelbarer Stadtnähe vermutlich nicht viel zu finden sein wird.
    Was wir wissen, ist, dass die Angreiferin eine recht zierliche Valisar ist und das diese behautet nichts mehr von der Tat zu wissen, geschweige denn warum sie überhaupt in der Stadt ist. Sie hatte es eigentlich auf den Sohn des Bürgermeisters abgesehen. Wobei die Frage, warum, die Garde gerade zu klären versuchen.
    Das Gift war ein sehr hochwertiges und schnell wirkendes Gift. Das kann natürlich auch in der Stadt erworben worden sein. Die Einhornreiterinnen hingegen versuchen Hinweise über die Frau und wie sie in die Stadt gelangt ist, innerhalb der Stadt zu finden.
    Die Frage die sich stellt, ist ob sie irgendwie Komplizen hatte und wenn ja wo sind diese?
    Der General möchte wissen, wer sich zur Zeit in den Wäldern um Corandri aufhält.
    Das ist unsere Aufgabe. Also sind unsere Hauptziele erst einmal die Wege, die Lager und Lager, die sich weiter ab von den Hauptwegen befinden, sind natürlich besonders Verdächtigt.
    Findet heraus, wer hier unterwegs ist. Und seid wachsam allem gegenüber, was ungewöhnlich ist.“
    Schloss er seine Ausführung und stieg wieder auf seinen dunklen fast schwarzen Greifen.
    „Schwadron 3, mir nach!“
    „Hatten die wirklich vor von hier aus zu suchen?“ raunte Owatu Rhynn zu. Er konnte die Überlegung von Karrun gut verstehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der so einen Anschlag plante nicht in unmittelbarer Nähe der Stadt sein Lager aufschlug war hoch. Doch natürlich war der Druck erfolgreich zu sein jetzt noch höher. Nicht nur, dass sie alle irgendwas tun wollten, damit der Mord an Hauptmann O’Mura aufgeklärt wurde, ja eigentlich sogar gesühnt wurde. Sondern nun auch, dass ihre andere Vorgehensweise nur dann nicht zu ärger führen würde, wenn sie Ergebnisse lieferten.

  • Rhynn musste grinsen, als sie den Vorschlag des Schwadronführers hörte. Ja definitiv, den Gesichtsausdruck kannte sie. Der Trotz der sich in Karruns Zügen spiegelte, war ihr nur zu bekannt, denn er, so wie alle anderen wussten, das dies sicherlich nicht den Befehlen entsprach, die Leander erteilt hatte. Als Leander nur Schwadronsführer war, hatte er gelegentlich mit Karrun die Köpfe zusammengesteckt und neue Flugmanöver oder ähnliches ausgearbeitet, doch der braunhaarige Mensch war nun Hauptmann und jeder wusste, was von eben so einem erwartet wurde. Stricktes Vorgehen nach Taktik und Regeln, statt sogleich alles umzukrempeln.
    " Kann ihm wohl keiner verübeln, dass er alles anders angehen will. Bei solchen undurchdachten Vorschlägen." raunte Rhynn ihrem Flügelmann zurück als sie auf Selphet näher zu ihm Schritt.
    Der braune Greif erhob sich schwungvoll mit dem dunkleren in die Luft und Flankierte mit Tameqa in unmittelbarer Nähe des Anführers. Sie konnte Karruns lautstarke Diskussion mit Seinem Flügelmann hören, die offensichtlich eine Einteilung planten.
    "...Nur die die Strecke schaffen." Und länger unterwegs... müssen doppelt so schnell sein... " hieß es da durch das laute Pfeifen des Windes.
    Karruns Plan hatte ebenso große Vorteile wie Risiken. Sie deckten ein größeres Gebiet ab und je nachdem welchen Vorsprung die Verbrecher haben mochten, konnten sie diesen so vermutlich den Weg abschneiden. Doch der Weg war weit, und so gänzlich ohne Vorbereitung nicht jedem zuzutrauen, auch in Gefahrensituationen konnte man nicht so schnell auf Hilfe hoffen und musste sich selbst zurecht finden können.
    Sie flogen eine Zeitlang in zügigem Tempo gen Norden und Rhynn spürte wie sooft wie Selphet das Fliegen genoss, gleichzeitig mischte sich ein wenig Verdruss in sein Gemüt, weil er wohl gerne die Formation verlassen und Karruns Greifen zum Wettfliegen herausgefordert hätte.
    Schließlich setzte Karrun zum Landeanflug an. Ein schmaler Kiesbettiger Fluss führte hier durch den Wald und bildete einen schönen Platz für eine kurze Besprechung.
    Normalerweise hätte sie einen solchen Platz gleich genutzt um Wasser aufzufüllen, doch die Notreserven waren bereits gut gefüllt und fest verstaut in den Satteltaschen eines jeden Tieres. Rhynn sprang von ihrem Greifen und setzte mit großen Schritten an zu Karrun aufzuschließen, der mit grobem Klopfen auf die Flanken sein Reittier lobte.
    " Wir geht es deinem Kopf, Kylan? War gestern nicht ohne..." grinste er breit und nickte auch Owatu zu näher heranzutreten.
    " Ein Brummschädel, kann mich nicht davon abhalten die lange Strecke zu fliegen." deutete sie Grinsend an, dass sie wusste was er ihr vermutlich offenbaren wollte.
    " Nichts anderes hab ich von dir erwartet." nickte Karrun anerkennend auf ihre Aussage und sein Blick wurde wieder ernster. " Ich brauche besonders zuverlässige Leute und starke Tiere da draußen. Jemanden der die Strecke schafft."
    Zuerst im Begriff zu nicken, drehte sie sich nocheinmal zu Owatu um, es war zwar ein Befehl, in Form einer Bitte, aber dennoch war es nicht ihre alleinige Entscheidung. Fragend hob sie die Augenbrauen und sah dem Tua'Tanai entgegen. Sie und Owatu hatten sich in den Jahren gut aufeinander eingespielt und dennoch gab es noch Situationen, in denen sie sich nicht ganz Einig waren.

  • *Nein, dafür werden wir keine Zeit haben, es tut mir leid.* richtete Owatu seine Gedanken an Tameqa. Er hatte genau gespürt, wie gerne die Greifin mit voller wucht im Wasser gelandet wäre um darin herumzutollen. Für ein Wesen, was zur Hälfte Katze war, mochte sie das nasse Element viel zu gerne. So landete sie ein wenig enttäuscht neben Selphet und ließ ihren Blick sehnsüchtig zum Fluß gleiten. *Untersteh dich deinen Bruder anzustiften* meinte er und ließ dabei durchblicken, dass das kein Tadel war und eher aufziehend, weil er sie doch mittlerweile ziemlich gut kannte. Aber die Lage war zu ernst, als dass sie sich jetzt hier so eine Spielerei erlauben konnten. Auf dem Flug hierher hatte er versucht ihr die Lage klar zu machen. Und er war sich sicher, dass sie es verstanden hatte. Deshalb bekam er auch keine Antwort von ihr, die ihn überreden sollte, dass sie doch durfte.
    Alle Beine unterschlagend legte sie sich in den Kies, als die Greifenreiter sich zu Karrun begaben. Damit war klar, dass sie nichts tun würde, was sie jetzt nicht tun sollte.
    Rhynn war ein wenig früher zu dem Schwadronsführer gelangt und hatte wohl schon mehr mitbekommen als er. Er musste grinsen, als die Katze sagte, dass sie von dem Kater mit Sicherheit nicht vor irgendwas zurückschrecken würde, was ihnen Karrun auftragen würde. Eigentlich hätte er gar nicht fragen brauchen. Rhynn hätte in dieser Situation auch nicht zugegeben, wenn es nicht so wäre. Kurz betrachtete er seinen Flügelmann. Manchmal musste man bei ihr aufpassen, dass sie nicht aus Stolz, oder Tatendrang zu viel wollte. Aber ja ein Kater würde sie beide nicht davon abhalten die lange Strecke auch zu schaffen. Er nickte, als sie sich nach ihm undrehte. Das gleiche galt zugegebenermaßen auch für ihn.
    „Ja wir schaffen das!“ bestätigte er mit fester Stimme.
    „Gut, dann fliegt ihr gen Norden.“ Dann wandte er sich den nächsten vier zu, „Ihr macht einen Bogen nach Westen und ihr nach Osten und kommt dann wieder hierher zurück.“ Als letzes drehte er sich zu dem letzten Paar um. „Ihr werdet wieder in Richtung Corandir suchen. Auch wenn uns bisher nichts wahnsinnig Auffälliges begegnet ist, so lohnt sich eventuell doch ein genauerer Blick. Außerdem, werdet ihr unsere Ablöse sein.“ Stellte er klar, dass dies nicht die undankbarste und unverantwortungsvollste Aufgabe sein würde. „Nara’tee und ich werden den Kontakt zwischen unseren Einheiten halten. Wenn es irgendetwas gibt, dann ist hoffentlich einer von uns nicht weit entfernt.“ Damit hatten die beiden die wohl anstrengendste Aufgabe, denn wie lange die Strecke werden würde, die sie zurücklegen mussten war vollkommen unklar und eventuell mussten sie dabei auch noch schnell irgendwo hin. Daher war es klug, die beiden anderen als Reserve zu haben.
    Die Greifenreiter nickten, nach Karruns Einteilung und wandte sich wieder ihren Tieren zu.
    „Folgen wir zuerst dem Fluß?“ schlug Owatu vor. Die Möglichkeit, dass jemand in der Nähe des Flusses lagerte war gar nicht so gering und irgendwo mussten sie ja anfangen. Kurz streichelte er Tameqa über den Kopf, bevor er sich wieder auf ihren Rücken schwang.

  • Rhynn nickte bestätigend und Karrun klopfte ihr kurz bekräftigend auf die Schulter, ehe er seine Anweisungen weiter führte. Rhynn sah zurück zu Selphet der nun im Kiesbett scharrte und irgendetwas mit dem Schnabel beiseite schob. Ja die zwei würden das Zweifellos schaffen, sie waren ausdauernde Flieger und in bester Verfassung. Rhynn musste immer wieder mit staunen bemerken, wie schnell die zwei groß geworden waren und aus den kleinen tapsigen Welpen waren nun zwei stolze Krieger geworden, auch wenn sie beide manchmal noch etwas kindsköpfig waren. Die Zeit war doch recht schnell vergangen, seit ihr das Greifenmännchen den Baum hinab gefolgt war.
    Sie folgte Owatu und Selphet stieß seine Reiterin übermütig mit dem Kopf an als Owatu sich in den sattel schwang und den Vorschlag unterbreitete. " Wenn jemand ein Lager aufschlägt dann wohl dort." mutmaßte Rhynn und tätschelte den großen scharfen Schnabel der sich zwischen sie beide drängte und schob ihn aus ihrem Blickfeld.
    " Ich schätze ich brauch Karrun nicht fra..."
    Ein schrilles Schreien unterbrach die Cath'Shyrr und alle anwesenden hoben erneut die Köpfe. Ein beiger Unberittener Greif flog schnell und in wilden Formationen, in einiger Höhe über dem Flussbett entlang und schrie gelegentlich aus vollem Hals.
    " Ist das... Hatyl?" fragte sie mit zusammengekniffenen Augen in den Himmel starrend. Hatyl war das Greifenweibchen von O'Mura und sie schien irgendetwas zu suchen. Ob es nun ihr verstorbener Reiter oder die Schuldigen dafür waren, ließ sich so schwer sagen. Als Selphet eine Begrüßung schrie, bestätigte das ihre Annahme und geschwind sprang sie in den Sattel und rief hinüber zu Karrun. "Sollte ihr nicht jemand hinterher?"
    Die Greifin flog in Richtung Nordosten wechselte aber so aprupt die höhe und Richtung, das sie dafür wohl extra jemanden abbestellen werden müssen um sie im Auge behalten zu können. Ob sie das im Hauptquartier wussten?

  • Owatu blickte auf zu dem Greifen und kniff die Augen zusammen, dann nickte er. Ja das was O’Muras Greif. Ob sie wusste, das ihr Freund tot war? Hatte ihr das irgendjemand gesagt? Und zog sie nun aus Verzweiflung ihre Kreise übe den Wald, oder suchte sie ihn? Oder den, der das getan hatte? Wenn einer der Reiter im Kampf fiel, dann mussten sich Angreifer mit einer wilden Bestie konfrontiert sehen, der alles egal war, weil sie ihr eigenes Leben nicht mehr kümmerte. Für manche Greife war es danach nur noch die einzige Möglichkeit bei ihren wilden Artgenossen in den Bergen zu leben. Andere wiederum beruhigten sich wieder, nachdem sie der Meinung waren, alle für den Tod des Freundes Verantwortliche, bestraft zu haben.
    Doch Hatyl musste gerade genau dazwischen hängen, wenn sie wusste, das O’Mura tot war. Zwischen Trauer und Wut, nicht in der Lage den Schuldigen zu betrafen. Der verzweifelte Schrei Hartyls versetze ihm einen Stich ins Herz. Er konnte es ihr so gut nachfühlen. Für ihn war er ‚nur‘ sein Hauptmann gewesen, aber das fühlte sich schon schlimm genug an. Und wenn er daran dachte Tameqa, ja sogar Rhynn und Selphet zu verlieren, zog sich alles in ihm zusammen.
    *Wir müssen IHN ihr bringen!* hallte Tameqas Stimme durch seinen Kopf und die Greifen war schon im begriff sich wieder in die Luft zu erheben, das spürte er deutlich, denn jeder Muskel war gespannt.
    *Das werden wir!* antwortete er entschloßen, das waren sie ihrem Hauptmann schuldig.
    Der Blick Owatus ging schnell von dem beigen Greifen zu Rhynn und dann zu Karrun.
    „Planänderung!“ verkündigte dieser und schwang sich auf den Rücken seines Greifen, nachdem er der Cath’shyrr zugenickt hatte. Etwas, was Owatu sehr an dem Mann schätze, er überging seine Leute nicht, nur um einen einmal festsetzen Plan festzuhalten.
    „Paranoel und Rangolf, ihr kommt mit mir, wir werden versuchen Hatyl zu beruhigen.“ Sprach er die beiden an, die eigentlich wieder nach Süden fliegen sollten. Aber mit Paranoel hatte er jemanden, der ein besonderes Talent dafür besaß jemanden zu beruhigen. Die besonnene Art des Elfen schien dann geradezu auf den anderen über zu gehen. Deshalb wunderte es auch niemanden, das er der einzige war, der wirklich gut mir Rangolf konnte. Der Mensch war so ziemlich der letze im Schwadron, dem Rhynn immer noch ein Dorn im Auge war.
    „Für den Rest bleibt der Plan bestehen.“ fügte er an. während sich der schwarze Greif mit kräftigen Flügelschlägen in den Himmel erhob.
    Auch Selphet und Tameqa erhoben sich in die Luft, zunächst Karrun folgend, doch blieben die vier näher am Boden und folgten dem Flusslauf. Sie brauchten sich nicht abzusprechen, es war auch so klar, dass der der links flog auch die Linken Auen im Auge behielt und der Rechte in den Wald auf der anderen Uferseite spähte.
    In wilden Kaskaden schlängelte sich der Fluß durch das Kies und Geröllbett und ließ ein überqueren für jemanden der zu Fuß unterwegs war nicht zu. Nur eine schmale Hängebrücke, die nicht gerade einen besonders sicheren Eindruck machte spannte sich weiter im Norden über den türkis glitzernden Fluß.
    „Ein Stück nach Osten und Westen?“ fragte Owatu, ob sie sich für kurze Zeit aufteilen sollten, deutete dann aber nach unten, weil ein schwarzer Fleck im hellen Grau des Kieses unter der Brücke seine Aufmerksamkeit erregt hatte.

  • Selphet tänzelte unruhig und scharrte dabei mit den scharfen Krallen über die Kieselsteine. Keiner konnte Bestreiten, dass Karrun ein guter Anführer war, trotz seiner, zugegebenermaßen recht ungewöhnlichen Ideen an eine Sache ranzugehen. Er ignorierte die Vorschläge seiner Leute nicht und vor allem hatte er jedem seiner Leute eingetrichtert, ihre Meinungen und Ideen laut auszusprechen. Er nickte bestätigend und schien sich sogleich selbst um die Sache kümmern zu wollen. Ob sie Hatyl herr werden konnten? Ein verzweifelter Greif kannte nichts, und Selphet hatte ihr einmal versucht zu erklären, dass wohl kaum einem Greifen viel an der Pflicht der Garde läge, wenn es nicht die Reiter gäbe zu denen sie ein besonderes Band knüpften. Die beige Greifin war zweifelsohne so außer sich, dass sie nicht zögern würde, die Leute anzugreifen die sich ihr in den Weg stellen wollten. Mit Erleichterung sah sie den ruhigen Elfen vortreten. Ja wenn jemand einem wildgewordenem Tier einhalt gebieten konnte, dann vermutlich dieser Mann. Nicht nur einmal war er dazwischen gegangen, als Rangolf oder "Ranglos" wie sie ihn nannte, sich vor Rhynn aufspielen wollte um ihr ihren "angestammten" Platz zu zeigen. Doch Karrun schien in seiner Schwadron eine Schwäche für Kuriositäten zu haben. Außenseiter, Andersdenkende oder schwierige Gemüter, die dennoch zweifellos ein Gewisses Talent versprachen. Die Flanken ihres Greifen vibrierten als Selphet ein Knurren andeutete, weil das Narbenübersähte Männchen zu nah an ihm vorbei schritt. Beruhigend fuhren ihre Finger in die Halsfedern. Ja die zwei standen sich in nichts nach. Raufbolde und streitlustig wie kein anderer, aber verbissene Kämpfer.
    Überspannt hob der Braune ab und alle sechs Gespanne flogen den Fluss hinab. Die Cath'Shyrr sah noch wie sie versuchten das Weibchen langsam einzukesseln und musste sich zwingen ihren Anweisungen folge zu leisten. Ihre Augen wanderten unruhig über das grautrübe Flussbett und zwischen die Schatten der Bäume hinein. Als sie Owatus Vorschlag hörte, ging Selphet ohne ihre Anweisung in einen leichten Bogen um die Stelle herum die verdächtig aussah. Rhynn hielt Ausschau nach Lebenszeichen rund um den verräterischen Dunklen Fleck. Doch zwischen den Bäumen konnte sie nichts erkennen, das auf eine Falle oder versteckte Leute hingewiesen hätte. Rhynn griff nach ihrem Bogen und legte einen Pfeil an die Sehne, während Selphet in einer Ausladenden Spirale auf den Fleck zusteuerte. Ein erloschenes Lagerfeuer wie sie nach kurzer Zeit erkannte. Es war Großspurig ausgetreten worden und nur notdürftig mit angeschlemtem Unrat verborgen. Der Boden hier, war streckenweise sandiger und einzelne Stiefelabdrücke ließen sich zwischen den Felsen erahnen. Selphet stellte beide Ohren auf und schien zu lauschen, während Rhynn mit schussbereitem Bogen den Waldrand im Auge behielt.

  • Während Rhynn schussbereit den Waldrand im Auge behielt und ihm damit Deckung gab, setze Tameqa zur Landung auf dem Kies an. Owatu hatte seine Schwertlanze gezogen und ließ sich von ihrem Rücken gleiten. Nun waren vier Augenpaare auf den Waldrand gerichtet, gebannt auf jeden noch so kleine Bewegung lauernd.
    Jemand hatte sich nicht besonders viel Mühe gegeben das Feuer zu ersticken, sondern einfach wahllos Sand, Kies und Treibholz darüber gekehrt. Angespannt schritt der Tua’tanai auf die Lagerstätte zu. Und ebenso angespannt folgte ihm die Greifin, deren Ohren sich ständig neu nach allen Richtungen wandten. Das Rauschen des Flusses konnte es Jemanden leicht machen sich unbemerkt anzuschleichen.
    Ohne die Augen von dem Abhang zu lösen hielt er seine Hand über die Asche. Es ging immer noch Wärme von den letzend Glutresten aus, die nicht vom nassen Sand völlig überdeckt wurden. All zulange konnten die Leute noch nicht weitergezogen sein. Allerdings glaubte er auch nichtmehr, dass sie noch in der Nähe waren.
    Im Sand gab es eine Vielzahl von Fußspuren, die allerdings nicht allzu vielen Leuten gehörten, oder einer Armee, die alle die gleichen drei Schuhgrößen hatten. Bevor er sich den Spuren widmete, nahm er sich allerdings einen Stock und fegte ein wenig die zugeschüttete Glut auseinander. Unter der abgekühlteren Oberfläche war sie immer noch rotglühend. Sie mussten wirklich noch nicht lange weg sein.
    Mit einem Zeichen deutete er Rhynn, dass sie auch herunter kommen sollte. Tameqa war derweilen näher gekommen und schien sich zu entspannen.
    Die Fußspuren führte zuerst einmal den Hang hinab und dann wieder hinauf. Hier konnte man noch am besten erkennen, dass es wohl drei Leute waren. Vermutlich schwer bepackt, denn unten waren nur ein Teil der Spuren tiefer eingesunken, als der Rest. Mit einer Handgeste teilte Owatu der Katze mit, was er herausgefunden hatte. Er ließ die Vorsicht lieber nicht allzu früh fallen, auch wenn er sich danach sehnte endlich mal ein paar Worte mit seinem Flügelmann zu wechseln. Bisher hatten sie noch keine Gelegenheit dazu gehabt, denn es war doch alles ziemlich schnell gegangen

  • *Passt du auf?* erkundigte sich die Katze worauf der braune Greif bestätigend brummte.
    Rhynn rutsche aus dem Sattel ohne den Bogen zu senken. Selphet blieb in hab-Acht-Stellung und sah sich um. Kurz beugte sie sich hinab zu der Stelle vor der Owatu kurz in die Hocke gegangen war und Zorn kroch in ihr hoch. Wie konnte man in einem Waldgebiet nicht darauf achten, die Glut gänzlich zu löschen? Auch wenn das Lager nah am Wasser aufgeschlagen worden, konnte ein Windstoß ohne weiteres einen Funken zwischen die Bäume tragen oder Wildtiere, die es hier zuhauf gab, konnten in die heisse Glut treten und sich somit verletzen. Energisch schob sie mit dem Stiefel einen großen Sandhaufen auf die Glut und trat sie auseinander, um sie erneut mit Nassem Sand und Kies zu vermengen. Owatu deutete schließlich auf den Hang und beinahe Lautlos setzte sie den Fuß in die Schlaufe des Sattels um sich hochzuziehen. Owatu musste zweiffelos an ihrer schnellen hektischen Art sehen, wie gereizt sie gerade war. Ein denkbar schlechter Tag für einen Wanderer, der nachlässig beim Löschen des Feuers gewesen war um auf ihre Patrouille zu stoßen. Selphet verfiel in einen Trab der zuerst den Hang hinab und dann wieder hinauf führte. Kurz bevor sie über den höchsten Punkt des Hügels kommen würden, duckte sich Selphet und schlich auf Katzenpfoten um über den Kamm zu sehen, die Cath'Shyrr dicht an ihn gedrückt war kaum höher als seine Schopffedern.
    *Da...* brummte die tiefe Stimme Selphets in ihrem Kopf und seine Muskeln schienen zum zerreissen gespannt. Drei Gestalten wanderten schwer bepackt in einiger Entfernung am Waldrand entlang. Rhynn drehte den Kopf um zu dem Tuatanai zu sehen. Ehe sie leise flüsterte.
    " Drei Leute mit Körben und Tragegestellen, sehen aus wie Männer....frontal oder schleichen?"

  • Owatu nickte, er hatte sie auch entdeckt. Die drei Gestalten machten nicht den Eindruck, als wären sie die Leute, die sie suchten. Aber der General war sehr deutlich darin gewesen, über jeden im Wald bescheid wissen zu wollen. Und den Fehler, jemanden als harmlos einzustufen und nicht zu überprüfen, wollte er auf gar keinen Fall begehen. Das sie mit größter Sorgfalt vorgingen, dass war wichtig in dieser Sache. Denn eines stand fest. Diese Leute, die es auf den Sohn des Bürgermeisters abgesehen hatten, gingen nicht offen vor. Ja vielleicht war Tarnung und Täuschung sogar ihr großes Metier. Für einen Moment dachte er über Rhynns Möglichkeiten nach.
    „Frontal.“ raunte er schließlich zurück. Wenn sie nicht das waren, was sie vorgaben zu sein, dann hätten sie auch keinen wirklichen Vorteil, wenn sie sich anschleichen würden. Denn zunächst einmal mussten sie sie wie normale Reisende behandeln. Trotzdem würden sie wachsam und misstrauisch bleiben, bis sie sich sicher waren, das der Schein nicht trügte.
    *Also los* wandte er sich an Tameqa und neben den Worten zeigte er ihr vor allem, was er vor hatte. Wenn die Drei flüchten wollten, dann würden sie der Greifin wohl nur entkommen können, wenn sie mächtige Zauber verwendeten. Die Antwort der Grauen war etwas enttäuscht, weil anschleichen viel spannender war, als offen hinterher jagen. Aber sie erhob sich aus ihrer angespannten geduckten Haltung und schritt nun offen und stolz über den Hügelkamm. Mit ein paar Sprüngen überbrückte sie schnell die Distanz zwischen den Wanderen und den Greifenreitern, so dass Owatu den Männern zumindest zurufen konnte: „Hey da! Bleibt stehen!“
    Und wie sich herausstellte wäre anschleichen ein Kinderspiel geworden, denn augenblicklich zuckten die Männer zusammen und wirbelten herum. Ihnen war die Anwesenheit der beiden mächtigen Tiere bisher gar nicht aufgefallen, so vertieft mussten sie in ihre Gespräche, gewesen sein. Mutmaßte der Tua’Tanai.
    Die drei Männer mit den Kiepen taten sofort, wie ihnen geheißen wurde, als sie die Greifen erblickten und Furcht spiegelte sich auf ihren Zügen. Und als Selphet und Tameqa näher kamen wischen sie ein Stück zurück, nicht sicher, ob sie den Weg freigeben sollten, oder einfach nur stehen bleiben.
    „Wer seid ihr und was führt euch durch diesen Wald?“ stellte Owatu gleich die beiden Fragen, die sie interessierten, ohne großartig auf die Furcht der Männer einzugehen. Aber er bemühte sich nicht allzu herrisch zu klingen, trotzdem aber Autorität auszustrahlen.
    Es dauerte einen Moment, bis sie sich wohl stumm darauf geeinigt hatten, wer sprechen sollte und der Jüngste, ein Mensch mit blonden Haaren, etwas vortrat: „Wir sind Gewürzhändler.“ sagte er mit unsicherer Stimme „Und wir wollen nach Corandir, Herr.“
    Owatu nickte, aber gleichzeitig wandte er sich an Tameqa *Rhynn sollte einen Blick auf diese Gewürze werfen.*
    Das Spiel hatten Rhynn und Owatu mit den Greifen schon ein paar mal gespielt und auf diese Weise Botschaften ausgetauscht, ohne das jemand anderes es mitbekommen konnte. Er war sich zwar nicht sicher, ob die Katze wirklich ein Gift von anderen Gewürzen unterscheiden konnte, wenn es denn eines gab. Aber das wollte er sie hier auch nicht offen fragen.

  • Gemeinsam spurteten die Gefiederten los und Rhynn legte vorsichtshalber wieder einen Pfeil an, zielte aber nicht auf die Männer sondern rechtsseitig gen Boden. Sie konnte die Freude des Greifenmännchen spüren, die diese doch so jagdähnliche Verfolgung auslöste und für einen Moment verdrängte es ihre Wut auf die Nachlässigkeit der Männer.
    Owatu forderte die Händler lautstark auf stehen zu bleiben und das dreier Gespann wirbelte erschrocken herum.
    * Du sollst dir das stinkende Zeug ansehen.* hörte sie Selphet in ihrem Kopf und der Katze war klar, was er mit stinkendem Zeug meinte. Es roch ihm einfach zu intensiv die Haufen von getrockneten Kräutern und Gewürzrinden. Ein Grund warum, er sich selten dazu überreden ließ mit zu ihren Eltern zu gehen, denen aufgrund ihres Berufs ein ähnlicher Geruch anhaftete. Die Männer die zuerst nur auf Owatu geachtet hatten blickten nun auch zu Rhynn, weil sie ein stück um sie herum ging.
    " Woher kommt ihr Reisende?" fragte sie beinahe schroff und sprach den ältesten Mann an. Deutlich zeigte sich das Grau in seinem Bart, doch noch ehe dieser Antworten konnte, stieß ihn der jüngste mit dem Ellenbogen an. "Das... ist sie...die Frau die..." flüsterte er und der Schrecken wich der Faszination.
    " Psst bist du wahnsinnig?!" fuhr ihn der Älteste an und deutete nun eine Verbeugung in die Richtung der Cath'Shyrr an ehe er entschuldigend fortfuhr.
    " Ihr müsst meinen Sohn entschuldigen. Er ist ein Tölpel und denkt nicht bevor er spricht, Herrin. Wir waren zu den Kharad-Spielen in Corandir. Wir reisen ständig umher und kommen geradewegs von Feyor, Herrin."
    " Lernt man auf Reisen nicht, wie man ein Lagerfeuer richtig löscht?" fuhr sie ihm dazwischen, als ihre Wut weiter aufflammte und Selphet knurrte unterstützend. Die Cath'Shyrr rutschte aus ihrem Sattel, während der Gewürzhändler eine Entschuldigung stammelte und unbeirrt fuhr Rhynn weiter fort.
    " Im Namen der Greifenreiter und der Stadt die wir schützen, würde ich gerne eure Waren begutachten um zu sehen, wie wahr ihr sprecht."verkündete sie und der braune Greif hob hinter ihr stolz den Kopf, als wollte er ihre geringe Größe kompensieren indem er besonders bedrohlich aussah.


    Eilig setzten sie ihre Kiepen ab und der älteste begann geschäftig, die schweren Beutel, Tiegel und Flaschen zu erklären die sie mit sich führten. Rhynn ließ einige der Beutel öffnen und roch an manchen der Pulver und den bröseligen Kräutern. Sie wusste, dass es viele giftige Pflanzen und Rauschmittel gab, die sich ohne weiteres als Gewürze tarnen ließen weil sie ähnlich aussahen oder rochen. Doch der Händler schien ruhig und beinahe so als hätte er nichts zu verbergen. Doch wer einen Anschlag auf einen Bürgermeister plante, konnte auch einfach ein guter Schauspieler sein.
    Schließlich stach ihr ein Beutel ins Auge den der Händler als Kupferkammrich betitelte, doch die Katze entdeckte kleine zusammengeschrumpfte blaue Blüten. Auch wenn es kein Gift war, war dies definitiv kein Kupferkammrich, sondern wallendes Kornmoos. Diese zwei Pflanzen sehen sich zum verwechseln ähnlich, riechen auch gleich aber die Blüten ließen keinen Zweifel zu. Ein berauschendes Mittel, jedoch kaum gefährlich.
    *Es ist nicht giftig, aber dennoch hat er nicht die wahrheit gesagt. Es ist eine Droge, kein Gewürz.* übermittelte sie Selphet die Nachricht der sie sogleich an Tameqa weiter gab. Rhynn hielt den Beutel in der Hand und zog an den Bändern um ihn zu verschließen und fragend sah sie zu ihrem Flügelmann.

  • Eine ernste Miene zu bewahren war garnicht mal so einfach, als Rhynn die Männer wegen des Lagerfeuers anfuhr. Aber durch ihr Getuschel hatten sie es auch nicht anders verdient.
    Als die Männer begannen den Inhalt ihrer Kiepen auf dem Weg auszubreiten, beobachtete Owatu vor allem die Körpersprache der drei. Doch ausser, dass sie immer wieder zu den Greifen aufblickten, schien sie es nicht zu beunruhigen, dass sie hier alles offen legen sollten. Die meisten Namen, die fielen, sagten dem Tua’Tanai nichts, aber Rhynn schien genau zu wissen, was sie tat und was sie da gezeigt bekam.
    Als die Katze den Beutel in der Hand zu ihm herüber blickte, änderte sich etwas an der Haltung des Jüngsten, kurz zuckte er fast unmerklich zusammen und trat dann einen Schritt weiter zurück.
    *Kein Gift, aber eine Droge* gab Tameqa in dem Moment die Nachricht weiter und Owatu, dessen Griff sich um seine Schwertlanze fester geschloßen hatte, entspannte sich wieder etwas. Aber das diese Leute Drogen schmuggelten beunruhigte ihn. Sachte ließ er sich von dem Rücken der Greifin gleiten und schritt nun auch auf die Männer zu. Der Blonde versuchte noch etwas unscheinbarer zu wirken, die anderen Beiden schienen allerdings nicht so recht zu verstehen, was los war und warum plötzlich so eine Angespanntheit in der Luft lag.
    Owatu glaubte zwar nicht wirklich daran, dass wirklich eine Gefahr von den Leuten ausging, doch wollte er Rhynn nicht alleine ganz vorne stehen haben, wenn er den Jungen zur rede stellte. Man konnte schließlich nie wissen.
    „Was ist das?“ sprach er ihn an und schaute ihm dabei direkt in die Augen. Es erstaunte ihn tatsächlich nicht, dass sich auch die Blicke der beiden anderen Männer nun auf den blonden Mann richteten. Bei dem Alten war er sich fast sicher, das er keine Ahnung hatte, worum es ging, bei dem dunkelhaarigen Halbelfen, konnte der Blick allerdings auch bedeuten, dass sein Kollege jetzt bloß nichts falsches sagen sollte.
    Ein wenig Furcht mischte sich in die Züge des Blonden, als Owatu mit Nachdruck auf den Beutel in Rhynns Hand deutete.
    „blauer Bock.“ antwortete dieser, so das man ihn fast nicht verstehen konnte. Owatu vermutete, dass dies einer der sprechenden Namen, dieser Droge sein musste. Doch noch ehe Owatu, oder Rhynn irgendwas dazu sagen konnte. Wirbelte der Alte zu dem Ertappten herum.
    „Du hast was?“ fragt er aufgebracht und seine Hand klatschte an den Hinterkopf des blonden Mannes. „Du hast nicht ernsthaft dieses Zeug von diesen Leuten gekauft.“

  • Mit gestrafften Schultern kam Owatu näher trotz des antrainierten militärischen Gangs, hatte er noch immer etwas bedachtes in seinen Bewegungen und seine Augen hafteten an dem Jüngsten, als er ihn direkt ansprach. Der Tuatanai hatte ein gutes Auge für sein Gegenüber und hatte dies schon oft bewiesen, wesshalb sie sich bei gesellschaftlichen Dingen eher auf ihn verließ, denn wo sie gelegentlich Provokation erkannte, steckte meist etwas ganz anderes dahinter. Doch die überraschten Reaktionen der älteren Männer und die Tatsache das der blonde beinahe im Boden versank, ließ sie recht schnell erkennen, was die eigentliche Ursache der Lüge des graubärtigen war. Er hatte es nicht gewusst. Erschrocken fixierte er seinen Sohn und ließ sogleich eine Bestrafung folgen.
    " Wallendes Kornmoos. Lern gefälligst die richtigen Bezeichnungen, wenn du schon diesem Handwerk nachgehen willst." rügte die Katze laut und rezitierte damit ihren Onkel, diese geläufigen Namen, brachten meist mehr Verwirrung als Nutzen und soviel länger waren die echten Namen auch nicht.
    " Aber... der ... ich ... kann doch keiner wissen das die sich damit auskennt... Du hast es auch nicht erkannt!" stotterte der Jüngling und Selphet fauchte und drängelte an Rhynn vorbei. Der Greif hatte gespürt wie zornig die Cath'Shyrr wurde, das passierte beinahe jedesmal, wenn sie Jemand unterschätzte, doch sie fing sich schneller wieder als der Greif. Selbstbeherrschung, war das erste das sie in der Garde hatte lernen müssen, doch Selphet war übermütig und sein Beschützerinstinkt ausgeprägt.
    " Stop." befahl sie und Selphet verharrte exakt in der Drohenden Position nur kurz vor dem Jüngling, er wusste was ein Befehl war und führte in den seltenen Momenten in denen sie einen erteilte übergenau aus.
    Der Blonde Gewürzhändler war vor Schreck rückwerts getaumelt und hatte das gleichgewicht verloren. Starrte nun von unten hinauf zu dem mächtigen Tier welches ihn anstarrte. Die anderen beiden Männer sahen nur erschrocken zu und wagten es sich kaum zu rühren.
    * Vorlauter Zweibeiner...* hallte es durch ihren Kopf.
    " DIE... ist zufällig bei Kräuterkundigen aufgewachsen und ER mag es nicht wenn man uns unterschätzt." Erklärte sie nun vergleichsweise ruhig und schritt näher an den jungen Mann.
    " Wer hat dir das Zeug verkauft?"

  • Am liebsten hätte Owatu mit dem Kopf geschüttelt um Rhynns Aussage zu untermauern. Aber er blieb ohne eine Miene zu verziehen stehen. Sowas gehörte hier jetzt nicht hin, denn er war sich noch nicht so hundert prozentig sicher, ob die Situation nicht doch noch kippen konnte. Manchmal taten die Leute einfach dumme Dinge, wenn sie erwischt und festgesetzt wurden.
    Tameqa hingegen stimmte voll mit in Selphets Fauchen ein, kam aber nicht näher. Dem Tua’Tanai glit ein schmunzeln über die Lippen, als der Braune Rhynns Befehl so wortgetreu ausführte. Das machte er immer, wenn es um Befehle ging und er war sich nicht sicher, ob er dabei nicht einfach Flausen im Kopf hatte, oder ob er das wirklich so ernst nahm. Der Schreck geschah dem Blondling recht. Man sagte besser nicht in Rhynns Gegenwart, dass man nicht glaubte, dass sie etwas konnte…. Die Erfahrung hatte er ja selbst schon vor ein paar Jahren machen müssen. Er trat noch ein wenig näher an die Kiepen heran und warf nun selbst einen Blick hinein.
    „Gibt es davon noch mehr?“ fragte er, noch ehe einer der Männer dazu gekommen war, die Frage, die die Katze gestellt hatte zu beantworten. Aber manchmal bekam man die ehrlicheren Antworten, wenn die Leute etwas unter Druck gerieten.
    Schnell schüttelte der Jüngste den Kopf und versuchte sich ein wenig auf dem Hintern rutschend von Selphet weg zu bewegen.
    Als ob das was bringen würde.
    Der Halbelf hingegen antwortete auf die Frage der Cath’Shyrr: „Zwei Satyre, wir trafen sie gestern, weiter im Norden, die hatten eine Menge Zeug dabei und versprachen sich gute Geschäfte bei dem Kharadfest.“
    „Bist du dir sicher?“ fragte Owatu den auf dem Boden kauernden, nochmal mit Nachdruck und er schien noch ein bisschen blasser zu werden. War es die Art, wie er fragte, oder hatte der Mann noch irgendwas versteckt? Er konnte das gar nicht glauben, dass er wirklich so dumm war und es versuchen würde. Aber noch näher musste er auch nicht rankommen, da stammelte der Mann auch schon: „Ich hab noch Sanfall, ähhh,…. Entschuldigung gefleckter Gelbwurz.“ Seine Augen fixierten nun Rhynn.
    Und auch Owatus blick wanderte zu der Katze weil er mit beiden begriffen nicht sonderlich viel anfangen konnte.
    *Ist das harmlos?* fragte er Tameqa, die das schon für ihn herausbekommen würde.

  • Rhynn hob die Augenbrauen, als der am Boden sitzende den Kopf schüttelte. War er wirklich so dreist sie noch anzulügen? Die schnelle Antwort des halbelfen lenkte ihre Aufmerksamkeit für einen Moment auf den schlanken Mann, doch Owatu ließ nicht locker.
    " Zwei Satyre sagt ihr? Wenn ihr alle das gleiche Ziel habt, warum reist ihr dann nicht gemeinsam?" fragte sie direkt und ihre Skepsis klang nur zu deutlich heraus und der dunkelhaarige schüttelte schnell den Kopf als hätte er Angst, dass Selphet nun ihn anspringen könnte. Doch der Greif starrte noch immer mit stechenden Augen auf den Tölpel ohne auch nur mit den Flügeln zu rascheln.
    " Sie... sie meinten, sie warten noch auf jemanden von der Küste. Sie hatten am Fluss ihr Lager aufgeschlagen und wir saßen für eine Mahlzeit an ihrem Feuer... danach sind wir weiter gezogen." erklärte er schnell und Rhynn nickte. Demnach, waren diese Satyre ca eine halbe Tagesreise weiter im Norden, einige Stunden würde es dauern bis sie dieses Lager erreichen würden, vorrausgesetzt, sie waren noch nicht weiter gezogen.
    Der Blonde stotterte schließlich, als er doch noch beichtete und Rhynn schüttelte fast belustigt den Kopf, als sie Selphets Frage im Kopf hörte.
    * Caror benutzt es gelegentlich wenn er jemanden behandelt, und ich bin mir sicher deine Schamanin verwendet es auch. Es ist ein bisschen wie .... selbstgebrannter... nicht unbedingt erlaubt aber auch nicht verboten. Aber wir sollten es ihm abnehmen um den Schein zu waren. * gab sie es an Selphet weiter der es wortwörtlich an Tameqa weiter gab. Rhynn schritt auf Selphet zu und klopfte ihm auf die Schulter.
    " Schon gut jetzt." sprach sie mit ruhiger Stimme und der Greif schien wie ausgewechselt, seine Muskeln entspannten sich, die Federn raschelten leicht und kurz lehnte er seinen großen Kopf gegen den schmalen Körper der Katze, jedoch nicht ohne die Händler aus den Augen zu lassen.
    " Ich muss es konfiszieren. Wir haben genug Bier und Wein in Corandir, um deine Sinne zu betäuben." fordernt streckte sie die Hand aus und eilig Fischte ihr gegenüber in seinem Mantel nach einem kleinen Beutel.
    " Ich bitte Euch... er ist jung und dumm... ich habe ihn so nicht erzogen... Bitte um nachsicht, Bursche! " begann sich der älteste erneut zu entschuldigen und flehendlich sah er zwischen den beiden Greifenreitern hin und her, als Rhynn seinem Sohn die Droge aus der Hand nahm.

  • Owatu nickte fast unmerklich. Ja besser war es, wenn sie das Zeug konfiszierten. Aber das reichte ihm auch schon als Strafe. Schließlich waren sie wegen was ganz anderem unterwegs. Und diese Männer schienen, bis auf den Ausrutscher von dem Sohn, das zu sein, was sie vorgaben.
    „Nun gut, dann macht ihm klar, warum solches Zeug nicht gut ist.“ winkte er ab und war verreit die Leute ziehen zu lassen. Als er sich zum gehen wandte, begann der Alte auch schon wieder damit, seine Ware einzupacken.
    „Eine Gute Reise noch.“ sagte er, als er sich wieder auf den Rücken Tameqas schwang, Wobei man aus seiner Stimme durchaus heraushören konnte, dass er das sagte, weil es sich so gehörte. Eigentlich war sein Kopf schon woanders und die drei kamen ihm etwas wie verschwendete Zeit vor. Auch von den Satyren erhoffte er sich nicht viel. Aber sie würden wohl nach ihnen Ausschau halten müssen. Kurz wanderte sein Blick zu dem dichten Blätterdach und er beschloss, dass sie wieder zum Fluß zurück kehren sollten, um sich in die Luft zu erheben, statt hier durch das Grün zu brechen.
    Als sie ausser Hörweite zu den dreien waren, wandte er sich an Rhynn: „Meinst du die Satyre bringen uns weiter?“ Irgendwie befürchtete er, dass sie da auch nur Rauschmittel Konfiserien konnten. Oder? Mit Rauschmitteln konnte man viel Unfug treiben und vielleicht auch jemanden dazu bringen, zu vergessen, was er tat. Die Beschreibung von der Frau, die O’Mura auf dem Gewissen hatte, war doch recht vage gewesen, aber die Tatsache, dass sie angeblich nicht mehr wusste, was passiert war, war ihm deutlich im Kopf hängen geblieben.
    „Fällt dir was ein, was man benutzen könnte, das jemand willenlos einen Auftrag ausführt?“ Er glaubte zwar nicht daran, dass die Satyre so etwas mit sich führten, zu diesem Völkchen passten der blaue Bock und Sanfall doch sehr gut, aber nichts, was einen zu einer Marionette machte. Trotzdem. Man konnte nie wissen.

  • Rhynn verstaute die beschlagnahmten Beutel in ihrer Satteltasche. Sie würde sie entweder Ihrem Onkel weiter geben, der es selbst gebrauchen oder vernichten würde oder es könnte nötig werden es als kleinen Nachweis für eine Pflichterfüllung an Karrun weitergeben zu müssen, wenn sie keine weiteren Erfolge vorweisen konnten.
    Die Frage nach den Satyren ließ sie unentschlossen mit den Achseln zucken. Tameqa und Selphet flogen nah beieinander, so das der leichte Wind kaum ein Gespräch beeinträchtigen konnte.
    " Du weisst selbst, wie gängig Rauschmittel in Corandir sind...wir müssen sie nicht unbedingt suchen, aber ignorieren sollten wir sie auch nicht." meinte Rhynn und ließ den Blick über den Waldrand und den anküpfigen Pfad wandern.
    " Ich kenne schon Kräutermittel die einen alles vergessen lassen, aber bei den meisten wären sie kaum noch fähig sich unter diesem Einfluss zu bewegen, geschweige denn einen Anschlag durchzuführen. Hm... ich schätze es geht mehr in die Alchemie oder die Magie.. ich kenne jedenfalls keine Pflanze die einen Willenlos macht, aber sie haben fähige Gelehrte.. vielleicht gibt es da schon et..."
    Ein Markerschütterndes Jaulen erklang zwischen den Bäumen und Selphet blieb Flügelflatternd in der Luft stehen und seine Ohren zuckten als er versuchte die genaue Position des Winseln herauszuhören. Rhynn wechselte kurz einen Blick mit Owatu ehe sie sich nach vorne lehnte und Selphet somit das Zeichen für den Sinkflug gab. Es klang eindeutig verzweifelt, und das Weinen des Hundes oder gar eines Wolfes drang ihr bis in die Knochen. Egal was da los war, hätte sich das Tier verletzt, mussten sie helfen und wäre es eine Falle, die die "Jagdbeute" leiden ließ erst recht. Wie sie diese Jäger hasste, die wahllos Fallen auslegten und dort drinn die Tiere elendig sterben ließen. Es gab genug Varianten die schnell und vergleichsweise schmerzlos töteten.
    Der braune Greif flog in engen Kreisen über die Baumwipfel und dann konnte Rhynn das Leidende Tier sehen.
    Ein schmaler heller Wolf biss vergeblich auf dem Metall einer Bärenfalle herum und qietschte laut. Rhynn ging in einem Sicherheitsabstand hinunter. Das scharfkantige Eisen hielt den Hinterlauf der Wölfin fest umklammert und rotes Blut sickerte durch das helle Fell. Erschrocken sprang das Tier auf als es Rhynn bemerkte und zerrte erneut an der verankerten Kette ehe sie sich zu der Katze umwandte und sie wutendbrannt mit intelligenten Augen anstarrte. Das Fletschen der Zähne und das drohende Knurren allein hielt die Greifenreiterin davon ab sofort näher zu stürmen um ihr zu helfen. Stattdessen machte sie sich erwas kleiner und versuchte dem Tier in eben dieser Sprache klar zu machen, dass sie nur helfen wollte. Doch eine Welle blanken Hasses bekam sie zur Antwort.
    Als schließlich Owatu hinzukam, schien die Wölfin iritiert und duckte sich und sah fast flehend den Tuatanai an.
    "Hilfe..." sprach sie nun und ihr Blick ruhte einzig auf dem Schwarzhaarigen ehe sie erneut winselte. Rhynn machte einen Schritt auf die Wölfin zu die sofort wieder knurrte. Fragend sah die Cath'Shyrr zu ihrem Flügelmann, die Geste war eindeutig.