[Corandir] Die Greifenreiter von Corandir

  • Ohne die Katze wirklich anzusehen Blickte er zwar zu ihr, konzentrierte sich aber auf das, was sie ihm erzählte. Die Namen konnte er gerade irgendwie nicht zuordnen. Und so zuckte mit den Schultern, als sie vorschlug, Tameqa das Erlebte zu schicken. Er wusste nicht ob das helfen würde. Und er wusste nicht, wie er das ausdrücken sollte. Wie er überhaupt irgendetwas ausdrücken sollte, was in ihm Vorging. Dafür war er einfach viel zu hin und hergerissen. Sich selbst über Nichts im Klaren. Er verspürte Angst, wo er früher Stärke gefühlt hatte und Unsicherheit, wo Mut gewesen war. Wie sollte er handeln? Und wie reagieren? Wie konnte er verhindern, dass es schlimm wurde, wenn man etwas mit ihm tat, was er nicht wollte? Aber einen klaren Gedanken konnte er hier nicht fassen. Und alleine sein wollte er auch nicht. Es wühlte ihn auf und wieder schüttelte er fast unmerklich mit dem Kopf, bis Rhynn ihn davon wieder mit ihren Worten ablenkte. Sie versprach ihm, dass sie dafür sorgen würde, dass ihn niemand mehr zwingen konnte. Doch sie war nicht immer da. Dass wusste er nur zu gut. Eng schlung er seine Arme um seinen Körper. Er nickte. Er wollte ihr glauben, doch gelichzeitig kam ihm das in der Zelle geschehene in den Sinn. Da hatte er sie beschützen wollen… und er hatte versagt. Er legte den Kopf auf die Knie und spürte, wie die Hände seiner Mutter über seinen Rücken strichen.

    Rhynns Bilder, die Tameqa ihm weitergab, regneten auf ihn ein, aber die Häme, die diese beiden Soldaten verbreitet hatten schob sich immer weiter in den Vordergrund. Mit Rhynns Bildern konnte er nicht viel anfangen. Sie waren so weit fort und mitten drin hörte Tameqa auf *was ist los, was macht dir daran so viel Angst? * Die Greifin verstand es nicht, wie sollte sie auch? *Sie haben das doch für dich getan.*

    Owatu nickte. Ja das verstand er, das war es aber nicht. *Wie… sie kann… nicht* formte er abgehackt Worte und ging dann doch dazu über der Grauen einfach nur das Geschehene in dem Tua’Loch zu zeigen. Das Gefühl, dass sie nicht da gewesen war, war nicht anklagend nur wissend, dass sie nicht immer da war. Und das er versagt hatte.

    Kurz schaute die Greifin auf Rhynn und senkte dann den Kopf herunter zu ihrem Freund, so dass sich die Kopffedern sachte an ihn schmiegten. *Das ist jetzt vorbei, Wir lassen dich einfach nicht mehr alleine. Wir lassen es erst gar nicht zu, dass dich jemand wieder einsperrt! Dann kann sowas auch nie wieder passieren* Sagte sie bestimmt, so dass es auch die anderen hören konnten. Und sie schaffte es tatsächlich diesem Bild, was sie an alle sandte - der Gardist über ihm, seine Arme hochreißend und in Ketten legend - ein Gefühl von Vergangenheit mitzugeben. Mit wässrigen Augen blickte er auf und schaffte es tatsächlich das erste mal der Greifin dabei in die Augen zu schauen. In ihre schönen warmen Augen, die für ihn nur bedingungslose Liebe bereithielten.

    *Und ein Anfang ist dieses Amulett. Wir müssen es noch mit dir vereinen, bevor es wirken kann. Aber das muss nicht jetzt sein, denn solange du hier bist, schützen die Geister dich. Auf diese Lichtung kann kein Hexenzauber gelangen.* Es war eindringlich und wohl dass, was ihm jetzt tatsächlich etwas Halt und Zuversicht zu all dem hier gab. Mit dem Handrücken versuchte er das Wasser aus seinen Augen zu vertreiben und er nickte. Das erste Mal, dass ihm sein eigenes Nicken nicht falsch vorkam, dabei wanderte seine Hand an das Amulett und umschloss dieses fest.

  • Immer mehr zog sich der Tua`Tanai von ihr zurück und unsicher huschten Rhynns Augen von einem zum nächsten. Qatea, blickte ziemlich ratlos drein. Kasee stiegen wieder die Tränen in die Augen und sachte versuchte sie ihren Sohn mit der Hand wieder einzufangen. Verurteilte sie die Frau für ihre Worte oder ihre Anwesenheit hier?.. Ihr Gesicht war so undeutbar, als sich ihre Blicke kurz trafen ebenso Tameqa die plötzlich den Kopf zu ihr drehte. Gerade wollte sie nu im Boden versinken. Betreten schaute sie zu Boden. Hatte sie es jetzt schlimmer gemacht? Vermutlich.. das passierte ihr andauernd. Doch als sich der Mächtige Kopf der Greifin bewegte, entstanden Bilder in ihrem Kopf die nicht die ihren waren.. Düster. Einsam. Demütigung und Leid. Es brach flutend über sie herein und ein grausames Grinsen blitzte in dem mageren Schein, das durch das Lochgitter fiel. Ihre Handgelenke brannten fies und es war dumpf wie in einer Erinnerung, aber sie bekam kaum Luft. Nur einen Bruchteil hielt dieses Bild und diese Gefühle an, doch hallte es unglaublich lange nach.War das mit ihm in dem Loch passiert? Wie von alleine Fuhren ihre Finger an ihre Handgelenke und kratzen leicht über den Wundschorf, der von ihren eigenen Fesseln herrührten. Einen kurzen Moment war sie wieder in dem Gewölbe roch den Atem des Mannes und sein stinkendes Schweres Parfüm. Der Druck auf der Brust und die todesangst, als sich soviele Männer auf sie gestürzt hatten.. Schnell schob sie die Erinnerung beiseite die sie so quälte. Es war vorbei.. Fühlte sich das für einen Tua`Tanai so an?War es dieses brennen, wenn er Eisen auf der Haut hatte? Sie hätte ihn dort nicht allein lassen sollen! Sie hätte zuerst zu Paranoel und den anderen gehen sollen und dann darauf bestehen bei ihm bleiben zu können. Warum hatte sie nur so schnell nachgegeben? Wäre sie noch da gewesen, hätten diese Mistkerle keine Chance gehabt ihn so zuquälen. Tameqa hatte Recht. sowas durfte nicht nochmal passieren... Wie hypnotisiert starrte Rhynn auf die beiden, die kleinen Federn bogen sich durch da wo sie über Owatus Stirn fuhren. Vielleicht, sollten sie ohne ihn die Hexe suchen gehen?...Wenn sie genauer darüber nachdachte, was dieses Manöver weitaus riskanter als alles, was ihnen bisher widerfahren war. Rhynn war so davon ausgegangen, dass die Schwadron die Hexe jagen würden, ohne an die einzelnen Greifenreiter zu denken. Was wenn sie das garnicht wollten? Es war gefährlich... Vielleicht gab es auch weitaus besser ausgerüstete Schwadronen, die sogar mit der Magiereinheit der Garde zusammenarbeiteten? Vielleicht sinnte Owatu garnicht so auf Rache, sondern hatte einfach nur Angst vor dieser Frau und wollte garnicht wieder auf sie treffen? Für Rhynn selbst gab es keine Zweifel, sie wollte dieses Miststück Jagen und zur Strecke bringen. Aber das musste nicht für ihn gelten...

    Nie wieder sollte sie jemandem soetwas antun..


    "Darf ich..." begann Rhynn unsicher und ihre Augen huschten zur Schamanin und schließlich zu Owatu. " Darf ich denn hier bei dir bleiben? Du kannst mich auch jederzeit fort schicken.. Ich.. wäre dir nicht böse. Wenn du das nicht willst.. ich meine... Ich kann auch vor dem Zelt Wache halten... oder ganz gehen.. wenn du.. hrm." stellte sie nun stockend die Frage, die ihr schon die ganze Zeit auf der Seele brannte. Sie wollte hier sein, jetzt vor allem. Doch wollte er das?

  • Irritiert blickte Owatu auf und schaute zur seiner Flügelmann. Warum fragte sie das? Warum wollte sie seine Erlaubnis haben? Als ob er darüber bestimmen konnte, was sie tat?

    Zunächst zuckte er mit den Schultern. Es war eine Geste, daraus geboren, dass er nicht verstand, warum sie ihn so zaghaft fragte und gleich anbot, wieder zu gehen. Warum sollte er sie denn jetzt wegschicken? Und schließlich nickte er, weil nicht wollte, dass sie glaubte es wäre ihm egal.

    Die Hand des Tua’Tanai war in die dichten Federn der Greifin gewandert und strich sachte zwischen den Kielen. Er war unschlüssig, was er jetzt tun sollte. Hier war er sicher, oder? Zumindest fühlte er sich sicher, aber auch gleichzeitig unwirklich. Nicht dazu bereit dazu zu tun, was er sonst immer tat.

    Sobald er seine Gedanken auf die Kaserne lenkte, kam auch gleich das bedrückende Gefühl mit, dass er zu etwas gezwungen wurde.

    Qatea trat mit einer Schüssel auf ihn zu. Das die Schamanin sich wieder etwas zurückgezogen hatte und wohl Wasser heißgemacht. Hatte er gar nicht mitbekommen. „Magst du dich waschen?“

    Ein blumiger Geruch ging von der Schale aus und sie bot ihm einen Lappen an. Immer noch klebte Erde überall an sein Haut und in seinen Haaren, als hätte er sich ordentlich im Dreck gewälzt. Konnte sich daran aber nicht erinnern. Vielleicht hatte sie ihn mit irgendetwas eingerieben?

    Owatu nickte und griff nach dem Tuch. Das Wasser war angenehm warm, als er die Hände hineintauchte und den Lappen über seine Haut führte. Vielleicht waren seine Zeichnungen ja auch einfach nur unter der nassen Erde verborgen?

    Immer fester versuchte er über seinen Arm zu reiben. So feste, dass es schon fast schmerzte, aber da war nichts mehr. Aufgeregter und aufgeregter Atmete er, spannte sich an - Sie mussten doch noch da sein!

    „Sie sind weg!“ beschwor Kasee ihren Sohn und griff nach seiner Hand, nur im sie gleich darauf fast erschrocken wieder loszulassen. Und auch Owatu war zusammengezuckt. Nicht nur die plötzliche Berührung, sondern auch, dass sie recht hatte war der Grund für sein Erbeben. Sie waren weg. Und das leise „Entschuldigung, ich hätte nicht…“ seiner Mutter, ging in diesem Gedanken unter. Irgendwie fühlte er sich ein bisschen ausgelöscht. Verblasst und weggespült. Nicht das er mit jeder Linie etwas verband, aber ein paar waren doch zu besonderen Anlässen oder Momenten entstanden.

    Es hatte eines gegeben, dass ihm deutlich zeigte, dass er nun auf eigenen Beinen stand. Zu dem Zeitpunkt war er zur Garde gegangen, obwohl sein Vater dagegen gewesen war.

    Und es hatte eines gegeben, dass für Tameqa stand. Und ja auch eines Für Rhynn und den Baum, auf dem sie festgesetzte gewesen waren, auch wenn er ihr das nie erzählt hatte. Und das neuste hatte die Striche auf seinen Beinen vervollständigt, als sie vollwertige Greifenreiter wurden. Einfach weg.

    Nun versuchte er nicht mehr die Zeichnungen zu finden, aber in kleinen Bewegungen stoisch den Dreck von ihm herunter zu waschen. Ein wenig war Kasee von ihm abgerückt und hielt die Hände ziemlich steif bei sich. Qatea hatte sich von hinten an sie gelehnt und flüsterte der Frau ins Ohr.

    Der Regen hatte mittlerweile aufgehört und nur noch vereinzelt tropfte es auf das Zelt.

    Mächtiges Flügelrauschen schwebte über der Lichtung und schon bald wurden Stimmen neben dem Zelt laut. Sie waren bekannt. Aber so viele, so dass Owatu alarmiert zum Eingang aufschaute.

  • Owatu sah sie nichteinmal direkt an, wie Rhynn feststellte. Er sah in ihre Richtung aber irgendwie war es nicht das selbe. War es für ihn so unbegreiflich? Oder war diese Frage so anmaßend? Sie wollte in seiner Nähe sein.. aber sein Schulterzucken war fast gleichgültig. Als wäre es ihm egal. Nun zumindest war das kein Nein.. Oder doch? Dann nickte er auf ihre weiteren Worte und schlagartig kam der Stich. Das war ein Nicken auf die Frage ob sie gehen sollte oder? Die hatte gesagt sie wäre nicht böse, wenn er das tat. Aber es stimmte sie traurig und es war verletzend. Sie sollte gehen...

    " Okay.." meinte sie leise und ihre Stimme brach ab. Ihr Blick wanderte über den Boden und sie lehnte sich etwas weiter zurück. Rhynn legte Tameqas Amulett auf die Nahestehende Kiste.

    * Vielleicht hat er das nicht so gemeint...* versuchte Selphet ihre heranbahndende Trauer aufzuhalte, die von ihr auf ihn überschwappte. Doch für Rhynn war die Sache klar. Er wollte sie hier nicht haben. Sie hatte hier nichts zu suchen. Was er wollte war seine Freiheit und die schenkte ihm das Amulett... Sie war eben nur sein Flügelmann.. Irgendwie war sie froh darum, dass Qatea sich einmischte und auch wie Owatu wieder die Wandlung der Panik durchmachte, verdrängte sie gerade irgendwie. Er wollte ihre Hilfe nicht und Kasee und Tameqa würden das schon machen. Das Flügelschlagen vor dem Zelt ließ Rhynn aufsehen. Willkommen war die Ablenkung und der Regen hatte auch aufgehört.. Sie würde ihn nicht ganz alleine lassen und ihr versprechen brechen. Aber wenn er sie nicht dahaben wollte, konnte sie auch daran nichts ändern.

    " Dann lass ich dich in Ruhe..." erklärte die Greifenreiterin belegt und ihre Augen wurden glasig. Es war ungemein schwer die Fassung zu bewahren, aber sie hatte versprochen dass sie ihm nicht sauer war. Sie hatte sich einfach zu viel erhofft. "Wenn du doch etwas brauchen solltest, sag es... Ich bin draußen.." Erklärte die Katze und ihre Hände hatten sich unsicher um ihren Oberkörper gelegt, als sie sich von den Kisten zurückzog in sich n einiger Entfernung aufrichtete.

    *Lass uns gehen...* meinte die Cath`Shyrr und legte ihre Hand haltsuchend an die Schulter des Braunen. Doch seine Augen ruhten traurig auf dem Tua`Tanai und dann auf seiner Schwester.

    *Das ist nicht fair...* wandte sich diesmal der Braune an den Tua`Tanai. " Obwohl sie alles für dich tut, schickst du sie mit einem Achselzucken fort. Bringst es nichtmal übers Herz ihr das richtig ins Gesicht zu sagen... Nicht nur dir gehts hier schlecht...* nur einen Moment fixierte er mit seinen Adleraugen den Mann auf dem Boden um sich dann umzudrehen und seiner Reiterin hinaszufolgen.

    *Und trotzdem steht sie zu dir.* leicht plusterte er die Federn auf und verließ das Zelt.


    Karrun schwang sich von Marak und zupfte an einem schweren Korb den er an den Sattel des Schwarzen gebunden hatte. Rhynn strich sich kurz über das Gesicht und zog sich das Kleid zurecht. Tief durchatmen... Es ist alles in Ordnung.

    "Wir haben Frühstück und Kleidung für euch alle mitgebracht.. Wir waren uns nicht sicher ob ihr nicht alle draußen Schlafen musstet..." erklärte er und hiefte die Kiste auf den Boden.

    " Danke.. Ich denke das können wir gebrauchen.." nickte sie und setzte ein Lächeln auf. Obwohl bereits alle abstiegen und sich neugierig zu ihr unwandten blieb jeder ehrfurchtsvoll stehen um sich auf der Lichtung umzusehen.

    " Wie geht es ihm?.." fragte Karrun flüsternd als er zu ihr aufgeschlossen hatte und nickte zum Zelt hinüber.

    " Körperlich gut.. der Rest ist schwer zu deuten. Er redet nicht.. Aber zumindest lässt er seine Mutter und Tameqa zu sich." erklärte sie mit einem seltsamen Unterton und Karrun strich sich nachdenklich über die Stoppeln am Kinn.

    "Hast du überhaupt geschlafen?" fragte er sorgenvoll, denn er deutete den traurigen Gesichtsausdruck wohl als müdigkeit.

    "Ja etwas..." erklärte sie und deutete auf das ganze Gepäck das auf die drei Greifen gebunden war.

    "Was habt ihr denn alles dabei? Ihr wahnsinnigen." lachte sie abgehackt und sah wie Nara`tee einige Holzstangen ablud und sie in die Wiese fallen ließ.

    " Ein Zelt und einige Decken.. Ich wusste nicht, dass ihr ins Zelt gehen dürft...Aber nachdem ich nicht erwarte, dass du mit zurück in die Kaserne kommst.. dachte ich mir ich baue hier einen kleinen Stützpunkt auf..." meinte er offensichtlich total überzeugt davon, dass dies eine hervorragende Idee war. Aber Rhynn würde das wohl nocheinmal kurz Qatea erläutern müssen.

    "Vorerst sollteniemand sonst das Zelt betreten denke ich.. Es wäre nicht gut..." meinte die Katze und sah dann zu Selphet..

    *Würdest du Qatea bescheid sagen?*

  • Was, warum? Schoß es ihm durch den Kopf, warum ging sie jetzt doch, wo sie eben noch bleiben wollte? Ihre Worte lenkten ihn kurz von dem Eingang ab. Seine Augenbrauchen zogen sich zusammen. Hatte er irgendwas falsch gemacht? Verunsichert öffnete er den Mund und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Was sollte er denn sagen? Irgendwie formten sich noch nicht mal in seinem Kopf die richtigen Worte, wie sollte er dann was über die Lippen bringen? Außerdem sah sie ihn ja schon garnichtmehr, denn sie hatte sich schon zum Gehen gewandt. Warum war es so schwierig, einfach ‚blieb‘ zu sagen? Obwohl seine Zunge das Wort formte, so brachte er keine Stimme dahinter und seine Hand verharrte für einen kurzen Moment in der Luft. Es war nicht, dass er keine Stimme hatte, es war einfach das Gefühl, dass er mit Stimme aufbegehren signalisierte und dann gleich wieder zurückgedrängt wurde. Ja er hatte Angst, etwas laut zu sagen. Selbst laut zu sein und somit die falschen Leute auf sich aufmerksam zu machen.

    Traurig ließ er die Hand wieder sinken und blickte auf dem Boden, bis er Selphets anklagende Worte in seinem Kopf verspürte. Die Wut des Greifen darüber, dass Rhynn traurig war und sich hilflos fühlte.

    Der Tua’Tanai sackte augenblicklich in sich zusammen, stütze sich zitternd mit allen vieren am Boden ab und wurde immer kleiner, dann presste er die Hände an den Kopf, wo er plötzlich Selphet vernommen hatte. So aufgebracht und niederschmetternd.

    *Ich hab doch gar nicht….* versuchte er sich zu verteidigen, brach aber mittendrin ab und kauerte sich immer weiter zusammen, darauf wartend, dass der Greif entweder verschwand, oder was auch immer er vor hatte tat. Wehr dich einfach nicht. Sagte er sich selbst. Wehr dich nicht.

    Über sich vernahm er ein unterschwelliges Knurren, dass von Tameqa ausging und sogleich spürte er die Hand seiner Mutter, wie sie ihn behutsam i ihren Schoß zog und sachte über seine Haut strich.

    Aber dieses Mal war es irgendwie nicht beruhigend Er ließ sie einfach gewähren und über sich ergehen. Besser er tat nur noch was, wenn man ihm eine klare Anweisung gab.


    Dieses ‚Es wäre nicht gut‘ machte dem Schwadronsführer etwas Angst. „So schlimm?“ fragte er nach und gleich hatte er wieder diesen gebrochenen Blick des Tua’Tanai vor Augen. Neugierig war auch Paranoel neben den Schwadronsführer getreten. Der Elf sah schon wieder ein bisschen besser aus, auch wenn die Augenringe davon zeugten, dass auch er nicht viel geschlafen hatte.

    Selphet hatte sich etwas zögerlich zu dem Zelt umgedreht, doch auch ohne dass er wieder einen Schritt auf das Zelt zumachen musste, steckte Qatea ihren Kopf durch den Eingang und zog verwundert die Stirn in Falten. Eigentlich hatte sie wohl nicht vorgehabt heraus zu kommen, doch beim Anblick der Stoffplane und der Stangen kam sie auf die kleine Gruppe zu.

    Ihr Blick war düster und kurz atmete sie tief ein, bevor sie zu sprechen begann. „Bitte, egal, wie sehr ihr ihn sehen wollt, kommt nicht ins Zelt.“ Bat sie die Männer eindringlich und schloss kurz die Augen Ihr Mund war ein sorgenvoller Strich und sie brauchte noch einen Moment, bis sich ihr Gesichtsausdruck, wieder etwas entspannte.

    „Was habt ihr vor?“ fragte sie schließlich und deutete auf die Zeltplane.

    „Wir haben ein Zelt mitgebracht. Wir wissen doch, dass wir nicht direkt zu ihm sollen… aber ein paar würden trotzdem gerne in seiner Nähe sein.“ Karruns Blick ruhte dabei auf Rhynn und Qatea nickte.

    „Ja, aber baut es außerhalb des Kreises auf.“

    Anschlißend wandte sie sich wieder um, blieb aber kurz nocheinmal bei Rhynn stehen um trstend eine Hand auf ihre Schulter zu legen: „Es ist nicht deine Schuld. Er ist durcheinander und ich glaube gar nicht das er dich wegschicken wollte, Ich glaube er reagiert nur sehr langsam.“ Erklärte sie, denn sie hatte seine Reaktion auf ihr verschwinden gesehen.

  • Rhynn schlug die Augen nieder, als Karrun nachfragte und atmete viellsagend aus. Der Schmerz legte sich gerade über alles andere, doch sie musste stark sein vor den Männern. Würde soetwas nicht nur jemanden aufregen und verletzen der zuviel für einen Kameraden empfand? Wenn Owatu Karrun wegschicken würd?. Wie würde der Schwadronsführer reagieren? Besorgt ja... aber verletzt? Nein vermutlich nicht... Er würde die Notwendigkeit dafür sehen, den Tua`Tanai seine Zeit zu lassen die er brauchte.

    " Es wird schon wieder..." nickte die Katze und wünschte sich nichts sehnlicher als dass es so kommen möge. Qateas Rasseln kam näher und Rhynn drehte sich zu der kleinen Frau um. Selphet kam langsam hinterhergetrottet. Trotzig war sein Blick und leicht geduckt setzte er einen Fuß vor den anderen. Für ihn war das auch nicht leicht.. Sie musste sich zusammenreissen zumindest ihre Gefühle ihm gegenüber ein wenig unter verschluss zu halten. Langsam ja fast blind streckte sie ihren Arm zu dem Geflügelten aus und nickte der Frau zu. Natürlich war ihnen das nicht gestattet... Rhynn blickte zu dem Weg der dunkel im Wald lag. Zumindest war das besser als sich einen Unterschlupf zwischen den Wurzeln zu suchen.

    Energisch stubste Selphet seinen Kopf gegen ihre Finger und Rhynn nahm eine Kraulende Bewegung auf. Sie fühlte seinen Zorn.. und die Enttäuschung.. vermutlich spiegelte er ihre Gefühle einfach wieder. *Wir bleiben ab jetzt einfach draußen.. hm? Alles gut..*versuchte sie ihn aufzuheitern und ihre Hand glitt unter seinen Schnabel um ihn dort zu kraulen. "Nein es ist nicht gut.." brummte er und seine Gedanken hingen immernoch dem Inneren des Zeltes nach.

    Und mit seinem Kommentar hatte er recht, denn Qateas Worte machten es wirklich nicht einfacher.

    " Es war keine klare Antwort..." kommentierte Rhynn recht tonlos. Irgendwie schaffte sie es diese militärische Gleichgültigkeit wie eine Mauer um sich herum zu errichten. " Ihr sagtet, ein Schweigen ist `Nein`.Denmach ist nur eine klare Antwort eine zustimmung. Ich zwinge ihm garantiert nicht meine Anwesenheit auf, wenn er sich nicht sicher ist ob er es will. und das Nicken war eindeutig."

    Unwohl zupfte sie an dem Kleid... warum trug sie das überhaupt.. Es war einfach nicht sie .. und jetzt war auch klar, dass sie nichtmehr in irgendein Ritual eingebunden werden musste.

    "Hast du was zum Anziehen für mich dabei?" fragte Rhynn über das sachte Kopfschütteln der Frau hinweg.

    " Eh.. natürlich!" meinte Karrun offensichtlich verwirrt von den Worfetzen die er aufgeschnappt hatte. Was sollte das heissen sie drängte sich ihm nicht auf? War Owatu wirklich in so schlechter verfassung, dass er nichteinmal Rhynn bei sich haben wollte? So sehr wie die beiden sich stritten.. ohne einander kamen sie auch nicht lange aus. Eilig drehte sich der Schwadronsführer zu seinem Vetter um. Das Bündel auf Zurulele... das größere." wies er ihn an und wedelte mit seiner Hand in die Richtung.

    "Urteile nicht zu schnell, mein Kind... und.. bleib in der Nähe." meinte die Frau nachdrücklich und Rhynn nickte.

    " Ich lasse meinen Flügelmann nicht im Stich. Ich bin hier wenn er mich braucht, aber vorher betrete ich das Zelt nichtmehr. Egal ob es regnet oder sonst was." meinte die Greifenreiterin ernst und nahm Kerio das eilig gelöste Bündel aus den Armen.

    "Danke." langsam ließ die Katze das schwere Bündel zu Boden gleiten und begann die Schnur zu lösen und vermied es der weisen Frau in die Augen zu sehen. Nein sie würde in der Nähe bleiben.... ganz sicher.

    " Wir bauen das Zelt da hinten auf!" meinte Karrun und deutete auf den Breiten Weg der zur Stadt zurück führte.

  • Als Karrun sich zum Gehen gewendet hatte, blieb Paranoel noch einen Moment stehen und entschloss sich dann auf Qatea zuzugehen. Den Anfang von Rhynns Ausführungen hatte er nicht ganz mitbekommen, obwohl er sich Mühe gegeben hatte die Ohren zu spitzen, als die Katze hinausgetreten war. Aber er wusste noch nicht so genau, wie er der Kameradin gegenübertreten sollte. Sein schlag in Karruns Gesicht war was vollkommen anderes gewesen, als den Treffer, den er der Katze verpasst hatte. Und unter ganz andren Umständen. Er fühlte sich schuldig, aber gleichzeitig beschämte ihn auch die Machtlosigkeit, da er es nicht willentlich getan hatte.

    „Wie geht es ihm? Wie verhält er sich?“ fragte er die Schamanin, die sich gerade von Rhynn löste.

    Das was er bisher mitbekommen hatte, ließ nichts Gutes erahnen.

    „Er ist voller Angst und Furcht und scheint vieles nicht zu verstehen. Ich hab das Gefühl die Zusammenhänge sind ihm nicht ganz klar. Er schwankt zwischen Momenten, in denen er gefasst wirkt und zwischen Momenten, in denen er voller Panik ist. Ein falsches Wort, eine falsche Geste, die ihn an das erinnert, was geschehen ist und er bricht wieder zusammen.

    Es ist schwer zu deuten, was er möchte und ich glaube er weiß es selbst nicht. Er wird einiges an Zeit brauchen, bis er sich wieder sortiert hat, bis er dem Frieden hier wirklich traut. Und dann spricht er vielleicht auch wieder.“ Erklärte sie dem Elfen in der Hoffnung, dass die Männer hier draußen besser verstanden, warum sie sie nicht zu ihm lassen konnte. Aber auch um klar zu machen, dass sie nichts verheimlichte. Nicht auszumalen, was passieren würde, wenn sich einer reinschlich, nur weil er ihren Worten nicht glaubte und sich selbst überzeugen wollte. Gerade wäre das gar nicht gut. Wieder legte sich der ganze Ernst, den diese Sorge um ihren Schützling mit sich brachte auf ihre sonst so heiteren Züge.

    „Ich kenne das.“ Antwortete Paranoel wissend. „Gerade, dass er nicht spricht ist ein Zeichen, wie tief das ganze sitzt. Ich habe das schon einmal erlebt, bei jemandem, der ähnliches erlebt hat, wie wir.“ Auch die Züge des Elfen waren Steinern geworden. „Karrun meinte… „ es fiel ihm deutlich schwer, das nächste wirklich vor dieser weisen Frau auszusprechen. Er kannte die Schamanin ja nicht und verstand auch nicht viel von ihrem Tun, „Das ihr meintet, dass man ihn zu nichts zwingen darf. Dass er deutlich ja sagen soll und das ein schweigen nein bedeutet. Das ist soweit sehr sinnvoll und richtig. Nur oftmals wissen sie nach so einem Trauma nichts mit dieser Freiheit anzufangen. Es überfordert sie. Und..“ Jetzt schluckte der Schwadronsheiler. „Und manchmal muss man sie doch ein wenig zwingen.“

    Qatea schaute den Elfen an und merkte ihm deutlich an, dass es ihm nicht leicht fiel, dass auszusprechen.

    „Wenn ihr ihn vor die Wahl stellt, zuckt er vielleicht nur mit den Schultern, weil er das Ausmaß der Wahl nicht begreift, oder weil ihn von allen Seiten die Angst bedroht. Oft können sie nur noch den ist zustand wirklich beurteilen, aber alles, was eine Entscheidung bedeutet nicht. Weil sie ihrem eigenen Urteilsvermögen nicht mehr trauen. Die Grenzen zwischen dem, wo sie Gezwungen wurden und dem, wo sie es zugelassen haben sind verschwommen. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich zweifle nicht an euren Fähigkeiten und nicht an eurer Art, wie ihr vorgeht. Ich möchte euch lediglich mitgeben, was ich weiß.“

    Die Schamanin nickte und blickte zu dem hochgewachsenen Mann empor. Ein Lächeln spielte um ihre Lippen. „Vielleicht hab ihr Recht.“

    Dann wandte sie sich um und betrat wieder das Zelt.

    Owatu lag immer noch unverändert halb auf dem Boden, halb auf Kasee. Das Gesicht irgendwo unter den Haaren verborgen. Er war nicht wieder ruhiger geworden.

    *Er ist immernoch so* meinte Tameqa sogelich besorgt, als die kleine Frau wieder herein kam.

    Qatea nickte. *Ja das war zu viel*

    *Wir sind schuld?*

    *Nein.*

    *Aber es wird Zeit, dass sein Geist ein wenig mehr Freiheit erlangt.*


    Plözlich hörte das stetige streichen über seinen Rücken auf und die Wärme seiner Mutter wisch. Eben noch hatte er es einfach nur ertragen, doch jetzt fehlte es ihm schlagartig. Auch die kitzelnden Federn von Tameqas Kopf verschwanden, doch er traute sich einfach nicht aufzusehen, sich zu bewegen, oder irgendetwas zu tun, bis er sich alleine fühlte. Vielleicht nicht das schlechteste Gefühl.

    Dennoch ließ die Ungewissheit, was als nächstes passierte was sie mit ihm tun würden ihn nicht ruhiger werden. Auch die weit auseinandergezogenen einzelnen Trommelschläge machten es nicht besser.

  • Rhynn zog an einem Stoffstück, das verdächtig nach dem weichen Leder einer Hose aussah. Beinahe übersorgfältig, hatte jemand ihre Kleidung zusammengelegt, doch das war jetzt wohl hinfällig. Schnell stieg sie mit dem ersten Fuß in ein Hosenbein und versuchte das Tuch zu sortieren, während sie gleichzeitig die Hose nach oben zog. Paranoel war an ihr vorbei geschritten und mit gespitzten Ohren knotete sie umständlich eine Schlaufe. Seltsamerweise lag kein Tadel in Qateas Tonfall und doch, fühlte sie sich schuldig. Sie hätte garnichterst irgendwas sagen sollen. Vermutlich hätte sie sich darauf beschränken sollen Tameqas Fragen zu beantworten und vermutlich war es falsch gewesen, überhaupt in das Zelt zu gehen. Aber sie machte dem Braunen keinen Vorwurf. Als Rhynn das Hemd sortierte drehte sie sich zu Selphet der die Ohren hängen ließ und beinahe traurig jeder Bewegung mit den Augen folgte. Die Katze zog sich die Tunika über das Kleid an und begann schließlich den Knoten zu lösen und das Tuch unter ihrer Kleidung herauszuziehen. Rücksichtslos knuddelte sie den grünen Stoff zusammen, als sei dies nun ein Symbol dafür, wieder die Frau in sich zu unterdrücken. Sie war Soldat.. mehr nicht... Und was bildete sie sich darauf ein, Paranoels Vorschlag zu analysieren oder zu überlegen ob das so klug war, ihn zu etwas zu zwingen wenn er doch genau das nicht wollte. Der Elf wusste es besser und vermutlich sollte sie sich in soetwas garnichtmehr einmischen. Paranoel war älter und erfahrener und vermutlich hatte er schoneinmal mit Leuten in so einer Situation zu tun gehabt...

    *Gehen wir nachher jagen?* versuchte sie es mit einem gequälten Lächeln Selphet zu liebe. *Wir waren ewig nichtmehr gemeinsam im Wald.*

    Ein leises brummeln, zeigte wie hin und hergerissen das Männchen war und gerade war ihm alles einerlei, wenn er nur bei seiner Freundin sein konnte. Sich halb an Selphets Schulter hängend, schleiften für einen Moment ihre Beine über die Wiese und entschlossen trat Rhynn aus dem Kreis heraus.

    Nara`tee, ebnete gerade eine halbwegs freie Fläche ein und schob Äste und Stämme beiseite, damit das Zelt dort Platz finden konnte.

    " Wie gehts den anderen?" wollte Rhynn wissen und legte ihr Bündel auf einem trockenen Plätzchen ab.

    " Hm.." brummte der Tua`Tanai und zog ein schweres Bündel LeinenTuch von Zuruleles Rücken. " Markun ist beleidigt...aber seinem Arm gehts besser. Seran ist total hinüber. Wie ein aufgescheuchter Gockel rennt er von einem Patienten zum nächsten und macht sich andauernd vorwürfe. Jankris gehts wieder ganz gut. Aber sie haben alle noch Bettruhe, nur Paranoel konnte keiner mehr bändigen. Der wollte unbedingt mit hierher." erzählte er und suchte nach den richtigen Kanten und Ecken des Zeltes. Für einen Moment blickte die Katze an dem Platz hin und her. Kerio hatte Naraniwen das letzte Bündel abgenommen und die helle Greifin verdrehte genießend die Augen als der Mann sich traute sie am Ohr zu streicheln. Die ruhige Greifin, war nicht ganz so einschüchternd wie Marak oder Selphet. Sogar Zurulele war eigentlich für ein Weibchen sehr breit gebaut. Ein Lächeln umspielte seine Mundwinkel als seine Finger durch die Federn glitten.



    Stetig schlug die kleine Frau auf die Trommel. Eins... genug Zeit für zwei Schritte. Zwei... Mit einer Hand versuchte sie die Aufmerksamkeit Kasees auf sich zu lenken. Drei....

    Vielleicht war es nun besser wenn die Tua`Tanai sich etwas zurück zog. Vermutlich wäre es auch besser gewesen die Greifin wegzuholen, doch das war vielleicht ein zu harter Bruch. Mit der Hand deutete sie auf ein kleines Lager im hinteren Teil des Zeltes und griff schließlich in eine kleine Holzschüssel. Der Elf hatte gesagt, manchmal musste man sie zwingen... Vielleicht gab es eine Möglichkeit das alles miteinander zu verbinden. Ihre Welt mit der seinen Vereinen und langsam rieselte das getrocknete Geisterkraut in die Glutschale. Ohne ihr Trommelspiel zu unterbrechen, bereitete sie alles für die Geistereise her, auf die sie Owatu schicken wollte. Das würde ihm vielleicht ein wenig klarheit geben.. und einen Teil der Ängste vertreiben oder ihm die Chance geben, sie zu verstehen. Mit einem Federfächer fachte die Schamanin die Glut weiter an, bis ein blauer Rauch langsam daraus hervorwaberte und schwer zu Boden fiel. Langsam krock der Rauch auf den dunkelhaarigen zu und mit einer zuversichtlichen Stimme versuchte sie die Greifin zu beruhigen.

    *Ich werde ihm nichts tun.. Er wird sich beruhigen und dann kann ich ihm vielleicht helfen, sich selbst zu helfen. Ganz wichtig ist, dass du nur da bist. Sprich nicht mit ihm.... berühr ihn nicht von dir aus. Auch wenn es schwer fällt. Lass ihn bei dir Halt suchen, aber reiss ihn nicht aus seinen Visionen, egal was er tut. Das ist sehr sehr wichtig."

    Man konnte Tameqa die unsicherheit deutlich ansehen doch schließlich schien sie einen Entschluss gefasst zu haben. Qatea war eine Geistführerin man musste ihr vertrauen und ihre Worte respektieren.. oder?

    Die Alte ließ den Rauch wirken und nach und nach nahm sein Zittern ab auch seine Muskeln lockerten sich etwas..

    " Geister der Ahnen... und Seelen die über diesen Mann wachen.." begann die Schamanin und hob die Hände ließ ihre Armbänder rasseln. Hoffentlich war er schon aufnahmefähig.

    In einer Sanften Berührung legte die Frau eine Hand auf seinen Hinterkopf und schloss selbst die Augen.

    "Lass deinen Geist entschweben in die Welt die dir am Angenehmsten scheint... Kehre zurück zu den Orten die dir freude und zuversicht bereit hielten. Fliege frei wie der Mauersegler der du bist.... Soll der Wind dich halten und weit fort tragen... bis du Ruhe finden kannst..." singend führte sie ihn in die Welt der Geister und langsam drehte sie wie von Geisterhand, den Tua`Tanai auf den Rücken.

    "Was siehst du?"

  • Das Trommeln wurde stärker und so ganz konnte er sich dem Klang nicht erwehren. Aber wollte er das überhaupt. Irgendwie füllte es die Leere, die sich in ihm auszubreiten begann. Ein schwerer Geruch drang zu ihm durch legte sich drückend auf ihn nieder. Der Geruch und der blaue Dunst machte ihn schwindlig, aber gleichzeitig löste sich in ihm auch die Panik, die ihn ergriffen hatte auf. Sein Körper hörte ganz von alleine auf zu zittern. Er musste dagegen nicht mehr ankämpfen. Und er konnte es wieder genießen tief Luft zu holen, ohne das sein Brustkorb brannte. Das irgendjemand was ihm wollte trieb immer weiter in die Ferne. Die Hand, die er halb aufstützend noch neben sich gelegt hatte rutschte weg und blieb nun locker neben seinem Gesicht liegen. Er hatte nicht mehr das Gefühl etwas tun zu müssen, sondern konnte sich einfach treiben lassen. Alles wurde unwichtiger um ihn herum. Es war fast so, als würde er in Traumland Abtriften, aber es war kein Schlaf, der ihn erwartete.

    Sein Geist nahm unterbewusst die Worte der Schamanin auf und verwob sie. Das leise Lied trug ihn immer weiter empor. Wind sammelte sich unter seinen Flügeln und nichts außer dem weiten Himmel war um ihn herum. Wolken türmten sich auf und bildeten eine Wand, die mit Leichtigkeit zu durchdringen war. Es brauchte keinen Flügelschlag um seinen Körper in der Luft zu halten. Der Wind trug ihn, ließ ihn dahingeleiten und diese kleine Welt unter ihm betrachten. Bis hier her kam niemand, der ihm was wollte.

    ‚Was siehst du?‘ stand Plötzlich die Frage im Raum, doch es schien das normalste von der Welt zu sein. Ebenso darauf zu antworten: „Die Elfentürme, ganz klein.“

    „Lass dich treiben. Wo bringen dich deine Flügel hin?“

    „Zu den Bäumen, in denen die Häuser sind.“

    Als erstes tauchte ganz klar der Wohnbaum seiner Eltern auf.

    „Ist das ein sicherer Ort?“

    „Ja.“

    „wo ist noch ein sicherer Ort?“

    Der Mauersegler schlug ein paarmal mit den Flügeln, rasch und wendig ließ er die Bauten der Stadt hinter sich. Hin zu den Mächtigen Bäumen, auf denen die Greifen brüteten. Ganz oben in den schweren Zweigen, viel weiter oben als die Nester lagen, ließ er sich auf einen der Äste nieder und Blickte herab auf eines der Nester, in dem zwei Junge saßen.

    „Hier.“ Lautete seine Antwort.

    „Wo ist hier?“

    „Beim Greifenbaum.“


    Karrun packte ein Ende des Zeltsoffes und zog ihn mit Hilfe von Nara’tee auseinander. Dann blickte er nach den anderen suchend auf. Jetzt konnten sie ein bisschen Hilfe beim Halten der Stangen brauchen.

    „Hey, Rhynn, Kerio , kommt mal her und nehmt euch ne Stange.“ Wies er die beiden an und deutete auf die zwei langen Latten denen nur allzugut noch anzusehen war, dass sie einmal ein Baum gewesen waren. Nur die Rinde und die abstehenden Äste waren entfernt worden.

    Kerio legte sein Bündel aus Decken beiseite und kam gleich näher um eine der Stange zu Greifen.

    „Die müssen sich ganz oben nur ein wenig berühren, aber passt auf, ich hab die schon zusammen gebunden.“ Erklärte er kurz und erntete einen irritierten Blick von seinem Vetter.

    „Da kommt das Zelt in die Mitte drunter.“ Der Mann hatte wohl noch nie in einer Kothe geschlafen, geschweige denn sie aufgebaut. Typisch Magier, dachte er schmunzelnd. Aber daran würde er sich gewöhnen müssen, denn das hier war sogar Luxus. Wenn er sie auf die Jagd nach der Hexe begleitete, dann würde er auch unter einem Greifenflügel schlafen müssen, denn mehr als eine Zeltplane konnten sie schlecht mitnehmen und nicht immer gab es einen geeigneten Ort, an dem sie sich einen provisorischen Unterstand bauen konnten.

  • „ Gut.“ lächelte die Frau und schob eine der Räucherschalen näher. Ein Greifenbaum.. natürlich fühlte er sich bei den Artgenossen seiner Gefiederten Freundin sicher. Die Vernunftbegabten Geschöpfe würden ihn nicht angreifen und bieteten den besten Schutz. Außerdem hatte er dort Tameqa kennengelernt.

    „ Lande auf einem der Äste.“ wies sie ihren Schützling an und wedelte Luft mit dem Federfächer über seinen Körper. „ Fühlst du den Wind der über deine Haut streicht?“ fragte die Frau und ließ ihre Hand über seiner Stirn in der Luft schweben.

    „ Du bist nicht länger ein Vogel. Sondern du. Doch du fühlst hier oben keine Angst, du bist sicher und kannst auf deine Fähigkeiten vertrauen. Du bist schließlich nicht zum ersten Mal hier oben. Deine Beine balancieren dich sicher über den Ast hinüber an den Rand eines der großen Nester. Fühlst dich leicht und siehst die Welt unter dir, winzig klein. Alle Ängste und Probleme bleiben dort unten zurück. Niemand kann dir dort wo du bist etwas anhaben....“ machte sie ihm mit fester Stimme Mut. Sein Körper kannte das... er besaß Mut und Selbstbewusstsein, doch sein Geist musste wieder dorthin zurück finden.

    „ Gehe zum Rand des Nestes und Blicke hinein.“ verlangte sie und zerbröselte neben Owatus Ohr einige getrocknete Gräser, es klang beinahe so, wie es klingen musste wenn er in eines der Greifennester klettern würde.

    „ Niemand hier oben will dir etwas böses.... Wen oder Was siehst du?“


    Rhynn drehte den Kopf und ruckartig war sie wieder im hier und jetzt angelangt. Natürlixh sollte sie sich nützlich machen, doch sie war gerade mit den Gedanken ganz woanders gewesen. Mit schnellen Schritten war sie bei Karrun angelangt um seinem Fingerdeut zu folgen. Fest umschlossen ihre Finger den langen Ast, der doch einiges an gewicht mitbrachte und kurz wechselte sie einen Blick mit dem Feuermagier. Irgendwas stimmte da nicht. Sie zog am Unteren Ende die Stange ein wenig zu sich hin. Mit jemandem der das schoneinmal gemacht hatte, war das sicher einfacher...

    „ Wartet.. moment..“ presste sie die Lippen aufeinander als er unbeholfen das Holz in der falschen Position festhielt und energisch rieb sie mit dem Fuß eine kleine Kuhle in den Boden um die Stange fester hineinzutreiben und für festeren Stand zu sorgen.

    „ Der Winkel - hier- muss der gleiche sein... vielleicht zieht ihr das ganze noch ein Stück zu Euch“ erklärte die Katze und deutete auf den Boden und die beiden Stangen die somit ein Dreieck bildeten. Karrun zog routiniert mit ausladenden Handbewegungen das kreisrunde Gestell mit dem Leinenstoff mithilfe des Flaschenzugs nach oben und sicherte das Seil an ihrem Stock. Um sich dann mit Nara‘tee eilig daran zu machen die schweren Anker in den Boden zu treiben.

    Rhynn klopfte sich die verkrampften Finger an der Hose ab, als die Unterkunft endlich stand.

    „ Du kannst ihm sagen, dass er loslassen kann.“ lachte der Mensch und sammelte einige der Äste auf einem Haufen.

    „ Ihr könnt loslassen. Es kann nichtmehr umfallen.“ erklärte die Katze als sie sich um die Ecke beugte. Kerio schien sehr skeptisch was dieses Konstrukt betraf und löste testend die Finger nacheinander von sem Holz.

    „ Danke.. ich... hab so ein Zelt noch nie aufgebaut...“ erklärte er unnötiger weise als Rhynn zu Maraks Satteltasche ging und nach Feuerstein und Stahl angelte.

    „Das könnt Ihr ab heute nichtmehr behaupten. Dafür ging es doch schon ganz gut.“ versuchte sie es belustigt klingen zu lassen, während sie mehrere kleine Stöckchen zusammensammelte und in die von Karrun vorbereitete Steinkuhle zu häufen. Eigentlich war ihr gerade garnicht nach reden zumute... doch unhöflich sein wollte sie auch nicht. Der Feuermagier ging neben ihr in die Hocke und sah ihr neugierig bei der Arbeit zu.

    Rhynn hatte inzwischen die Zundwolle zwischen die Zweige gestopft und schlug das Scharfe Metallstück gegen den Feuerstein. Funken flogen auf das Zundwerk, doch irgendwie fing es kein Feuer.

    „ Ist dein Zunder nass geworden, Karrun?“ rief sie beinahe genervt aus und schlug energischer die beiden Werkzeuge aufeinander. Wie sie es hasste wenn ein Kamerad auf solche Dinge keinen Wert legte..

  • „Ja .“ antwortete er. Owatu konnte den Wind deutlich spüren. Der leichte Lufthauch lud ihn ein weiter zu fliegen. Aber etwas anderes bedeutete ihm sich nur weiter hinunter zu lassen und wieder zurück zu verwandeln. Und die Flügel wurden zu Armen und Händen, die sich an der rauen Borken festhielten. Langsam robbte er über den Ast, hin zu dem Nest. Die vielen spitzen Zweige, die das Geflecht bildeten konnten ihm nichts anhaben. Sicher griff er neben die scharfen Splitter und warf einen Blick in das riesige Nest.

    „Ein Ei.“ Beantwortete er die Frage. Aber es war ein winzig kleines Ei und das Nest viel zu groß für dieses winzige Ei, dass schon fast drohte zwischen den groben Ästen hindurch zufallen, wenn es nicht auf einem Bett aus Moos liegen würde. Aber ein Windhauch und es würde zum nächsten Spalt kullern.

    „Geh hin zu dem Ei.“

    Ganz vorsichtig setze er einen Fuß in das Nest. Noch blieb das Ei an Ort und Stelle. Aber es wackelte bedrohlich.

    Wieder begann sich sein ganzer Körper zu verkrampfen und sein Atem schneller zu gehen.

    „Du kannst das, geh weiter zu dem Ei.“

    „Nein es fällt.“

    „Warum sollte es fallen? Du bist doch da um es zu halten. Halt es einfach fest!“

    Und Owatus Hand schloss sich um das kleine weiße Ei, das auch in seiner Hand recht verloren schien.

    „Was ist mit dem Ei?“

    „Nichts.“ War seine erste Antwort, doch dann musste er feststellen, dass dies nicht ganz stimmte. Ein kleiner feiner Riss breitete sich aus. Ein Klopfen, ein Schaben.

    „Nein es schlüpft.“ Irgendwie mischte sich nun doch Panik in seine Stimme.

    „Alles ist gut. Es ist doch gut, dass es herauskommt.“

    Ja das war es. Und langsam schälte sich der Schnabel eines Mauerseglers hervor.


    „Nein, eigentlich sollte der trocken sein.“ Antwortete Karrun und schaute dafür nur mal kurz zu den beiden herüber.

    „Du machst das aber ganz schön umständlich.“ Meldete sich nun Tiv, die die ganze Zeit neugierig auf Kerios Schulter gesessen hatte. Es hatte für das Feuerelementar lange Zeit absolut keinen Sinn ergeben, was die Frau da bezwecken wollte, bis sie dann endlich die ersten Funken spritzen sah, die allerdings keine Nahrung fanden.

    „Soll ich?“ schwebte sie fragend und mit unschuldig auf dem Rücken verschränkten Armen auf die Steine hinab. „Dann musst du dich nicht so abmühen. Ich mach das wirklich gerne. Ist auch ganz einfach für mich.“ Bot sie an und tanzte schon ein bisschen zu den Zweigen herüber.

    „Lasst mich mal.“ Streckte nun Kerio die Hände nach dem Feuereisen aus, „Ich glaube auf diese Art und Weise habe ich das schon seit einer Ewigkeit nichtmehr gemacht. Ich muss noch ein Kind gewesen sein, oder so.“ Sein Lächeln schien dabei auch wirklich in der Vergangenheit zu hängen und hatte kein bisschen Überlegenheit an sich.

    „Ja und dann hast du mich kennen gelernt!“ Grinste Tiv dafür umso breiter.