Ein Schatten in den Gassen

  • Grelles, ekelhaftes Tageslicht. Viel zu schnell war es wieder Tag geworden und dieser Kerl, der angetrunken in der Bar so mit seinem Vermögen geprahlt hatte, war nicht etwa nach Hause unterwegs sondern wankte auf der Straße mal hierhin, mal dorthin und Kurai wurde es langsam leid, ihm zu folgen. Sie hätte sich einfach seine Geldbörse schnappen sollen und gut. Aber sie hatte unbedingt wissen wollen, wo er wohnte, falls es dort wirklich noch mehr zu holen gab. Das wurde wohl nichts, wie es aussah, denn sie hasste es, wenn es derart hell wurde, hatte sich die Kapuze bereits tief ins blasse Gesicht gezogen und selbst Shitsu begann sich irgendwo zwischen ihren Haaren nahe ihrem Ohr zu beklagen, dass ihm das Licht in den Augen stach. Eine ganze verplemperte Nacht und nun musste sie sich einen Unterschlupf suchen, denn beim letzten war sie zuvor aufgestöbert worden. Meist sah sie es nicht ein, sich ein Zimmer irgendwo zu mieten. Viel zu hart verdient war das Geld, das sie sich zusammen stahl. Sie war gerade in eine dunklere Seitengasse eingebogen, als sie etwas an ihrem Bein spürte. Verwundert sah sie hinab, um ein kleines, rötliches Fellknäuel vorzufinden, das sich daran festklammerte, als bedeute es sein Leben. Irritiert hob sie eine Augenbraue. "Ksch", machte sie leise. "Ich bin kein Baum." Doch das Eichhörnchen schien das nicht zu interessieren. Shitsu spähte vorsichtig heraus, zog sich dann jedoch wieder zurück, weil es ihm noch immer viel zu hell war und Kurai ging langsam in die Hocke und stubbste das Tierchen vorsichtig mit einem Finger an. Ziemlich klein wirkte es. War es halb verhungert oder noch ein Junges..? Sie vermochte es nicht zu sagen, hatte sie sich doch nie weiter mit Getier auseinander gesetzt. "Was willst du denn..? Hier gibts kein Futter.", erklärte sie, auch wenn das Tier sie natürlich nicht verstehen konnte. Was mache ich hier..? Dachte sie seufzend bei sich und sah sich um. Sie wollte einfach nur aus dem Licht raus und jetzt das..!

    Gerade überlegte sie, wie sie das Tierchen überzeugen könnte, ihr Bein wieder loszulassen, da sprang es auch schon los. Verdutzt blinzelnd über diesen plötzlichen Sinneswandel sah sie ihm hinterher, wie es die dunkle Gasse entlang hüpfte und am anderen Ende der Gasse wieder hinaus und Zielgerichtet unter einem Bretterhaufen verschwand. Was denn nun..? "Merkwürdiges Tierchen, findest du nicht..?" Von Shitsu kam nur ein Brummeln, das für ihn um diese Tageszeit typisch war, und so stand sie langsam wieder auf und heftete die Augen auf den puscheligen roten Schweif, der sich gerade leicht zuckend auf einem der Bretter bewegte, bevor er wieder verschwand. War dort etwas..? Am ende etwas das sich zu Geld machen ließe..? Sie ging weiter und ihr Blick blieb an einer Schuspitze hängen. Neugierig geworden beugte sie sich vor und betrachtete mit gerunzelter Stirn den Bretterhaufen.. bevor sie eine behandschuhte Hand ausstreckte und eines der größeren Bretter griff, um es beiseite zu schieben. Ein bewusstloses Gesicht kam zum Vorschein. Doch das, was sie von der Kleidung sah, ließ zu ihrer Enttäuschung nicht gerade auf Wohlstand schließen. Dennoch schob sie die Bretter nach und nach beiseite und sah den Fremden mit gerunzelter Stirn an, während das Eichhörnchen auf seiner Brust gelandet war. War es womöglich dressiert..? Davon hatte sie noch nie gehört.

  • Dunkelheit.

    Betäubende Schwere, die sich auf seine Sinne und seinen Körper gelegt hatte, bis ein leichter Windhauch an sein Gesicht drang.

    Sein Geist reagierte träge, weil ihm Wut noch zu präsent im Bewusstsein lag, doch wusste er gerade nicht worauf er eigentlich wütend war.Überhaupt schienen seine Erinnerungen sehr verschwommen.

    Sein Körper wollte nach Stunden in der gleichen unbequemen Position kaum wirklich erwachen geschweige denn reagieren.

    Schmerz.

    Drückend und Stechend, an anderer Stelle taub und stumpf, wo die Bretter schwer auf seinem Körper lagen und ihm die Luft zum Atmen nahmen.

    Kleine Pfoten mit spitzen Krallen.

    Die ihm im Gesicht rumtapsten, ihn zum Aufwachen animieren wollten und das kleine Pelzige Wesen schließlich aus Verzweiflung mit den Zähnen leicht in die Nase zwickte.


    Nevio zuckte zusammen, doch viel Platz um mit dem Kopf auszuweichen blieb ihm nicht. Schmerz fuhr ihm dabei durch den Kopf. Etwas klebriges Dunkles verhinderte, dass er das linke Auge öffnen konnte und zuerst dachte er schon, er hätte etwas so fest auf den Kopf bekommen, dass er nun erblindet war.

    So langsam fokusierten sich seine Augen auf den Dunklen Fleck vor sich der auftauchte, wenn sich das Eichhörnchenjunge mal nicht forsch vor seine Augen drängte. Zuerst zuckte Nevios Arm, hob sich unkoordiniert und ein paar kleine Latten fielen von dem Haufen, als er ihn freibekommen hatte.

    Bemüht darum, seine Sicht scharf zu stellen, kniff er die Augen etwas zusammen. Doch desswegen erkannte er von seinem Gegenüber nicht viel mehr. Dunkler Stoff, eine Verhüllte Gestalt, oder war es hier nur so dunkel, dass es so wirkte? Stöhnend, versuchte er den anderen Arm zu befreien. Mehr schlecht als Recht, konnte er den Arm überhaupt bewegen und seine Muskeln rebellierten bei der Anstrengung.

    "Das.. war nicht meine Schuld es war der.." begann er mit trockener Kehle und stockte dann selbst. Ja wie war er eigentlich hier hergekommen? Seine Hand hob sich an den Kopf. Eingetrocknetes Blut mischte sich mit frischem und schnell fand er den Grund für seine Kopfschmerzen. Nevio sog scharf die Luft ein und ein Bild schoss in seine Gedanken.

    "Es war der.. große.. Matrose.. der.. Penner der nicht.. verlieren konnte... Tut mir leid um deinen Verschlag oder, was auch immer.." brabbelte er verwirrt vor sich hin und zerrte seinen Rucksack von seinem Bauch und ließ ihn neben das Fass fallen, damit nicht noch mehr Gewicht auf ihm lag und versuchte sich aufzurappeln.

  • Kurai starrte den Fremden an, der zwar wach wurde, aber noch nicht wirklich klar zu werden schien. "Bist du betrunken..?", fragte sie unverhohlen und ließ achtlos das letzte Brett fallen, das sie noch in der Hand hielt. "Intressanter Schlafplatz, Eichhörnchenmann." Ein wenig spöttelnd spitzte sie die Lippen. Wirklich zu schade dass der Kerl nichtmal das Geld für ordentliche Kleidung zu haben schien.. Sonst wäre er seine Börse nun vermutlich los gewesen. So verschränkte sie lediglich die Arme und sah dem Fremden dabei zu, wie er sich langsam aufrappelte. Er schien eine Platzwunde am Kopf zu haben und kurz durchzuckte sie der Gedanke, dass sie das wohl heilen könnte, doch warum sollte sie..? Wies sie sich selbst zurecht. Er hatte nichts, er würde sie dafür nicht einmal bezahlen können, wenn er wollte. Nein, das war bestimmt nicht ihr Problem. Shitsu bewegte sich leicht an ihrer Schulter und sie spürte, wie er durch ihre Haare hindurch den Fremden aufmerksam musterte. Doch auch er kam zu dem Schluss, dass er kein lohnendes Ziel abgab. Im Grunde verplemperte sie hier gerade nur ihre Zeit.. andererseits.. Wenn sie weiter ging wartete dort nur wieder das viel zu grelle Licht auf sie, das sie so verabscheute, wie ihr kleiner Weggefährte. Also wieso sich nicht noch ein wenig die Zeit vertreiben, solange der Fremde zu ihrer Unterhaltung gut sein mochte.

  • Nevio zwang das verklebte Auge auf in der Hoffnung so mehr von seinem Gegenüber erkennen zu können.

    Betrunken?.. War er betrunken? Nein, er glaubte nicht.

    Nevio schüttelte leicht den Kopf. Zumindest hatte er nicht das Gefühl, dass die Kopfschmerzen und der Schwindel vom Alkohol herrührten, wo der Grund so Nahe lag.

    Er betrachtete die Hand an derfFrisches und altes Blut klebte.

    " Erschlagender Bequemlichkeit.. denke ich." konterte er unbewusst und zwang sein Bein unter dem schweren Querbalken heraus. Vermutlich war es nun Grün und Blau unter dem Stoff, doch wenigstens schien nichts gebrochen. Was bei dem Wurf des Hünen und dem gesplitterten Holz schon ein enormes Glück war, dass er nicht aufgespießt worden war, wie er befand.

    Er wollte sich aus dem Haufen ablassen, doch sein noch taubes Bein gab nach, bei dem Versuch sein Gewicht zu halten, so dass er gegen die Wand stolperte und sich dort mit einer Hand festkrallen musste. Das Junge Eichhörnchen verkroch sich in seinem Kragen und nur die befellten Ohrspitzen schauten zwischen seinen Haaren heraus, die... " Ach Mann." knurrte er und angelte mit den Fignerspitzen nach verkohlten und angesenkten Verkohlten Haaren. Jetzt erinnerte er sich auch an die Hitze, er war viel zu nah an einer Fakel vorbeigeflogen oder war es die Hitze gestern von dieser Frau ausgegangen war? Kurz sah er zu der jungen Frau dann wieder auf die Strähnen die er zwischen seinen Fingern bewegte und nun Kraus und deutlich kürzer waren.

    " Du.. kannst mir nicht zufällig einen Barbier Empfehlen, der .. so leichtgläubig ist, dass er mir die Haare zuerst schneidet, und dann zwei Tage auf sein Geld warten kann?" fragte er recht arglos und versuchte sich ordnend durch die Haare zu fahren, die jetzt wohl dringend einen Haarschnitt nötig hatten.

  • Nun zumindest schien er nicht gänzlich auf den Kopf gefallen zu sein.. trotz all dem Blut das ihm teils übers Gesicht gelaufen war. Ungerührt stand sie da, und sah zu, wie der Fremde mit den Brettern kämpfte und offenbar das Bein unter ihm weg knickte. Ihr Blick folgte dabei kurz dem roten Fellknäuel, das an ihm empor kletterte und sich bei ihm verkroch, als wäre es sicher, dass ihm dort nichts passieren könnte. Wirklich eigenartig, so viel war klar. Bei seinem nächsten Kommentar zog sie jedoch die Augenbrauen hoch. Fragte er sie gerade ernsthaft nach einem Barbier..? "Nein, wohl eher nicht.", gab sie zurück und betrachtete kurz die versengten, unregelmäßig langen Haare, zum Teil noch ganz klebrig vom Blut. "Aber tuts nich auch einfach ein Messer..? Wozu die Mühe, einen Barbier ausfindig zu machen, wenn du ihn weder bezahlen, noch übers Ohr hauen kannst..?", fragte sie zurück, ohne groß darüber nachzudenken, das erste woran sie dachte.

  • Nevio lachte kurz auf, wobei er merkte, wie stark seine Rippen von dem Sturz in die Kisten in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Doch ließ er sich von dem Neckenden Tonfall keinesfalls abhalten.

    " Das letzte Mal, als ich das versucht hab, hab ich mir ins Ohr geschnitten... Und woher soll ich mein kostenloses Bier nehmen, wenn die Schankmaiden vor meiner misratenen Frisur zurückschrecken und reiss aus nehmen, weil sie glauben ich könnte Reude haben?" fragte er sich die Seite haltend und nochmal hinüber zum Platz vor der Taverne spähend. Nur langsam kamen die Erinnerungen zurück.

    Wo war eigentlich der Münzbeutel abgeblieben, eigentlich hatte er gedacht er hätte ihn noch gehabt?

    Er hupelte einen Schritt von der Wand weg um seinen Rucksack aufzuheben. Vielleicht hatte er ja doch Glück und konnte sich von dem Gewinn gestern einen Barbier leisten?

    Noch während seine Hand in dem Rucksack wühlte, hob er wieder den Blick. Jetzt wo er tatsächlich wieder besser sehen konnte, erkannte er die Person diesmal Klarer. Nicht, dass er sonderlich viel von ihr erkennen konnte. Sie war nicht sonderlich groß, jetzt wo er neben ihr stand. Eine Frau, der Stimme nach zu urteilen und verhüllt, als wollte sie jemanden Ausrauben oder jemanden in einer Gasse ausrauben.

    " Sag mal... noch offensichtlicher, dass du jemandem den Beutel aufschneidest, konntest du dich nichtmehr anziehen oder?" fragte er mehr scherzend, ohne zu erahnen, dass das tatsächlich die Tätigkeit war, der sie nachging.

  • "Meine Güte, so schwer ist das nun auch wieder nicht, wie hast du es geschafft, dich dabei zu schneiden..?" Unverständnis lag in ihrem Blick. Sie schnitt sich die Haare selbst seit sie denken und ein Messer halten konnte. Im Heim hatte sich jedenfalls niemand die Mühe gemacht. Kostenloses Bier, weil er mit der Bardame sprach.. was auch sonst..? "Außerdem solltest du mal darüber nachdenken, wenn deine Fähigkeit, an ein unbezahltes Bier zu kommen von deiner Frisur abhängt.", konterte sie und lehnte sich an die Wand der kleinen Gasse, in der sie standen. Ein sachtes Zupfen an ihren Haaren verriet ihr, dass Shitsu langsam ungeduldig und müde wurde, doch sie gab ihm zu verstehen, dass er sich auch einfach an Ort und Stelle hinlegen und schlafen konnte und zog die Kapuze an dieser Seite ein wenig mehr nach vorne, damit er es möglichst dunkel hatte. Dann heftete sich ihr Blick wieder auf den Mann vor ihr. "Und du wohl nicht offensichticher, dass du nichteinmal einen Beutel hast, den man aufschneiden könnte..?", gab sie im gleichen Ton zurück und strich sich dann den Mantel glatt. "Ich mag einfach die Farbe. Es könnten sich mehr Leute in Schwarz kleiden, wenn du mich fragst.", zuckte sie mit den Schultern, als sei ihr Aufzug etwas ganz alltägliches.

  • " Es geht doch nich darum, dass es schwer ist. Sondern schlicht.... tückisch." rollte er kurz mit den Augen, was ihm allerdings nur einen Schwindel bescherte, und er kurz die Augen zusammenkneifen musste, damit er sich fangen konnte.

    Er hörte ihre Worte, aber gerade mehr durch ein Pfeifen hindurch. Irgendetwas an ihrer Art, wollte ihn zugleich in Vorsicht versetzen, und andererseits Neugierde entfachen. Wann machte er schon mal etwas kluges? Nur weil es Sicherer schien?

    " Nein, es hängt nicht davon ab, aber es hilft ungemein, nicht zusätzlich noch ungepflegt auszusehen, wenn man in eine Taverne geht." erklärte er und seine Hand fuhr wieder an seinen Kopf. Er hörte ihre Entrüstung und musste erneut hörbar schmunzelnd ausatmen. Warum machte der Hafen um die Uhrzeit eigentlich schon so einen Lärm? Der Boden fühlte sich ungemein instabil unter seinen Füßen an. Eigentlich sollte er verärgerter darüber sein, dass die Münzen weg waren, oder irgendwo unter dem Bretterhaufen begraben. Doch das wichtigste, war doch dass dem kleinen Kerlchen in seinem Kragen nichts passiert war. Kurz rückversichernd, strich er durch das Fell des Eichhörnchens und sah wieder auf als sie sich den Mantel glatt strich.

    " Darauf sieht man aber den ganzen Straßenstaub." entgegnete er Schulterzuckend und musterte sie dann erneut. Nevio Blickte auf den Holzstapel und wieder zurück zu der deutlich kleineren Gestalt.

    " Was hast du hier eigentlich gemacht?.. Also.. Da?" fragte er nun perplex und deutete auf den Trümmerhaufen. Sein Mund fühlte sich unglaublich trocken an, bisher war ihm das nicht aufgefallen, doch jetzt wo er sich den Rucksack schulterte und sein Blick auf eine Flasche am Boden fiel kratzte jedes Wort in seinem Hals. " Du hast nicht zufällig was zu trinken?"

  • Ein Herumtreiber, der Wert auf sein Äußeres legte. das war definitv mal etwas Neues. Musternd wanderte ihr Blick über die abgetragene und oft geflickte Kleidung, die er trug, selbst der Rucksack schien schon einiges gesehen zu haben. Ihre eigene Kleidung war wohl ebenfalls mitunter etwas abgetragen, doch sie achtete darauf, dass sie keine Löcher hatte, durch die Licht dringen könnte. Außerdem war es immer riskant, wenn jemand etwas sah, das er nicht sehen sollte.

    Besser auch, man arbeitete gleich mit mehreren Schichten, so lief man noch weniger Gefahr, dass irgendetwas passieren mochte. „Den kann man sich ja auch abends wieder heraus klopfen, wenn einen ein wenig Staub so stört.“, meinte sie mit schief gelegtem Kopf. Ja, er legte wirklich Wert auf sein Äußeres, soviel war klar. Als ob es einen großen Unterschied machte, welchen Eindruck die Menschen von einem hatten, wenn sie einem ja doch mit einem Naserümpfen die Rücken zukehrten, egal wie gepflegt man auch daher kommen mochte.

    Kurai folgte seinem Fingerzeig mit dem Blick, schaute ohne großes Interesse auf den Bretterhaufen. „Dein Haustier oder was immer hat mich angesprungen. Das solltest du ihm vielleicht mal abgewöhnen.“, meinte sie gleichgültig, auch wenn sie insgeheim zugeben musste, dass das Eichhörnchen tatsächlich ganz niedlich war. „Und dann liegt da einer wie tot unter den Brettern.“, zuckte sie mit den Schultern, mehr gab es ja wohl nicht zu sagen. Sie würde ihm sicher nicht auf die Nase binden, dass sie sich jemand lohnenderen erhofft hatte. Jemand, dem sie Schmuck und Geldbörse hätte abnehmen können. „Und wenn es so wäre..?“, fragte sie ohne wirklich damit zu rechnen, dass er eine Bezahlung oder Gegenleistung anböte. Zugleich machte sie aber auch keine Anstalten, ihren halb vollen Wasserschlauch hervor zu kramen, sondern sah den Fremden weiterhin mit verschränkten Armen an.

  • Nevio hob bemerkend eine Augenbraue, als der Blick der verhüllten Gestalt offensichtlich mustern über ihn wanderte.

    "Natürlich, ließe er sich herausklopfen." merkte er Schulterzuckend an. Doch Schwarz war einfach nicht seine Farbe, zumal es auf den langen Wanderungen nur ausbleichen würde und schließlich Grau sein würde. Grau wie Straßenstaub....


    Die Tonlage der jungen Frau veranlasste ihn, Kurz das Kinn an die Brust zu legen, um in seinen Kragen zu schauen.

    " Das Eichhörnchen ist nicht mein Haustier." stellte er nach der Bemerkung klar. " Und, dass es dich böswillig angesprungen hat, halte ich für dreiste Unterstellung.." Es war mehr ein nörgelndes Murmeln, denn er erwartete in seinem Selbstgespräch garnicht, dass sie ihm dabei überhaupt zuhörte.

    Doch bei ihrer Offenbarung spitzte Nevio die Ohren.

    " Dann würde ich Euch freundlich um ein Schlückchen bitten, um meine trockene Kehle zu benetzen, nachdem ich Opfer eines äußerst unfairen Überfalles geworden bin." nickte er entschlossen.

    " Das würde von eurer Güte und Nächsten liebe Zeugen. Andernfalls, müsste ich mir wohl einen Brunnen suchen. - " noch während er sprach, merkte er, dass seine schmeichelnden Worte keinesfalls fruchteten.

    " Ooooder, ich bedanke mich bei der unheimlichen Kapuzengestalt, für den Weckruf.. uuund mache mich tatsächlich auf die Suche nach etwas Wasser." beschloss er nun nickend deutete über seine Schulter und klatschte einmal kurz beschließend in die Hände, was zur Folge hatte, dass etwas Staub von seiner Kleidung aufstob. Eilig begann er sich auszuklopfen, doch schindete er nur etwas Zeit. Er wollte das rechte Bein eigentlich nicht belasten und schon garnicht so aus der Gasse heraustreten. Er glaubte zwar nicht, dass der Matrose noch immer da draußen lauerte, doch eigentlich hatte er hier in Niralenar Arbeit suchen wollen... Und wer würde ihn einstellen, wenn er wie ein Vagabund aussah?

    " Ich habe tatsächlich nichts, dass ich als Gegenleistung anbieten könnte, außer meine Hände und einen guten Arbeitswillen." zuckte er mit den Schultern.

  • Irritiert hob die Magierin eine Augenbraue. Doch nicht sein Haustier..? Wollte er damit sagen, er hatte das Tierchen einfach irgendwo aufgeklaubt..? An was für eine merkwürdige Art von Mann war sie hier geraten..? Welchen Vorteil brachte ihm sowas ein, wo er offensichtlich doch selbst kaum genug zu beißen hatte..?
    Bei seinen nächsten Worten musste sie sich ernstlich davon abhalten, zu prusten. Güte und Nächstenliebe waren wohl das Letzte was irgendjemand je mit ihr in Verbindung gebracht hatte. Tatsächlich war es lange her, dass überhaupt jemand länger mit ihr gesprochen hatte, ohne ihr irgendetwas zu unterstellen oder sie zumindest mit tief sitzendem Verdacht auf was auch immer für Missetaten demjenigen gerade durch den Kopf gehen mochten, anzusehen. Sie war es derart gewohnt, dass es sich direkt merkwürdig anfühlte, dass dieser kauzige Eichhörnchendresseur es nicht tat. Auch wenn dieses Bewusstsein sie noch nicht gänzlich erreicht hatte, so musterte sie ihn doch weiterhin aufmerksam, als hätte sie lange Zeit keinen Menschen mehr gesehen und müsste sich erst wieder an den Anblick gewöhnen.
    Schließlich konnte sie ein Schnauben bei seinen letzten Worten nicht unterdrücken. "Siehst du, vielleicht liegt genau da dein Problem. Wenn du dich so präsentierst.. stellst du dich ja quasi als perfekten Kandidaten vor, von dem nächsten Holzkopf ausgenutzt und ausgenommen zu werden. Hat dir nie jemand erklärt wie diese Welt funktioniert..? Wenn du den Leuten die Möglichkeit gibst.. werden sie sie nutzen, ganz einfach. Schön, du willst 'Güte und Nächstenliebe'? Hier hast du meinen gut gemeinten Rat: Komm ihnen zuvor. Ansonsten wird das nicht das letzte Erwachen unter einem Trümmerhaufen gewesen sein."
    Sie wusste nichteinmal, weshalb sie soviel sagte. Sie könnte ihn genausogut einfach stehen lassen. Sie sollte sich sowieso einen Unterschlupf für den Tag suchen, der sicher und möglichst dunkel war. Was tat sie überhaupt noch hier..? Ihr Blick wanderte auf die Straße hinaus.. widerlich hell beschienenes Pflaster, das auch noch reflektierte. Vielleicht könnte sie irgendwo einen verlassenen Dachstuhl finden.. oder eine der ungenutzen Lagerräume am Hafen stünde 'zufällig' offen. Ein leises Schnarchen verriet ihr, dass zumindes Shitsu bereits sein Lager für die Nacht in ihrer Kapuze aufgeschalgen hatte. Na wunderbar, konnte er nicht wenigstens warten, bis sie auch etwas gefunden hatte..?

  • Als Kurai ihre Vermutung anstellte, dass er sich ausnehmen lassen würde, musste er Schmunzeln.

    " Oder ich nehme andere aus, und mache es so geschickt, dass es ihnen nicht auffällt sondern sie denken, sie hätten mich ausgenommen, haben es aber garnicht?" Ein wenig überheblich legte er den Kopf schief und zupfte ordnend an den verkohlten Strähnen. " Vielleicht, muss ich diese Welt nicht kennen, um sie für mich zu nutzen?" Neckend hob er eine Augenbraue. Vielleicht verwirre ich aber auch nur nette Schattengestalten und schere mich nur nicht darum, ob ich ausgenommen werde, solange ich mich damit nicht benachteiligt fühle? Zumal, es mich doch ein wenig überrascht, dass Ihr Euch um einen Landstreicher wie mich bemüht." Denn das war schon seltsam. Die Frau wirkte nicht wie jemand die sonderlich gesellschaftlich unterwegs war wie er zuvor schon bemerkt hatte. Warum unterhielt sie sich also mit ihm? Erhoffte sie sich etwas? Er ergriff sich also eine der dünnen Stäbe, die wohl mal eine Halterung für getrockneten Fisch als Bestimmung hatten und prüfte ihn auf die Stabilität. " Dürfte Ich stattdessen Euch wohl auf einen Frisch gefangenen Obstkorb einladen?Vielleicht ließe sich dieser gegen Frisches Wasser eintauschen?" fragte er und zog aus seiner Tasche einen kleinen recht großen Haken, unmöglich dafür gemacht um Fische zu fangen und eine Dünne aber feste Schnur heraus und begann trotz allem eine Angel daraus zu basteln.

  • Mit erhobener Augenbraue hörte sie ihn an. Zumindest schien er keiner von den Gänsen zu sein, die sich nur zu leicht um ihr Hab und Gut erleichtern ließen. Und hatte er sie gerade 'nett' genannt..? Ihre Augenbraue wanderte bei diesem Wort noch weiter nach oben. "Also.. landest du immer angekokelt und bewusstlos in einer Seitengasse, nachdem du erfolgreich jemanden übervorteilt hast..? Oder nachdem eine Nacht zu deiner Zufriedenheit zuende gegangen ist..?", konterte sie seine Worte und legte nun ihrerseits den Kopf schief. "Ich bemühe mich nicht. Ich unterhalte mich, das ist ein Unterschied." Und dann schien er sich doch tatsächlich eine Art.. Angel..? zurecht zu basteln.. "Einen Obstkorb..?", fragte sie und machte einen kleinen Halbkreis um den 'Landstreicher', wie er sich selbst schon betitelt hatte herum. "Vielleicht ließe ich mich auf einen Tausch ein, Mister Landstreicher.. aber nur weil ich sehen will, wie dus anstellst.", erklärte sie kurz entschlossen. Sie rechnete nicht mit viel, dennoch war sie neugierig genug geworden.. den Schlaf noch etwas nach hinten zu schieben. Sie hoffte nur, dass er nicht gerade vorhatte.. durch die hellsten Straßen zu wandern dafür. Das grelle Tageslicht war so schon unangenehm genug, sie hatte wirklich keine Lust, sich dem länger als unbedingt nötig auszusetzen.